Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Kaffeelegenden 3
III Die Verbreitung des Kaffees vom Orient bis nach Europa
a) Die Wurzeln des Kaffees 4
b) Die Verbreitung in Europa und Deutschland 7
c) Der Ersatzkaffee 10
IV Die Geschichte der Berliner Kaffeehäuser vom Café Royal zu Starbucks 10
V Fazit und Ausblick 18
VII Quellenverzeichnis 19
VIII Literaturverzeichnis 19
2
I. Einleitung
1669 schrieb Madame de Sévigné: „Das Kaffeetrinken ist eine Mode, die ebenso wie der moderne Schriftsteller Racine der Vergangenheit anheimfallen wird.“. 1 Diese Hausarbeit wird untersuchen, ob Madame de Sévigné Recht behielt, oder ob sich der Kaffee-Kult doch noch erhalten hat.
Die Geschichte des Kaffees ist eine lange, interessante, zuweilen auch lustige Geschichte, welche allerdings viele Vermutungen über die Anfänge beinhaltet. Denn gesicherte Quellen darüber, wer den Kaffee entdeckte und wo dies geschah, gibt es nicht. Sicher ist, dass es schon ein langer Weg war, bis der Kaffee seinen heutigen Namen hatte. Chaube, caova, coffee, kavak, qahwah, kahveh waren alles Namen für den fertig zubereiteten Kaffee. Und auch die Bohne und der Strauch besaßen im 16. Jahrhundert viele unterschiedliche Bezeichnungen wie z. B. Bun, Buna, Bunc. Erst ca. 200 Jahre später setzten sich die heutigen europäischen Begriffe durch.
Eigenschaften wie Wachheit, schnelles Reaktions- und Kombinationsvermögen sind Ursache und Anlass dafür, dass der Kaffee Einzug in die bürgerliche Gesellschaft hielt und Bier und Wein von der täglichen Getränkekarte verdrängte.
II. Kaffeelegenden
Wie kam es dazu, dass man die Bohnen des Kaffeestrauches röstet, mahlt und dann mit heißem Wasser aufbrüht?
Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es bisher nicht. Dafür ranken sich aber viele verschiedene Legenden um die Geschichte des Kaffees. So erzählt z. B. Peter Lummel in seinem Buch „Kaffee – Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker; Drei Jahrhunderte Berliner Kaffeegeschichte“: „Ein brennender Kaffeestrauch oder zufällig ins Feuer gefallene Kaffeesamen sollen – eine von vielen Legenden vom Ursprung des Getränkes – gebildete Mönche in Äthiopien im 14. Jahrhundert darauf gebracht haben, den zweigeteilten Kirschkern (Bohne) über dem Feuer zu rösten, abzukühlen, zu mörsen und mit heißem Wasser zu vermischen. Das ideale Getränk war entdeckt, um sich bei nächtlichen Exerzitien und Gebeten besser wach halten zu können!“ 2 Faustus Naironus Banesius schrieb 1671 in seinem Traktätlein vom Kaffee, dass es einst einen Kamel- oder Ziegenhirt gab, der sich darüber beklagte, dass seine Tiere keine Ruhe
1 Zitiert nach: Heise 1987, S. 37
2 Lummel 2002, S.9
3
fanden. Er befragte den Prior. Dieser war der Meinung, dass das Futter der Tiere die Ursache beherberge. Der Hirt und zwei Mönche machten sich auf den Weg und fanden eine strauchartige Pflanze, die sie nicht kannten. Sodann bereiteten sie aus der Pflanze einen Aufguss und kosteten ihn. „Ohne das geringste Bedürfnis nach Schlaf verbrachten sie die ganze Nacht in einem angeregten und glücklichen Seelenzustand.“ 3 Seitdem wurde der Kaffee für die Mönche im Kloster gekocht und Gäste durften kosten.
Da die Gäste häufig Kaufleute auf der Durchreise waren, nahmen sie den Kaffee mit auf ihre Wanderschaft und verbreiteten ihn so im gesamten Orient.
Ähnliches erzählt auch der Autor Mark Pendergrast. Er weiß von dem Ziegenhirt Kaldi zu berichten, welcher seine Ziegen des Abends immer mit einem schrillen Pfiff auf seiner Flöte zum Heimgehen bewegte. Eines Abends aber pfiff er, und keine Ziege kam. Er machte sich auf die Suche und fand die Ziegen, auf den Hinterbeinen tanzend, in der Nähe eines Strauches mit roten Beeren. Er sah, dass die Ziegen sich an Beeren und Blättern gütlich taten, probierte selbst ein Paar und bemerkte, wie sich ein Kribbeln im ganzen Körper ausbreitete und er das Bedürfnis hatte, zu tanzen und zu singen. Er ging nach Hause, erzählte den Vorfall seinem Vater. Dieser habe, so Pendergrast, die Geschichte seines Sohnes verbreitet und so den Weg für den Beginn der Kaffeegeschichte geebnet. 4 Eine weitere Legende aus dem 13. Jhd. erzählt von der Lebensrettung Omars in der Wüste. Omar verliebte sich in die schöne Tochter des Kalifen und wurde deshalb in eine einsame Steinwüste verbannt. Das einzig Essbare, was er fand, war ein Strauch mit roten Beeren. Er nahm die Beeren auf seiner weiteren Wanderung mit und kochte sie mit Wasser auf. Der Trunk verlieh ihm neue Lebensgeister und heilte seinen Aussatz. Er traf auf einen kranken Einsiedler und heilte ihn mit Hilfe des heißen Getränks. Der Einsiedler zog weiter nach Mokka und berichtete dort von seiner Heilung. Dies kam dem Kalifen zu Ohren. Er erkannte in dem „Wunder“ Allahs Größe und Omars Unschuld. Omar durfte in die Stadt zurückkehren. 5 Es wird auch vom Propheten Mohammed berichtet, welcher den Genuss berauschender Getränke untersagte. Mohammed wurde krank. Da erschien ihm der Erzengel Gabriel mit einer Schale dampfender, dunkler Flüssigkeit. Mohammed trank und war gesund. So kam es, dass er diese Flüssigkeit, den Kaffee, als Ersatz für Bier und Wein empfahl.
3 Heise 1987, S. 10
4 vgl. Pendergrast 2001, S. 21f.
5 vgl. Café/KaffeeKult, S. 3
4
III. Die Verbreitung des Kaffees vom Orient bis nach Europa
a) Die Wurzeln des Kaffees Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Kaffeepflanze, das „Heilmittel Bunchum“, im 11. Jhd. durch Ibn Sina.
Im 15. Jhd. dann tauchte ein Manuskript auf, welches von Mufti Gemaleddin erzählt. Dieser sorgte laut der Schrift dafür, dass Kaffeekulturen angelegt wurden, deren Samen aus den abessinischen Bergen geholt wurde. 6 Ebenfalls niedergeschrieben ist, dass man den Kaffe um 1510 schon in Kairo kannte, wobei 1517 die Verbreitung des Kaffees gänzlich unter türkischer Oberhand stand. Das erste Kaffeehaus entstand 1530 in Damaskus. Zwei Jahre später wurde eins in Aleppo eröffnet, dann 1554 in Istanbul.
Um 1600 gab es Kaffeehäuser im gesamten osmanischen Reich. Kaffeehäuser wurden als „Ort der Zerstreuung, Unterhaltung und Bildung“ 7 bezeichnet. Hier wurde Lied- und Sagengut vorgetragen, um das kollektive Gedächtnis der Menschen aufrecht zu erhalten. Die Ausbreitung des Kaffeebaums nahm also im 16./17. Jahrhundert an der Südspitze der Arabischen Halbinsel seinen Anfang. Im 16. Jhd. bezog die arabische und die türkische Welt ihre Kaffeebohnen fast ausschließlich aus dem Südjemen. Hauptausfuhrhäfen waren Mocha am Roten Meer und Jiddah, der Vorhafen Mekkas. 8 Der rasch steigende Bedarf an Kaffee veranlasste die Plantagenbesitzer dazu, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Die Jungpflanzen wurden streng bewacht und die grünen Samen wurden vor der Ausfuhr mit heißem Wasser übergossen, um die Keimfähigkeit zu reduzieren. Der Kaffeeanbau wurde zum „Staatsgeheimnis“ deklariert. Die europäische Bourgeoisie versuchte, das Kaffeemonopol Südarabiens zu stürzen. 1602 wurde die Ostindische Kompanie und 1621 die Westindische Kompanie gegründet. Beide hatten das Ziel, die Vorherrschaft der Portugiesen und Spanier im Kaffeehandel zu brechen und eigene Stützpunkte in Übersee zu unterhalten.
Die Niederländer kamen 1616 in den Besitz von Kaffeesamen oder – pflanzen. Niederländische Gartenbauspezialisten züchteten Schösslinge, die dann in die Kolonien verschifft wurden, um dort zum Kaffeeanbau verwendet zu werden.
6 vgl. Heise 1987, S. 13f
7 Lummel 2002, S. 11
8 vgl. Heise 1987, S. 17
5
1658 begann der Kaffeeanbau auf Sri Lanka; die Jungpflanzen kamen aus Amsterdam. Danach wurde ebenfalls auf Java, Sumatra, Bali und Timor angebaut.
Auch die Franzosen versuchten, Kaffee gewinnbringend anzubauen, sie hatten allerdings nicht so viel Glück. Die erste Kaffeepflanze, die nicht einging, konnte erst 1714 gezüchtet werden. Zwischenzeitlich wurden Pflanzen aus Mocha besorgt und auf Haiti (1715) und Bourbon (1716) angepflanzt.
Frankreich und die Niederlande erteilten Ausfuhrverbote von Samen und Setzlingen, um eine Verbreitung und Verwertung außerhalb ihrer Kolonien zu unterbinden. Der dadurch entstehende Schmuggelhandel war mit hohen Risiken verbunden. So war z. B. in Niederländisch- und Französisch-Guayana der Schmuggel bei Todesstrafe verboten. Entgegen der heute verbreiteten Meinung, der Kaffee käme aus Brasilien, wurde der Kaffeeanbau hier erst intensiv ab 1752 betrieben. Vorher wurde überwiegende Zuckerrohr angebaut. Heute wird in 76 Ländern Kaffee produziert.
Die Arbeit auf den Kaffeeplantagen verrichteten Sklaven. So kam es immer wieder zu Unruhen und Revolten, die von den Pflanzern brutal unterdrückt wurden. Der größte und einzig erfolgreiche Sklavenaufstand jener Epoche fand 1791 – 93/94 auf Haiti statt. Das „’Kolonialprodukt’ Kaffee“ 9 wurde im 19. Jhd. zu einem der wichtigsten und außerordentlich gewinnbringenden Welthandelsprodukte überhaupt. Ca. 1780 verbrauchte Europa 6.500t Kaffee pro Jahr; ungefähr die Hälfte davon kam von französischen Plantagen. Mitte des 19. Jhd. allerdings, bei einem Verbrauch von über 1 Mill. t, hatte Brasilien die französischen Kolonien überholt und lieferte Dreiviertel des Produktes. Der Kaffeeanbau erreichte enorme Bedeutung in der Agrarproduktion. 10 Um 1900 dann gab es eine Kaffeekrise wegen Überproduktion. Die nötige Valorisation versuchte man, durch eine Vernichtung des Kaffees zu erzielen. Da dies aber nicht zum erhofften Erfolg führte, kam man auf die Idee, den Kaffee anderweitig zu verwerten. So wurden aus dem brasilianischen Überschusskaffee mittels industrieller Nutzung der Kaffeekirsche beispielsweise Straßenbeläge, Möbel, Pharmaka, Papier und Benzin hergestellt. Erst dies brachte die benötigte Erleichterung in der angespannten Wirtschaftslage.
9 ebd. S. 23
10 vgl. ebd. S. 23
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Nicole Singler, 2005, Die Geschichte des Kaffees mit dem Schwerpunkt Berliner Kaffeehauskultur, Munich, GRIN Publishing GmbH
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