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Zur Entwicklung einer allgemeinen Theorie
Seminararbeit
im Fach Soziologie
an der
Universität der Bundeswehr Hamburg
vorgelegt von
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2.1 Die Auswirkungen des sozialen Netzwerks auf die Massenkommunikation
2.2Differenzierung des Gewaltbegriffs
2.3 Entwicklung der Gewaltdarstellung – der heutige Stand
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3.1 Zur Wirkung von Gewaltdarstellungen auf das Verhalten von Kleinkindern
3.2 Der „Two Step flow of communication“
3.3 Auswirkung der Gewaltdarstellung auf Jugendliche
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Die Diskussion über die Auswirkung von Gewaltdarstellungen in den Massenmedien auf eine potenzielle Kriminalisierung von Jugendlichen ist ein Thema, welches immer wieder durch unterschiedliche Auslöser, sprich: Gewaltdelikte Jugendlicher nach Vorlage des Fernsehens, in der Öffentlichkeit auftaucht. So zum Beispiel betrat am 26. April 2002 Robert S. mit einer Pumpgun und einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe bewaffnet das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Er war mit einem schwarzen Ninja-Kostüm bekleidet. Im Schulzentrum schoss Robert S. gezielt auf Lehrer und Erwachsene und tötete hierbei 13 Lehrer, zwei Mitschülerinnen und einen zur Hilfe gerufenen Polizisten mit gezielten Schüssen, bevor er von einem Lehrer in einen Klassenraum gesperrt werden konnte, in welchem Robert S. sich schließlich selbst richtete. Seinen Amoklauf plante Robert S. seit ca. einem halben Jahr. Robert S. war begeisterter Spieler des Computer-Krieg-Spieles „Counter-Strike“ und Fan der Death Metal- Band „Slipknot“. Diese Aspekte sollen auf seine tödliche Entscheidung Einfluss genommen haben. So sehen die einen die neuen Massenmedien, so zum Beispiel das Fernsehen und das Internet, als Gefahren an, welche die Kultur zerstören und eine Bedrohung für die Menschheit darstellen, die anderen bestreiten eben diese Befürchtungen und sehen keine gefährlichen Auswirkungen der neuen Massenmedien auf die Menschen. Die Wirkung von Gewaltdarstellungen wird schon seit geraumer Zeit diskutiert: schon im antiken Griechenland wurde darüber nachgedacht, ob Märchenerzähler den Kindern durch Geschichten über Gräueltaten falsche Gedanken zuführten, die diese eigentlich nicht haben sollten. Deshalb sollten ,,nur die guten Märchen (...) eingeführt werden" und ,,die Dichter von Märchen und Sagen beaufsichtigt werden" Ich möchte in meiner Arbeit die Schwerpunkte auf das Fernsehen und Kriegs-Computerspiele legen, weil diese Medien in Bezug auf die Verbreitung und die Effekte von Gewaltdarstellungen scheinbar die wichtigsten Medien darstellen. Ferner werde ich auf die möglichen Auswirkungen von Metal-Musik und Fantasy-Rollenspielen auf kriminelle Handlungen eingehen.
Bei meinen Ausführungen werde ich eine kurze Übersicht über die Gewaltdarstellung in den Medien und deren Entwicklung geben und mich ferner mit den Auswirkungen dieser Darstellungen befassen. Es gibt hierbei eine Vielzahl von potentiell kriminalisierenden Medien, so zum Beispiel Kriegsvideospiele, Black-Metal- und Death-Metal-Musik, gewaltverherrlichendes Fernsehen, Fantasy-Rollenspiele und vieles mehr.
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Abb.1
Das soziale Netzwerk einer Person besteht aus formalen und persönlichen Beziehungen, welche soziologisch zwar getrennt beobachtet werden können, in der gesellschaftliche Realität jedoch häufig gemischt auftreten. Formale Beziehungen binden den Menschen in Funktionssysteme ein, welche zur Erfüllung gesellschaftlicher Aufgaben dienen. Die Teilnehmer der Beziehung agieren stets sachlich und neutral in formalisierten Rollen. Beispiele für formale Beziehungen sind Dienstleistungs-, Verwaltungs- oder Arbeitsbeziehungen. Persönliche Beziehungen binden in soziale Systeme oder Kollektive ein, welche ein Gefühl der Nähe und Verbundenheit durch die Gemeinsamkeiten der Gruppenmitglieder vermitteln. In den persönlichen Beziehungen unterschieden wir zwischen starken und schwachen Bindungen. Starke Bindungen sind gekennzeichnet durch starke Emotionalität, außerdem besitzen die Teilnehmer einer starken Bindung gemeinsame Interessen. Beispiele für starke Bindungen sind die Bindung zwischen zwei Ehepartnern oder die Bindung im engeren Freundeskreis. Schwache Bindungen hingegen beinhalten bloß sehr wenig Emotionalität und Intimität, der geringe Zeitaufwand für den Gegenüber ist gekennzeichnet durch ein ausschließlich temporäres Eigenengagement. Beispiele für schwache Bindungen sind entfernte Verwandte oder Nachbarn.
Ist dieses soziale Netzwerk nicht oder nur sehr gering vorhanden, kann bei der betreffenden Person soziale Einsamkeit auftreten. Ein Gefühl des „Ausgeschlossenseins“ wird sich einstellen. Diese sozial isolierte Person besitzt somit
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ein psychisches Problem, da sie keine Kontrolle des eigenen Verhaltens mehr durch Andere, Teilnehmer seines sozialen Netzwerkes, erfährt. Folglich wird das Verhalten dieser Person durch das Umfeld nicht mehr reguliert, es scheint für die betreffende Person keine Grenzen im Verhalten mehr zu geben, sie hat „nichts mehr zu verlieren“. (vgl. Döhring, 1999, Kap. 8)
Die Auswirkung der Massenkommunikation auf die Gesellschaft kann in meinem Aufsatz nicht vollständig behandelt werden, da das Thema eindeutig zu komplex ist, um es mit Anspruch auf Vollständigkeit auf dem mir begrenzten Raum darzustellen. Ich bin deshalb gezwungen, zuerst einige allgemeine Prinzipen der Auswirkung von Massenkommunikation zu nennen, auf welche ich mich später detaillierter beziehen werde. Ich werde näher auf das Problem eingehen, wie unterschiedlich Menschen auf die gesehene und zum Teil erlebte Gewalt reagieren und diese verinnerlichen bzw. verarbeiten.
Zuerst möchte ich jedoch erwähnen, dass jeder Mensch, unabhängig von seinem Alter, dem Geschlecht oder der Herkunft, ein Individuum ist. Jeder Mensch ist in ein soziales Netzwerk eingebunden, hierdurch geprägt und „sozialisiert“ worden. Das soziale Netzwerk „bewertet“ das gezeigte Verhalten und gibt dem Individuum eine (positive oder negative) Rückmeldung. Außerdem ist es eine Quelle der Wertschätzung, Liebe und Anerkennung durch Andere; das soziale Netzwerk kann somit als „soziales Kapital“ bezeichnet werden. Durch die ihm ausgesetzten Einflüsse, welche seine Umwelt und sein soziales Netzwerk für ihn bereithält, erwirbt jeder Mensch eine eigene Meinung, Wertvorstellungen und Ideale. Wenn zum Beispiel ein Mensch in einem Restaurant ein Gericht bestellt, hat diese Person in der Regel bereits beim Bestellen eine genaue Vorstellung davon, ob ihr das Essen schmecken wird oder nicht. Wenn beispielsweise eine Person von den Freunden zum Fußballgucken eingeladen wird, ist sich diese Person bereits im Klaren darüber, ob sie Fußball mag oder nicht.
Die Auswirkungen von Massenmedien gehen jedoch nicht so weit, dass sie diese sozialisierten Einstellungen und Wertvorstellungen vollkommen verändern können. Ein Kriegsfilm lässt den Betrachter noch lange nicht zur Waffe greifen und diese gegen seinen unliebsamen Nachbarn richten. Es findet jedoch eine Art der „selektiven Wahrnehmung“ statt: Menschen schauen eher diese Sendungen im Fernsehen, hören lieber diese Musik oder spielen lieber diese Spiele, die mit ihren ihnen innewohnenden Einstellungen und Werten sympathisieren. So wird wahrscheinlich ein Anhänger der Death Metal-Szene nicht den ortsansässigen Volksmusik- Sender im Radio hören und entsprechend wird sich der Volksmusik-Liebhaber verhalten.
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Christian Peters, 2002, Kriminalisierung von Jugendlichen durch Massenmedien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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