Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
2 Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -
Das Beispiel Euroregion Pomerania
Inhalt
1 Einleitung 4
2 Kreative Milieus und Innovationsnetzwerke 5
2.1 Regionale Innovationsnetzwerke 6
2.2 „Kreative Milieus“ 7
3 Rolle von Technologiezentren in Innovationsnetzwerken 9
3.1 Einbindung in Innovationsnetzwerke 10
4 Grenzregionen 12
4.1 Defizite und Barrieren von Grenzregionen 13
4.2 Stärken und Potenziale von Grenzregionen 14
4.3 Zwischenfazit - Aspekte des Innovationstransfers in Grenzregionen 14
5 Rahmenbedingungen in der Euroregion Pomerania 16
5.1 Wirtschaftsstruktur 17
5.2 Forschungsinfrastruktur 18
6 Untersuchung der regionalen Technologiezentren 20
6.1 Lokale und regionale Vernetzung 24
6.2 Grenzüberschreitenden Vernetzung 27
7 Bewertung der Technologiezentren hinsichtlich ihrer
Netzwerkaktivit äten 30
7.1 Lokale und regionale Vernetzung 30
7.2 Grenzüberschreitende Vernetzung 31
8 Resümee - Grenzüberschreitende Vernetzung von Technologiezentren
33
3
Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
1 Einleitung
Der Entwicklung von Grenzregionen kommt innerhalb der Europäischen Union traditionell eine hohe Bedeutung zu. Sie bieten spezifische Möglichkeiten hinsichtlich des grenzüberschreitenden Austausches zwischen Staaten, besitzen jedoch aufgrund ihrer peripheren Lagen auch besondere Defizite und Erfordernisse. Mit dem EU-Beitritt der Staaten Mittel- und Osteuropas eröffnen sich auch für die vormals peripheren Regionen des deutsch-polnischen Grenzraums neue Entwicklungsperspektiven. Bislang sind positive Effekte des grenzüberschreitenden Austausches weitgehend an den grenznahen Räumen dies-und jenseits der Oder vorbeigegangen. In zunehmendem Maße wird die Rolle als Grenzregion mit den damit verbundenen Möglichkeiten und Chancen jedoch auch hinsichtlich regionaler Entwicklungspolitik wahrgenommen. Dieser Beitrag zeigt auf, inwiefern Potenziale der grenzüberschreitenden Vernetzung im Bereich des Innovationstransfers zwischen Brandenburg und Polen in der Euroregion Pomerania bestehen und welche Rolle regionale Technologiezentren dabei spielen. Dazu werden die theoretischen Konzepte zu kreativen Milieus und regionalen Innovationsnetzwerken im Zusammenhang mit Technologiezentren als intermediärer Akteur im Innovationsprozess umrissen, um deren Bedeutung als Ansatzpunkt für die regionale Entwicklungspolitik zu unterstreichen. Darauf aufbauend soll die Situation allgemein in Grenzregionen sowie in der Euroregion Pomerania und der dort vorhandenen Technologiezentren dargestellt werden. Ziel ist es, den Umfang und die Qualität der regionalen und grenzüberschreitenden Vernetzung der Technologiezentren in der Region zu analysieren. Im Ergebnis geht es um zwei wesentliche Fragen: Besitzen beide Teile der Grenzregion endogene Entwicklungspotenziale, wie beispielsweise durch vergleichbare Branchen- und Forschungsschwerpunkte, die durch grenzüberschreitende Kooperation genutzt werden können, sodass eine Vernetzung zwischen den Innovationsträgern diesseits und jenseits der Grenze sinnvoll erscheint? Sind die regionalen Technologiezentren in der Lage innerhalb von grenzüberschreitenden Netzwerken die Rolle als Schlüsselakteure im Netzwerkmanagement zwischen den verschiedenen Innovationsträgern in der öffentlichen Verwaltung, in Forschungseinrichtungen und in der Privatwirtschaft einzunehmen?
4 Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
2 Kreative Milieus und Innovationsnetzwerke
Innovation wird als ein dynamischer und kumulativer Prozess angesehen, in dem neue Produkte, Dienstleistungen oder organisatorische Strukturen entwickelt werden. Dabei spielen die Interaktionen zwischen den verschiedenen regionalen Firmen und der damit verbundene Transfer von Informationen und Wissen für den Innovationsprozess eine entscheidende Rolle (Maillat 1991, S.115f). Da Wissen innerhalb und außerhalb von Unternehmen und Akteuren, wie öffentliche und halböffentliche Forschungseinrichtungen entsteht und in Netzwerken synergieerzeugender Verflechtungen verteilt und genutzt wird, kann Innovation als ein systematischer Prozess aus interaktiven Lernprozessen angesehen werden (Zenker 2001, S.144). Neben technischen Lösungen und Infrastruktur müssen somit auch die sozialen Interaktionsprozesse berücksichtigt werden, aus denen das Milieu einer Region resultiert (Sternberg, 1995, S.52).
Der Milieubegriff wurde u.a. von der europäischen Forschergruppe GREMI (Groupe de Recherche Européen sur les Milieux Innovateur) seit 1985 entwickelt. Als Hauptmerkmal wurde dabei die Bedeutung der Verflechtungsbeziehungen für Milieus abgeleitet. Camagni definiert das Milieu als
„[…] the set, or the complex network of mainly informal social relationships on a limited geographical area, often determining a specific external ‘image’ and a specific internal ‘representa ion’ and sense of belonging, which enhance the local t
innovative capability through synergetic and collective lea ning processes.“ r (Camagni 1991, S.3).
In dieser Definition sind im Zusammenhang mit sozialen Interaktionsprozessen in Form von Netzwerken neben Imageproduktion und einem Zusammengehörigkeitsgefühl, vor allem Charakteristika von kreativen Milieus, wie die beschränkte räumliche Ausdehnung und die verbesserten Innovationsmöglichkeiten durch kollektive Lernprozesse genannt.
Als Erklärungsansatz für die besondere Bedeutung von räumlicher Nähe dient das r Konzept der „Le nenden Region“. Dabei werden vor allem sogenannte „Spillovers“ von Wissen als Erklärung für räumliche Konzentration angesehen. Im Unterschied zu bloßen Informationen, die leicht kodiert und weltweit verbreitet werden können und so eher zur „Enträumlichung“ von Innovationen beitragen, ist Wissen meist sehr vage, schwer kodierbar und unterschiedlich interpretierbar, abhängig
5 Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
vom sozialen und kulturellem Umfeld (Audretsch 2001, S.6). Dabei stellt der Zugang zu „ungerichtetem Wissen“, sogenannten „taci knowledge“ oder „sticky t
information“ eine Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit dar (Fritsch et al 1998, S.245). Die Übertragung solcher Art von Wissen bedingt daher so genannte „Face-to-Face“-Kontakte, d.h. nachbarschaftliche Beziehungen, persönliche Bekanntschaften und kurze Kommunikationswege (Stahl/Schreiber 2003, S.29). Das Milieu stellt so die politischen und sozialen Rahmenbedingungen, die den Innovationsprozess beeinflussen dar. Es besteht aus eher informellen Beziehungsgeflechten. Um jedoch das vorhandene kumulierte regionale Innovationspotential nutzen zu können, müssen durch Netzwerkstrukturen die am Innovationsprozess beteiligten Akteure in den regionalen Innovationsprozess integriert werden. Somit wird nicht der einzelne Akteur, sondern die Region selbst verantwortlich für Innovationen (Adrian 2003, S.17). Sie dient somit als Ebene auf der Kreativität und Innovation am effektivsten realisiert werden können Andersson 1985, S.18 f). (
2.1 Regionale Innovationsnetzwerke
Als regionale Innovationsnetzwerke werden Systeme aus verschiedenen Knotenpunkten, die sich zumindest teilweise innerhalb einer räumlich begrenzten Region befinden. Dabei stellen diese Knoten Akteure in einem Innovationsprozess dar, wie z.B. innovative Unternehmen, Forschungseinrichtungen,
Technologietransferstellen, etc. (Genosko 1999, S.309). Anfangs wurden im Zusammenhang mit dem Netzwerkansatzes vorwiegend Zulieferverflechtungen von einzelnen Betrieben auf mikroökonomischer Ebene betrachtet. Erst in Verbindung mit sozialen Interaktions- und Lernprozessen fand er Eingang in die Regionalökonomie (Sternberg 1995, S.52). In diesem Zusammenhang spielen vor allem so genannte erweiterte Unternehmensnetzwerke eine wichtige Rolle, um vorhandenes Wissen oder innovative Impulse nutzbar zu machen (Adrian 2003, S.58). Im Gegensatz dazu dienen Netzwerke zwischen Gebietskörperschaften eher der Schaffung von Konsensprozessen und Kooperationsforen, als Beitrag zum Regionalen Milieu (ebenda). Erweiterte Unternehmensnetzwerke bauen somit auch auf den Ergebnissen öffentlicher Netzwerke auf oder sind miteinander verknüpft (Stahl/Schreiber 2003, S.69).
Netzwerke besitzen zwei wesentliche Funktionen: Innovation und Konservierung (Diller 2002, S.214). Zum einen sind sie im Vergleich zu anderen Arten von Organisationen und Institutionen besser geeignet, „tacites Wissen“ zu
6 Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
transportieren (Hellmer et al 1999, S.70). Daher werden ihnen innovationsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Zum anderen wirken sie durch ihren verbesserten Zugang zu Informationen und Kontrolle unsicherheitsreduzierend und somit transaktionskostenreduzierend im Hinblick auf Innovationen (ebenda S.81). „Insgesamt fördert die für Netzwerke typische Mischung aus Kooperation, Konkurrenz, Kommunikation und wechselseitigem Vertrauen sowie Lernen, regionale Innovations- und Diffusionsprozesse.“ (Diller, 2002, S.214) Jedoch besteht über die Erwartungen an Netzwerke als Mittel zur Initiierung von regionalen Innovationsprozessen innerhalb der Regionalforschung kein Konsens. Auch sind z.T. ernüchternde empirische Untersuchungen vorgelegt worden, die einen tiefgreifenden Einfluss von Netzwerken in politische und ökonomischinnovative Sphären höchstens in Ansätzen nachweisen konnten und bei denen schon vom „Mythos Netzwerk“ die Rede ist (Hellmer et al 1999, S.245ff). Jedoch wird andererseits betont, dass eventuelle Ergebnisse durch die Arbeit mit Netzwerken, die durch „weiche Faktoren“, wie Vertrauen und Know-how-Aufbau gekennzeichnet wären, nur schwer messbar sind. Darüber hinaus sind die Ansätze in der praktischen Umsetzung noch relativ neu und mit kurzfristigen Erfolgen ist ohnehin nicht zu rechnen (Bütow et al 2000, S.70).
2.2 „Kreative Milieus“
Fromhold-Eisebith versteht aktive „Kreative Milieus“ als Ergebnis einer Überlagerung von regionalen „Milieus“ und Innovationsnetzwerken. Das „Milieu“ ist von persönlichen Beziehungen gekennzeichnet, die z.T. locker und unbestimmt sein können. Erst das Vorhandensein von institutionalisierenden Netzwerkstrukturen schafft die Möglichkeit innovationsrelevantes Wissen und Informationen zu kanalisieren (Fromhold-Eisebith 1995, S.35ff). Innovationsnetze können so als Instrument angesehen werden, die positiven Externalitäten durch die gemeinschaftliche Wissensgenerierung im „Kreativen Milieu“ zu internalisieren, d.h. für die Region nutzbar zu machen (Mayntz 1993, S.45). Zusammenfassend lassen sich einige Merkmale „Kreativer Regionaler Milieus“ bestimmen:
- Vorhandensein von Akteursgruppen im Innovationsprozess, wie p ivate r
Unternehmen, öffentliche und halböffentliche Forschungseinrichtungen, lokale und regionale Behörden mit Entscheidungskompetenzen
7 Ingo Zasada, TU Berlin
Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken -Das Beispiel Euroregion Pomerania
- Netzwerk formeller und informeller sozialer Beziehungen zwischen den Akteuren
- räumliche Abgegrenztheit, Rahmenbedingungen für Face-to-Face-Kontak e t
- regionale Zusammengehörigkeit
- Zugang zu endogenem innovationsrelevantem Wissen und Informationen, sowie Lernfähigkeit der beteiligten Akteure
8 Ingo Zasada, TU Berlin
Arbeit zitieren:
Ingo Zasada, 2004, Die Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken in der Euroregion Pomerania, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Cultural Diversity in Gruppen & Teams: Notwendigkeit & Aspekte...
BWL - Unternehmensforschung, Operations Research
Hausarbeit (Hauptseminar), 46 Seiten
Cultural Diversity in Business: A Comparison between Germany and Slove...
Hausarbeit, 34 Seiten
Diversity Management – Die Integration von Grenzgängern im Unternehmen
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Ingo Zasada's Text Die Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken in der Euroregion Pomerania ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ingo Zasada hat den Text Die Rolle von Technologiezentren in grenzüberschreitenden Netzwerken in der Euroregion Pomerania veröffentlicht
Ingo Zasada hat einen neuen Text hochgeladen
Grenzüberschreitende Dienstleistungen in der Euroregion Erzgebirge
Situation, Herausforderungen, ...
Andre Gruettner, Mario Hesse, Milan Jerabek, Cornelie Kunze, Thomas Lehr, Thomas Lenk
The SS-Panzer-Aufklarungsabteilung 11 "Nordland" and the Swedish SS-Pl...
Herbert Poller, Mats Drugge, Tim Dinan
Journey through Mecklenburg-Western Pomerania
Ernst-Otto Luthardt, Tina Herzig, Horst Herzig, Faith Gibson-Tegethoff, Ruth Chitty
Ulrich Müther. Shell Constructions in Mecklenburg-Western Pomerania
Rahel Lämmler, Michael Wagner
L'Eurorégion, un processus d'institutionnalisation manqué
Récit d'une traversée entre le...
Romain Maneveau
Zur Situation des Dienstleistungsgewerbes in der Euroregion Erzgebirge
Ergebnisse einer Unternehmens-...
Cornelie Kunze, Thomas Lenk
0 Kommentare