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1. Einleitung
1.1. Banken und ihre Sonderstellung in der Volkswirtschaft
Die Banken spielen in den Volkswirtschaften des 21. Jahrhunderts eine wesentliche Rolle, da sie untereinander in vielfältiger Weise verknüpft sind und weil sie praktisch mit allen Wirtschaftsteilnehmern in engen finanziellen Beziehungen stehen. Störungen innerhalb des Bankenbereichs können daher, durch Überspringen (externe Effekte), sehr leicht auch die Unternehmen des nicht finanziellen Sektors und die öffentlichen Haushalte in ihrer Tätigkeit schwerwiegend beeinflussen. 1
1.2. Banken zwischen Regulierung und Laissez-faire
Die Vorherrschaft von Zentralbankverfassungen in unseren modernen Volkswirtschaften täuscht darüber hinweg, dass es auch grundsätzliche Alternativen hierzu gibt, wie wettbewerbliche Geldverfassungen in den sich entwickelnden Industriestaaten des 18. und 19. Jahrhunderts gezeigt haben. Die Diskussion über wettbewerbliche Geldverfassungen hat in den letzten 30 Jahren aus mehreren Gründen eine Renaissance erfahren. Gründe dafür sind Inflation und Konjunkturschwankungen und auch die Tatsache, dass sich Banken durch den technischen Fortschritt vermehrt mit kreativen Handlungen der Wirtschaftssubjekte konfrontiert sehen, die die Erschei-nungsform (Netzgeld, cyber-cash, digital-cash) des Geldes stark verändern. Dies führt zu einer steigenden Komplexität des Geldangebots- und -nachfrageprozesses in modernen Gesellschaften, wodurch ohne weiteres Zutun der Zentralbank neues Geld geschaffen werden kann. Als Folge ergibt sich, dass die Notenbank die Kontrolle über den volkswirtschaftlichen Zahlungsmittelumlauf2 verliert, wodurch die Steuerung des Geldangebotsprozesses zunehmend schwierig, vielleicht schlichtweg unmöglich wird. 3
1 vgl. Bitz (2003), in: Bankbetriebslehre/Bank- und Börsenwesen, Institutionelle Grundlagen des Bank- und Finanzwesens, S. 70.
2 Außengeld (outside money) wird in monopolistischen Währungsordnungen von der Zentralbank produziert. Instrumente dafür sind einerseits der Ankauf von staatlichen Wertpapieren, die sich in der Hand von privaten Wirtschaftssubjekten befinden und andererseits der Ankauf von Devisen. Das Innengeld (inside money) wird dagegen von Finanzintermediären, in der Regel Geschäftsbanken, produziert. Einer Geldproduktion (z.B. Sichtguthaben) steht hier eine gleich große Zunahme der privaten Verschuldung der Nichtbanken gegenüber; vgl. Prüßmann (2000), S. 141 - 142.
3 vgl. Geue (1999), S. 348.
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1.3. Zielsetzung der Arbeit
Aus diesem Szenario heraus wird in dieser Arbeit eine Betrachtung der Banken unter Laissez-faire-Ansätzen vorgenommen, deren Erkenntnis-gegenstand eine von hoheitlich legitimierten Aktivitäten möglichst freie Währungsordnung ist. Dazu werden in Kapitel 2 die drei wesentlichsten Theorien des Laissez-faire-banking nach systematische Gesichtspunkten untersucht. Im Kapitel 3 werden die Funktionen und Leistungen der Banken in der realen Ordnung und in einer Modellwelt dargestellt. Schließlich wird in Kapitel 4 neben einer Zusammenfassung auch der Versuch unternommen, die Entwicklungen einer kritischen Analyse zu unterziehen.
2. Theorien des Laissez-faire-Banking
2.1. Laissez-faire-Banking als heterogenes Forschungsgebiet
Bei den Vertretern der Ideen des Laissez-faire-banking handelt es sich um eine ausgesprochen heterogene Gruppe. Der zentrale Punkt aller Theorien ist die Tatsache, dass sie sich gegen eine staatliche Intervention in die Geld-ordnung richten. 4 Es herrscht die Überzeugung, dass durch staatliche Aktivitäten 5 makroökonomische Instabilitäten, wie Inflation und Konjunkturschwankungen, verursacht werden. Entweder direkt infolge des Eigeninteresses von Notenbankleitern und Politikern (Rent-seeking), sowie durch die Probleme mit der Geldmengen- und Zinssteuerung, oder eher indirekt, dadurch, dass die Evolution des Geldes durch staatlich gesetzte Regeln unterbunden wird. Demnach finden die Vorschläge zum Laissez-fairebanking ihre gemeinsame Basis in dem Bemühen, mittels einer Währungs-reform, welche die Beseitigung des gegenwärtig existierenden staatlich eingeräumten Währungsmonopols zum Gegenstand hat, das Geld von destabilisierenden staatlichen Interventionen zu befreien. 6
2.2. Systematisierungsansätze der Laissez-faire-Theorien
Anlehnend an Geue 7 , können folgende Systematisierungsansätze festgelegt werden, die den nachstehend beschriebenen Laissez-faire-Theorien zugrunde gelegt werden: (1) freier Wettbewerb von Währungen (Zahlungsmitteln)
4 vgl. Geue (1999), S. 349.
5 unter „staatliche Aktivität“ wird die Politik der Regierung eines Landes als auch die Politik der mehr oder weniger unabhängigen Notenbank eines Landes bezeichnet.
6 vgl. Geue (1999), S. 349.
7 vgl. Übersicht 1 - Laissez-faire-Banking - im Anhang; vgl. Geue (1999), S. 350.
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auf der Geldangebotsseite, (2) Abschaffung der Zentralnotenbank, (3) Ausgestaltung der institutionellen Rahmenbedingungen (hiezu zählen Regelungen über einen offenen Marktzugang, Konvertibilitätsverpflichtung, Haftung und eine Konstanz der Wirtschaftspolitik). Dabei weist Geue besonders auf die unbedingt notwendigen institutionellen Arrangements hin, die existieren müssen, damit die wettbewerblichen Geldangebotssysteme Aussicht auf Erfolg besitzen. Wesentliche Grundvoraussetzung dafür ist es, eine zur Marktwirtschaft passende und wie die Wettbewerbsordnung automatisch funktionierende, stabile Währungsordnung zu finden, die insofern zu einer Stabilisierung der Konjunktur beiträgt, da sie nicht von Notenbankleitern beeinflusst ist, die oftmals falsche Theorien verfolgen oder unter Druck der öffentlichen Meinung bzw. starker Interessengruppen handeln. 8
2.3. Free-Banking
2.3.1. Die Theorie des Free-Banking
Unter Bankenfreiheit wird ein wettbewerbliches Geldsystem verstanden, in dem die Geldemission frei von staatlichen Regulierungen vor sich geht und lediglich die allgemein rechtlichen Bestimmungen für die Emission von Geld Anwendung finden. „Free banking denotes a régime where noteissuing banks are allowed to set up in the same way as any other typ of business enterprise, so long as they comply with the general company law”. 9
2.3.2. Analyse des Free-Banking auf Grund der festgelegten Systematisierungsansätze
(1) Banken geben Banknoten einer Währung 10 als Zahlungsmittel aus. (2) Der Staat greift in keiner Weise ein. Es gibt weder eine staatlich geschützte Notenbank, noch werden einzelne Banken privilegiert. Insbesondere wird kein wettbewerblicher Ausnahmebereich für den Markt um die Geldausgabe geschaffen. 11 (3) Die Wettbewerbsordnung 12 muss den freien Zugang zum Bankenmarkt beinhalten. Das Primat der Währungspolitik drückt sich in
8 vgl. Eucken (1990), S. 257.
9 Smith (1936/1990), S. 169.
10 Dies ist ein entscheidender Unterschied zum System der Währungskonkurrenz, wo nicht von einer einheitlichen Recheneinheit ausgegangen wird.
11 vgl. auch White (1989), S. 219 ...“our investigation derives arrangements that would have arisen had state intervention never occured“.
12 vgl. Eucken (1990), S. 254 - 255.
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der Festlegung der Währungsverfassung aus. Weiters sind der offene Marktzugang, Vertragsfreiheit, Privateigentum und Haftung konstitutiv. 13 Die Banken unterliegen der uneingeschränkten Konvertibilitätspflicht 14 . Free-banking-Systeme haben sich auf der Basis des Goldstandards entwickelt. Theoretisch denkbar ist jedoch auch jede andere Ware oder auch ein Warenkorb 15 (commodity money). Wenn für die Banken die Verpflichtung besteht, emittierte Umlaufmittel jederzeit in (Waren-) Geld einzulösen, das sie selbst nicht schaffen können, wird es zu keiner mutwilligen Überausgabe von Zahlungsmitteln kommen. Es besteht uneingeschränkte Haftung der Aktienbesitzer mit ihrem Privatvermögen. Die latente Gefahr der Insolvenz führt dazu, dass sich Banken stabilitäts-konform verhalten und somit Inflation verhindert wird. 16 Die Wirtschaftspolitik darf die immanenten Schranken der wettbewerblichen Geldproduktion nicht außer Kraft setzen, in dem sie Geschäftsbanken, die unseriös gewirtschaftet haben, von ihren Verpflichtungen zur Haftung enthebt und für sie einspringt. 17
2.3.3. Kritik an der Free-Banking Theorie
Gegner der Theorie des Free-Banking erheben wesentlichen Zweifel an der Stabilität der Währungsordnung . Neben dem Argument der Inflationsgefahr wird dabei immer wieder auf die Gefahr von Bankenzusammenbrüchen 18 und damit auf die mögliche Instabilität des gesamten Bankensystems hingewiesen. Außerdem wird in der Literatur die These diskutiert, ob es sich beim Geldangebot um ein natürliches Monopol handle. Weitere Einwände richten sich weniger gegen die prinzipielle Funktionsfähigkeit, sondern gegen die Effizienz eines Systems wettbewerblicher Notenemission. So wird insbesondere das Transaktionskostenargument 19 gegen den Wettbewerb der Notenausgabe ins Feld geführt. Schließlich ist aus der evolutionären Perspektive nach der Innovationskraft eines wettbewerblichen
13 vgl. Eucken (1990), S. 255 - 291.
14 vgl. Prüßmann (2000), S. 250.
15 vgl. White (1989), s. 161ff.
16 vgl. Mises (1949), S. 439, S. 443; Moss (1976), S. 40, S. 49; Rothbard (1976), S. 179; (1990), S. 51, 69f.; White (1984a), S. 1-19.
17 vgl. Geue (1999), S. 352.
18 vgl. Smith (1990), S. 176f.
19 Transaktionskosten sind Kosten, die bei der Anbahnung, Aushandlung und Kontrolle von Transaktionen entstehen; vgl. Streit (1991), S. 74.
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Notenbanksystems zu fragen. Diese Kritikpunkte werden im folgenden Kapitel 2.3.4. mit den knapp 130-jährigen Erfahrungen des Free-Banking in Schottland verglichen, die sich durch eine stabile Währungsordnung auszeichnete.
2.3.4. Erfahrungen mit Free-Banking aus Schottland
Die spezifischen rechtlichen Regelungen in Schottland, als auch der Wettbewerb verhinderten, dass das System durch eine übermäßige Notenausgabe Inflation hervorrief. Das Geldangebot musste sich an der Nachfrage des Publikums orientieren.
Konvertibilitätspflicht und Wettbewerbsdruck führten dazu, dass eine vermehrte Notenausgabe des gesamten Systems c.p. lediglich dann möglich war, wenn das Publikum mehr Gold anbot, um statt dessen Bankknoten nachzufragen oder der Wert zinstragender Aktiva, welche die Banknoten deckten, anstieg. 20 Auch die Bankenzusammenbrüche hielten sich in Grenzen. Während der Free-Banking Ära wurden in Schottland ca. ein Drittel der Banken im wettbewerblichen Ausscheidungsprozess vom Markt gedrängt. Trotzdem gab es keine ernsthafte Bankenkrise, was nur mit der Ausgestaltung der institutionellen Rahmenbedingungen erklärbar ist. 21 Insbesondere die strikten Haftungsregeln stabilisierten den Bankenmarkt. Die Aktienbesitzer der in Konkurs gegangenen Banken unterlagen der unbeschränkten Haftungspflicht für alle Verbindlichkeiten gegenüber Dritten, d.h. auch für alle ausgegebenen Banknoten. 22 Bezüglich einer „natürlichen“ Monopolbildung zeichnen die empirischen Daten für Schottland ein eindeutiges Bild. Es waren keine Tendenzen zur Konzentration zu entdecken. 23 In der Endphase der wettbewerblichen Notenemission entfielen auf den größten Emittenten lediglich 14,2 % des Gesamtnotenumlaufs und auch der Anteil der Gruppe der größten fünf war mit 56,3 % noch relativ gering. 24
Die Transaktionskosten des Zahlungsverkehrs in einem Free-Banking-System sind vor allem von der Stabilität des Systems abhängig. Die
20 vgl. Dowd (1988), S. 25.
21 vgl. White (1989a), S. 153.
22 vgl. Neldner (1989), S. 551.
23 vgl. Vollmer (1996), S. 200f.; White (1989a), S. 59.
24 vgl. Neldner (1989), S. 551.
Arbeit zitieren:
Bernhard Donleitner, 2004, Banken als Untersuchungsgegenstand von Laissez-faire-Ansätzen - Systematisierung und kritische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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