Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
Paradigmenwechsel S. 4
Kulturelle Identität 5
Der Wandel internationaler Beziehungen 6
Kritische Würdigung 8
2
Einleitung
Ende September 2005 veröffentlichte die dänische Zeitung „Jyllands - Posten“ Karikaturen, die den Propheten Mohammed zeigen. Der Westen verweist auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Die Gefühle islamischer Gläubiger sind zutiefst verletzt. Nach etwa sechs Monaten eskaliert im Nahen Osten die Gewalt, dänische Flaggen werden verbrannt und Botschaften westlicher Länder brennen. 1 Die politische - und die Medienöffentlichkeit werfen die Frage auf: „Befinden wir uns auf dem Weg zu einem Kampf der Kulturen?“
Der amerikanische Soziologe Samuel Huntington 2 wendet sich in seiner Gegenwartsdiagnose dieser Frage zu und gelangt zu einer Antwort, die er jenseits aller multikulturellen Romantizismen angesiedelt wissen möchte. Was bedeutet es für das politische Handeln, für den Umgang der Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen miteinander, wenn Konfliktlinien vor dem Hintergrund kultureller Zugehörigkeiten rekonstruiert werden?
Zunächst berührt eine auf diese Weise gestellte Frage zentrale Kategorien des Menscheins. Wir alle sind Kinder und Schöpfer unserer Kultur. Wir werden in eine Kultur hineingeboren und übernehmen deren spezifische Deutungs- und Interpretationsweisen, ihre weltanschaulichen Orientierungen und Werte. Gleichzeitig reproduzieren wir unsere Kultur. Wir stabilisieren und destabilisieren sie durch unsere Aktivitäten. Damit weise ich darauf hin, dass es keine kulturunabhängige Beobachtung interkultureller Probleme gibt. Huntington entfaltet seine Diagnose vorwiegend aus einem westlich- amerikanischen Blickwinkel. Er spricht in seiner Analyse internationaler Beziehungen von unterschiedlichen „Kulturkreisen“ und „Zivilisationen“. Worauf weisen diese Begriffe hin? Ein soziologisches Wörterbuch gibt folgende Erklärung: ‚Kulturkreise sind nicht eindeutig abgrenzbar und nicht mit Staatsgrenzen gleichzusetzen. Sie werden von der durch eine einheitliche Sprache, der moralischen Anschauungen und
Lebensgewohnheiten verbundenen Bevölkerung selbst anders gesehen, als von
1 Vgl. Leitartikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) am 4.-5.Februar 2006
2 Ich möchte zunächst eine Unschärfe benennen, die dazu führen kann, dass mein Text missverstanden wird. Wenn
im weiteren Text von Samuel Huntington die Rede ist, so meine ich Stefan Langes Diskussion der Thesen von
Samuel Huntington. Vgl.: Lange, S. In: Schimank, U.; Volkmann, U. (2000): Soziologische Gegenwartsdiagnosen I.
Opladen, S.: 291-307
3
kulturfremden Beobachtern.’ 3 ‚Zivilisationen sind die höchsten sinnstiftenden und kulturellen Einheiten, denen Menschen aus unterschiedlichen Regionen oder auch Nationalitäten angehören können.’ 4 Huntington verwendet die Begriffe „Kulturkreis“ und „Zivilisation“ synonym. 5 ‚Kulturkreise bilden und unterscheiden sich durch ihre Geschichte, Tradition, Sprache, Kultur und jeweilige religiöse Orientierung.’ 6 Welche Problemsicht eröffnet Huntingtons Diagnose und welche Lösungen schlägt er vor? Diese Fragen diskutiere ich in meinem Essay.
Paradigmenwechsel
Zunächst werde ich die politische Ausgangslage der Analyse Huntingtons charakterisieren.
Nach dem zweiten Weltkrieg strebte der US-Amerikanische Präsident Roosevelt eine Weltordnung des Friedens und der Zusammenarbeit an, in die er die Länder Mittel- und Osteuropas und die Sowjetunion einbeziehen wollte. Nach einem 1947 unter Pseudonym im Fachjournal „Foreign Affairs“ veröffentlichten Artikel, änderten die Akteure der amerikanischen Außenpolitik ihre Handlungsstrategie. Was veranlasste sie dazu? Der Autor dieses Artikels analysierte die Hintergründe, der aus seiner Sicht zunehmend aggressiveren Politik der Sowjetunion in Mitteleuropa. Er forderte die amerikanische Regierung auf, die sowjetische Expansion einzudämmen. Damit war die politische Grundlage für den „Ost-West Konflikt“ der beiden „Machtblöcke“ gelegt.
Nach dem Zusammenbruch des „sozialistischen Lagers“, zu Beginn der neunziger Jahre, richteten amerikanische Politiker ihr Handeln an der Utopie einer „universalen Zivilisation“ aus, die sich an den Grundlagen des westlichen Verständnisses der Menschenrechte, der Demokratie und dem freien Handel orientiert. Die USA als letzte „Supermacht“ und die UNO sollten als institutionelle Zentren kooperative Lösungen für ökonomische und technologische Probleme herbeiführen. Es war die zunehmend globaler agierende Wirtschaft, die dieses Ziel realisierbar erschienen ließ. Durch die Medien gestützt beschleunigte sie den Export des westlichen Lebensstils. Die englische Sprache wurde bei internationalen Kontakten allgemein gebräuchlich. Andere Länder begannen schließlich damit, sich an den
3 Vgl.: Hillmann, K. - H. (1994): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart. In vierter Auflage, S.: 460-461
4 Vgl. Lange, S. In: Schimank, U.; Volkmann, U. (2000), S.: 293
5 Vgl.: ebd., S.: 293
4
Arbeit zitieren:
Andreas Lampert, 2006, Samuel Huntingtons Kulturdiagnose "Kampf der Kulturen", München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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