Geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch
Annika Rönchen
Inhaltsangabe
S 3 1 Einleitung
S 4 2 Lakoffs Unsicherheitshypothese
S 4 2 1 Merkmale der Frauensprache
2.1.2 Syntaktische Unterschiede S 6
2.1.3 Höflichkeit S 7
S 7 2 2 Erklärungen und Schlüsse
S 8 3 Andere Studien
3.1 Brouwer et al 6SHHFKGLIIHUHQFHVEHWZHHQZRPHQDQGPHQ
2QWKHZURQJWUDFN"“ S 9
3.2 Crosby Nyquist 7KHIHPDOHUHJLVWHU QHPSLULFDOVWXG RI
DNRII VK SRWKHVHV S 10
3.3 Cameron McAlinden O Leary DNRIILQFRQWH WWKHVRFLDO
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1. Einleitung
Bereits im 17. und 18. Jahrhundert untersuchten europäische Entdecker außereuropäische Sprachen auf Merkmale unterschiedlichen Sprachgebrauchs von weiblichen und männlichen Mitgliedern der jeweiligen Sprachgemeinschaft. Es wurden sowohl Unterschiede bezüglich
JHQGHU festgestellt, d.h. unterschiedliche Formen von Adjektiven u.a. für feminine und
maskuline Bezugsworte, als auch Unterschiede in der Sprache von Frauen und Männern. Im 19. Jahrhundert prägte der Sprachforscher Frazer hierfür die Begriffe REMHFWLYH JHQGHU und
VXEMHFWLYH JHQGHU. Er nahm an, dass diese beiden Phänomene miteinander durch die
historische Entwicklung verknüpft und nicht etwa Ausdruck von sozialen, psychologischen oder kognitiven Tendenzen seien, was später für plausibler gehalten wurde.
Die Studien regten jedoch auch im 19. Jahrhundert in Europa kein gesteigertes Interesse für dieses Thema an. Bei der Untersuchung der Sprachen fanden die Forscher VH[H[FOXVLYH GLIIHUHQWLDWLRQ, also Sprachelemente, die entweder nur bei den Sprechern oder nur bei den Sprecherinnen auftraten, und VH[SUHIHUHQWLDO GLIIHUHQWLDWLRQ, die bevorzugte Verwendung bestimmter Sprachelemente von Männern oder Frauen. Einen Zusammenhang zu ihrer eigenen Gesellschaft stellten die Wissenschaftler nicht her. Man war sich einig, dass VH[ H[FOXVLYH GLIIHUHQWLDWLRQ in europäischen Sprachen nicht vorkam. Andererseits hielt man die Tatsache, dass Frauen und Männer unterschiedlich sprechen, für so trivial und weitläufig bekannt, dass man sich nicht genötigt sah, diesen Punkt weiter zu verfolgen. Unter den Sprachforschern herrschte allgemein die Auffassung, dass die Frauen des europäischen Sprachraums auf ihre eigene Weise sprächen, „XVLQJWULYLDOYRFDEXODU\DYRLGLQJKDUVKDQG XQVHHPO\ZRUGVVSHDNLQJDFRQVHUYDWLYHIRUPRIWKHODQJXDJHWDONLQJWRRPXFK...“ (Bodine, S. 131).
Erst 1954 machte Reik in einem Rückblick einen ersten ernsthaften Versuch, geschlechtsspezifische Sprachunterschiede im europäischen Sprachraum mit den „exotischen“ Sprachen zu vergleichen. In den 70er Jahren kam neues Interesse für das Thema auf. Es wurden unter anderem im Zuge der Frauenbewegung Gründe und Konsequenzen für die Unterschiede im Sprachgebrauch untersucht.
Auch die amerikanische Linguistin Robin Lakoff stellte sich in „/DQJXDJH DQG :RPDQ¶V 3ODFH“ von 1975 die Frage, was Sprache und Sprachgebrauch über die Ungleichheiten der Frauen- und Männerrollen in der Gesellschaft sagen können. Sie stellte die These auf, dass, obwohl es in der englischen Sprache kein Wort gibt, das ausschließlich von einem Geschlecht
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verwendet werden darf, sich der gesellschaftlich geringere Status der Frau in ihrer sich von der männlichen unterscheidenden Sprache widerspiegelt.
Als Reaktionen auf ihre Veröffentlichung erschienen in den folgenden Jahren viele Studien, die versuchten, Lakoffs Hypothesen zu bestätigen, zu widerlegen, oder einige Punkte genauer zu untersuchen. Lakoffs allgemeine und relativ ungesicherte Annahmen regten viele weiter führende Untersuchungen an und gaben den Anstoß, dieses Feld der Linguistik grundlegender zu erforschen.
2. Lakoffs Unsicherheitshypothese
Die amerikanische Linguistin Robin Lakoff stellte sich in den 70er Jahren die Frage, was der unterschiedliche Sprachgebrauch von Frauen und Männern über die Ungleichheiten ihres gesellschaftlichen Status aussagen kann. Da der Sprachgebrauch einer Person durch ihr soziales Umfeld bestimmt wird, kann man durch die Analyse der Sprache auch Aussagen über die Gesellschaft treffen.
Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und Intuition untersuchte Lakoff ihren eigenen Wortschatz, den von Bekannten und den in den Medien vorkommenden auf Ungleichheiten von Frauen- und Männersprache. Sie kam mithilfe von Introspektion zu dem Schluss, dass Frauensprache durch gewisse Merkmale gekennzeichnet ist, die auf den Status der Frau in der Gesellschaft zurückzuführen sind. So müssen Frauen in der Regel zwei „Sprachen“ beherrschen: die Frauensprache, die bei Frauen akzeptiert, bei Männern aber als lächerlich empfunden wird, und die Männersprache, die „neutrale“ Sprache. Frauen haben oft die Wahl zwischen diesen beiden Varianten und müssen sich je nach Situation entscheiden, welche die angemessene ist.
Während die von den Männern verwendete Variante von Lakoff als neutral eingeschätzt wird, schreibt sie der Frauensprache eine bestimmte Wirkung auf den Zuhörer zu: Wer die Frauensprache benutzt, wirkt schwach, unentschlossen, nicht fähig, wichtige Entscheidungen zu treffen und unsicher.
2.1 Merkmale der Frauensprache
Die Merkmale, anhand derer sich Frauen- von Männersprache unterscheidet, sind weit gestreut. Lakoff fand Unterschiede in der Häufigkeit und im Gebrauch bestimmter
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lexikalischer Items, in der Verwendung gewisser syntaktischer Regeln, im Grad der Höflichkeit und in der Intonation.
2.1.1 Lexikalische Unterschiede
Lakoff untersuchte das Vokabular der Frauensprache und fand, dass Frauen in Themenbereichen, die auch typischerweise als Frauendomäne angesehen werden, einen besonders ausgeprägten :RUWVFKDW] haben. Diese Bereiche, etwa Kochen, Mode oder Dekorieren, werden von ihr als nicht relevant für die „wirkliche Welt“ angesehen, da sie keine wichtigen Entscheidungen erforderten. Daher seien sie für Männer nicht interessant, die dort demzufolge auch keinen so differenzierten Wortschatz benötigten.
Es werde wahrscheinlich niemandem seltsam vorkommen, wenn Frauen einen großen Wortschatz für Farben hätten, die ja dem Themenbereich „Dekorieren“ zugeordnet werden können. Wenn jedoch ein Mann Wörter wie PDXYH EHLJH HFUX DTXDPDULQH oder ODYHQGHU benutze, sei dies lächerlich und werde als unmännlich angesehen, da vorausgesetzt werde, dass Männer sich mit solch trivialen Themen nicht beschäftigten. Ob also ein Satz wie „/RRN WKHZDOOLVPDXYH“ lächerlich klingt oder nicht, hänge vom Geschlecht der Person ab, die den Satz äußert.
Die Frauensprache weist noch andere lexikalische Besonderheiten auf. So verwenden Frauen viele „OHHUH³$GMHNWLYH (z.B. DGRUDEOHFKDUPLQJVZHHWORYHO\GLYLQH), die im Gegensatz zu „neutralen“ Adjektiven wie JUHDW WHUULILF FRRO oder QHDW stehen. Lakoff gibt an, dass eine Sprecherin, die „leere“ Adjektive benutzt, impliziert, dass das behandelte Thema keine Relevanz für die Wirklichkeit hat, also keine wichtigen Dinge beschreibt. Die neutralen Adjektive könnten zwar sowohl von Frauen als auch von Männern verwendet werden, die „leeren“ jedoch nur von Frauen. Lakoff zieht daraus den Schluss, dass Frauensprache keine an sich femininen Eigenschaften hat, sondern dass sie „nicht eingebunden in das wirkliche Leben“ oder „ in keiner mächtigen Position“ signalisiert.
Ein weiterer Punkt, den Lakoff als Merkmal der Frauensprache anführt, ist der Gebrauch von 3DUWLNHOQ, also Ausrufen und Schimpfwörtern. Lakoff hat beobachtet, dass schon Mädchen anders erzogen werden als Jungen. Sie dürfen nicht laut sein, sondern sollen sich still und unauffällig verhalten. Dies stellt sie in ähnlicher Form auch bei Erwachsenen fest: Männern ist es erlaubt, laut ihrem Unmut Luft zu machen, Flüche zu gebrauchen und starke Gefühle zu zeigen (z. B. Wut, Freude). Frauen hingegen dürfen zwar leise jammern und sich beschweren, es ist für sie jedoch nicht schicklich, wütend herumzuschreien und
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Annika Rönchen, 2002, Geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch - Lakoffs Unsicherheitshypothese, Munich, GRIN Publishing GmbH
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