Minna von Barnhelm als Zeitstück des 18. Jahrhunderts
von: Charlotte Diez
INHALT
1. Einleitung 3
2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund 3
2.1. Der YC_Ä Siebenjährige Krieg 3
2.2. Der Krieg als Hintergrund des Schauspiels 5
3. Lessings dramatisches Schaffen 8
3.1. Das Stück als Spiegel der Bewusstseinsveränderung 8
3.2 Lessing und das Theater 9
3.3 Das Bürgerliche Trauerspiel 11
4. Minna als „wahre Komödie“ 13
4.2. Die zentralen Themen in der Minna von Barnhelm 14
5. Resümee 17
6. Literaturverzeichnis 18
6.1. Primärliteratur 18
6.2. Sekundärliteratur 18
1. Einleitung
In meiner Hausarbeit „Minna von Barnhelm als Zeitstück des 18. Jahrhunderts“, werde ich aufzeigen, dass diese Komödie des Gelehrten, Kritikers, Theologen und Dramatikers Gotthold Ephraim Lessing (1729 –1781) die Zeit des 18 Jahrhunderts, die Bewusstseinsveränderungen der Menschen, die Entwicklungen im dramatischen Bereich, am besten wiederspiegelt. Somit werde ich erstmals die geschichtlichen Hintergründe in Bezug auf Lessings Stück erläutern.
1760, mitten im Siebenjährigen Krieg, trat Lessing eine Stelle als Sekretär bei dem preußischen Kommandanten von Schlesien, General von Tauentzien, an. Die dort gemachten Erfahrungen verarbeitete er in dem 1767 erschienenen Lustspiel „Minna von Barnhelm”. Botho Strauß hat ihm noch später höchste Anerkennung für das Stück gezollt: „Minna von Barnhelm, das ist das Lustspiel als aktuelles Zeitstück, eine Gattungsnovität, dazu eine Komödie, die bei bescheidenstem stofflichen Aufwand ihre beste Wirkung mit einer intimen und beweglichen Menschenschilderung gewinnt und natürlich mit einer schauspielergerechten Verteilung der Bühnenwirksamkeit über das gesamte Personal.” Dieses Stück markiert die Ablösung der Typenkomödie durch die Charakterkomödie und den Anfang der klassischen deutschen Komödientradition. Minna von Barnhelm ist das überzeugendste Resultat von Lessings Kampf gegen den übermächtigen Einfluss der französischen Kultur und für ein Theater, das authentisch deutsche Verhältnisse widerspiegelt. Für Lessing haben beide, der Adel wie auch Frankreich, als Vorbilder ausgedient – weshalb sich die Bühnenfigur Riccaut nur noch mit Betrug über Wasser halten kann, während Tellheim seinerseits als Adliger bereits nachbürgerlichen Tugenden lebt. Lessing stellt seine Protagonisten in die Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg, dessen Folgen in das Schicksal der Figuren hinein wirken.
2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
2.1 Der Siebenjährige Krieg
Den Hintergrund zu Minna von Barnhelm bildet der Siebenjährige Krieg, bzw. die Folgen, die sein Ende auf die Bevölkerung hatte. Um die wahre Größe dieses Werkes und die ungeheure Wirkung auf das Publikum der damaligen Zeit besser zu verstehen, müssen wir uns näher mit den Problemen dieser Zeit befassen. Erst dann wird verständlich, wie aktuell und wegbereitend für die nationale Einigung dieses Werk in der damaligen Zeit war. Obwohl Lessing in Sachsen geboren war, stand er weder auf der sächsischen noch auf der preußischen Seite und wurde deshalb von beiden Seiten angegriffen. Er wandte sich nicht gegen den Krieg im Allgemeinen, sondern gegen einen Krieg, der nicht ein Krieg der Völker, sondern von Söldnerarmeen war. Deshalb lässt er seinen Tellheim auch Werner ermahnen:
,,Man muß (sic) Soldat sein für sein Land; oder aus Liebe zu der Sache, für die gefochten wird. Ohne Absicht heute hier, morgen da dienen: heißt wie ein Fleischerknecht reisen, weiter nichts." (III,7)
Lessings Kritik richtet sich gegen einen Krieg, der ,,nicht den Frieden der Nation hergestellt, sondern die nationale Zerklüftung vertieft hat." Dies wird auch später von Goethe so beurteilt:
„Der Siebenjährige Krieg konnte kein nationales Bewußtsein erwecken, ... die nationale Zerklüftung wurde durch den Ausgang des Krieges nur noch empfindlicher spürbar.“ Der Siebenjährige Krieg , der 3. Schlesische Krieg, begann mit dem Überfall Preußens auf Sachsen. Er war ein Präventionskrieg, denn Friedrich II. fühltesich von Feinden umringt. Die Spannungen zwischen Österreich und Frankreich waren beseitigt. Die Franzosen hatten mit Maria Theresia im Mai 1756 ein Defensivbündnis geschlossen, das gegen Preußen gerichtet war. Auch Rußland konnte bei seinen, gegen Preußen gerichteten Plänen, der Unterstützung Österreichs sicher sein. England, das während der beiden ersten Schlesischen Kriege Österreich unterstützt hatte, suchte nun Hilfe bei Preußen, um das mit ihnen in Personalunion verbundene Kurfürstentum Hanover zu sichern. Außerdem bestanden Spannungen zwischen England und Frankreich wegen der Besitzungen in Nordamerika. Weder Österreich noch Frankreich wollten jedoch Preußen angreifen, um nicht vor der Welt als der Schuldige dazustehen. Preußen sollte dagegen zu einem Angriff provoziert werden, worauf sich seine Gegner schon mit erheblichen Rüstungsaktivitäten vorbereiteten. Im Mai 1756 erfuhr Friedrich II. von Rußlands Kriegsplänen gegen Preußen und im Juni des gleichen Jahres konnte Friedrich in Magdeburg Österreichs Reaktion auf die russischen Vorschläge lesen, die Graf Kaunitz am 22. Mai diktiert hatte: ,,Rußland kann versichert sein, dass wir alles tun werden, um seine großen Ideen auszuführen, und dass alles, was der Schwächung des Preußenkönigs dient, von uns mit Freuden ergriffen wird." Vorrang habe jedoch erst einmal, den Einkreisungsring um Preußen völlig zu schließen und eine Annäherung zwischen Rußland und Frankreich, wie sie soeben gerade zwischen Wien und Versailles vollzogen worden sei, herbeizuführen. Deshalb sei es nicht klug, noch im Sommer 1756 - wie man es in Petersburg wünsche - gegen Friedrich loszuschlagen, sondern man empfehle dringend, den Anschlag auf das Frühjahr 1757 zu verschieben. ,,Inzwischen kommt alles darauf an", so Kaunitz, ,,das Spiel gut zu verdecken und den Verdacht, welchen England und Preußen schon hegen, zu kaptivieren, folglich unser Vorhaben bis zum wirklichen Ausbruch geheim zu halten." Dadurch wurde Friedrich II. klar, dass ein Krieg nicht zu umgehen war. Er sah seine einige Chance darin, anzugreifen, bevor die Gegner ihre Rüstungsvorbereitungen abgeschlossen hatten.
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Charlotte Diez, 2005, Minna von Barnhelm als Zeitstück des 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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