Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2
2. Der Satan im Alten Testament 4
3. Der Teufel im Neuen Testament 6
4. Erste Textstelle: Q 11,15.17-20....................................................8
4.1 Text und Übersetzung 8
4.2 Analyse und Interpretation 11
4.3 Zusammenfassung 15
5. Zweite Textstelle: Q 12,4f...........................................................17
5.1 Text und Übersetzung 17
5.2 Analyse und Interpretation 18
5.3 Zusammenfassung 20
6. Dritte Textstelle: Lk 10 18 21
6.1 Text und Übersetzung 21
6.2 Analyse und Interpretation 21
6.3 Zusammenfassung 26
7. Theologisches Resümee 27
8. Ausblick 28
Abkürzungen 29
Literaturverzeichnis 30
Biblische Quellen 30
Außerbiblische Quellen 30
Hilfsmittel 31
Kommentare 31
Sekundärliteratur 31
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1. Einführung
Im Neuen Testament wird das Böse oftmals personifiziert und – ohne erkennbaren
Bedeutungsunterschied 1 – mit den Lexemen satana/ j bzw. dia, boloj bezeichnet.
Aus Letzterem wurde im Kirchenlateinischen diabolus/diabulus, im Mittellateinischen diuvalus, im Althochdeutschen „tiufal“, im Mittelhochdeutschen „tiuvel/tievel“ und schließlich unser heutiges Substantiv „Teufel“. 2 Die meisten heutigen Menschen verbinden den Teufel mit einem als altmodisch erscheinenden Aberglauben, und selbst Theologen wie der ehemalige Tübinger Alttestamentler HERBERT HAAG fordern seit einigen Jahren den Abschied vom Teufel 3 . Trotzdem glaubten 1991 nach einer internationalen Wertestudie in Westdeutschland immer noch 15 % der Bevölkerung, in den USA sogar 65 % an einen Teufel. 4 In der katholischen Theologie wird seit den 1960-er Jahren die Frage gestellt, „ob der Teufel eine reale, übernatürliche Person ist oder ein Symbol für Sünde oder eine fiktive, aus einem bildhaften hebräischen Denken erwachsene Gestalt“ 5 .
Jedenfalls werden Epilepsie und Geisteskrankheiten etwa heute auch von Christen nicht mehr als das Ergebnis dämonischer Besessenheit verstanden, obwohl Jesus und seine Anhänger in der Bibel so dargestellt werden, als glaubten sie, dass dies so sei 6 . In unserer Zeit glauben wir nicht mehr daran, dass Krankheit uns als Strafe für Sünden ereilt oder Heilung allein auf Gebete um das Eingreifen Gottes zurückzuführen ist. Gott scheint nicht mehr viel mit Krankheiten und ihrer Heilung zu tun zu haben, wenn es um Viren, Bakterien, Leukämie oder Tumoren geht, die mit Medikamenten, Chemotherapie oder Chirurgie bekämpft
1 Vgl. KLEIN u. a., 2002, 117f. „Ein Vergleich … lehrt eindeutig, daß zwischen Satan und Teufel kein
Bedeutungsunterschied besteht. Offenbar haben Mt 4,1; Lk 4,2; 8,12 für ihre Leser das hebräische ‚Satan’
regelrecht mit ‚Teufel’ übersetzt“ (118). Auch ERNST, 1967, 269: „willkürlich; eine inhaltliche Verschiedenheit ist
nicht zu erkennen“.
2 Vgl. DROSDOWSKI, 1989, 742 und KLUGE/SEEBOLD, 1995, 823.
3 Vgl. u. a. HAAG, 1980.
4 Vgl. KLEIN u. a., 2002, 137.
5 KLEIN u. a., 2002, 132.
6 Vgl. etwa Mk 5,8; 9,25. Siehe auch MEIER, 1994, 646f.655.
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werden. Es würde heute als naiv erscheinen, sich in solchen Fällen nur an die Allmacht Gottes zu wenden. 7 In unserer Arbeit geht es insbesondere um die Teufelswahrnehmung Jesu. Drei einschlägige Textstellen im Neuen Testament, die vermutlich authentische Jesuslogien wiedergeben, werden dazu nacheinander besprochen. Zunächst geben wir jeweils die griechischen Texte aus der Edition von NESTLE/ALAND wieder und lassen je eine eigenständig erarbeitete deutsche Übersetzung folgen. In den beiden Fällen, bei denen es sich um synoptische Parallelen handelt, die der Spruchquelle Q zuzuordnen sind, haben wir eine detaillierte Rekonstruktion des Q-Textes unternommen. 8 Bei dieser Rekonstruktion gab es dann eine so wesentliche Übereinstimmung mit der „Critical Edition of Q“ des International Q Project – und zudem hätte eine Begründung der einzelnen, oft Wort-für-Wort-Entscheidungen für den jeweiligen Mt- bzw. Lk-Wortlaut den Rahmen der vorliegenden Arbeit gesprengt 9 –, sodass schließlich deren bislang bestbegründeter wissenschaftlicher Text für die vorliegende Arbeit verwendet wurde. Auch hierauf folgt eine eigenständig erstellte Übersetzung. Die anschließende Analyse und Interpretation beziehen sich dann im Wesentlichen, so vorhanden, nur noch auf den rekonstruierten Q-Text. Abschließend wird jeweils eine Zusammenfassung gegeben.
7 Vgl. SPONG, 2004, 22f.
8 Hierzu haben wir vor allem LÜHRMANN, 1969 und SCHULZ, 1972 sowie die Evangelienkommentare LUZ, 1990
und BOVON, 1996 herangezogen.
9 Auch steht die Textrekonstruktion zu sehr am Rande des eigentlich zu bearbeitenden Themas.
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2. Der Satan im Alten Testament Die Schriften des Neuen Testaments sind grundsätzlich nur vom Kontext des
Alten Testaments her zu verstehen, da dieses die „Bibel“ Jesu und seiner Jünger
darstellt. Da das Alte Testament also wesentlich Jesu Teufelswahrnehmung
geprägt haben dürfte, wollen wir zunächst ansatzweise die Satansvorstellungen im
Alten Testament besprechen. 10
„Satan“ kommt im AT 27-mal als Nomen (!j" f' ) und sechsmal als Verb (!j; f' ) vor. 11
Die Grundbedeutung beim Nomen ist „Widersacher, Gegner“, beim Verb
„anfeinden, sich widersetzen, feindlich gesinnt sein“ oder auch „anklagen,
beschuldigen“. Da „Satan“ als Nomen und Verb vorkommt, kann das Lexem
keinesfalls explizit die Gestaltwerdung des Bösen meinen. Die generelle
Gleichsetzung mit dem Teufel wurde erst später – vom Christentum –
vorgenommen.
Das Nomen !j" f' findet insbesondere Erwähnung an drei Stellen: Sach 3,1-7;
Ijob 1f; 1 Chr 21,1. In der Vision Sach 3,1-7 tritt zunächst die historische Person
des Jeschua auf, die den (nachexilischen!) Titel des Hohenpriesters trägt. Gegen
diesen tritt Satan als Ankläger auf, und zwar im Widerspruch gegen Gott, der ihn
zurechtweist. 12 Im Prolog des Ijobbuches, der aus frühnachexilischer Zeit stammen dürfte,
erscheint das Nomen Satan mit Artikel am häufigsten. Der Satan wird als einer der
Gottessöhne bezeichnet und gehört damit zum Hofstaat YHWHs, in welchem er
eine herausragende Stellung einnimmt. Gott lässt wie ein altorientalischer König
seine Untertanen überwachen, weshalb dem Satan die Aufgabe zukommt, die
Loyalität der Menschen zu prüfen. Der Satan darf den bei YHWH hoch im Kurs
stehenden Ijob – allerdings mit Beschränkung! (nämlich auf den Erhalt Ijobs
10 Vgl. zum gesamten Kapitel, wo nicht anders vermerkt, WEHRLE, 2001.
11 Die einzelnen Stellen finden sich bei WEHRLE, 2001, 195.
12 Vgl. WEHRLE, 2001, 198f. Nach anderer These handelt Satan hier nicht als Widersacher Gottes, sondern als
Gottes „Beamter“, der die Gerechtigkeit repräsentiere und dessen Rolle klar zu machen habe, dass Gott in
diesem Fall Gnade vor Recht ergehen lasse, vgl. KLEIN u. a., 2002, 116.
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Lebens) – angreifen. Der Satan ist Gott keinesfalls gleichrangig, sondern deutlich
untergeordnet und kann nur auf Erlaubnis YHWHs hin handeln. Der bestimmte
Artikel deutet darauf hin, dass es sich in diesem Text bei „Satan“ um eine
Funktion, nicht um einen Eigennamen handelt.
Bei den beiden Büchern der Chronik handelt es sich um eine Neufassung der
beiden Samuel-Bücher in der Theologie ungefähr des 4. Jahrhunderts v. Chr.
Während in 2 Sam 24,1 der Zorn YHWHs entbrennt und dieser David zu einer
Volkszählung reizt, erlaubte die Sicht des Chronisten nicht, dass YHWH zunächst
einen Menschen verführt, um ihn anschließend zu bestrafen. Daher wird diese
„dunkle Seite“ YHWHs in 1 Chr 21,1 auf Satan 13 übertragen, der nun für die Verführung Davids verantwortlich gemacht wird. Man könnte hier von einem
abgespaltenen Persönlichkeitsanteil YHWHs sprechen. Satan ist in 1 Chr 21,1
eigenständig; er nimmt keine göttlichen Befehle entgegen und ihm sind auch keine
Grenzen für sein Handeln gesetzt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in den älteren Schichten des Alten
Testaments Gott selbst für das Böse verantwortlich gemacht wird. Der Gott YHWH
wird nicht nur als der einzige Gott, sondern auch als die einzige Macht
verstanden. 14 Erst in nachexilischen Texten wird die Satansfigur im Zuge einer stärkeren ethischen Transzendentalisierung allmählich zum personifizierten
Bösen. Eine zentrale Rolle spielt der Satan allerdings im AT nicht.
13 Nach WEHRLE, 2001, 201 kann das Wort hier, da ohne definiten Artikel, als Eigenname verstanden werden.
14 Vgl. KLEIN u. a., 2002, 115.
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3. Der Teufel im Neuen Testament
Die LXX übersetzt „Satan“ meist mit dem griechischen Wort dia, boloj, was die
bereits in Kapitel 1 beschriebene synonyme Verwendung von satana/ j (griechische
Transkription des hebräischen !j" f' ) bzw. dia, boloj im Neuen Testament erklärt.
Einen ersten Einblick in die neutestamentliche Zeit geben uns KLEIN u. a.: 15 Wo das antike Judentum die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten erkennt, fürchtet es
teuflisch-dämonische Mächte: im Bereich von Krankheit und Tod, von Naturkatastrophen und
Kriegen, überhaupt angesichts der „anderen“ einschließlich der Frevler, Gotteslästerer und
Irrlehrer. Diese Furcht teilt auch das Neue Testament in allen seinen Schichten, der historische
Jesus nicht anders als Paulus und seine Schüler.
Zu den allgemein-neutestamentlichen Vorstellungen des Bösen schreibt
WEHRLE 16 , dass sie sich
vor allem aus der apokalyptischen Tradition des AT (…) speisen. Der Teufel ist ein gefallener
Engel, der zum Anführer einer Schar Dämonen wird. Während aber die Dämonen zweitrangige
Geister sind, ist der Teufel die Personifikation des Bösen selbst. Seine Hauptaufgabe besteht
darin, so lange und so gründlich wie möglich das Reich Gottes zu verhindern.
ERNST betont, dass das Neue Testament insgesamt keine einheitliche Vorstellung
eines personifizierten Bösen kennt. 17 Dies geht schon aus den unterschiedlichen
Bezeichnungen hervor: Neben Satan/Teufel stehen in den verschiedenen Büchern
auch Dämonen (Mk 7,26; Lk 4,41 par; Lk 11,15 par u. ö.), Beelzebul (Lk 11,15 par
u. ö.), Beliar (2 Kor 6,15), Gott dieser Weltzeit (2 Kor 4,4), Antichrist/Antichriste
(1 Joh 2,18.22; 2 Joh 1,7), Drache (Offb 12,3 u. ö.), Schlange (Offb 12,9 u. ö.),
Pseudoprophet/Pseudopropheten (Mk 13,22; Offb 16,13 u. ö.), Pseudochristi
(Mk 13,22 par; ) und viele andere für das Böse.
Der Teufel und seine Helfershelfer erscheinen in unterschiedlichen
Zusammenhängen: als Versucher (Mk 1,13 par), Feind (1 Petr 5,8), Ankläger der
Menschen (Offb 12,10) sowie Gewalt über den Tod habend (Hebr 2,14). Sie
15 KLEIN u. a., 2002, 119.
16 WEHRLE, 2001, 203.
17 Vgl. ERNST, 1967, X-XII und passim.
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werden speziell im Gegensatz zum Messias gesehen (2 Kor 4,4; 1 Joh 3,8), teilweise als politische Gegenspieler (Offb 17), andererseits auch als religiöse Verführer und falsche Propheten (Mk 13,22 par; 2 Thess 2,3f). 18 Mittels Dämonen wirkt der Teufel auch Krankheiten (Lk 13,16; Apg 5,16). 19 Im Zusammenhang mit dem Leben Jesu tritt der Teufel erstmals nach Jesu Taufe auf und versucht vergeblich, Jesus zum Ungehorsam gegen Gott zu verführen (Mk 1,12f par). Jesus und seine Jünger begegnen dem Teufel als Verursacher von Krankheit und Tod nicht anders als ihre Zeitgenossen mit den magischen Mitteln der antiken Medizin: Heilungswunder und Exorzismen. Krankheit steht dabei oft in unmittelbarem Zusammenhang mit Sünde (Mk 2,5 par). Der Teufel ist schließlich auch Schuld am Verrat Jesu durch Judas (Lk 22,3; Joh 13,2.27). 20 Insgesamt kann man allerdings wohl sagen, dass „das Neue Testament mehr an der Erfahrung der Macht der Sünde und ihrer Überwindung interessiert ist als an den Fragen, ob es einen Versucher gibt und wo die Sünde herkommt“ 21 . Kommen wir nun aber zu unserer eigentlichen Thematik und untersuchen das Neue Testament näher bezüglich der Frage: Wer oder was war der Teufel für Jesus selbst und welchen Stellenwert hatte er für ihn?
18
Vgl. ERNST, 1967, 269f.293.295.
19 Vgl. KLEIN u. a., 2002, 119.
20 Vgl. KLEIN u. a., 2002, 119f.
21 KLEIN u. a., 2002, 136.
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4. Erste Textstelle: Q 11,15.17-20
4.1 Text und Übersetzung
Mt 12,24-28
24 oi` de. Farisai/ oi av kou, santej ei= pon\ ou- toj ouv k ev kba, llei ta. daimo, nia eiv mh. ev n tw/ |
Beelzebou. l a; rconti tw/ n daimoni, wnÅ
25 eiv dw. j de. ta. j ev nqumh, seij auv tw/ n ei= pen auv toi/ j\ pa/ sa basilei, a merisqei/ sa kaqV
e` auth/ j ev rhmou/ tai kai. pa/ sa po, lij h' oiv ki, a merisqei/ sa kaqV e` auth/ j ouv staqh, setaiÅ
26 kai. eiv o` satana/ j to. n satana/ n ev kba, llei( ev fV e` auto. n ev meri, sqh\ pw/ j ou= n
staqh, setai h` basilei, a auv tou/ È
27 kai. eiv ev gw. ev n Beelzebou. l ev kba, llw ta. daimo, nia( oi` ui` oi. u` mw/ n ev n ti, ni
ev kba, llousinÈ dia. tou/ to auv toi. kritai. e; sontai u` mw/ nÅ
28 eiv de. ev n pneu, mati qeou/ ev gw. ev kba, llw ta. daimo, nia( a; ra e; fqasen ev fV u` ma/ j h`
basilei, a tou/ qeou/ Å 24 Die Pharisäer aber, die das hörten, sprachen: Dieser treibt die Dämonen nicht aus, außer mit dem Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen. 25 Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jede Königsherrschaft, die gegen sich selbst zerteilt ist, wird zur Wüste, und jede Stadt oder jedes Haus, gegen sich selbst zerteilt, wird nicht bestehen bleiben.
26 Und wenn der Satan den Satan austreibt, wurde er in sich selbst zerteilt; wie also wird seine Königsherrschaft bestehen bleiben?
27 Und wenn ich mit Beelzebul die Dämonen austreibe, mit wem treiben eure Anhänger aus? Deswegen werden sie eure Richter sein.
28 Wenn aber ich mit dem Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist die Königsherrschaft Gottes zu euch hingelangt.
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Arbeit zitieren:
Karlheinz Lang, 2005, Jesu Teufelswahrnehmung, München, GRIN Verlag GmbH
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