Gliederung
Inhalt Seite
1. Abriss der Biographie Wilhelm Buschs 2
2. Literar- und kulturhistorischer Kontext 2
3. Wirkung/ Kritik seiner Werke - humoristische Weltsicht? 4
4. Stilmittel zur satirischen Wirkungsweise 9
5. Wilhelm Busch: Wirkungsästhetik im Spannungsfeld von kleinbürgerlichem
Possenreißer und Nazi Pionier 15
6. Literaturverzeichnis 17
1
1. Abriss der Biographie Wilhelm Buschs
Zur besseren Orientierung innerhalb der Werke Wilhelm Buschs soll hier zunächst ein kurzer biographischer Abriss gegeben werden, welcher sich allerdings nur auf wichtigste Daten beschränkt.
Wilhelm Busch wurde 1832 in Wiedensahl westlich von Hannover geboren. Obgleich Busch nach Willen seines Vaters Maschinenbauer werden sollte, brach er dieses Studium ab, um 1851 eine Malerausbildung an der Kunstakademie in Düsseldorf aufzunehmen. Schließlich verlässt Busch jedoch auch diese, enttäuscht, da sie seinen Vorstellungen nicht entsprach und entscheidet sich für ein Studium an der königlichen Akademie der schönen Künste in Antwerpen. 1853 erkrankt er bereits an Typhus, es kommt zum seelischen und körperlichen Zusammenbruch. 1865 wurde mit „Max und Moritz“ seine erste Bildergeschichte veröffentlicht; bezeichnenderweise durfte diese 1929 nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden (vgl. Ueding 1977, 75) 1908 stirbt Wilhelm Busch an Herzschwäche. Unter seinen bekanntesten Bildergeschichten sind die Folgenden chronologisch zu nennen: ‚Max und Moritz’, ‚Der heilige Antonius’, ‚Die fromme Helene’, ‚Pater Filucius’, ‚Fipps der Affe’ und ‚Plisch und Plum’. Zu Wilhelm Buschs Werken zählen jedoch nicht nur die Bildergeschichten; Gedichtsammlungen wie ‚Schein und Sein’ sowie ‚Kritik des Herzens’ als auch seine Arbeit für diverse Zeitschriften wie den ‚Fliegenden Blättern’, einer humoristischen Zeitschrift in München, gehen aus seiner Tätigkeit als Schriftsteller hervor. Darüber hinaus war Busch auch als Bildhauer tätig, er zeichnete sehr viel und malte in Öl. Leider war Busch auf diesem Gebiet zu kritisch mit sich selbst, so dass diese zumindest zu seinen Lebzeiten weitgehendst unveröffentlicht blieben.
2. Literar- und kulturhistorischer Kontext
„Literatur ist, wie alle Kunst, ein Spiegel und Indikator für die Seelenlage, das Weltverhältnis, das Selbstverständnis der Menschen, der Zeit [...]“ (Thomas Nipperdey, zitiert aus Ruby 1998)
Um einen Zugang zu Buschs Werk und insbesondere eine mögliche satirische Kritik herausarbeiten zu können, ist ein Blick auf den kulturhistorischen Hintergrund essentiell:
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Da ein Satiriker meist Missstände seiner Zeit anprangert und die in seinen Augen heuchlerischen Scheintugenden manifest werden lässt, wird diese Kritik den Leser nicht erreichen, sind ihm die zeitgenössischen Gegebenheiten fremd. Aus diesem Grunde soll nun eine Einführung in die historischen Umstände und gesellschaftlichen Werte und Normen zur Zeit Wilhelm Buschs gegeben werden.
Rein literaturgeschichtlich fällt sein Werk in die Epoche des poetischen Realismus, welche auf die Zeit von 1850-1890 zu datieren ist. Historisch eine von Umbruchversuchen geprägte Zeit: im Frühjahr 1848 griff eine bis auf England und Russland ganz Europa umfassende Revolutionswelle um sich, in deren Zuge sich auch das deutsche Bürgertum erhob. Trotz anfänglichen Erfolgen scheiterten jedoch nahezu alle Revolutionsbewegungen, symbolisch wurden in Deutschland die Demokraten in der Paulskirche von radikalen preußischen Truppen auseinander gejagt. Dieses Scheitern der Revolution von 1848 bewirkte eine Schwächung im Selbstverständnis des liberal demokratischen Bürgertums; es büßte seinen politischen Machtanspruch endgültig ein und gab seinen Freiheitsanspruch auf. (vgl. Frenzel 2001, 410 f.) Verarbeitet wurde diese politische Entmündigung durch Flucht in die Isolation: Das gesellschaftsferne Häusliche, das abgezirkelte Heimische wird den kleinbürgerlichen Schichten zum Schutzraum, man findet Asyl in der heimischen Idylle. (vgl. Ruby 1998, 18 ff.)
Weiteren Aufschluss in dieser Hinsicht kann auch ein Blick auf bevorzugte Literatur in dieser Zeit geben: Journale wie die ‚Gartenlaube’, gegründet 1853 unter Ernst Keil, erfreuen sich großer Beliebtheit. Ihr Konzept ist auf das bürgerliche Leben zugeschnitten, insofern verzichtet die Zeitung auf direkte politische Darstellungen und kürzt darüber hinaus sogar eigenmächtig Textvorlagen im Bemühen um „familiengerechte Nützlichkeit“ (ebd., 21). Trotz dieser Beschneidung der Wirklichkeit erhebt sie einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. An dieser Stelle soll bereits eine erste Zeichnung Wilhelm Buschs gezeigt werden; bezeichnenderweise benutzt er hier die ‚Gartenlaube’ um Charaktere zu karikieren:
Abb. 1 Gartenlaube 1
1 Aus ,,Fipps der Affe”
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Trotz des anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwungs nach 1848, ein bleibendes Erbe der industriellen Revolution, verdüstert sich das Gesellschaftsbild zunehmend. Dem Bürgertum wird zwar zu Wohlstand verholfen, im gleichen Zuge erfolgt aber eine Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Großindustrie. Das vom sozialen Abstieg bedrohte Kleinbürgertum befolgte nun die bürgerlichen Werte und Normen geradezu sklavisch und reagierte auf jede Ordnungsstörung äußerst empfindlich (vgl. Ueding 1977, 95) Mit dieser Mentalität stieß die pessimistische Philosophie Arthur Schopenhauers auf fruchtbaren Boden: Obgleich sein Werk nicht aus ihr unmittelbar entsprang - tatsächlich ist es jahrzehntelang kaum beachtet wordenist es für viele das Erklärungsmodel dieser beunruhigenden Situation. (vgl. Frenzel 2001, 411)
Analog dazu befand sich das idealistische Menschenbild in der Auflösung, die idealistische Orientierung wird von diversen Parodisten jener Zeit als weltflüchtige Bornierung entlarvt. Der Realismus erstrebt eine unparteiische Beobachtung und Schilderung der Welt, insofern wendet er sich gegen jede das Leben verfälschende Tendenz und ist skeptisch gegenüber Pathos und Heroischem. (vgl. ebd., 412)
3. Wirkung / Kritik der Werke Wilhelm Buschs - humoristische Weltsicht?
Untersucht man die Bildergeschichten Wilhelm Buschs mit besonderem Bezug auf ‚Max und Moritz’, stößt man auf eine sehr breit gefächerte Kritik, die Busch an der ihn umgebenden Gesellschaft übt. Einige grundsätzliche Kritikpunke tauchen immer wieder auf und werden im Folgenden exemplarisch anhand von ‚Max und Moritz’ erläutert.
3.1 Kritik an Autoritäten
Buschs Bildergeschichten mögen an der Oberfläche betrachtet so manchem Leser als harmlose Kindergeschichten erscheinen. Dies ist jedoch nur seitens der Form der Fall, befasst man sich tiefer mit den jeweiligen Geschichten so wird deutlich, dass Busch gezielt Werte und Moralvorstellungen des Kinderbuches umdreht, verfremdet und parodiert. Im Kinderbuch findet sich üblicherweise eine Art Klasseneinteilung der Gesellschaft, es wird differenziert in die „Guten“ und die „Bösen“. Meist werden letztere gestraft, wohingegen die „Guten“ ungestraft bleiben, belohnt werden oder sogar selbst strafen können. Diese moralische Struktur der Gesellschaft ist nicht nur Kennzeichen des Kinderbuches dieser Zeit, sie ist charakteristisch für die gesamte Pädagogik des 19. Jahrhunderts.
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Stefanie Bock, 2004, Wilhelm Busch - Satire in Gestalt eines Kinderbuches, Munich, GRIN Publishing GmbH
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