1 Konfliktlage
Seit Mitte der achtziger Jahre hat das Problem des zunehmenden Konsums von illegalen Drogen in den USA in der amerikanischen Öffentlichkeit zur starker Besorgnis geführt. Dabei wurde Kokain- und Crackkonsum als Ursache für die rasant gestiegene Kriminalität angesehen. Die politische Führung führte das Problem auf das Angebot von illegalen Drogen aus Lateinamerika zurück. Die Reduzierung des Drogenkonsums der US-Amerikaner sollte durch die Vernichtung von Kokafeldern und Laboratorien in den Anbauländern erreicht werden. Verschärfung von Grenzkontrollen zu Wasser und auf dem Landweg zum Nachbarland Mexiko sollten ebenfalls der Reduzierung des Angebots dienen. Diese Arbeit soll die Bedingungen, die Umsetzung und die Folgen des Einsatzes von US-Streitkräften in Lateinamerika darstellen und auswerten.
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Inhaltsverzeichnis
1 Konfliktlage
2 Voraussetzungen für den Einsatz
3 Beteiligte Parteien und ihre Ziele
3.1 US-Institutionen und Behörden
3.2 Staaten
3.3 Rebellengruppen
4 Low-Intensity Conflict (LIC)
4.1 Andenstrategie
4.2 Operation Ghost Zone Bolivien 1992
5 Überwachung der See- und Landwege in die USA
6 Die Wirksamkeit der Einsätze
7 Tendenzen im Drogenkrieg
7.1 Zertifizierung
7.2 Plan Colombia
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen, die praktische Umsetzung sowie die politischen und sicherheitsrelevanten Folgen des Einsatzes von US-Streitkräften zur Drogenbekämpfung in Lateinamerika seit Mitte der 1980er Jahre. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wirksamkeit dieser militärisch orientierten Strategien im Vergleich zu den komplexen sozioökonomischen Ursachen des Drogenhandels in der Region.
- Die historische Entwicklung der US-Drogenpolitik und die Rolle des Militärs.
- Die Definition und Anwendung der Low-Intensity Conflict (LIC) Strategie.
- Die Rolle spezifischer Akteure wie US-Behörden, lateinamerikanischer Staaten und Rebellengruppen (FARC, Sendero Luminoso).
- Die Analyse von Fallbeispielen wie der „Operation Ghost Zone“ und dem „Plan Colombia“.
- Die Wirksamkeit von Zertifizierungsprogrammen und militärischer Unterstützung als Druckmittel.
Auszug aus dem Buch
4.2 Operation Ghost Zone Bolivien 1992
Wie direkte Operationen in den Andenstaaten geplant und durchgeführt werden, soll am Beispiel der Operation Ghost Zone dargestellt werden. Die Operation Ghost Zone wurde 1992 in Bolivien durchgeführt. Das betroffene Territorium umfaßte Pando, El Beni und das Department Santa Cruz. Vergleichbare Aktionen wurden in Bolivien seit 1986 durchgeführt. Es mußte aber erkannt werden, daß das bisherige Vorgehen nicht so erfolgreich gewesen ist, wie von den Beteiligten erhofft worden ist. Die erste großangelegte Operation in Bolivien 1986 scheiterte an der Tatsache, daß die Drogenmafia gewarnt worden ist und flüchten konnte. Die angestrebten Ziele d.h. die Zerstörung der Kokafelder und Laboratorien und Verhaftungen der Verantwortlichen konnten nicht im erwünschten Maße durchgeführt werden. Nach starken Protesten der betroffenen Bauern mußte die militärische Präsenz nach kurzer Zeit aufgegeben werden. Es ist zu vermuten, daß das Gebiet von den Drogenkartellen leicht zu reaktivieren war.
Die Operation Ghost Zone konnte sich auf die Erfahrungen der vorangegangenen Operationen stützen und definierte den Einsatz viel breiter als es bisher geschehen ist. Die Ziele der leitenden Behörde DEA waren:
- Verhinderung des Transportes von Drogen auf See-, Land- und Luftstrassen.
- Zerstörung von Kokafeldern und Labors in Pando, El Beni und dem Department Santa Cruz.
- Zerstörung von Flugzeugen, die dem Drogenschmuggel dienen (Cesna 206 B).
- Immobilisierung von Kokapastehändlern und Produzenten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Konfliktlage: Das Kapitel beschreibt den Anstieg des Drogenkonsums in den USA ab den 1980er Jahren und die daraus resultierende politische Entscheidung, den Drogenhandel als sicherheitspolitisches Problem durch militärische Interventionen in Lateinamerika zu bekämpfen.
2 Voraussetzungen für den Einsatz: Hier wird erläutert, wie durch die Änderung des Posse Comitatus Act und durch Präsidialdekrete unter Reagan die Trennung von polizeilichen und militärischen Aufgaben aufgehoben wurde, um zivile Behörden bei der Drogenbekämpfung zu unterstützen.
3 Beteiligte Parteien und ihre Ziele: Es werden die verschiedenen US-Behörden (DEA, CIA, FBI), die involvierten lateinamerikanischen Staaten sowie Guerilla-Gruppen wie FARC und Sendero Luminoso und deren jeweilige Interessen im Drogenkonflikt beleuchtet.
4 Low-Intensity Conflict (LIC): Dieses Kapitel analysiert die Strategie der "niederschwelligen Konflikte", die nach den Erfahrungen des Vietnamkriegs entwickelt wurde, um flexiblere und risikoärmere militärische Interventionen zu ermöglichen.
5 Überwachung der See- und Landwege in die USA: Die Problematik der Grenzkontrollen wird dargestellt, wobei insbesondere die Schwierigkeit hervorgehoben wird, illegale Schmuggelaktivitäten vom legalen Handelsverkehr im Golf von Mexiko und der Karibik zu unterscheiden.
6 Die Wirksamkeit der Einsätze: Es wird kritisch bilanziert, dass die militärischen Interventionen das Drogenproblem nicht lösen konnten, da sie primär angebotsorientiert sind und die soziale Problematik der Armut unter den Kokabauern ignorieren.
7 Tendenzen im Drogenkrieg: Abschließend werden die Zertifizierung als diplomatisches Sanktionsinstrument und der umfassende "Plan Colombia" als aktuelle Schwerpunkte der US-amerikanischen Anti-Drogen-Politik vorgestellt.
Schlüsselwörter
Drogenkrieg, USA, Lateinamerika, Militäreinsatz, Drogenbekämpfung, Low-Intensity Conflict, Kokain, Andenstaaten, DEA, Grenzüberwachung, Zertifizierung, Plan Colombia, FARC, Sendero Luminoso, Sicherheitspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einsatz und die Rolle der US-Streitkräfte bei der Bekämpfung des illegalen Drogenhandels in Lateinamerika seit den 1980er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Strategie des "Low-Intensity Conflict", die Kooperation zwischen zivilen und militärischen US-Behörden sowie die sozioökonomischen Folgen des Drogenanbaus in den betroffenen Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, unter welchen Bedingungen US-Streitkräfte eingesetzt wurden und ob diese militärische Strategie tatsächlich zu einer effektiven Reduzierung des Drogenangebots in den USA geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Auswertung bestehender sicherheitspolitischer Fachliteratur und offizieller Dokumente zur US-Drogenpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Strategiebildung, konkreten Operationen wie "Ghost Zone", der Überwachung von Grenzregionen sowie der Analyse der Akteure vor Ort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Drogenkrieg, militärische Intervention, Sicherheitspolitik, Andenstrategie und internationale Drogenbekämpfung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die "Operation Ghost Zone" von früheren Ansätzen?
Sie zeichnete sich durch einen phasenweisen Ansatz aus, der militärische Operationen mit zivilen Maßnahmen verknüpfte und eine engere Abstimmung zwischen US-Behörden und lokalen Kräften vorsah.
Warum wird der "Plan Colombia" kritisch bewertet?
Er wird kritisch gesehen, weil er eine starke militärische Schlagseite hat, anstatt die wirtschaftlichen Ursachen der Drogenproduktion, wie die Armut der Bauern, nachhaltig anzugehen.
- Quote paper
- Aleksandra Fedorska (Author), 2002, Der Drogenkrieg - Der Einsatz der US-Streitkräfte in Mittelamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5133