Jenseitsvorstellungen in „The Others“ (Spanien/USA 2001) 2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Der Regisseur Alejandro Amenábar. 4
3. Handlung. 5
4. Jenseitsvorstellungen. 8
5. Zusammenfassung. 13
6. Bibliographie 14
1. Einleitung
Himmel und Hölle haben sich in unserer Kultur zu einer Bilderwelt mit hohem symbolischen Gehalt entwickelt, die vom Film gerne aufgenommen wird. Auch „The Others“ spielt mit den etablierten Vorstellungswelten, die das Jenseits entfacht. Der Regisseur Alejandro Amenábar schlägt diese scheinbar sicheren Wege ein - die Grenze zwischen Leben und Jenseits scheint zunächst klar - um den Zuschauer schließlich doch in die Irre zu führen. Er macht klar: Den Bildern kann man nicht trauen.
Gleichzeitig erleben die Hauptfiguren ihre ganze persönlichen Höllen: Die Kinder leiden unter dem maternalistischen Regime ihrer Mutter und Grace an ihrer Überforderung.
Die Kritiken heben vor allem die elliptische Erzählweise Amenábars hervor. 1 Volker Hummel zitiert den Regisseur: „Etwas der Fantasie überlassen, darin liegt für mich die Essenz der Angst, von Besessenheit, selbst von Paranoia, die allesamt latent im kollektiven Bewusstsein verborgen liegen. Erwecke sie, und du wirst den Zuschauer zurück in die finstersten Ecken seiner Kindheit transportieren, hin zu seinen Urängsten.“ 2
Philipp Bühler schreibt: „Die Gespenster bleiben wie in jedem guten Horrorfilm hinter der Tür. Das Grauen dem inneren Auge zu überlassen, ist noch immer der wirkungsvollste Trick.“ 3
„The Others“ ist nicht nur ein meisterhafter Thriller in der Tradition Hitchcocks, sondern auch eine philosophische Studie über die Macht der Bilder, die der Zuschauer am eigenen Leib erfährt.
Auf welche Weise der Film mit Höllenvorstellungen arbeitet, soll in der vorliegenden Arbeit nach einführenden Kapiteln zum Regisseur und der Handlung untersucht werden.
1 Vgl. KILB, Andreas: Wenn wir Toten erwachen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2002, Nr. 8, S. 39; STERNEBORG, Anke: Auf der anderen Seite. In: Süddeutsche Zeitung, 10.01.2002, S. 14; HANCK, Frauke: Die Hölle, das sind Nicole und die anderen. In: Süddeutsche Zeitung, 10.01.2002, S. 5.
2 HUMMEL, Volker: Die Kraft der Andeutung. In: Financial Times Deutschland, 10.01.2002, S. 31.
3 BÜHLER, Philipp: Landhaus der toten Seelen. In: taz, 10.01.2002, S. 16.
2. Der Regisseur Alejandro Amenábar
Seinen ersten Kurzfilm „La cabeza“ 4 - in den meisten Filmographien wird fälschlicherweise der später entstandene Film „Himenóptero“ (1992) genanntdrehte Alejandro Amenábar (geb. am 31. März 1972 in Santiago de Chile) mit 19 Jahren. 1991 erhielt er dafür den Kurzfilmpreis der Asociación Independiente de Cineastas Amateurs (AICA). 5 Amenábars erster Kinofilm, der Thriller „Tésis“, war nicht nur ein großer Publikumserfolg, sondern begeisterte auch die Kritiker. Der Film lief auf der Berlinale und wurde in Spanien mit sieben Goyas ausgezeichnet.
Einen noch größeren Erfolg erzielte Amenábar mit seinem zweiten Kinofilm „Abre los ojos“ („Open Your Eyes“/“Öffne deine Augen“) 1997. Schon hier zeigte sich Amenábars Interesse an der Grenze zwischen Realität und Fiktion: Beide Seiten verwischen, sind für den Zuschauer nicht mehr auseinander zuhalten. Ein Thema, das er auch in seinem dritten, in der vorliegenden Arbeit behandelten Kinofilm „Los Otros“ („The Others“) wieder aufgreift.
„Abre los ojos“ war auch der Startpunkt für die Zusammenarbeit mit Tom Cruise. Der Hollywood-Star produzierte ein Remake des Films mit dem Titel „Vanilla Sky“ und übernahm selbst die Hauptrolle. Cruise co-produzierte schließlich auch Amenábars Film „The Others“. Auch hier übernahm der Spanier wieder Regie, Drehbuch und Filmmusik. Der Film wurde ein Erfolg bei Publikum und Filmkritik und mit acht Goya-Filmpreisen ausgezeichnet. „The Others“ festigte Amenábars Ruf als neues Filmtalent. Vergleiche mit Alfred Hitchcock und Luis Buñuel wurden laut.
Mit einem Oscar in der Kategorie „bester ausländischer Film“ hat die Academy of Motion Picture Arts and Sciences 2005 seinen bislang letzten Film „Mare adentro“ („Das Meer in mir“) ausgezeichnet. Er erhielt für diesen Film außerdem den großen Preis der Jury beim 61. Filmfestival von Venedig, den Europäischen Filmpreis als bester Regisseur und 14 Goyas der spanischen Filmakademie.
4 Vgl. CLUBCULTURA.COM: Biografía/Biography, http://www.clubcultura.com/clubcine/clubcineastas/amenabar/bio.htm, 03.01.2006.
5 Vgl. zu diesem Kapitel: MUNZINGER ONLINE: Alejandro Amenábar, http://www.munzinger.de [Anmeldung], 04.07.2005; IMDB: Biography for Alejandro Amenábar, http://www.imdb.com/name/nm002462/bio, 04.07.2005.
3. Handlung
Die britische Kanalinsel Jersey kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Grace (Nicole Kidman) lebt mit ihren beiden Kindern Anne und Nicholas alleine in einem abseits gelegenen, alten Herrenhaus. Ihr Mann ist aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Ihre Kinder behütet sie wie ihre Augäpfel: Sie leiden unter einer seltenen Lichtallergie, die tödliche Folgen haben kann. Keine Tür darf geöffnet werden, bevor nicht die Vorhänge geschlossen sind. In dem Haus herrscht ewige Dunkelheit, als das „beherrschende ästhetische Prinzip“ 6 des Films. Und auch Telefon, Radio und Strom gibt es in dem Haus nicht. Eine in sich abgeschlossene Welt, in die nichts von außen dringt.
Ein harter Schnitt nach der Eingangssequenz: Grace wacht schreiend auf, wie aus einem Alptraum gerissen. Sie braucht Sekunden, bis sie ihre Orientierung wieder gefunden hat und realisiert, dass sie zu Hause ist. Ein Blick auf die Uhr holt sie wieder zurück in die Koordinaten ihrer Realität.
Eines morgens kommen plötzlich neue Dienstboten an, die früheren Bediensteten hatten das Haus von heute auf morgen einfach verlassen. Amenánbar legt dem Zuschauer immer wieder Spuren, die im Rückblick ein Bild zu ergeben scheinen: Ein paar Gesprächsfetzen der Ankömmlinge sind zu verstehen. So fragt Mrs. Mills: „Ich möchte wissen, was aus ihm geworden ist?“ Mr. Tuttle antwortet: „Ich nehme an, er ist tot, wie all die anderen.“ Oder kurz später, als Mrs. Miller Grace die stumme Lydia vorstellt: „Lassen Sie sich von diesem Engelsgesicht nicht täuschen, Ma´am. Sie ist älter als sie aussieht.“
Mit der Ankunft der neuen Dienstboten beginnen unheimliche Ereignisse: Grace hört Lachen und Weinen durch die Wände, Anne behauptet, dass sie einen kleinen Jungen und eine alte Frau gesehen hat, verschlossene Türen springen auf, ein Klavier spielt von alleine. Das Haus scheint verspukt zu sein.
Verwirrt und verängstigt ob der Vorkommnise will Grace einen Priester zur Hilfe holen, doch sie verirrt sich in dichtem Nebel und begegnet dort ihrem verschollenen Mann. Er, der seltsam abwesend erscheint, bleibt über Nacht und verschwindet dann wieder.
6 MAECK, Stefanie: Alles Ammenmärchen.
http://filmtext.com/start.jsp?mode=2&lett=o&archiv=418, 04.07.2005, o.S.
Arbeit zitieren:
Lutz Benseler, 2005, Jenseitsvorstellungen in 'The Others' (Spanien/USA 2001), München, GRIN Verlag GmbH
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