Am 27. und 28. November 1995 fand in Barcelona eine Außenministerkonferenz unter Teilnahme aller Mitgliederstaaten der Europäischen Union sowie sämtlicher südlicher und östlicher Mittelmeeranrainerstaaten mit Ausnahme Libyens, jedoch einschließlich Jordaniens und palästinensischer Vertreter statt, auf der der Barcelona-Prozess und die "Euro-Mediterrane Partnerschaft" ins Leben gerufen wurden, mit dem Ziel, das Mittelmeer-Becken "zu einem Gebiet des Dialogs, des Austausches und der Zusammenarbeit zu machen."1Ich möchte im folgenden zunächst die Vorgeschichte dieses in Barcelona begründeten Prozesses darstellen, der natürlich nicht im luftleeren Raum begann, sondern der sowohl auf einer gemeinsamen Geschichte der nördlichen und südlichen Mittelmeeranrainerstaaten beruht als auch auf einer gemeinsamen Zukunft, basierend auf der geographischen Nähe und der immer mehr zusammenrückenden Welt, in der sowohl Chancen und Potentiale als auch Krisen und Konflikte sehr leicht von einer Region auf die andere überspringen. Daran anschließend werde ich relativ ausführlich die Inhalte der auf der Konferenz in Barcelona verabschiedeten Deklaration und die darin festgelegten Ziele schildern, da diese die inhaltliche Grundlage für die Partnerschaft bilden, im politisch-sicherheitspolitischen Bereich ebenso wie im wirtschaftlich-finanziellen und im sozial-kulturell-zwischenmenschlichen. Die Deklaration von Barcelona weist damit ganz klar und umfassend den Weg, den die Euro-Mediterrane Partnerschaft nehmen soll und ist daher von enormer Wichtigkeit. Im vierten Abschnitt werde ich darauf eingehen, wie der Barcelona-Prozess seit 1995 organisatorisch umgesetzt wurde, welche Gremien ihn bestimmen und durch welche Abkommen und Konferenzen er realisiert und präzisiert wurde und wird. Der fünfte Teil dieser Arbeit behandelt den Barcelona-Prozess im Zusammenhang mit der arabischen Welt - fast alle der EU-Partnerstaaten sind arabische Länder, und es stellt sich natürlich die Frage, wie sich die Euro-Mediterrane Partnerschaft aus deren Sicht darstellt: Wie sieht die Realität in der arabischen Welt fast zehn Jahre nach Beginn des Prozesses aus, wie wird er wahrgenommen, wo liegen die Probleme und Hindernisse?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vorgeschichte des Barcelona-Prozesses
3. Die Deklaration der Euro-Mediterranen Partnerschaft von Barcelona vom 27./28. November 1995: Inhalte und Ziele
3.1 Die politische und sicherheitspolitische Partnerschaft
3.2 Die wirtschaftliche und finanzielle Partnerschaft
3.3 Die soziale, kulturelle und zwischenmenschliche Partnerschaft
4. Die organisatorische Umsetzung des Barcelona-Prozesses
5. Der Barcelona-Prozess und die arabische Welt
6. Der Barcelona-Prozess und der Nahost-Friedensprozess
7. Vorläufige Bilanz des Barcelona-Prozesses
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Hausarbeit untersucht die Wirksamkeit und die Herausforderungen des Barcelona-Prozesses als zentrales Instrument der EU-Mittelmeerpolitik. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit die ambitionierten Ziele der Deklaration von 1995 unter Berücksichtigung der komplexen sozioökonomischen und politischen Realitäten in der arabischen Welt sowie im Kontext des Nahostkonflikts in der Praxis umgesetzt werden konnten.
- Historische Entwicklung der europäisch-mediterranen Beziehungen
- Struktur und inhaltliche Pfeiler der Euro-Mediterranen Partnerschaft
- Herausforderungen in der organisatorischen und praktischen Umsetzung
- Perspektiven der arabischen Welt auf die europäische Partnerschaft
- Interdependenz von Barcelona-Prozess und Nahost-Friedensprozess
Auszug aus dem Buch
Die soziale, kulturelle und zwischenmenschliche Partnerschaft
Im sozial-kulturellen Bereich setzen sich die Partnerstaaten zum Ziel, ihre Völker einander näher zu bringen, die Verständigung unter ihnen zu fördern und ihre gegenseitige Wahrnehmung voneinander zu verbessern. Dies soll geschehen durch einen verstärkten Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen, die sich die Mittelmeerregion teilen, sowie durch den Austausch unter ihnen auf menschlicher ebenso wie auf wissenschaftlicher und technologischer Ebene. Es soll langfristig gesehen eine soziale, kulturelle und zwischenmenschliche Partnerschaft zwischen den einzelnen Staaten entstehen, die auf dem Respekt der verschiedenen Kulturen und Religionen voreinander basiert.
Als wichtigster Ausgangspunkt zum Erreichen dieses Ziels wird die Entwicklung, Bildung und Ausbildung der Menschen an sich angesehen, sowohl im allgemeinen Bildungssektor als auch speziell was kulturelle Belange angeht - ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der Bildung von Frauen. Dementsprechend wird auch der Wert von kulturellem und menschlichem Austausch zwischen den einzelnen Ländern betont, der zum Beispiel durch das Erlernen von Fremdsprachen gefördert werden kann, so dass am Ende der gegenseitige Respekt vor der kulturellen Identität des anderen nicht nur eine Phrase oder ein Ziel bleibt, sondern tatsächlich gelebt wird. Besonders der Kontakt und der Austausch zwischen jungen Menschen soll unbedingt unterstützt werden, da sie die Zukunft ihrer Länder und auch der Region als ganzes darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Barcelona-Prozesses als Forum für Dialog und Zusammenarbeit sowie Definition der Zielsetzung und Struktur der Arbeit.
2. Die Vorgeschichte des Barcelona-Prozesses: Analyse der historischen Assoziationsabkommen und der veränderten europäischen Sicherheitswahrnehmung Anfang der 90er Jahre.
3. Die Deklaration der Euro-Mediterranen Partnerschaft von Barcelona vom 27./28. November 1995: Inhalte und Ziele: Detaillierte Betrachtung der drei „Körbe“ der Partnerschaft: Politik/Sicherheit, Wirtschaft/Finanzen sowie Soziales/Kultur.
4. Die organisatorische Umsetzung des Barcelona-Prozesses: Erläuterung der institutionellen Gremien, der Finanzierungsinstrumente wie MEDA und des bilateralen Vertragsgeflechts.
5. Der Barcelona-Prozess und die arabische Welt: Untersuchung der kritischen Sichtweise arabischer Experten hinsichtlich der Diskrepanz zwischen europäischem Anspruch und regionaler Realität.
6. Der Barcelona-Prozess und der Nahost-Friedensprozess: Diskussion der engen, teils belastenden Verflechtung zwischen der EU-Mittelmeerpolitik und den politischen Krisen im Nahen Osten.
7. Vorläufige Bilanz des Barcelona-Prozesses: Kritische Würdigung des Erreichten unter Berücksichtigung organisatorischer Hemmnisse und inhaltlicher Zielkonflikte.
Schlüsselwörter
Barcelona-Prozess, Euro-Mediterrane Partnerschaft, EU-Mittelmeerpolitik, Nahost-Friedensprozess, Strukturanpassung, Freihandelszone, Demokratisierung, interkultureller Dialog, MEDA-Programm, politische Kohärenz, arabische Welt, Migration, Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Assoziationsabkommen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Barcelona-Prozesses, der 1995 ins Leben gerufenen Euro-Mediterranen Partnerschaft, und bewertet deren Erfolg im Hinblick auf die Stabilität und Entwicklung im Mittelmeerraum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die drei Säulen der Partnerschaft: den politisch-sicherheitspolitischen, den wirtschaftlich-finanziellen sowie den sozial-kulturellen Bereich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Erfolg des Prozesses nach fast zehn Jahren kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, wo Anspruch und Realität der EU-Politik in den Partnerstaaten auseinanderklaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Auswertung der Deklaration von 1995 sowie aktueller Berichte und Experteninterviews zur Umsetzung der Partnerschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Darstellung der Deklaration, die organisatorische Umsetzung, die Wahrnehmung in der arabischen Welt sowie die enge Verflechtung mit dem Nahost-Friedensprozess.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Euro-Mediterrane Partnerschaft, Kohärenz, politische Stabilität, ökonomische Reformen und interregionaler Dialog.
Welche Rolle spielen die Assoziationsabkommen für die Umsetzung des Prozesses?
Sie bilden das bilaterale Fundament und regeln den politischen Dialog sowie den Aufbau der Freihandelszone, werden jedoch oft durch langwierige Ratifizierungsprozesse behindert.
Warum wird die Rolle der EU als "Geldgeber" kritisiert?
Kritiker bemängeln, dass die EU eine zu passive politische Rolle einnimmt und ihre ökonomischen Ziele in den arabischen Ländern ohne ausreichende Rücksicht auf die soziale Struktur verfolgt.
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- Katharina Friederich (Author), 2005, Der Barcelona-Prozess, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50939