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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 2
2. Einführung in die Epoche des Expressionismus Seite 4 und den historischen Kontext
3. Expressionismus und Krieg Seite 7 3.1 Lyrikanalyse , Seite 12
Albert Ehrenstein: „Der Kriegsgott“ 3.2 Lyrikanalyse ,, Seite 15 Kurt Heynicke „Angriff“
4. Expressionismus und Aktivismus Seite 17
5. Schlußbetrachtungen und Fazit Seite 29 Literaturverzeichnis Anhang
- Albert Ehrenstein: „Der Kriegsgott“
- Kurt Heynicke: „Angriff“
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1. Einleitung
Ich habe mich für „Expressionismus und Politik“ als Thema meiner Hausarbeit entschieden, wobei Politik als weit gefaßter Bereich zu verstehen ist, neben den Beziehungen des Expressionismus zur „gängigen“ Politik ziehe ich auch noch die Bereiche Krieg und die Revolution von 1918 heran, weil sie für mich einen nicht voneinander zu trennenden Komplex ergeben.
Interessant ist bei dieser Thematik vor allem die Fragestellung, inwiefern sich der Expressionismus dem Krieg gegenüber positionierte, trägt jener doch in sich die Forderung nach Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, nach Aufbruch in eine neue Zeit, nach Wandlung, und dieser durchaus das Potential zur Verwirklichung all dessen. Manifeste und Stellungnahmen expressionistischer Künstler aus dieser Zeit sollen mir hierbei Aufschluß darüber geben.
Abgesehen von der Positionierung der Dichter diesem Ereignis gegenüber reizt mich herauszufinden, wie genau sich der Krieg in expressionistischer Lyrik und Prosa widerspiegelt, also welche formalen Mittel benutzt, welche Metaphern geschaffen werden. Dazu werde ich zwei Gedichte bekannter Expressionisten auf Inhalt und Form hin analysieren.
Ferner möchte ich gerne beleuchten, inwiefern der Expressionismus politisch war; daß er es war, stand schon nach relativ kurzer Zeit der Beschäftigung mit diesem Thema für mich fest; worin sich das Politische jedoch genau ausdrückte, blieb herauszufinden. War die „politische Stoßrichtung“ eher links oder rechts? Lassen sich hier generelle Aussagen treffen oder muß von Dichter zu Dichter, von Zeitschrift zu Zeitschrift differenziert werden?
Ausgehend von der Annahme, zur Charakterisierung gerade dieser Epoche sei Dichtung nicht von außerpoetischen Dokumenten zu trennen, bediene ich mich bei meiner Untersuchung eben solcher außerpoetischen Zeugnisse, auch wenn sie nur geringe literarische Qualität besitzen. Ebenso möchte ich neben der Lyrik andere Gattungen heranziehen, namentlich die Prosa und hier vor allem Aufsätze, des Weiteren auch gelegentlich einige Vertreter der bildenden Künste.
Des Weiteren werde ich die Bereiche Aktivismus und Revolution nicht, wie in der Literatur üblich, voneinander trennen, sondern zusammen betrachten, da sich hier interessante Erkenntnisse sammeln lassen, wie sich das politische Moment des Ex- pressionismus innerhalb einiger Jahre wandelte.
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Im Bewußtsein der Tatsache, diese Thematik nicht erschöpfend behandeln zu
können, möchte ich vielmehr exemplarisch vorgehen, anhand von Einzelbeispielen
untersuchen, wie verschiedene expressionistische Dichter oder diesen nahestehende
Personen dachten in Bezug auf die drei Themen Krieg, Aktivismus und Revolution.
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2. Einführung in die Epoche des Expressionismus und den historischen Kontext
Der Expressionismus als Epoche der Literatur, der bildenden Künste und des Films währte ca. 10 Jahre lang, von 1910 - 1920. Genaue zeitliche Abgrenzungen sind, wie bei jeder anderen Kunstepoche auch, kaum möglich. „Die Zeitschrift, ein Produkt der Aufklärung, wurden in diesem Jahrzehnt zwischen 1910 und 1920 Sammelbecken aller literarischen Tendenzen, die jung und neu waren. >...@ Fast hundert Neugründungen lassen sich nachweisen. >...@“ 1 1910 erschienen die ersten expressionistischen Zeitschriften, ab 1920 begann ihr rapider Niedergang. 2 Vielleicht läßt sich anhand dieser Entwicklung der Expressionismus zeitlich am ehesten eingrenzen. Der Expressionismus ist im Wesentlichen eine deutsche Erscheinung, wobei auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Polen expressionistische Künstler wirkten. Die Zentren befanden sich jedoch mit Berlin, Leipzig und München in Deutschland.
Eine Besonderheit, die dem Expressionismus zu Eigen ist, ist die, daß fast alle seine Vertreter unter dreißig Jahren waren.
Die Zeit selbst, in die der Expressionismus hinein fiel, war eine Zeit des Umbruchs. Tiefgreifende Umwälzungen fanden statt, sowohl auf der technischen, naturwissenschaftlichen Ebene als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Die Moderne war in ihrer vollständigen Verwirklichung begriffen und als ein Teil von ihr entwickelten sich Entfremdungstendenzen des Menschen gegenüber sich selbst, die Selbstdisziplinierung des Menschen im Kapitalismus, die Verelendung breiter Schichten als Proletariat, die Herrschaft der Zeit und der Primat der Produktion, die territorialen Gelüste der einzelnen Nationalstaaten und endlich der Nationalismus als Kompensation all dieser Zerfallserscheinungen der bisherigen Gesellschaftsordnung. Das Wilhelminische Deutschland, in dem der Expressionismus entstand, stellte eine konstitutionelle Monarchie mit pseudo - parlamentarischem Charakter dar. Wichtige Bereiche der Staatspolitik (Außenpolitik, Verteidigungspolitik u. a.) unterstanden dem Kaiser direkt. Dessen Politik besaß stark nationalistisch, chauvinistisch und imperialistische Züge. Das allgemeine politische Klima in Deutschland trug dem Rechnung: Man forderte für Deutschland einen „Platz an der Sonne“, erwarb zahlreiche
1 Paul Raabe (Hrsg.): Ich schneide die Zeit aus. Expressionismus und Politik in Franz Pfemferts Aktion. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1964, S. 8
2 John Willet: Expressionismus. München: Kindler Verlag GmbH, 1970, S. 133
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Kolonien, rüstete gewaltig auf und beanspruchte, als Weltmacht wahrgenommen zu werden.
Im Innern gab es zu dieser Zeit wachsende Probleme mit der Arbeiterschaft, die sich zunehmend zu emanzipieren suchte, oft aber gewaltsam unterdrückt wurde. Am 1. August 1914 erklärte Deutschland dann Rußland und Frankreich den Krieg, in den später alle europäischen Nationen und weitere aus Übersee eintraten. Der 1. Weltkrieg begann.
In Deutschland selbst herrschte zu Beginn des Weltkrieges unter weiten Teilen der Bevölkerung eine sehr euphorische Stimmung diesem gegenüber. Dies änderte sich jedoch, nicht nur, weil der Charakter dieses ersten Krieges des 20. Jahrhunderts zu Tage trat: Lange, oft aussichtslose Materialschlachten mit tausenden Toten, Einsatz von Giftgas und Panzern, generell eine industrialisierte Kriegführung, die kaum etwas mit der vorausgegangenen Propaganda gemeinsam hatte. Im Oktober des Jahres 1918 meuterten die Matrosen der deutschen Hochseeflotte und begannen mit der Bildung revolutionärer Soldatenräte, die sich am Vorbild der erfolgreichen russischen Oktoberrevolution von 1917 orientierten. Die revolutionäre Stimmung griff auf ganz Deutschland über, in München wurden ebenfalls Arbeiter- und Soldatenräte gegründet, in Berlin wurde die Abdankung des Kaisers und die Ausrufung der Republik durch den Sozialdemokraten Phillip Scheidemann verkündet. Die Regierungsgeschäfte wurden an den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert, übergeben. Mit Hilfe des Militärs gelang es Ebert, die revolutionären Räte und ihre Führer zu entmachten. Im August 1919 trat die Verfassung der Weimarer Republik in Kraft. Der Expressionismus reagierte auf diese Zustände sehr sensibel und machte sie zu Inhalten seiner künstlerischen Produkte. Neben oben erwähnten Thematiken, die direkt oder indirekt vom Expressionismus aufgenommen wurden, läßt sich generell eine Untergangsstimmung festmachen (J. v. Hoddis` „Weltende“ als charakteristisches Gedicht), der Verfall wird thematisiert ( vor allem G. Benn), die Großstadt, der Vater - Sohn - Konflikt (A. Bronnen: „Vatermord“), wobei aber auf eine individualistische Darstellung verzichtet wurde zugunsten einer Typisierung. Selten wurde auf individuelles Leiden eingegangen, dieses wurde vielmehr transzendiert und auf das Leiden der Menschheit im allgemeinen, im abstrakten Sinn übertragen. So ist dann auch „der Mensch“ einer der Schlüsselbegriffe des Expressionismus. Andererseits ist der Expressionismus aber auch gekennzeichnet durch eine frene- tische Erneuerungshoffnung, die sich aus dem erwarteten Zusammenbruch der „alten
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Welt“, des Kaiserreichs, ergab und welche sich schließlich in dem Drang nach politischer Mitsprache ausdrückte. Diese Ambivalenz der Positivität und Negativität macht eine exakte Definition des Expressionismus sehr schwer, „das Schlagwort und der Epochenbegriff „Expressionismus“ gelten auch nach jahrzehntelanger extensiver Forschung als provisorisch. >...@“. 3 Eine Abgrenzung fand allerdings gegenüber den bisherigen Kunstströmungen statt, vor allem gegenüber dem Impressionismus, dem Naturalismus, dem Jugendstil, der Heimatkunst u. a.
Formal zeichnet sich der (lyrische) Expressionismus durch den Verzicht auf den Reim, die konventionelle Grammatik und die geläufige Syntax aus. 4 Bekannte expressionistische Autoren waren Johannes R. Becher, Gottfried Benn, Albert Ehrenstein, Iwan Goll, Georg Heym, Rudolf Leonhard, Ludwig Rubiner, Karl Otten, René Schickele, Ernst Stadler, August Stramm, Georg Trakl, Franz Werfel, Paul Zech u. a.
3 Thomas Anz / Michael Stark (Hrsg.): Expressionismus. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1910 - 1920. Stuttgart: J. B. Metzler Verlag, 1982, S. 1 (des Vorwortes)
4 vgl.: Wilhelm Große: Blickpunkt. Text im Unterricht. Expressionistische Lyrik. Hollfeld: Joachim Beyer Verlag, 1996, S.17 ff.
Arbeit zitieren:
Christoph Eyring, 2004, Expressionismus und Politik, München, GRIN Verlag GmbH
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