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1 Street Scene, eine Amerikanische Oper
Street Scene wurde am 9. Januar 1947 im Adelphi Theatre in New York mit großem Erfolg uraufgeführt. Die New York Times schrieb am 26. Januar 1947:
„Oper am Broadway, Kurt Weil gelingt ein Schritt zur Vertonung eines idiomatischen
Amerikanisch
Wir hegten schon seit langem den Verdacht, dass die amerikanische Oper - im
lebendigen, zeitgemäßen Sinne des Wortes - eher aus unserem populären Theater
erwachsen würde, als aus den erhabenen Tempeln der Opernkunst. Nachdem wir
Street Scene im Adelphi Theatre sehen und hören konnten, erscheint unsere
Vermutung vollkommen gerechtfertigt gewesen zu sein. In seiner Herangehensweise
an die musikdramaturgischen Probleme ist das Stück so idiomatisch, amerikanisch,
direkt und unakademisch, wie es künstliche und unverwurzelte Oper (The Warrior von
Bernard Rogers), ebenfalls eine einheimische Produktion, die letzte Woche an der
Met gegeben wurde, eben nicht war. In der Tat, Street Scene, das Drama von Elmer
Rice, die Musik von Kurt Weill, mit Gesangstexten von Langston Hughes ist der
wichtigste Schritt in Richtung einer bedeutenden amerikanischen Oper, den dieser
Rezensent im Musiktheater bislang beobachten konnte.“ 1
Doch was macht eine „amerikanische Oper“ aus? Elmer Rice (Book und Songs) , der für sein Theaterstück Street Scene 1929 den Pulitzerpreis erhalten hatte, Kurt Weill (Musik) und Langston Hughes (Songs) hatten genaue Vorstellungen: „Eine wirkliche Verbindung zwischen Drama und Musik, in der das Singen auf natürliche Weise dort einsetzt, wo das Sprechen aufhört; und das gesprochene Wort ebenso wie die dramatische Handlung eingebettet ist in eine übergreifende musikalische Struktur.“ 2 Diese Vorstellungen setzten sie konsequent um. Der Dialog in der Oper wird zwar gesprochen, ist aber so mit Musik unterlegt, dass der Bruch zwischen Dialogen und Songs (Arien, Duette, Ensembles und wirkliche Songs) nicht spürbar erscheint. Dies nannte Weill „Fließtechnik“ und sah es als Gegenentwurf zum damals vorherrschenden Dialog-Musiknummer-Dialog - Prinzip des Broadwaytheaters. So stellt sich bei Street Scene der Nebeneffekt ein, dass dem Publikum kein Impuls für Applaus gegeben wird, der nach Weill zur Unnatürlichkeit auf dem Theater beiträgt.
1 Farneth, David; Juchem, Elmar; Stein, David: Kurt Weill Ein Leben in Bildern und
Dokumenten. Econ Ullstein List Verlag Gmbh und Co. KG, München 2000, Seite o. A.
2 Dahlhaus, Carl: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Piper, München - Zürich, Band 6,
Seite 718 ff
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Fest steht außerdem, dass Rice und Weill eine sozial engagierte, gesellschaftsbildende Oper produzieren wollten. Um dies zu erreichen, suchten sie maximale Nähe zur Realität herzustellen. Sie verknüpften das naturalistische, amerikanische Theater mit opernhafter Anlage. Zusätzlich entschieden sie sich für die aus der antiken Tragödie stammende Einheit von Zeit, Ort und Handlung.
Die sehr stringente Handlung spielt sich innerhalb von 24 Stunden - von einem Abend bis zum darauf folgenden Abend in nur einem Bühnenbild, welches eine Straße in New York zeigt, ab. Um dem Publikum auch die zeitliche Distanz zur Handlung zu nehmen, legte Rice die Handlung in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts und in ein Milieu, das dem Publikum wohl bekannt war: eine Arbeiterfamilie, genannt die Maurrants, die in einem New Yorker Mietshaus wohnen und unter Hitze, Armut, Alkohol- und Eheproblemen etc. zu kämpfen haben. Soziale Kälte ist hier Alltag. Trotz festgelegter Rollenklischees sind die Figuren sehr individuell gezeichnet und das tragische Schicksal der Maurrants ist schlüssig in das Leben der anderen Straßenbewohner eingebettet.
Durch viele Elemente von Street Scene wird man an den Verismo von z. B. Giacomo Puccini erinnert. Doch ist auf einen eklatanten Unterschied hinzuweisen: Der Tod der Protagonistin Mrs. Maurrant führt nicht - wie im Verismo üblich - zum abrupten Ende der Handlung. Stattdessen wird in Street Scene ein Perspektivenwechsel vorgenommen.
Arbeit zitieren:
M.A. Georgine Maria-Magdalena Balk, 2002, Kurt Weills "Street Scene" - Analyse der Kavatine "What good would the moon be", München, GRIN Verlag GmbH
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