Es ist kein Luxus große Begabungen zu fördern es ist Luxus
und zwar sträflicher Luxus dies nicht zu tun
(Alfred Herrhausen zit in Rüttgers 1998)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite: 1
2. Was sind Eliten
2.1 Elitendefinition Seite: 1
2.2 Eliten weltweit Seite: 2
2.3 spezielle Situation der deutschen Wirtschaftselite Seite: 2
3. Bourdieu
3.1 Begründung einer elitären Gesellschaftsschicht anhand der Habitustheorie und den
verschiedenen Kapitalarten Seite
3.2 Anwendung der Theorie auf die Elitensituation in der deutschen Wirtschaft
3.2.1 empirische Untersuchung der deutschen Spitzenmanagements
3.2.2 wie geschieht die Auswahl
3.2.3 zählt Leistung oder sozialer Background
3.2.4 Funktionseliten
3.3 Hatte Bourdieu Recht
4. Wie entwickeln sich die nationalen Eliten
4.1 Kommt es zu einer Internationalisierung der Eliten
4.2 Wenn ja gibt es Habitus
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
II
1. Einleitung
Laut Hartmann (2000)kommen 80 von 100 Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Unternehmen aus der gesellschaftlichen Schicht des Bürgertums. Dieser relativ kleine Ausschnitt aus der sozialkulturellen deutschen Gesellschaftsstruktur verfügt demnach über wesentlichen Einfluss auf dem ökonomischen Feld, von dessen Bedeutsamkeit Bourdieu überzeugt war, da es die Grundlage für alle anderen Kapitalarten bildet (vgl.: 3.1); und auch der US-amerikanische Soziologe C. Wills (zit. in Hartmann, 2004) zeichnet die Konzernvertreter als wahre Inhaber der Macht. Ausgehend von diesem Sachverhalt leitet sich für den Leser die Frage ab, wie es zu dieser Situation im gegenwärtigen Zustand gekommen ist. Die Wissenschaft ist bezüglich dieser Debatte und auch in der Diskussion über Macht und Einfluss der Wirtschaftselite gespalten (hier stehen Positionen gegenüber die einerseits die Definition der Funktionseliten vertreten, andrerseits die, welche die momentanen Machtstrukturen kritisieren, da sie keinen sozialen Aufstieg zulassen würden). Dieser Artikel wird in Bezug auf diese Situation besonders die Gedanken des französischen Soziologen Pierre Bourdieus – und hier vor allem das Habitus Konzept – in den Aufbau einfließen lassen. Zur Antwortfindung wird der Forschungsfokus kurz auf die Elitensituation in anderen westlichen Kulturen ausgeweitet. Unter Berücksichtigung der bedeutsamen Rolle, welche die Ausbildung und Sozialstruktur bei einer zukünftigen Elite in Bourdieus Überlegungen spielen, wird der Einfluss dieser Faktoren auf die zukünftige Charakter- und Sozialentwicklung eines juvenilen Menschen eruiert. Nach Kapitel 4, in dem die zukünftige Entwicklung der nationalen Eliten aufgezeigt wird, mündet die Antwortfindung in das abschließende Fazit.
2.1 Elitedefinition
Trotz der bereits in der Einleitung klar umrissenen Forschungsfrage ist es notwendig den Begriff “Elite“ nochmals zu präzisieren. Der Brockhaus 2004 definiert das Wort Elite (vom lateinischen eligere = auslesen abstammend) als eine politisch oder sozial führende Minderheit. Es wird zwischen verschiedenen Formen derselben unterschieden; u.a.: den Macht-, Geburts-, Wert- und Funktionseliten. Alle diese Ausprägungen spielen eine mehr oder minder wichtige Rolle bei dem hier bearbeiteten Thema, da sie auf unterschiedliche Art und Weise miteinander agieren und auf die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse großen Einfluss nehmen. Nicht behandelt werden so genannte intellektuelle Eliten, die moralische und ethische Werte in der Gesellschaft prägen (beispielsweise: Kirchenvertreter, Schriftsteller und Künstler).
1
2.2 Elitensituation weltweit
Um die Situation der Gesellschaft bezüglich ihrer Eliten in Deutschland besser einschätzen zu können, wird die Elitensynthese in Ländern mit einer vergleichbaren Kultur wie Deutschland in den Untersuchungsfokus mit einbezogen. Eine sehr gute Aufstellung und Auswertung der empirischen Daten bezüglich dieses Themas für Frankreich, Großbritannien und die USA hat Hartmann (2004) erarbeitet. Auffallend an diesen Ländern ist besonders das Bestehen von akademischen Eliteschmieden mit einer (teilweise unbewussten) sozialen Selektion, wodurch die gehobenen gesellschaftlichen Klassen es verstehen ihre Führungspositionen in der Volksgemeinschaft an die nächste Generation weiterzugeben. Hierin besteht die größte Divergenz zum deutschen System, da in diesem, infolge zweier totaler Zusammenbrüche die subjektive Wahrnehmung des Begriffs Elite im Laufe der Jahrzehnte einer zunehmenden Stigmatisierung unterlag. Verwunderlich ist dennoch, dass trotz dieser Umstände auch in Deutschland Führungspositionen – vor allem in der Wirtschaft – von Angehörigen des gehobenen Bürgertums besetzt wird (Hartmann). Ein weiterer Unterschied Deutschlands zu seinen Nachbarn ist, dass sich die die Abgänger von „Oxbridge“, Harvard und den „Grandes Ecoles“ in allen gesellschaftlichen Positionen festsetzen; in Deutschland geschieht dies hauptsächlich nur in der Wirtschaft und mit Abstrichen in der Justiz (Hartmann).
2.3 Elitensituation in der deutschen Wirtschaft
Die Macht, welche die Wirtschaftselite in Deutschland innehat ist besonders unter der Theorie einer „Privatisierung der Macht“, wie Krysmanski (2004?) sie aufstellt, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Vor allem in den letzten Jahren wird ein neues Problem immer mehr offensichtlich; Die von Dahrendorf (zit. in Hartmann, 2002) propagierte „Basis der Gleichheit“ unter dem „Dachfirst der Eliten“ droht in der jetzigen Zeit auseinanderzubrechen. Verantwortlich hierfür ist einerseits die zunehmende Neoliberalisierung des Managements, als auch das wachsende Misstrauen der Gesellschaft (Schäfer, 2004). Hartmann hat empirisch festgestellt, dass ein Großteil der Topmanager aus den höheren Schichten des Bürgertums kommt. Wir müssen deshalb festhalten, dass eine Funktionselite im klassischem Sinne, welche sich nur über Leistung definiert nicht hundertprozentig bewiesen ist, somit also eine theoretische Grundlage für die Anwendbarkeit des Bourdieuischen Gedankenguts besteht. Auch die klassischen Elitetheorien, welche auf einer pluralistischen Form aller Eliten in beruhten, gehen mittlerweile von einer zunehmenden Bedeutung der Wirtschaftselite aus (Hartmann).
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Arbeit zitieren:
Leopold Hensel, 2006, Elitenmacht, München, GRIN Verlag GmbH
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