Inhaltverzeichnis
Einleitung. 1
1. Der Neopopularismus. 2
1.1. Der Popularismus - der Stil, seine Funktion. 2
1.2. Der Nepopularismus - Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Popularismus. 2
2. Rafael Alberti (1902 - 2000) 3
2.1. Das Meer in seinem Leben. 3
2.2. Der dichterische Stil. 4
3. Marinero en tierra. 5
3.1. Der Aufbau - Der Inhalt und die äußere Form. 5
3.2. Die Meeresthematik. 6
4. Gedichtanalyse. 7
4.1. Sueño del marinero. 7
4.2. Branquias quisiera tener. 9
4.3. Salinero. 10
5. Schlussbemerkung. 12
6. Anhang
Gedichte Sueño del marinero 13
Branquias quisiera tener. 14
Salinero 14
7. Literaturverzeichnis 15
II
E i n l e i t u n g
Mit dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in die spanische Lyrik des XX. Jahrhunderts geben. Es war eine sehr bedeutende Zeit im Hinblick auf die Avantgarde-Kunst der zwanziger Jahre in Spanien, da eine ganze Generation herangewachsen war, die >Generación del 27<.
Diese Zeit in der Dichtung, vor allem die >deshumanisación< und die Tendenz zur „Re-Romanisierung“ 1 , hat die Betonung der dichterischen Sensibilität charakterisiert. Für die 27er war nicht nur das Formal-Ästhetische, sondern auch das Gegenständliche, der Inhalt, von Bedeutung. Mit der Wiederanknüpfung an die Romantik und der Rückbesinnung auf die spanische Tradition haben die Dichter dieser Generation einen bemerkenswerten Grundstein der spanischen Lyrik gelegt.
Mein Ziel ist es, mit dieser Arbeit zu zeigen, dass trotzt der Wiederbelebung der eigenen Volksdichtung, besonders der Romanzen, die spanische Dichtung im wesentlichen modern geblieben ist und gleichwohl populär werden konnte.
Im ersten Kapitel wird die Bedeutung der zwei, diese Zeit kennzeichnenden, Stile besprochen, des Popularismus und des Neopopularismus: Was diese Tendenzen charakterisiert, was ihre Funktion in der spanischen Volksdichtung ist und welche Unterschiede zwischen den beiden auftreten. Im folgenden Kapitel stelle ich den letzten Vertreter der Generation der 27er vor: Rafael Alberti und seinen dichterischen Stil, um einen tieferen Blick in die, sich aus der spanischen Tradition nährende, moderne neopopularistische Dichtung zu ermöglichen. Dies unterstützt die Vorstellung des ersten Gedichtbands von Alberti, Marinero en tierra, im dritten Kapitel. Als letztes analysiere ich beispielhaft drei Gedichte aus der Sammlung, mit Andeutungen auf neopopularistische Züge und auf Albertis blaue, glückhafte Meerwelt.
1 Hans-Jörg Neuschäfer: Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart, u.a., 1997, S. 354
1
1. Der Neopopularismus
1.1. Der Popularismus - der Stil, seine Funktion
In den letzten hundert Jahren sind, in den literarischen Kontakten mit dem Volkstum, zwei popularistischen Tendenzen zu unterscheiden.
Zuerst der Popularismus, der „Stil des Liedhaft-Lyrischen, der spätromantischen Intimisten und der meisten 98er Lyriker:“ ein „Stil mit den Merkmalen älterer Dichtungsweise“ 2 , der eine >persönliche< Dichtung überliefert. Der Popularismus wird meistens als eine Annäherung an die volkstümliche Literatur aufgefasst.
Die Dichter der popularistischen Strömungen in Spanien griffen auf das andalusische Volkstum, auf die Folklore zurück. Die Volkssprache benutzten sie oft unbewusst. Bei den 27er-Lyrikern waren eher dichterische Intuition und lyrische Findigkeit vorhanden. Ihre einfache und leichte Ausdrucksweise, die Formen der Wiederholung, der Einsatz von Rhythmus und Lautung, das kurze Versmaß - die Romanze, die Seguidilla - und die naive Musik sind die Mittel, die das Volkstümliche in der popularistischen Dichtung belegen. Sie übernehmen bestimmte Schichten aus der Spätromantik: das Thema, die innere Lage, den lyrischen, intimen Ton, die Musikalität und auch den Reiz eines anonymen Ursprungs. Die Qualität dieses liedhaft-lyrischen Stils zeigen gut aus der Romantik angewendete Scherzgedichte, gereimte >Sentenzen< 3 , Sprichwörter und Volksweisheiten in Copla-Form.
1.2. Der Neopopularimus - Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Popularismus
Eine weitere, modernere Variante des Popularismus ist der Neopopularismus, der sich auch von der Spätromantik nährt. Ein Stil der sich vom Popularismus abhebt, indem er gewisse Volkslieder aus dem >Surrealismus< übernimmt und für sein modernes, >überpersönliches< Dichten alte Beispiele, besonders aus dem andalusischen Volkstum bestimmte Motive, benutzt. Der Neopopularismus, mit den Worten von Guillermo Díaz-Plaja in der >Historia de la poesía lírica española<, ist eine „Rückkehr zum Volkstümlichen; aber ohne irgendeine Errungenschaft der neuen Lyrik aufzugeben.“ 4
2 Gustav Siebenmann: Die moderne Lyrik in Spanien, Stuttgart, u.a. 1965, S. 171
3 Sentenzen: knapp formulierte Sätze mit allgemeingültigem Sinngehalt, Ausspruch, Denkspruch. (Wahrig : Deutsches Wörterbuch)
4 Gustav Siebenmann: Die moderne Lyrik in Spanien, Stuttgart, u.a. 1965, S. 170
2
Die Kontaktsuche mit den Nachromantikern begeisterte auch die jungen Lyriker der zwanziger Jahre. Sie entdeckten neue, moderne Züge aus der >poesía tradicional<, aber der Einklang der Moderne mit dieser alten Lyrik betraf nicht mehr die Schichten des Inhalts und des Tons, wie bei den Älteren, sondern bestimmte formale Gegebenheiten, wie z.B. die Kürze und Wiederholungen. „Diese Entdeckung moderner Verfahrensweisen in der von alters überlieferten Dichtung und deren Nachvollzug im eigenen Schaffen das ist es, was wir unter Neopopularismus verstehen möchten.“ 5
Trotz gemeinsamen Rückgriffs auf die volkstümliche Dichtung gibt es also strukturelle Unterschiede zwischen den beiden Richtungen: Der Popularismus ist die ältere Dichtungsweise, der Neopopularismus ist die Dichtung der Moderne, wobei die literarische Überhöhung, der überpersönliche Kontext, im Neopopularismus größer ist als im Popularismus.
Spricht man, in unserer zeitgenössischer Lyrik, über >popularismo poético en la generación de 1927<, so sollte man vor allem, neben den Namen von Frederico García Lorca und Rafael Alberti, auch Manuel und Antonio Machado, Miguel de Unamuno sowie Juan Ramón Jiménez erwähnen. Durch ihre Dichtungen wurden in der alten volkstümlichen Poesie hochmoderne Züge entdeckt, und damit die überlieferte Dichtung Spaniens erneuert.
2. Rafael Alberti (1902 - 2000)
2.1. Das Meer in seinem Leben
Rafael Alberti war ein Dichter, der einen Vergleich mit Lorca herausfordert. Lorca hatte sich besonders von der andalusischen Tradition inspirieren lassen. Alberti dagegen begeisterte eher die >poesía tradicional< der alten >Cancioneros< 6 . Ein weiterer Unterschied zeigt sich darin, dass Alberti leichter, heiterer, unbeschwerter und auch oberflächlicher als Lorca und vielleicht auch nicht so dramatisch schrieb.
5 Gustav Siebenmann: Die moderne Lyrik in Spanien, Stuttgart, u.a.,1965, S. 172
6 Cancioneros: Die Cancioneros sind alte Lieder aus den XV - XVI. Jahrhundert, deren Struktur meistens vom Tanzlied, vom Singspiel her beeinflusst und mit Kehrreim, Korrelation und Parallelismus gebaut sind. (Sie sind oft ganz einfache, vom Sinn her eigentlich unlyrische Elemente - z.B. Ortsnamen, Mädchennamen, ect. - in rhythmische Schwingung versetzt.)
3
Arbeit zitieren:
Livia Janos, 2001, Die neopopularistische Dichtung: Rafael Alberti: Marinero en tierra, München, GRIN Verlag GmbH
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