Gliederung
Einleitung
1. Definition Seite: 1
2. Das Krankheitsbild 1
2.1 Der typische Patient 1
2.2 Merkmale der Bulimie 2
2.2.1 Heißhunger und Erbrechen 2
2.3 Die Diagnose 3
2.4 Folgen der Bulimie 4
3. Die Hintergründe 4
3.1 Soziokulturelle Hintergründe 4
3.2 Psychologische Hintergründe 5
3.3 Neurobiologische Hintergründe 5
3.4 Die Familie 6
3.4.1 Die Väter 6
3.4.2 Die Mütter 7
4. Gegenüberstellung Anorexia nervosa und
Bulimia nervosa 7
5. Therapieformen 9
6. Schlußbetrachtung 10
Bulimia nervosa H Wurm
Einleitung
Während die Magersucht mittlerweile den meisten Menschen ein Begriff ist, können sie mit dem Krankheitsbild der Bulimie wenig anfangen. Obwohl wahrscheinlich viele von ihnen hin und wieder „bulimische Attacken“ erlebt haben, in dem sie nach übermäßigem Essen und Trinken entweder spontan oder unter Zuhilfenahme eines „Instruments“ (Löffel- oder Gabel- stiele sind hier sehr beliebt) oder eines ihrer Finger das Erbrechen, des zuvor im Übermaß „Einverleibten“, einleiteten. Ein Vorgehensweise, die bei den Römern vor allem während des Niedergangs ihres Imperiums weit verbreitet war.
Bei der Bulimie handelt es sich um eine Erscheinung, deren Ursache noch weitgehend unbekannt ist und von der fast ausschließlich Frauen betroffen sind. Der Anteil der Männer schwankt in der Literatur von 5 bis 15%, in den Fachbüchern ist allerdings immer nur von „Patientinnen“ und „Bulimikerinnen“ die Rede und die vielen Fallbeispiele, die dort aufgezeichnet sind, beziehen sich ausschließlich auf erkrankte Frauen.
Eine der Hauptursachen für dieses Krankheitsbild scheint das Schlankheitsideal unserer Zeit zu sein. Denn während in früheren Zeiten bis in die Mitte unseres Jahrhunderts eher rundliche Formen für die weibliche Idealfigur galten, wird jetzt ein extrem schlanker Frauenkörper, vergleichbar den Barbie-Puppen, als weibliches Idealbild angesehen. Übersehen wird dabei die Tatsache, daß diese Figur nur durch Hungerkuren und Mangelernährung erreicht werden kann.
Betroffenheit löste bei weiten Bevölkerungsschichten die Meldung in der Regenbogenpresse aus, das Prinzessin Diana an Bulimie litt.
Ich kam auf dieses Thema über ein Gespräch mit einer Kollegin, die bis vor einem Jahr auf einer unserer Intensivstationen gearbeitet hat und die von mindesten zwei bis drei Kolleginnen weiß, die an Bulimie leiden. Das hat mich bewogen, nachdem mir bis dahin dieses Krankheitsbild weitgehend unbekannt war, mich näher mit diesem Thema auseinander zusetzen.
Bulimia nervosa H. Wurm
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1. Definition
Bulimie wird von den griechischen Wörtern bous, bedeutet Stier oder Ochse und limos, bedeutet Hunger abgeleitet. Wörtlich übersetzt könnte man von Stier oder Ochsenhunger sprechen. (vergl. Erpen 1994 S. 133)
2. Das Krankheitsbild
Ab Mitte der siebziger Jahre beobachtete man in Amerika zunehmend junge Frauen, die an Eßanfällen litten, das Gegessene hernach erbrachen und auch Abführmittel mißbrauchten. Nach außen hin fielen diese Frauen durch besondere Attraktivität, Schlankheit und konformes Benehmen auf. (Erpen 1994 S. 133)
2.1 Der typische Patient
Aus demographischer Sicht kann der typische Patient mit einer Bulimie wie folgt beschrieben werden:
∗ weiblich (ca. 95%) ∗ durchschnittlich 23,5 Jahre (von 18 bis 35 Jahre) ∗ unverheiratet (71,4%) ∗ einer gehobenen sozialen Schicht angehörig (77,1) ∗ in Ausbildung stehend (57,1)
(Bauer. Anderson und Hyatt S. 3)
Die beobachteten Charakteristika an den Patientinnen können vereinfacht so zusammengefaßt werden:
∗ Sie sind sehr selbstunsicher in allgemein menschlichen Belangen, aber vor allem auch in ihrem fraulichen Selbstsein.
∗ Diese Unsicherheitsgefühle versuchen sie durch besonders konformes Verhalten auszugleichen.
∗ Dabei sind sie nicht selten von perfektionistischer, zwanghafter Wesensart, sie wollen immer alles fehlerfrei machen, um keine negativen Kritiken von den Mitmenschen zu ernten.
∗ In beruflicher Hinsicht kommen sie gut vorwärts, wobei man aufgrund ihrer äußeren Leistungsfähigkeit nicht auf ihre persönliche Notlage schließen könnte. ∗ Alle Patientinnen machten früher oder später depressive Verstimmungszustände durch.
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∗ Es liegen aber auch andere psychiatrische Krankheitsbilder vor, z.B. Angst- oder Zwangsneurosen, Drogen- oder Akoholmißbrauch, andere machten schwere psychotische Phasen durch.
∗ Die Patientinnen werden übereinstimmend als unsichere, perfektionistische, außen- orientierte, auf Schlankheitsideal versessene Frauen beschrieben. (vergl. Erpen 1994 S. 149)
Die Bulimiepatientin möchte ihr Problem unter allen Umständen vor der Umwelt verbergen, sie strebt deshalb ein Gewicht nahe dem Normalgewicht an, sicherer fühlt sie sich im leicht untergewichtigen Bereich, extreme Schlankheit wird dabei nicht angestrebt. (vergl. C. Böhme- Bloem in Herzog 1997 S. 15) Viele der Patienten litten vorher an Anorexie, bei ihnen kam es nach einer Zeit des Fastens und der Kasteiung irgendwann zum Kontrollverlust, zur Bulimie. Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, über einen längeren Zeitraum Fastenkuren machen oder Diäten einhalten sind gefährdet die Kontrolle zu verlieren. Sie versuchen dann, den begangenen Fehler durch Erbrechen oder durch die Einnahme von Abführmitteln wiedergutzumachen. Im Laufe der Zeit kommt es zu einer Steigerung der Nahrungsmenge, bis schließlich richtige „Freßorgien“ abgehalten werden, bei denen unvorstellbare Mengen - bis zu 10000 Kalorien - verschlungen werden können. (vergl. Gerlinghoff Backmund und Mai 1995 S. 122)
2.2 Merkmale der Bulimie
Das primäre Merkmal der Bulimie sind Freßanfälle. Diese treten gewöhnlich auf wenn die Patientin alleine ist. Sie nimmt dann große Mengen an Nahrungsmitteln mit hohem Kohle- hydragehalt zu sich, die zudem leicht hinunterzuschlucken sind und entsprechend deshalb ausgewählt werden. Es wird berichtet, daß eine Bulimikerin bis zu 50.000 Kalorien in mehren Freß/Abführ-Zyklen an einem Tag konsumieren kann. In den meisten Fällen wird der Freßanfall durch selbst herbeigeführtes Erbrechen beendet. (vergl. Bauer,Anderson und Haytt 1994, S. 11f) Neben dem Erbrechen werden häufig Abführmittel und Diuretika zur „Entleerung“ eingesetzt. Ein weiteres Mittel zur Erreichung und Beibehaltung der angestrebten Idealfigur ist übermäßiges körperliches Training.
Bulimia nervosa H. Wurm
Arbeit zitieren:
Helmut Wurm, 1999, Bulimia nervosa, München, GRIN Verlag GmbH
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