II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Aufbau der Arbeit 2
2. Merkmale von Kontodaten. 2
2.1. Absolute Kontodaten. 2
2.1.1. Besondere Eigenschaften der Kontodaten. 3
2.1.2. Erläuterung einzelner ausgewählter Kontodaten. 5
2.1.3. Erkenntnisse aus der Betrachtung von einzelnen Kontovariablen 7
2.2. Relative Kontodaten. 10
2.2.1. Kennzahlenkonstruktionen. 10
2.2.2. Interpretation der Kennzahlen 13
2.2.3. Untersuchungsergebnisse und ihre Beurteilung 16
3. Die Trennung guter von schlechten Unternehmen 17
3.1. Der Dichotomische Klassifikationsansatz 17
3.1.1. Ziel des dichotomischen Klassifikationsansatzes. 17
3.1.2. Vorgehensweise beim dichotomischen Klassifikationsverfahren. 18
3.1.3. Einsatz zur Risikofrüherkennung 19
3.1.4. Kritik am Verfahren 20
3.2. Trennung mit Hilfe der Linearen Diskriminanzanalyse 21
3.2.1. Prämissen der Linearen Diskriminanzanalyse 22
3.2.2. Probleme bei der Bestimmung des Trennwertes 22
3.2.3. Untersuchungen zur Kontodatenanalyse 24
3.2.4. KONDAN: Ein Anwendungsbeispiel aus der Praxis 25
3.3. Trennung mit Hilfe von Expertensystemen 26
3.4. Trennung mit Hilfe künstlicher neuronaler Netze 29
III
3.4.1. Grundlagen 29
3.4.2. Eignung der künstlichen neuronalen Netze zur Kontodatenanalyse 31
3.4.3. Denkbare Vorgehensweise im Rahmen der Kontodatenanalyse. 32
4. Die Kontodatenanalyse als Informationsquelle 36
4.1. Ausgangsüberlegungen 36
4.2. Ergänzung der Kontodatenanalyse um weitere Informationsquellen 38
4.2.1. Jahresabschluß/ Jahresabschlußanalyse 39
4.2.2. Betriebswirtschaftliche Auskünfte (BWA s) 40
4.2.3. Auskunft von Dritten. 41
4.2.4. Kundengespräch 41
4.3. Integration der Kontodatenanalyse in die Kreditüberwachung 42
5. Schlußbetrachtung und Ausblick 44
Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Das Firmenkundenkreditgeschäft in Deutschland ist im Umbruch. 1 Vor dem Hintergrund der seit 1990 kontinuierlich steigenden Zahl an Unternehmensinsolvenzen wird die Bonitätsanalyse im Firmenkundengeschäft immer mehr zu einem der wichtigsten Faktoren für den Geschäftserfolg der Banken. Vor diesem Hintergrund sind vor allem Instrumente gefragt, die eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens rechtzeitig anzeigen. Im Hinblick auf das Ziel, das Ausfallrisiko zu verringern, stellt sich somit die Frage, ob sich die Verschlechterung der Bonität eines Unternehmens an der Entwicklung seiner Kontodaten ablesen läßt. 2
Das im Kontokorrentkonto enthaltene Informationspotential wird in der Praxis für die Risikofrüherkennung bestenfalls ansatzweise, keinesfalls aber optimal genutzt. 3 Früher wurde das Kontoblatt sehr oft in die Hand genommen. Dabei wurden Umsatzänderungen bemerkt und das Zahlungsverhalten beobachtet. Dieses unmittelbare Kontostudium ist durch den Einsatz der EDV schrittweise verlorengegangen. 4 Der Kontoverlauf muß wieder sichtbar und transparent werden. 5 Heute beschränkt sich die Kontodatenanalyse oft auf statische oder komparativ-statische Methoden. In der einfachsten Form bedeutet dies, das Konto anhand sogenannter Überziehungslisten zu überwachen. Dadurch beschränkt sich die Analyse auf ein einziges Kriterium. 6 Es stellt sich die Frage, ob sich aus den Kontodaten für das Kreditinstitut Informationen über den Kreditnehmer und seine wirtschaftliche Situation ableiten lassen. Die Arbeit soll klären, inwieweit die Kontodatenanalyse als Instrument zur Früherkennung einer Bonitätsverschlechterung dienen kann.
1 Vgl. Stehmann, Andreas: Das Firmenkundenkreditgeschäft als Wertfalle deutscher Banken, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 182, Montag, 9. August 1999, S. 23.
2 Vgl. Berlandi, Peter: Kontodaten-Analyse für die Bonitätsprüfung im Firmenkundenkreditgeschäft, in: Hallesche Schriften zur Betriebswirtschaft, Band 7, Wiesbaden 2000, S. 1-3.
3 Vgl. Thanner, Walter: Die Analyse der Kontokorrentverbindung als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Studienreihe der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Band 8, Stuttgart 1991, S. 235.
4 Schmoll, Anton: Praxis der Kreditüberwachung. Ertragssteigerung durch effiziente Risikoreduzierung, durchgesehener Nachdruck der 1. Auflage, Wiesbaden 1992, S. 95.
5 Vgl. Ohlenroth, Wilfried: KONDAN kommt auf leisen Sohlen, in: Betriebswirtschaftliche Blätter, 40. Jg.,
6/1991, S. 286.
6 Vgl. Maderbacher, Michael: Früherkennung von Kreditrisiken. Dynamische Kontodatenanalyse zur Risikofrüherkennung, in : Diskussionsreihe Bank & Börse, Band 14, Wien 1999, S. 31.
2
1.2. Aufbau der Arbeit
Die Arbeit beginnt in Kapitel zwei mit der Aufzählung und Erläuterung einzelner Kontodaten. Hierauf aufbauend werden einzelne Kontodaten zueinander ins Verhältnis gesetzt, um Kennzahlen zu konstruieren. Mit Blick auf die Zielsetzung werden die Kennzahlen interpretiert und Hypothesen bezüglich der Ausprägung bei guten beziehungsweise schlechten Unternehmen aufgestellt. In Kapitel drei sollen Methoden beschrieben und diskutiert werden, die eine Trennung guter von schlechten Unternehmen ermöglichen. In Kapitel vier wird die Kontodatenanalyse als Informationsquelle beleuchtet und anschließend durch zusätzliche Informationsquellen sinnvoll ergänzt. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten zur Implementierung der Kontodatenanalyse in die Kreditüberwachung beschrieben. Die Arbeit endet mit der Schlußbetrachtung und einem kurzen Ausblick.
2. Merkmale von Kontodaten
2.1. Absolute Kontodaten
In einfachster Form werden Daten als absolute Zahlen, beispielsweise in Form von Einzelzahlen, Summen oder Differenzen angegeben. 7
Grundsätzlich erscheint es sinnvoll, die Kontomerkmale zu erfassen, von denen plausiblerweise vermutet werden kann, daß sie einen Beitrag zur Trennung guter von schlechten Unternehmen leisten können. Im folgenden ist eine Auswahl solcher Kontodaten, im folgenden Variablen 8 genannt, dargestellt:
- 1. Niedrigster Sollsaldo beziehungsweise höchster Habensaldo
7 Vgl. Coenenberg, Adolf, G.: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 17. Auflage, Landsberg am Lech 2000, S. 893
8 Unter Kontovariablen oder dem synonym verwendeten Begriff Kontodaten werden alle aus dem Kontokorrentverhältnis resultierenden quantitativen Einzelinformationen wie beispielsweise Limit, Salden, Umsätze ,Zahlungsverkehrsgrößen...verstanden. / Vgl. hierzu auch: von Stein, Johann Heinrich und Mitarbeiter, Früherkennung von Kreditrisiken durch Auswertung von Kontoinformationen, Teil IV des Gutachtens aus dem Forschungsprojekt „ Früherkennung von Kreditrisiken“, erstattet der Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Spar- und Girowesens, Bonn, Stuttgart 1983, S. 52.
3
- 2. Höchster Sollsaldo beziehungsweise niedrigster Habensaldo
- 3. Habenumsatz
- 4. Sollumsatz
- 5. Durchschnittlicher valutarischer Saldo
- 6.Scheckgutschriften
- 7. Wechselgutschriften
- 8. Überweisungsgutschriften
- 9. Bareinzahlungen
- 10. Wechselbelastungen
- 11. Scheckbelastungen
- 12. Überweisungsbelastungen
- 13. Barabhebungen
- 14. Kreditlimit 9
- 15. Saldo am Ende des jeweiligen Betrachtungszeitraums
- 16. Überziehungen
- 17. Lastschrifteinreichungen, Lastschriftbelastungen
- 18. Daueraufträge
- 19. Rückschecks / Rücklastschriften
- 20. Einlösungsrisiko aus Lastschrift-, Wechsel-, und Scheckeinreichungen 10
- Kontoalter 11
2.1.1. Besondere Eigenschaften der Kontodaten
Kontodaten haben charakteristische Eigenschaften, die eine Nutzung dieses Potentials geboten erscheinen lassen. Zu erwähnen sind unter diesem Aspekt insbesondere folgende Charakteristika:
9 Vgl. von Stein, Johann Heinrich und Mitarbeiter: Früherkennung von Kreditrisiken durch Auswertung von Kontoinformationen, Teil IV des Gutachtens aus dem Forschungsprojekt „ Früherkennung von Kreditrisiken“, erstattet der Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Spar- und Girowesens, Bonn, Stuttgart 1983, S. 44-46.
10 Vgl. Berlandi, Peter: Kontodaten-Analyse für die Bonitätsprüfung im Firmenkundenkreditgeschäft, 1 in: Hallesche Schriften zur Betriebswirtschaft, Band 7, Wiesbaden 2000, S. 80.
11 Vgl. Dinkelmann, Reto: Kriterien und Instrumente zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Bank- und finanzwirtschaftliche Forschungen, Band 213, Bern 1995, S.163.
4
- höchste Aktualität der Datenbasis durch laufende und lückenlose Verbuchung der bankmäßigen Zahlungsvorgänge,
- kontinuierliche Fortschreibung des Datenbestandes,
- jederzeitige Verfügbarkeit der Daten, unabhängig von der Mitwirkung Dritter, insbesondere des Kreditnehmers selbst,
- keine Verzerrung des Datenmaterials wie etwa durch Ansatz- oder Bewertungswahlrechte des Kreditnehmers in der Bilanz,
- relativ geringe Manipulierbarkeit des Datenmaterials durch den Kreditnehmer, wenn man von kriminellen Verfälschungen absieht, auf deren Aufdeckung die Instrumente normaler Kreditprüfung und Kreditüberwachung aber grundsätzlich nie ausgerichtet sind,
- keine zusätzlichen Datenbeschaffungsaktivitäten und -kosten, da die Daten bei der Abwicklung des Zahlungs- und Kreditverkehrs automatisch anfallen,
- das kontoführende Kreditinstitut hat hier einen Informationsvorteil gegenüber potentiellen Konkurrenten. 12
- Wie bei allen quantitativen Informationen besteht die Möglichkeit zur Rationalisierung und Objektivierung des Auswertungsprozesses durch Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung. 13
- Es stehen die Daten einer großen Anzahl von Unternehmen zu Verfügung. Dieser Umstand erlaubt eine untergruppenbezogene Analyse (zum Beispiel Branchen,
12 Vgl. Stein, Johann Heinrich von und Mitarbeiter, Früherkennung von Kreditrisiken durch Auswertung von Kontoinformationen, Teil IV des Gutachtens aus dem Forschungsprojekt „ Früherkennung von Kreditrisiken“, erstattet der Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Spar- und Girowesens, Bonn, Stuttgart 1983, S. 14.
13 Vgl. Thanner, Walter: Die Analyse der Kontokorrentverbindung als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Studienreihe der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Band 8, Stuttgart 1991, S. 23.
5
Rechtsform oder Unternehmensalter) und erleichtert die Anwendung von anspruchsvollen empirisch-induktiven statistischen Verfahren. 14
Kontodaten haben inhaltliche Eigenschaften. In Kontodaten lassen sich betriebswirtschaftlichen Vorgänge abbilden:
- Einzahlungen aus dem Umsatzprozeß.
- Sonstigen Einzahlungen.
- Auszahlungen aus dem Umsatzprozeß.
- Sonstige Auszahlungen.
- Umschichtungen zwischen dem Geschäftskonto uns anderen liquiden Mitteln.
- Umschichtungen zwischen dem Geschäftskonto und Verbindlichkeiten beziehungsweise Fremdkapital..
Diese betriebswirtschaftlichen Vorgänge lassen sich allerdings nur in bezug auf die Summe der Bewegungen und nicht in bezug auf die Struktur analysieren. 15
2.1.2. Erläuterung einzelner ausgewählter Kontodaten
Einzelne Kontodaten näher zu erläutern, erscheint zum besseren Verständnis angebracht.
Variable Nummer eins bezeichnet den für den Kreditnehmer günstigsten Saldo eines Betrachtungszeitraumes. Ist das Konto nur im Haben geführt, wird der höchste Habensaldo festgehalten. Befindet sich das Konto nur im Soll während des Betrachtungszeitraums, so wird der niedrigste Sollsaldo vermerkt. 16
Analog zur Variablen eins zielt die Variable zwei auf die Feststellung des für den Kreditnehmer ungünstigsten Saldos ab. Es wird die maximale Verschuldung des
14 Vgl. Maderbacher, Michael: Früherkennung von Kreditrisiken. Dynamische Kontodatenanalyse zur Risikofrüherkennung, in : Diskussionsreihe Bank & Börse, Band 14, Wien 1999, S. 39.
15 Vgl. Maderbacher, Michael: Früherkennung von Kreditrisiken. Dynamische Kontodatenanalyse zur Risikofrüherkennung, in : Diskussionsreihe Bank & Börse, Band 14, Wien 1999, S. 39-40.
16 Vgl. von Stein, Johann Heinrich und Mitarbeiter, Früherkennung von Kreditrisiken durch Auswertung von Kontoinformationen, Teil IV des Gutachtens aus dem Forschungsprojekt „ Früherkennung von Kreditrisiken“, erstattet der Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Spar- und Girowesens, Bonn, Stuttgart 1983, S. 46.
6
Kreditnehmers beziehungsweise, falls sich das Konto ständig im Haben befindet, der niedrigste Habensaldo vermerkt.
Bei der Variablen Habenumsatz ist eine Besonderheit zu beachten. Es sollten lediglich die bereinigten Habenumsätze betrachtet werden. Bereinigt bedeutet, daß Stornobuchungen und Gutschriften aus Darlehensvalutierungen herauszurechnen sind. Dadurch wird größtenteils erreicht, daß nur die aus dem Umsatzprozeß resultierenden Mittelzuflüsse betrachtet werden. 17
Um eine Aufblähung der Sollumsätze zu vermeiden, ist diese Variable um die Stornobuchungen zu bereinigen. 18 Die Sollumsätze sollen die Ausgaben aus dem Umsatzprozeß widerspiegeln. Da auch Zins- und Tilgungsleistungen zur Erstellung des Umsatzprozesses dienen, sind sie aus den Sollumsätzen nicht herauszurechnen.
Die Variable „durchschnittlicher valutarischer Saldo“ eines Betrachtungszeitraumes ergibt sich als arithmetrisches Mittel der einzelnen Tagessalden. Schwankunken der Tagessalden werden durch diese Betrachtung kompensiert. 19
Die Variable Kreditlimit gibt den Betrag an, bis zu dem der Kreditnehmer sein Konto maximal in Anspruch nehmen kann. Manche Kreditinstitute vergeben ein zweites Kreditlimit, das sogenannte Limit 2, das auch als interne Kreditlinie bezeichnet wird. Bis zu dieser internen Kreditlinie kann der Kreditnehmer die vereinbarte Kreditlinie überziehen. Da diese zweite Linie den eigentlichen Risikobetrag für die Bank darstellt, empfiehlt es sich, dieses Limit 2 als betrachtete Variable heranzuziehen. Die
Kontovariable Limit ist allerdings ein vom Kreditgeber zumindest teilweise beeinflußter Faktor und damit subjektiver Natur. Eine Beeinträchtigung der Aussagefähigkeit ergibt sich allerdings nur dann, wenn der Kreditgeber in seiner Kreditvergabepolitik von der
17 Vgl. Thanner, Walter: Die Analyse der Kontokorrentverbindung als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Studienreihe der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Band 8, Stuttgart 1991, S. 54-55.
18 Vgl. von Stein, Johann Heinrich und Mitarbeiter: Früherkennung von Kreditrisiken durch Auswertung von Kontoinformationen, Teil IV des Gutachtens aus dem Forschungsprojekt „ Früherkennung von Kreditrisiken“, erstattet der Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Spar- und Girowesens, Bonn, Stuttgart 1983, S. 47.
7
Branche deutlich abweicht. Im Falle einer sehr großzügigen Kreditpolitik wird ein entsprechender Grenzwert erst später erreicht und damit die mögliche Indikatorfunktion der Variablen Limit erst verspätet wirksam. 20
2.1.3. Erkenntnisse aus der Betrachtung von einzelnen Kontovariablen
Wenn die Sollumsätze auf dem Konto kontinuierlich abnehmen , kann dies ein Hinweis auf Liquiditätsschwierigkeiten des Unternehmens sein. Das Kreditverhältnis ist dementsprechend intensiv zu überwachen. 21 Das im Jahresdurchschnitt in Anspruch genommene Kreditvolumen muß sich je nach Art des Unternehmens mehrmals umschlagen, um die wirtschaftlichen Verhältnisse als gesund ansehen zu können. Lassen die Umsätze aus der Habenseite deutlich nach, sollte sich das Kreditinstitut unverzüglich mit dem Schuldner in Verbindung setzen. 22 Ein plötzlicher Rückgang der Habenumsätze kann aber auch darin begründet sein, daß der Kreditnehmer eine neue Bankverbindung hat. Wenn vor allem die Zahlungseingänge auf dieses neue Konto umgeleitet werden , kann vermutet werden, daß mit der Eröffnung des Kontos auch Kreditwünsche verbunden waren. 23 Die Ursachen einer Limitüberschreitung können vielschichtig sein und dürfen nicht immer negativ bewertet werden. 24 Eine plötzliche Inanspruchnahme bisher nicht genutzter Kreditlinie kann auf einen Liquiditätsengpaß hindeuten oder aber auf einen günstiger Kreditpreis zurückzuführen sein. 25 Anzeichen für eine Bonitätsverschlechterung liegen dann vor, wenn sich die Anzahl der Limitüberschreitungen häuft und/oder ihre zeitliche Dauer sowie betragsmäßige Höhe tendenziell ansteigen, bei gleichbleibendem oder sinkendem Umsatz. 26 Wenn eine kontinuierliche Erhöhung des Limits erfolgt, kann
19 Vgl. Berlandi, Peter: Kontodaten-Analyse für die Bonitätsprüfung im Firmenkundenkreditgeschäft, in: Hallesche Schriften zur Betriebswirtschaft, Band 7, Wiesbaden 2000, S. 81.
20 Vgl. Thanner, Walter: Die Analyse der Kontokorrentverbindung als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Studienreihe der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Band 8, Stuttgart 1991, S. 56-58.
21 Vgl. Zellweger, Bruno: Kreditwürdigkeitsprüfung in Theorie und Praxis, in: Bankwirtschaftliche Forschungen, Band 102, Bern, Stuttgart 1987, S.68.
22 Vgl. Ohlmeyer, Dietrich; Gördel, Karl: Das Kreditgeschäft der Kreditgenossenschaften, 10 Auflage, Wiesbaden 1995.
23 Grunwald, Egon; Grunwald, Stephan: Bonitätsanalyse im Firmenkundengeschäft, Stuttgart 1999, S. 119.
24 Vgl. Dinkelmann, Reto: Kriterien und Instrumente zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Bank- und finanzwirtschaftliche Forschungen, Band 213, Bern 1995, S.166-167.
25 Vgl. Knief, Peter: Ein EDV-gestützter Lösungsansatz zur zeitnahen Analyse der aktuellen wirtschaftlichen Lage als Instrument der Kreditwürdigkeitsprüfung , in: Mitteilungen aus dem Institut für das Spar- Giro- und Kreditwesen an der Universität Bonn, Nr. 16, Bonn 1984, S. 30.
26 Vgl. Dinkelmann, Reto: Kriterien und Instrumente zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Bank- und finanzwirtschaftliche Forschungen, Band 213, Bern 1995, S.166-167.
8
eine Investitionsausgabe oder ähnliche Vorhaben ausgeschlossen werden, insbesondere da diese in der Regel einmalig sind und langfristig finanziert werden Deshalb deutet eine stetig steigende Limitausnutzung oder Überziehung auf die Finanzierung des laufenden Geschäfts hin. Natürlich kann der Grund ständiger Überziehungen auch in der Umsatzausweitung liegen. Davon ist allerdings in der Regel nur auszugehen, wenn ein höherer Zahlungseingang als in den Vormonaten zu verzeichnen ist. 27
Bei der Suche nach Unterscheidungsmerkmalen zwischen guten und schlechten Unternehmen ist es naheliegend, mit Hilfe von deskriptiven Verfahren zu untersuchen, ob aufgrund der Ausprägung einzelner Kontovariablen die Bonitätsunterschiede der Firmen sichtbar werden. Ist dies der Fall, erscheint die Anwendung analytischer Verfahren , die das Ziel haben, gute und krisengefährdete Unternehmen zu trennen, ebenfalls erfolgsversprechend. 28
In der empirischen Untersuchung von Zellweger wurden unter anderem die folgenden Hypothesen bestätigt:
- Unternehmen mit außerordentlich starken Umsatzzunahmen sind stark insolvenzgefährdet.
- Unternehmen mit außerordentlich starken Umsatzabnahmen sind stark insolvenzgefährdet.
- Insolvenzgefährdete Unternehmen überschreiten ihr Kreditlimit häufig.
- Insolvenzgefährdete Unternehmen beanspruchen ihren vom Kreditinstitut eingeräumten Kontokorrentkredit dauernd stark. 29
Diese Tatsachen müssen demzufolge an den Kontovariablen Sollumsatz, Habenumsatz, Limit und durchschnittlicher valutarischer Saldo abzulesen sein. In der empirischen Untersuchung von Thanner werden diese einzelnen Variablen, getrennt nach guten und schlechten Unternehmen, im Zeitablauf gegenübergestellt. Der unterschiedliche Verlauf der einzelnen Kontovariablen ist im folgenden kurz dargestellt:
27 Grunwald, Egon / Grunwald, Stephan: Bonitätsanalyse im Firmenkundengeschäft, Stuttgart 1999, S. 118.
28 Vgl. Thanner, Walter: Die Analyse der Kontokorrentverbindung als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft der Banken, in: Studienreihe der Stiftung Kreditwirtschaft an der Universität Hohenheim, Band 8, Stuttgart 1991, S. 103.
Arbeit zitieren:
Dipl.Betrw.(BA) Michael M. Fleißer, 2001, Die Kontodatenanalyse als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Kreditvergabeverhalten deutscher Banken im Kontext von Basel II -
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 102 Seiten
Basel II, die Bedeutung für den Mittelstand und Rating
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Diplomarbeit, 112 Seiten
Basel II - Kennzeichnung und Beurteilung der Ratinganforderungen an KM...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 116 Seiten
Keiretsu: Die japanische Herausforderung
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 35 Seiten
Probleme der Früherkennung von Unternehmenskrisen anhand von Jahresabs...
Seminararbeit, 27 Seiten
Die Bedeutung von asymmetrischer Information auf Kreditmärkten
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Examensarbeit, 85 Seiten
Darstellung der Möglichkeiten einer Workout-Abteilung für notleidende ...
Diplomarbeit, 56 Seiten
Auswertung der Umfrage: Beschwerdemanagement in der Assekuranz
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Forschungsarbeit, 44 Seiten
Non Performing Loans - Verkauf und Handel von Problemkrediten in Deuts...
BWL - Investition und Finanzierung
Bachelorarbeit, 78 Seiten
Internationaler Handel mit Emissionszertifikaten
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Seminararbeit, 29 Seiten
Wege aus der Unternehmenskrise: Kritische Analyse und Vergleich von Ko...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 105 Seiten
Financial Covenants in der Bilanzanalyse von Firmenkunden
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 38 Seiten
Emissionshandel - Das System des Handels mit CO2-Zertifikaten
Politik - Internationale Politik - Klima- und Umweltpolitik
Seminararbeit, 35 Seiten
Unternehmensberatung mittelständischer Unternehmen als Bankleistung
Eine Studie zur Abgrenzung zu ...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 95 Seiten
Krisenfrüherkennung in Unternehmen durch die Anwendung von Kennzahlen
Hausarbeit, 23 Seiten
Michael M. Fleißer's Text Die Kontodatenanalyse als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael M. Fleißer hat den Text Die Kontodatenanalyse als Instrument zur Risikofrüherkennung im Firmenkundengeschäft veröffentlicht
Michael M. Fleißer hat einen neuen Text hochgeladen
Bankstrategien im Firmenkundengeschäft
Konzeption - Management - Dime...
Christoph J. Börner, Harald Maser, Thomas Christian Schulz
Handbuch Gesellschaftsrecht für das Firmenkundengeschäft
Vertretung - Haftung - Eigenka...
Peter Blümler, Michael Busch, Volker Lang
Bonitätsanalyse im Firmenkundengeschäft
Handbuch Risikomanagement und ...
Egon Grunwald, Stephan Grunwald
Qualifizierte Neukundengewinnung im Firmenkundengeschäft
So erreichen Sie wertvolle Kon...
Hans-Georg Schumacher
Neue Strategien für das Firmenkundengeschäft der Banken
Risikosteuerung, Marketing und...
Heinz Benölken
Praxishandbuch Firmenkundengeschäft
Geschäftsfelder, Risikomanagem...
Jürgen Hilse, Werner Netzel, Diethard B. Simmert
0 Kommentare