2
Inhalt
I. Hinführung 03
II. Massenkonsummöglichkeiten 03
III. Konsumfreiheiten 05
IV. Konsumbedürfnisse 07
V. Fazit 09
3
I. Hinführung:
Jenes lateinische Wort, das die Herkunft des Begriffes „Konsum“ markiert, heißt „consumere“ und scheint in seinen Übersetzungsmöglichkeiten den problematisch differenzierten Wesensinhalt der Konsumgesellschaft bereits vorweg zu nehmen. Es lässt sich übersetzen mit „verbrauchen“, „vergeuden“ oder „mit etwas ausfüllen“.
Der Begriff „Konsumgesellschaft“ lässt sich definieren als eine Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, in der der Lebensstil breiter Bevölkerungsschichten überwiegend durch den Verbrauch von Waren und Dienstleistungen bestimmt wird und sowohl Eigeninitiative als auch solidarisches Handeln bzw. Interagieren mit anderen Menschen zunehmend in den Hintergrund gerät. Dabei reduziert sich der Konsum nicht allein auf die Beschaffung notwendiger Güter, vielmehr wird das Konsumieren zum Erlebnis hochstilisiert. Der Konsum ist also das kennzeichnende Moment des konsumgesellschaftlichen Lebensstils.
Um im modernen Sinne konsumieren zu können, bedarf es dreier Gegebenheiten, die dergestalt in ihrer „Trinität“ nur in modernen Gesellschaften zu finden sind. Zum Einen muss das Vorhandensein von Konsumartikeln gesichert (Massenkonsummöglichkeiten), zum Anderen müssen die Möglichkeiten zum Verbrauch von Konsumgütern für den Großteil der Bevölkerung gegeben (Konsumfreiheiten) und zum Dritten muss die begründete Bereitwilligkeit des potentiellen Konsumenten existent sein, Waren weit über die Notwendigkeit hinaus zu konsumieren (Konsumbedürfnisse). Dass alle diese Aspekte nur in dem sichergestellt und gewährleistet werden können, was wir moderne Gesellschaft nennen, ist im Folgenden darzulegen.
II. Massenkonsummöglichkeiten:
Tote Körper werden plastiniert und in Ausstellungen einem Millionenpublikum überästhetisiert angeboten, Bestattungsinstitute werben für ihre traurigen Pflichten wie Reisebüros, und Partnerschaftsagenturen versprechen mit perlweißen Zähnen das sichere Glück. Alles lässt sich vermarkten und nimmt Warencharakter an.
Der Begriff der Massenkonsummöglichkeiten setzt vier Dinge voraus. Erstens muss eine Vielzahl an Konsumartikeln gewährleistet werden, welche nach dem Prinzip der Überschussproduktion und somit (erst) in der modernen Gesellschaft erreichbar wird. Auf der Basis einer sich äußerst rasant weiter entwickelnden Technologie und den Prinzipien der
4
Arbeitsteilung ist es möglich geworden, eine grenzenlos erscheinende Varietät verschiedener Waren zu produzieren, die innerhalb desselben unternehmerischen Arbeitsprozesses völlig identisch sind, sich aber von denen anderer Unternehmen bzw. Branchen in Design, Preis oder Form unterscheiden. Arbeitsteilung und massenhafte Herstellung von Konsumwaren auf der Grundlage technischer Errungenschaften, die in schwindelerregendem Tempo immer weiter entwickelt werden, sichern den schier unbeschränkten Bestand an Massenkonsumartikeln; nur so wird eine Auswahl möglich, die den Konsumenten befähigt, sich für diese oder jene Ware zu entscheiden. Über die modernen Mittel der Haltbarmachung, der Lagerung und der Logistik ist es zudem möglich geworden, Waren in Massen anzuhäufen und über weite Strecken zu transportieren. Das Teilsystem Wirtschaft hat sich in der modernen Gesellschaft als dominant durchgesetzt, und dessen rationale, das Quantitative betonende und das Qualitative vernachlässigende Prinzipien infiltrieren zunehmend jeden Bereich der Gesellschaft.
Alles nimmt Warencharakter an, denn zweitens ist es für Massenkonsummöglichkeiten bedeutend, dass alle Waren, Güter, Erlebnisse oder Dienstleistungen vermarktet und konsumiert werden können. Es darf nicht da von einer Konsumgesellschaft gesprochen werden, wo nur das essentielle, nur das primäre, nur das lebenserhaltende Gut im Überfluss vorhanden ist und verbraucht wird. Vielmehr sind von Schuhen über Sexualität, von Autos über Ehen bis hin zu Reisen oder Sport alle Dinge auf markttechnische Weise in Szene gesetzt. Alles ist Ware, und alles kann bis zuletzt konsumiert werden.
Drittens muss den Konsumenten das Vorhandensein bestimmter Konsumartikel bekannt sein,
weil sich nur das kaufen und verbrauchen lässt, um dessen Existenz man weiß. Diese Bekanntheit wird über Werbung und modernste Kommunikationsmittel sichergestellt, und die progressiven Möglichkeiten, auch größte Entfernungen in wenigen Minuten oder Stunden zu bewältigen, gewährleisten es viertens, die „nötigen“ Konsumartikel auch zu jeder Zeit dem Konsumenten zugänglich zu machen, sei es, dass er selbst zur Ware oder sei es, dass die Ware zu ihm gelangt. Massenkonsummöglichkeiten sind also ein spezifisches Charakteristikum moderner Gesellschaften, denn nur dort ist ihre Existenz gesichert. Für die Herstellung und den Vertrieb dieser greift man auf modernste Technologien, Kommunikationsmittel, Infrastrukturen und logistische Gegebenheiten zurück, die in so ausgereifter Form nur dort präsent sind. Über die Rechtssicherheit wird das Eigentum zum unantastbaren Gegenstand, dessen unrechtmäßige Aneignung darauf basierend strafrechtlich verfolgt wird, und die zu
Quote paper:
Dominik Jesse, 2004, Über die Konsumgesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Unterrichtsstunde: Friedenssicherung am Beispiel Afghanistan
Politics - Didactics, Political Education
Lesson Plan, 12 Pages
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Aktuelle Aspekte des Konsums in der kapitalistischen Gesellschaft
Einfluss der Werbung auf den K...
Business economics - Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research
Termpaper, 19 Pages
Das Politikfeld Gentechnologie: Eine Analyse am Beispiel der Entscheid...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Hoc volearunt ... Caesars Feldzug in Griechenland im Jahre 48 vor Chri...
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 36 Pages
Die Selbstdarstellung des Felipe Guaman Poma de Ayala in "Nueva C...
Romance Languages - Latin American Studies
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Der Einfluss von Medien auf das Konsumverhalten von Kindern und Jugend...
Pedagogy - Pedagogic Sociology
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Einkaufszentren als sakrale Orte
Sociology - Consumption and Advertising
Scholary Paper (Seminar), 23 Pages
Was will uns diese Kunst? Zu Arthur C. Dantos Kunstphilosophie
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Individuum und Gesellschaft in den Konzepten von Georg Herbert Mead
Sociology - Individual, Groups, Society
Termpaper, 33 Pages
Argumentation - Von der klassischen Rhetorik zum Argumentationsschema ...
Romance Languages - Spanish Studies
Scholary Paper (Seminar), 29 Pages
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Welche Gründe sieht Walter Benjamin für die Veränderung des menschlich...
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Ein Portrait der Beat Generation als Wegbereiter der Psychedelic Beweg...
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Dominik Jesse has published the text Über die Konsumgesellschaft
Dominik Jesse has uploaded a new text
Geophysikalische Theorien über die Planeten Jupiter und Saturn mit ihr...
Bernhard Hinrichsen
Die Konsumgesellschaft in Deutschland 1890-1990
Ein Handbuch
Heinz-Gerhard Haupt, Claudius Torp
WOLK 1: Der LASAREWSKI-REPORT zum Wolf in Rußland. Über die Vernichtu...
Die Wolfsansiedlung und ihr Pr...
Alexander Brückner, Walter Rathgeber, Wasilij Matwejewitsch Lasarewski, Narcisse Seppey, Domenico Laffi, Alexander Theodor von Middendorf, Jürg Steiner, F. I. Walewskij, Knut Bengelmann, Giordano Cayetano Brunelli, Valentino Bonvicini, Claus Taaks, Claus Gampe, Irina Mironova
0 comments