INHALTSVERZEICHNIS
I EINFÜHRUNG. 1
1 Untersuchungsgegenstand und struktureller. 1
Aufbau der Arbeit
2 Literatur- und Quellenlage. 3
II DER SPORT ALS KATALYSATOR FÜR EINE. 6
NEUE SCHULÄRA IN GROßBRITANNIEN
1 Ein Einblick in die Genese des Sportunterrichts. 6
Geschichtliche Merkmale und Zusammenhänge
1.1 Die historischen Hintergründe von den Anfängen. 6
bis zur Einführung des Sports an englischen Schulen
1.2 Die Public School mit ihrem Wegbereiter. 8
Thomas Arnold (1795-1842)
2 Vom Rowdy zum Gentleman - 10
Pers önlichkeitserziehung mit und durch
Sportunterricht
3 Zusammenfassung. 12
III VOM SCHÜLER ZUM LEHRER - DER WERDEGANG. 14
EINES ZUKÜNFTIGEN SPORTLEHRERS
1 Schulabschlüsse und Qualifikationsvoraussetzungen. 14
f ür ein Sportstudium
1.1 Das General Certificate of Secondary Education. 15
(GSCE)
1.2 A-level, AS-Level und A2-Level. 16
2 Das Sportstudium. 20
2.1 Die Universitäten und Colleges 20
2.1.1 Die Rolle des Sports an britischen. 22
Hochschulen
2.2 Bewerbungsverfahren und Aufnahmeregelungen. 22
der Hochschulen
2.3 Aufbau und Dauer des Studiums. 24
2.3.1 Das Undergraduate-Studium. 25
2.3.2 Das Postgraduate Certificate of Education. 26
(PGCE)
2.4 Eine Auswahl an Studiengängen. 27
in der Sportlehrerausbildung
2.4.1 Das Studium der Primarstufe. 28
2.4.2 Das Studium der Sekundarstufe. 31
2.4.3 Sportwissenschaften. 34
2.4.4 Das Aufbaustudium. 37
2.5 Finanzierung und Förderungsmöglichkeiten. 37
3 Berufschancen und Perspektiven - 41
Der Arbeitsmarkt in Großbritannien
f ür den Sportlehrer
4 Zusammenfassung. 44
IV DER BRITISCHE SPORTLEHRER. 47
1 Kategorisierungen von Sportlehrerberufen - 47
ein kritischer Überblick
1.1 Zur allgemeinen Situation von PE Lehrern. 47
im Berufsfeld Schule
1.2 PE Lehrer der Primarstufe. 49
1.3 PE Lehrer der Sekundarstufe. 51
an staatlichen und privaten Schulen
1.4 PE Lehrer im Hochschulbereich. 54
1.5 Die Tätigkeit als Coach. 55
2 Sozio-ökonomische Bedingungen 58
f ür den Sportlehrer
2.1 Ansehen und Status. 59
2.2 Verdienstmöglichkeiten und soziale Sicherung. 62
2.3 Aufstiegs- und Weiterbildungschancen. 67
2.4 Geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung - 68
worin sich weibliche und männliche Sportlehrer
unterscheiden
3 Zusammenfassung. 70
V DAS NATIONAL CURRICULUM - AUFGABEN. 73
UND ZIELE DES SPORTLEHRERS
1 Die Einführung des National Curriculums (N)C 73
1.1 Begründung für die Einführung und Inhalte. 73
eines Nationalen Curriculums
1.2 Das National Curriculum for. 76
Physical Education (NCPE)
2 Das Aufgabenspektrum des Sportlehrers. 77
2.1 Key Stage I. 80
2.1.1 Beispiel Tanz. 81
2.2 Key Stage II. 81
2.2.1 Beispiel Spiele. 82
2.3 Key Stage III. 83
2.3.1 Beispiel Gymnastik. 84
2.4 Key Stage IV. 85
2.4.1 Beispiel Leichathletik. 86
3 Auswirkungen des NCPE auf den Lehrer. 87
4 Zusammenfassung 90
VI BIOGRAPHIEN VON SPORTLEHRERN - 93
ERGEBNISSE EINER SPORTLEHRERBEFRAGUNG
IN GROßBRITANNIEN
1 Die Wahl der Methode. 93
2 Die Interviews. 94
2.1 Die Interviewpartner. 95
2.2 Berufswahlmotive. 96
2.3 Aspekte der Arbeit - 98
pers önliche Einstellungen zum Beruf
2.4 Wünsche für die Zukunft. 102
3 Zusammenfassung. 102
VII KONKLUSION. 105
VIII QUELLEN UND LITERATUR. 108
IX ANHANG
ABKÜRZUNGEN
ACCAC The Qualification, Curriculum and Assessment Authority A-Level Advanced Level AQA Assessment and Qualifications Alliance AS-Level Advanced Supplementary Level AST Advanced Skills Teacher BA Bachelor of Arts BEd Bachelor of Education BSc Bachelor of Science CSYS Certificate of Sixth Year Studies DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst DfEE Department for Education and Employment DfES Department for Education and Skills ERA Education Reform Act GCE A-Level General Certificate of Education Advanced Level GCSE General Certificate of Secondary Education HEQC Higher Education Quality Council Hons Honours Degree ICT Information & Communication Technology INSET In-Service-Training ITT Initial Teacher Training KS Key Stage LEA Local Education Authority NC National Curriculum NCPE National Curriculum for Physical Education NUT National Union of Teachers OCR Oxford Cambridge and RSA Examinations OFSTED Office for Standards in Education PE Physical Education PGCE Postgraduate Certificate of Education PoS Programme of Study
QCA Qualifications and Curriculum Authority QTS Qualified Teacher Status SAAS Student Awards Agency Scotland SCE Scottish Certificate of Education SQA Scottish Qualifications Authority TEI Teacher Education Institution TQ Teaching Qualification TTA Teache r Training Agency UCAS University and College Admissions Service
1 I Einführung
I EINFÜHRUNG
1 Untersuchungsgegenstand und struktureller Aufbau der
Arbeit
Über den Arbeitsbereich des britischen Sportlehrers 1 zu berichten bedeutet, sich mit einem vielseitigen Thema zu beschäftigen. Angesichts der Tatsache, dass sich dieser Beruf nicht nur auf die Tätigkeit in der Schule bezieht, sondern auch auf weitere Aufgabenbereiche, ist es erforderlich, ihn auf verschiedenen Ebenen zu beleuchten. Einen Einblick in dieses Berufs feld zu erhalten setzt daher voraus, dass man sich ein allgemeines Hintergrundwissen über unterschiedliche Bildungswege und die aktuelle Berufssituation verschafft. Die Frage nach dem Stellenwert des Sports im Allgemeinen und bezogen auf das Bildungswesen in Großbritannien ist dabei ein wichtiges Kriterium, um die Rolle des Sportlehrers und die Bedeutung seines Berufes nachvollziehen zu können. In Kapitel II wird aus diesem Grund näher auf die geschichtliche Entstehung und Weiterentwicklung des Sportunterrichts eingegangen. Es ist dabei erforderlich, einen Hauptvertreter der Einführung des Sports an Schulen zu nennen, da dieser erzieherische Absichten und Ziele vertrat, die das britische Bildungswesen noch heute bestimmen. Dennoch soll dieser historische Einblick lediglich als Kurzinformation dienen, da er weniger über die Funktion des Lehrers als über den Sport informiert.
Die chronologische Darstellung der Schul- und Studienlaufbahn eines angehenden Sportlehrers erscheint sinnvoll, um den Beruf qualitativ bewerten zu können und ein Bild davon zu entwerfen, welchen Wissensstand sportliche Lehrkräfte, sowohl pädagogisch als auch fachlich, in Großbritannien vorweisen
1 Mit der Bezeichnung „Sportlehrer“ (oder ähnliche Bezeichnungen) sind im Verlauf dieser
Arbeit sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint. Schreibformen wie
„SportlehrerInnen“ werden nicht verwendet.
2 I Einführung
müssen. Beginnend mit den allgemeinen Sekundarschulabschlüssen in Kapitel III geht es ferner um das Studium des Faches Sport. Verschiedene Möglichkeiten und Variationen werden durch unterschiedliche Studiengänge dargestellt und durch allgemeine Aspekte, zum Beispiel die Finanzierung des Studiums u.ä., ergänzt. Die Beschreibungen der zahlreichen Studiengänge verschiedener Hochschulen ermöglichen eine Vorstellung von der Vielfältigkeit des Bildungssystems, bei dem auf unterschiedliche Weise die Laufbahn für einen einzigen Beruf eingegangen werden kann. Weiterhin wird der aktuelle Arbeitsmarkt für Sportlehrer durchleuchtet, um auf derzeitige Berufschancen hinzuweisen.
Das sich anschließende Kapitel beschäftigt sich folgerichtig mit der momentanen Situation britischer Sportlehrer und baut somit auf dem zuvor Darlegten auf. Die zunächst stattfindende U nterteilung in verschiedene Berufskategorien dient der Darstellung der vielen Arbeitsfelder für sportliche Lehrkräfte, wird jedoch im zweiten Teil des Kapitels nicht weiter ausgeführt. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, fällt hier der Schwerpunkt auf die Analyse sozio-ökonomischer Faktoren von Sportlehrern an Schulen.
Ein Aspekt, der die Tätigkeit des Lehrers maßgeblich beeinflusst, ist die Vorgabe bestimmter Unterrichtsmerkmale durch einen nationalen Lehrplan. In Kapitel V werden auf spezifische Veränderungen und Richtlinien für Sportlehrkräfte hingewiesen, um herauszustellen, auf welche Weise der Lehrer sein Wissen an die Schulkinder weiterzugeben und inwiefern er sich durch einen verbindlichen Lehrplan einzuschränken hat.
Die Analyse und kritische Hinterfragung der gesammelten Informationen wird durch die Einflechtung persönlicher Eindrücke und Meinungen von befragten Lehrern mit Hilfe einer Interviewstudie illustriert. Verschiedene Aspekte dieser Befragung fließen bereits in vorhergehenden K apiteln mit ein, wobei die einzelnen Interviews in Kapitel VI explizit durchleuchtet werden. Die von den interviewten Personen geäußerten Ansichten belegen zum einen eigene und aus der Literatur gewonnene Thesenansätze und verweisen zum anderen auf
3 I Einführung
individuelle Perspektiven, so dass die theoretischen Ergebnisse dieser Arbeit durch reelle Erfahrungswerte veranschaulicht werden.
2 Literatur- und Quellenlage
Der aktuelle Literaturstand zu dem Thema „Sportlehrerinnen und Sportlehrer in Großbritannien“ verweist auf eine von Bereich zu Bereich unterschiedlich große Auswahl. Die geschichtliche Darstellung des Sports in Großbritannien, erläutert im zweiten Kapitel dieser Arbeit, wurde bereits von zahlreichen Autoren behandelt. Ältere Veröffentlichungen von VAN DALEN und BENNETT (1971) oder WHITEHEAD und HENDRY (1976) bis hin zu Abhandlungen der Autoren PEISER (1996), STOKES (1994) und TRANTER (1998) informieren umfassend über die historischen Aspekte der Sporterziehung, jedoch findet die Rolle des damaligen Lehrers nur in wenigen Werken große Beachtung. Die Autoren GORDON/ALDRICH/DEAN (1991) befassen sich wie KIRK (1996), KRÜGER (1993) und MERKEL (1998) intensiver mit der Position des Lehrer in der damaligen Zeit und skizzieren detailliert die große Bedeutung des Sports für die weitere Schulentwicklung.
Umfassende Informationen zu aktuellen Gegebenheiten in der Schulbildung und im Studium werden nur sehr selten von Autoren aufgegriffen. Vielmehr ist es hier notwendig, das Internet oder verschiedene Informationsbroschüren britischer Institutionen wie AQA ( Assessment and Qualifications Alliance), DfES (Department for Education and Skills), OCR (Oxford Cambridge and RSA Examinations), SAAS (Student Awards Abency Scotland), SCOTTISH EXECUTIVE, TTA (Teacher Training Agency) und UCAS (University and College Admissions Service) hinzuzuziehen. Ferner beziehen sich FYFE (1994) und FISCHER/BURWELL (1995) auf spezifische Aspekte von PE in der Schule, wohingegen sich AHRENS (1998), DÜMPELMANN/
HÄNDLMAYER (2000), MERKEL (1998) und SIEPER (1993) auf die
4 I Einführung
Thematik des Studiums in Großbritannien konzentrieren. Es gilt anzumerken, dass MERKEL (1998) als einziger Autor den Bereich Sport, bezogen auf das Studium, näher durchleuchtet. Alle übrigen Verfasser beschränken sich auf die Skizzierung der universitären Ausbildung im Allgemeinen. Zur Spezialisierung des Themas war es daher erforderlich, Informationshefte von Universitäten einzusetzen. Auskünfte über derzeitige, das Bildungswesen betreffende Stellungnahmen konnten zudem durch das TES ( Times Educational Supplement) bezogen werden.
Die Komplexität des vierten Kapitels dieser Arbeit spiegelt sich unter anderem im Bestand der vorhandenen Literatur wider. Eine exzellente Informationsquelle über den britischen Sportlehrer bieten die Autoren DAVIS/ BULL/ROSCOE/ROSCOE (2000). Sie befassen sich sowohl mit verschiedenen Berufsfeldern des Sportlehrers als auch mit allgemeinen Faktoren der jeweiligen Tätigkeit. Aspekte, den Schulsportlehrer betreffend, werden zudem von DEEST (2001) und STOKES (1994) sowie von AHRENS (1998), HALL (1999) und RAYMOND (1998) behandelt. Ferner erweisen sich Ressourcen aus dem Internet und Informationsbroschüren als geeignet, um das Wissen über sportliche Lehrkräfte zu erweitern. Vielseitige Eindrücke über die sozio-ökonomischen Bedingungen von Sportlehrkräften in Großbritannien lassen sich mit Hilfe von Zeitungsartikeln des TES und Werken der Verfasser ARMOUR/JONES (1998), DEEST (2001), EVANS (1990) und GORDON/ALDRICH/DEAN (1991) sammeln. EVANS (1990) und KIRK (1992) nehmen indes Bezug auf die Geschlechterthematik von Lehrern an britischen Schulen.
Eine kritische Begutachtung des in England und Wales existierenden National Curriculums wird von diversen Autoren durchgeführt. Schwerpunkte legen die Werke von BELL (1995), CHRISTIE (1989), COAKLEY/DUNNING (2000), COWLEY (1995), MOON (1991), PENNEY/EVANS (1999), ROBERTSON (1994) und SPACKMAN (1991), die im Allgemeinen einen eher negativen Tonus zu dieser Thematik verbreiten. Positive Anmerkungen zur Einführung eines National Curriculums in Bezug auf die Lehrertätigkeit waren kaum zu
5 I Einführung
finden. Die Verschriftlichung des Lehrplans durch das DfEE (Department for Education and Employment) (1999) sowie neutral verfasste Literatur von HALL (1999) und der QCA (Qualifications and Curriculum Authority) (2001) fand hingegen Verwendung, um das Aufgabenspektrum des Sportlehrers darzustellen.
6 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
II DER SPORT ALS KATALYSATOR FÜR EINE NEUE
SCHULÄRA IN GROßBRITANNIEN
1 Ein Einblick in die Genese des Sportunterrichts.
Geschichtliche Merkmale und Zusammenhänge
Dem Sportunterricht an britischen Schulen, wie man ihn heutzutage vorfindet, geht eine Reihe von Entwicklungsphasen und Reformen im Erziehungswesen voraus, die das gesamte Bildungsverständnis in Großbritannien geprägt haben. In diesem Kapitel sollen kurz die geschichtlichen Beweggründe für die Einführung des Sports an damaligen Schulen beleuchtet werden. Dieser Einblick dient nicht dazu, die gesamte Geschichte des britischen Erziehungswesens nachzuzeichnen, sondern es soll vielmehr der Schwerpunkt darauf gelegt werden, inwiefern der Sportunterricht zur Charakterbildung von Schuljungen eingesetzt wurde und welchen Stellenwert er bekam.
1.1 Die historischen Hintergründe von den Anfängen bis zur Einführung des Sports an englischen Schulen
Indeed, since masters in the nineteenth-century public schools of
England took charge of the games for pupils, the notion that
sport is an agent of socialization and social control has been
widely espoused (ARMOUR/JONES 1998,115).
Die Einführung des Sports an englischen Schulen begann im 19. Jahrhundert und war somit in seiner Erscheinung ein eher spät entwickeltes Glied der Schulära. Das Schulwesen im ursprünglichen Sinne entstand bereits im sechsten Jahrhundert durch die stark kirchlich beeinflussten Song Schools, die eine enge Verbindung zwischen Religion und Bildung darstellten und das
7 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
Lesen sowie das Schreiben vermitteln sollten. Neben den zwei Universitäten Oxford und Cambridge entstand das Merton College als erstes seiner Art in England. Ziel all dieser frühen Bildungsstätten war die Entwicklung eines ‚guten Charakters‘ und weniger die geistige Bildung. Nach der englischen Reformation 2 und der Auflösung der Klöster war das Bildungsmonopol der Kirche beendet, wodurch ein starker Bildungsverlust bei den unteren Schichten sowie bei den Mädchen erkennbar war. Ein Zwei-Klassen-System entwickelte sich und nahm Einfluss auf die Lehrfreiheit. Private Schulen wurden auf diese Weise im 18. Jahrhundert populär, die dazu dienten, die meist armen Schüler der unteren Klassen von den Straßen zu holen und ihnen durch das Lesen des Evangeliums den christlichen Glauben nahe zu bringen. Der Erfolg war sehr groß, so dass man Tagesschulen für das ganze Land einrichtete, die man sinngemäß Public Schools nannte.
Die vo n kirchlichen Einrichtungen ausgebildeten Lehrer konnten mit der Zeit, vor allem nach dem Education Act von 1870 3 , der hohen Anzahl neuer Schüler an den Public Schools nicht mehr nachkommen, denn nicht nur die Bevölkerungszahlen hatten sich verdoppelt, sondern der ihrer Schule vorauseilende gute Ruf veranlasste auch wohlhabende Familien, ihre Kinder zukünftig zu einer Public School zu schicken. Dies hatte ein nicht aufzuhaltendes Defizit an Lehrkräften zur Folge, so dass man Assistenz- Lehrer oder so genannte Pupil Teachers (vgl. GORDON/ALDRICH/DEAN 1991, 250) beschäftigte, die ohne offizielle Lehrbefugnis unterrichten konnten. Ein soziales Missverhältnis zwischen Schülern und Lehrern entstand und begann
2 Die englische Reformation vollzog sich im 16. Jahrhundert und wurde durch einen Streit des
damals regierenden Königs Heinrich VIII. mit dem Papst ausgelöst. Nachdem der Papst der
Forderung des Königs nicht nachgekommen war, dessen Ehen zu annullieren, beauftragte
dieser die Aufhebung seiner Eheschließungen durch den Erzbischof von Canterbury und
widersetzte sich somit der Macht des Papstes. Daraufhin wurde der König aus der Kirche
ausgeschlossen und gründete die von Rom losgelöste English Church. Auf diese Weise waren
Religion und Politik nicht mehr gleichrangig, sondern die Kirche verlor ihren Einfluss bei der
Schaffung politischer und kultureller Ordnungen.
3 „The 1870 Education Act (the Forster Act) was perhaps the major landmark in the
development of English and Welsh education“ (STOKES 1994, 14). Mit ihm wurde das
Schulwesen verstaatlicht und nachfolgend, im Jahre 1880, die allgemeine Schulpflicht für
Kinder bis zum 10. Lebensjahr eingeführt (vgl. SIEPER 1993, 76). Die gesetzliche
Anwesenheitspflicht für Sekundarschüler setzte mit dem Education Act von 1902 ein (vgl.
STOKES 1994, 17).
8 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
die Atmosphäre an den Schulen zu verändern. Da die jungen Lehrkräfte nicht nur teilweise unqualifiziert waren, sondern generell auch einer sozial niedrigeren Klasse als der ihrer zunehmend reichen Schüler angehörten, verloren die Schüler nach und nach den Respekt vor ihnen. „In vielen Fällen führte dieser Konflikt zur offenen Rebellion und sogar zum Eingreifen des Militärs“ (MERKEL 1998, 122).
1.2 Die Public School mit ihrem Wegbereiter Thomas Arnold (1795-
1842)
Respektlosigkeit und desolate Zustände innerhalb der Schülerschaften sind kennzeichnend für die damalige Situation an vielen Public Schools. Als negatives Beispiel kann die Privatschule Rugby mit ihrem Schulleiter Thomas Arnold angeführt werden. Arnold wollte die Atmosphäre an seiner Schule verändern und einen Ort der Moral und des Anstands schaffen. Zur Realisierung seines Vorhabens machte er sich das schon damals existierende Prefect-Fagging-System zu Nutze, bei dem älteren, charakterlich geeigneten Schülern (Prefects) sowohl die Verantwortung für Disziplin und Ordnung in bestimmten Klassengruppen ü bertragen wurde (vgl. FISCHER/BURWELL 1995, 198) als auch die Autorität, ihnen untergeordnete Schüler mit Diensten und Arbeiten zu beauftragen (Fagging). Hauptziel war auf diese Weise das Vermitteln von bestimmten moralischen Werten, und diese sollten die von Arnold eigens ernannten Prefects an die jüngeren Schüler weitergeben. Eine Hilfestellung bot ihm die Sozialisierung des Sports, dessen erzieherische und beeinflussende Funktion immer mehr Beachtung fand. EISENBERG beschreibt dies folgendermaßen:
Der Sport [ist, S.K.] stets auch ein integraler Bestandteil der
umgebenden Gesellschaft, von der er geprägt wird und auf die er
zurückwirkt. Indem er bestimmte Lebensstile und Prinzipien der
Lebensführung nahelegt, beeinflußt er die Strukturen sozialer
Ungleichheit (Stände, Klassen, Schichten, Minoritäten,
Geschlechter, Altersgruppen), die er entweder spiegelbildlich
9 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
abbildet oder konterkariert. In dieser Dimension kann der Sport
sozialen Wandel flankieren oder einleiten (1996, 13).
Der bisweilen außerhalb der Schule stattfindende Sport konnte sehr brutal sein, begeisterte aber viele Schüler. Die Aufnahme verschiedener Sportspiele in den damaligen Lehrplan - hauptsächlich Kricket und Fußball - sorgte somit für hohe Motivation bei den Schülern, setzte aber gleichzeitig ein dem pädagogischen Prinzip der Public Schools entsprechendes Reglementieren voraus, um auch auf diese Weise Verhaltensmerkmale wie Disziplin, Respekt und Gemeinschaftssinn zu bewahren.
Ein Musterfall für diesen Erziehungsstil war das Fußballspiel.
Es war auf der einen Seite ein Spiel, in dem die „Tugenden“, die
von den Eltern gewünscht wurden, trainiert werden konnten,
nämlich sich durchzusetzen, Härte und Stärke, Kampfgeist und
Mut zu zeigen, auf der anderen Seite eröffnete sich mit dem
Fußballspiel die Möglichkeit, diese Tugenden in einer eher
zivilisierten Form, geregelt und trotzdem selbstbestimmt, also
„gentleman- like“ zu verbreiten (KRÜGER 1993, 30).
Die ohnehin sportbegeisterten Schüler, meistens Prefects, wurden daher von Arnold beauftragt, Regeln für die Sportspiele zu verfassen.
The safest analysis is to recognise that the athletic momentum
came from the boys and Arnold was astute enough to use this
enthusiasm to achieve a range of moral reforms which hinged
on the boys being given responsibility (DAVIS/ BULL/
ROSCOE/ ROSCOE 2000, 648).
Das Einhalten von Regeln sollte dazu führen, vorgegebene Grenzen nicht zu überschreiten, ein Bewußtsein für Fairness und Teamgeist zu entwickeln und sowohl das Gefühl des Gewinnens als auch des Verlierens würdevoll anzunehmen. Allgemein gültige Spielregeln brachten später noch weitere Vorteile mit sich, wie zum Beispiel die Möglichkeit, sowohl nationale als auch internationale Wettkämpfe auszutragen, „weil sie die Voraussetzung dafür waren, daß solche sportlichen Spiele und Wettkämpfe ‚exportiert‘ und in anderen Ländern verstanden werden konnten“ (KRÜGER 1993, 18).
10 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
2 Vom Rowdy zum Gentleman - Persönlichkeitserziehung
mit und durch Sportunterricht
Die Einbeziehung des Sports in das damalige Curriculum einer Schule diente mehreren Zwecken: Einerseits war es eine sinnvolle Methode, Schülern zum Beispiel mit dem Fußballspiel auf einer Ebene zu begegnen, mit der sie sich identifizieren konnten, um Respekt, Anerkennung und ebenso Motivation und Ehrgeiz zu fördern. Andererseits lag der Schwerpunkt in der sowohl körperlichen als auch mentalen Erziehung zum zivilisierten Bürger der privilegierten britischen Oberschicht. Im Weiteren soll erläutert werden, welche Aufgabe dem Sport im damaligen Schulwesen insbesond ere zugetragen wurde.
„Manners Maketh Man“ (HÄNDEL/GOSSEL 1994, 195). Dieser Leitspruch vieler Privatschulen und Colleges Großbritanniens lässt sich auf das Wertebewusstsein der damaligen Zeit zurückführen, das bis heute noch erkennbar ist. Nicht die fachliche Wissensvermittlung, sondern Charakter- und Persönlichkeitserziehung sowie die individuelle Förderung stehen im Mittelpunkt des Bildungswesens. Ganz besonders den Privatschulen war es ein Bedürfnis, ihre Zöglinge zu Gentlemen, also zu Männern „von Anstand, Lebensart und ehrenhaftem Charakter“ (MEYERS 1985, 83) zu erziehen, um sie auf spätere Führungspositionen im Beruf vorzubereiten. Nach Meinung GELLERTs waren
gutes Benehmen und Selbstdisziplin [...] darüberhinaus
Bestandteil einer allgemeinen Neigung in der Oberschicht [...].
So wurde auch an den Internatsschulen und Universitäten darauf
hingewirkt, daß die Studenten ihr Eigeninteresse primär als
moralisches Prestige interpretierten und Privilegien und
Pflichten als zwei Aspekte derselben Sache ansahen (1988, 23).
Trinkgelage und Brutalität sowie mangelnde Disziplin und gesundheitliche Defizite an zahlreichen Schulen und im militärischen Sektor waren
11 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
unerwünscht, so dass vor allem die Regierung die Meinung vertrat, eine Veränderung durch körperliche s Training an Schulen herbeiführen zu können (vgl. WHITEHEAD/HENDRY 1976, 14). Die Nützlichkeit des sportlichen Drills sollte auf mehrere Bereiche abzielen, der Verbesserung einerseits moralischer Verhaltensmerkmale, zum Beispiel gutes Benehmen und sich gentleman-like zu verhalten, und andererseits des Nationalbewusstseins bzw. Gemeinschaftsempfindens. Ebenso unterstreicht TRANTER diese Ansicht, indem er erwähnt, dass „there was a widespread assumption that sport would play a vital role in establishing and maintaining the unity of the Empire and Commonwealth” (1998, 54), und
an active participation in sport was widely regarded as an
essential requirement for the high standards of physical, mental
and moral well-being which it was thought Christian man owed
a duty to his Creator to attain (1998, 57).
Ein weiterer Aspekt für das Gentleman-Image war der Ausdruck von Männlichkeit, der sich unter anderem in körperlicher Stärke und Gesundheit widerspiegelte. Diese Eigenschaften wurden durch die sportliche Betätigung unterstützt und waren besonders für den militärischen Bereich zur Entwicklung kampffähiger Soldaten wichtig, aber auch, um in der gleichzeitig stattfindenden Industrialisierungsphase ‚tüchtige‘ Arbeitskräfte zu schaffen (vgl. TRANTER 1998, 58). Ursprünglich für die militärische Ausbildung vorgesehene Übungen (Physical Drills) wurden dann auf den Sportunterricht übertragen und zunächst von so genannten Drill Sergeants, vom Kriegsministerium entsandte Soldaten, ausgeführt (vgl. VAN DALEN/BENNETT 1971, 292ff.). Ohne auf das individuelle
Leistungsvermögen der Schüler zu achten, versuchte man, mit hartem körperlichen Training psychologische und physiologische Züchtigung zu erreichen, was nicht immer gewaltfrei vonstatten ging. „[...] Physical education of children and adolescents in past centuries was marked by aggressive and, in parts, by sadistic brutality“ (PEISER 1996, 249).
12 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
Deutlich wird, dass die Einführung des damaligen Sports an den Public Schools nicht nur darauf abzielte Ordnung an den Schulen zu schaffen und den Schülern verschiedene Normen und Regeln nahe zu bringen, sondern den Grundstein für die Bildung eines bestimmten Persönlichkeitsideals zu legen. Das bedeutet,
a fundamental link being made between manliness and
godliness in what has been called muscular Christianity - an
educational experience involving physical endeavour and moral
integrity (DAVIS/BULL/ROSCOE/ROSCOE 2000, 653).
3 Zusammenfassung
Die Begriffe ‚Sport‘ und ‚Erziehung‘, wie sie sich in der Bezeichnung Physical Education wiederfinden, wurden nicht immer miteinander in Verbindung gebracht. Beide Bereiche existierten getrennt und unabhängig voneinander bereits sehr lange, sowohl der zwar meist brutale und blutige Sport - trotzdem von der breiten Masse der Bevölkerung verehrt - als auch die geistige Erziehung durch die Kirche und erste private Schulen. Die Idee, den Sport als nützliches Werkzeug bei der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hinzuzuziehen, ergab sich aus der sich zunehmend moralisch verschlechternden Situation an damaligen Public Schools. Immer größer werdende Schülerzahlen hatten zur Folge, dass das Relationsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern ins Ungleichgewicht kam. Die der meist unteren Mittelschicht angehörende Lehrerschaft hatte so, durch die Majorität reicher Schüler, keine Autorität mehr und mit mangelnder Disziplin der Schuljungen zu kämpfen. Thomas Arnold war Head Master einer für chaotische Zustände bekannte Public School in Rugby. Er machte sich vor allem den Einsatz des Fußballspiels zu Nutze, um seinen erzieherischen Status sowie moralische Werte und diszipliniertes Verhalten bei den Schülern wiederzuerlangen. Eine Schlüsselfunktion hatte dabei das Verfassen von Spielregeln seitens der Schüler, um „eine Balance zwischen Kontrolle und
13 II Der Sport als Katalysator für eine neue Schulära in Großbritannien
Disziplin auf der einen und spontaner Spiel- und Kampflust auf der anderen Seite zu halten“ (KRÜGER 1993, 30). Diese Methode etablierte sich und wurde schnell von weiteren Schulen, zunächst in England und später in der ganzen Welt, übernommen. Sportlicher Einsatz hatte zudem bereits im militärischen Bereich seine Effizienz bewiesen, so dass man vom Kriegsministerium entsandte Soldaten für den Sportunterricht einsetzte. Nach KIRK (1998, 96) war „a strict timetable of activities“ vonnöten, „that completely occupied the working and leisure hours [...] to reduce the opportunities for their participation in ‚immoral‘ behaviours.“
Die mit Arnold ins Leben gerufene Idee, dem Sport durch das Verfassen von Regeln einen erzieherischen, disziplinierenden Charakter zu verleihen, hat im Bildungswesen weite Kreise gezogen. Die Möglichkeit, Sportspiele für jedermann zugänglich und verständlich zu machen, etablierte sich global im Bildungs- und allgemeinen Sportwesen und hat bis zum heutigen Tage einen einflussreichen Stellenwert eingenommen.
14 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
III VOM SCHÜLER ZUM LEHRER - DER WERDEGANG
EINES ZUKÜNFTIGEN SPORTLEHRERS
1 Schulabschlüsse und Qualifikationsvoraussetzungen für ein Sportstudium
Wenn man von dem Bildungswesen in Großbritannien spricht, sollte man beachten, dass es sich dabei um mehrere Systeme handelt. Im gesamten Vereinigten Königreich existieren drei Bildungssysteme, die sich allerdings nicht grundlegend voneinander unterscheiden: das Bildungswesen in England/Wales, Nordirland und Schottland. In diesem Kapitel wird im Wesentlichen die Struktur der beiden in Großbritannien existierenden Schulwesen erläutert, das englisch-walisische und das schottische, um einen Einblick in das sehr komplexe System zu erhalten und die Grundvoraussetzungen für eine Laufbahn zum Sportlehrer darzustellen.
In Großbritannien existieren Einrichtungen, die sich um
Qualifikationsvoraussetzungen sowie curriculare Schulbelange kümmern. The Qualifications and Curriculum Authority (QCA) befasst sich mit den allgemeinen Prüfungs- und Aufnahmebedingungen in England. Auch wenn sich das Bildungswesen in Wales von England nicht abgrenzt, existiert hier dennoch eine separate Einrichtung, The Qualification, Curriculum and Assessment Authority (ACCAC) sowie The Welsh Joint Educational Committee. The Scottish Qualifications Authority (SQA) ist verantwortlich für das schottische Bildungssystem.
15 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
1.1 Das General Certificate of Secondary Education (GCSE)
GCSE, die Abkürzung für General Certificate of Secondary Education, ist ein allgemein anerkannter Abschluss einer elfjährigen Pflichtschulzeit in England, Wales und Nordirland. Das Scottish Certificate of Education Standard Grade (SCE Standard Grade) stellt das schottische Äquivalent zu diesem Schulabschluss dar. Im Alter von 16 Jahren legen die Schüler Prüfungen in mehreren Fächern und auf verschiedenen Wissensstufen ab. Es finden sowohl mündliche als auch schriftliche Tests statt, die auf einer Notenskala von A bis G bewertet werden. Dieser Schulabschluss ist, bezogen auf seine Gültigkeit, mit der Mittleren Reife in Deutschland zu vergleichen, bei dem ebenso 16jährige Schüler die Pflichtschulzeit mit einem allgemein anerkannten Abschlusszertifikat beenden.
Im Hinblick auf den Sportlehrerberuf benötigt ein Schüler in England und Wales mindestens fünf erfolgreich abgeschlossene GCSEs, wobei darin die Fächer Englisch, Mathematik und Science 4 enthalten sein müssen (vgl. FYFE 1994, 28). Die Benotung sollte hier bei C oder höher liegen, um die spätere Aufnahme an einer lehrerausbildenden Einrichtung zu ermöglichen (vgl. TTA, 2000, ohne Seitenangabe). Als Grundvoraussetzung in Schottland muss der Schüler seinen SCE Standard Grade in zwei Fächern erfolgreich absolviert haben; Mathematik oder ein „National Course 5 Award“ (SCOTTISH EXECUTIVE 2002, 10.) mit Schwerpunkt in Mathematik gilt dabei als obligatorische Fächerwahl. Hat ein Schüler Interesse am Sport, zieht er Physical Education (PE) 6 als ein weiteres Prüfungsfach hinzu. Hierbei werden Schwerpunkte in den Bereichen Anatomy und Physiology, Culture und History, Health und Fitness sowie Training und Performance gelegt (vgl. BBC SCHOOLS 2002). Nach erfolgreichem Abschluss des GCSE wird der Prüfling
4 Science ist der Oberbegriff für die an britischen Schulen angebotenen naturwissenschaftlichen
Fächer. In Verbindung mit Sport dienen sie besonders im Fach Biologie dazu, den Schüler über
anatomische sowie physiologische Aspekte des menschlichen Körpers zu unterrichten. Auch
der Physikunterricht kann in Bezug auf das Erlernen sportlicher Fähigkeiten sehr hilfreich sein.
5 Zentraler Unterricht in Schottland.
16 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
entweder in die Berufswelt oder an eine weiterführende Einrichtung zur Vorbereitung auf das A-Level-Exam entlassen. Besteht ein Schüler die GCSE-Prüfung nicht, so kann er diese später in der Sixth Form 7 einer Sekundarschule oder einer weiterführenden Institution nachholen. Bezeichnend ist die schon recht frühe Berücksichtigung der späteren Berufswahl im Hinblick auf die Fächerkombinationen in der GCSE-Prüfung. Sie hat hier zwar noch keinen relevanten Stellenwert bei der Bewerbung für einen zukünftigen Studien- oder Ausbildungsplatz, dennoch soll sie auf einen bestimmten beruflichen Werdegang hinweisen und verlangt eine ho he Entschlussfreudigkeit und Reife seitens des Schülers. Verbindlicher jedoch ist die Fächerwahl im weiteren Schulverlauf. Nach seiner Pflichtschulzeit muss sich der Schüler, hinsichtlich seines Berufswunschs Sportlehrer zu werden, auf das A-Level-Exam vorbereiten, bei dem die Wahl für bestimmte Fächer richtungsweisend ist. Ablauf und Inhalte der Oberstufenzeit in Großbritannien werden im Folgenden näher beschrieben.
1.2 A-Level, AS-Level und A2-Level
Die so genannte Sixth Form, unterteilt in Lower Sixth und Upper Sixth, umfasst eine zweijährige Schulzeit der 16- bis 18-Jährigen und endet mit dem General Certificate of Education Advanced Level (GCE A-Level), welches in zwei bis vier Unterrichtsfächern erworben wird. A -Levels oder das in Schottland bezeichnete Scottish Certificate of Education Higher Grade (SCE Higher Grade) sind gleichwertig, obwohl die Oberstufenzeit in Schottland nur einjährig ist. Schüler, die sich jedoch im Alter von 17 Jahren noch nicht reif genug fühlen, um an der Universität ein Studium zu beginnen, können sich ein weiteres Jahr vorbereiten und mit einer Abschlussprüfung das Certificate of Sixth Year Studies (CSYS) erlangen (vgl. FISCHER/BURWELL 1995, 105).
6 Die Abkürzung PE für Physical Education ist ein gängiger Begriff in Großbritannien und soll
im weiteren Verlauf der Arbeit häufige Verwendung finden, um den Lesefluss zu erleichtern.
7 Einrichtung der allgemeinen weiterbildenden Schulen zur Vorbereitung auf die
Hochschulqualifikation (A-Level).
17 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
A-Levels und SCE Higher Grades gelten als Grundvoraussetzung, um den Bildungsweg an einer Universität oder Hochschule fortzuführen. Die Qualifikation für eine bestimmte Studienrichtung oder entsprechende Universität setzt voraus, dass der Notenspiegel in zwei bis drei Fächern, je nach Institution, die Bewertung C nicht unterschreitet.
Bei der Wahl der A -Levels muss sich der Schüler über seinen späteren Berufswunsch klar sein, da hier der Grundstein für die Weiterbildung gelegt wird. Es ist daher üblich, dass die Schüler zunächst über eine Bandbreite von Fächern verfügen, sich einen Überblick verschaffen, um sich dann auf ein Gebiet zu spezialisieren und die für sie uninteressanten Fächer wieder abzulegen. Erleichtert wird die Situation durch die Einteilung der Abschlussprüfungen in zwei Einheiten. Die nach einjähriger Dauer nicht weitergeführten Fachgebiete können mit dem Advanced Supplementary- oder auch Advanced Subsidiary-Abschluss (AS-Level), der eine alternative Qualifikation zum A- Level-Abschluss bietet, beendet werden. Auch für die kontinuierten Fächer wird eine AS-Prüfung v erlangt, um ein erreichtes Lernniveau zu kennzeichnen und den Aufstieg in das so genannte A2-Level zu gewährleisten. Die Zusammensetzung aus dem AS-Level und dem A2-Level ergibt letztendlich den A-Level- Abschluss in einem Fach nach Beendigung der Sixth Form. Das A -Level-System erinnert an die Oberstufenregelung in Deutschland, da auch dort Grundkurse neben den Leistungskursen weitergeführt und sogar zwei von diesen mit in die Abiturprüfung einbezogen werden. Dem Schüler werden bei der Wahl der A-Levels, sowohl bezüglich der Anzahl der Fächer als auch der Fachrichtung, Freiheiten gelassen, die ihm erlauben, seinen Abschluss gänzlich eigenständig zu gestalten. Der Schüler kann auf diese Weise sehr motiviert arbeiten und ‚Spaß‘ am Lernen entwickeln. Der deutsche Schüler hingegen ist an viele Richtlinien und Fächerkombinationen gebunden, da die Abiturprüfung generell aus einer Zusammensetzung verschiedener Fachgebiete - Naturwissenschaften in Verbindung mit einer Sprache, einem gesellschaftswissenschaften Fach und einem Wahlfach - besteht.
18 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
Hat ein Schüler in Großbritannien den Wunsch, sich auf den zukünftigen Sportlehrerberuf vorzubereiten, entscheidet er sich bei der Fächerwahl im A-Level-Bereich unter anderem für die Teilnahme am Sportunterricht sowie für das Fach Science (vgl. LIFETIME CAREERS WILTSHIRE 2001, 3). Neben einer intensiven Wissensvermittlung im Sportunterricht, vor allem im A-Level, besteht außerdem der Sinn und Zweck von PE darin, die persönliche Einstellung des Schülers zum Sport, bezogen auf das gesamte Leben, zu formen. Besonders die intensive Beschäftigung mit dem Sportunterricht zur Vorbereitung auf das A-Level-Exam soll bei dem Schüler Enthusiasmus in Bezug auf die Förderlichkeit des Sports hervorrufen.
All candidates will gain by furthering their knowledge and
understanding of the importance of exercise and activity to their
personal, social and mental health and well-being.
Furthermore, all candidates are required to extend their ability
to plan, perform and evaluate an exercise training programme,
and in so doing, will demonstrate application of knowledge to
improve performance. This specification meets the definition of
Physical Education by providing for the development of
knowledge, skills and understanding, through the study of
physical education and by participation in sport and physical
activity (AQA 2001, 7).
Die Vorbereitung im Fach Sport auf die A-Level-Prüfung setzt sich aus sechs Einheiten zusammen. Die ersten drei Bereiche umfassen die Kurse des AS-Levels und zielen darauf ab, dem Schüler ein sowohl theoretisches als auch praktisches Grundwissen in mehreren Teilgebieten zu vermitteln. Die schon im Bereich der GCSE-Prüfung und im Rahmen des National Curriculums 8 (NC) erworbenen Kenntnisse werden wiederholt und erweitert.
Die in Abb.1 aufgeführten Daten zeigen die Aufteilung der einzelnen Unterrichtseinheiten im AS- und A2-Bereich. Es bestehen jeweils drei unterschiedliche „Units“ oder „Modules“ (AQA 2001 7), davon jeweils zwei theoretische Gebiete sowie ein praktischer Teil, der als Coursework bezeichnet
8 Das National Curriculum (NC) beschreibt den allgemein vorgegebenen Lehrplan für England
und Wales. Weitere Angaben siehe Kap. V, „Das National Curriculum - Aufgaben und Ziele
des Sportlehrers“.
19 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
wird. Diese praktischen Aufgaben wiederum setzen sich zusammen aus der Darbietung erlernter Fähigkeiten, im A2- Level mit Schwerpunkt auf Aktivitäten im Outdoor-Bereich (vgl. OCR 2002, Website) sowie der Präsentation einer schriftlich verfassten Arbeit, die eine bestimmte Anzahl von Wörtern nicht unterschreiten darf (vgl. HINCHINGBROOKE SCHOOL 2002, Website). Die jeweils zwei theoretischen Teilgebiete in AS und A2 befassen sich hauptsächlich mit anatomischen und physiologischen The men einerseits sowie sozialwissenschaftlichen und geschichtlichen Aspekten andererseits und werden am Ende eines jeden Schuljahres schriftlich geprüft.
Abb. 1: Übersicht der Aufteilung von AS- und A2 -Level-Einheiten zur Erlangung des A-Level Abschlusses 9
Um die für PE erforderlichen Qualifikationen an einer schottischen Hochschule zu erfüllen, sind mindestens drei SCE Higher Grades erforderlich, von denen
9 Eigene Darstellung in Anlehnung an OCR 2002, Website.
20 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
Englisch oder ein entsprechender National Course Award mit Schwerpunkt in Englisch den obligatorischen Fächeranteil bildet. Die Benotung sollte auch hier bei C oder höher liegen. Generell gilt es, die individuellen Aufnahmeregelungen - Degree Course Requirements - der präferierten Hochschule zu beachten (vgl. UNIVERSITY OF EDINBURGH 2002, 138). Erfüllt man die Mindestvoraussetzungen für ein Lehramtsstudium, entscheidet außerdem eine zentrale Behörde, The Teacher Education Institution (TEI), ob der Bewerber als Lehramtsanwärter akzeptiert wird oder ob weitere Qualifikationen für das jeweilige Fachgebiet erforderlich sind (vgl. SCOTTISH EXECUTIVE 2002, 10-11).
2 Das Sportstudium
2.1 Die Universitäten und Colleges
There are higher education colleges and universities throughout
the UK. These range from large universities with 30,000
students to small colleges of higher education with less than
1,000 students (UCAS 2000, 3).
Die Academic Years bezeichnen die Studienjahre an einer Hochschule oder Universität Großbritanniens. Diese können auf sehr unterschiedliche Weise verlaufen, da sich das universitäre System nicht nur durch verschieden große Hochschulen auszeichnet, sondern auch in fünf Kategorien einzuteilen ist. Zum einen existieren die im Mittelalter entstandenen Universitäten wie Oxford und Cambridge, welche eigene, zum Teil fast elitäre Aufnahmebedingungen fordern; zum anderen verfügen die schottischen Hochschuleinrichtungen, wie die University of Edinburgh, über ein eigenes Ausbildungssystem. Des Weiteren findet man im Vereinten Königreich die im 19. Jahrhundert entstandenen Redbricks - aus rotem Backstein gemauerte Hochschulen - und die modernen Universitäten (Plate-Glass). Seit 1992, mit dem Inkrafttreten
21 III Vom Schüler zum Lehrer - Der Werdegang eines zukünftigen Sportlehrers
eines neuen Hochschulgesetzes, dem Further and Higher Education Act, gehören außerdem die Polytechnics - technische Hochschulen - zum anerkannten Universitätsstatus.
Universitäten bestehen, so wie man es auch von Deutschland kennt, aus mehreren unterschiedlichen Fachbereichen oder Fakultäten, die als Colleges oder Faculties bezeichnet werden können. Ebenso nennt man an die Universität angegliederte oder sogar selbständige Institute und Akademien Colleges oder Schools. Beispielsweise schickt die University of Brighton ihre Sportstudenten zur Chelsea School und zur School of Education (vgl. UNIVERSITY OF BRIGHTON 2002, 55ff.), wohingegen man in Glasgow die Faculty of Education aufsucht, um sich als Lehrer ausbilden zu lassen (vgl. THE UNIVERSITY OF STRATHCLYDE 2000, 54ff.) und die Oxford-Studenten für ein Lehramtsstudium das Kellogg College besuchen (vgl. UNIVERSITY OF OXFORD 2002, Website). Der Ausdruck College wird noch in weiteren Einrichtungen des englischen Bildungswesens verwendet. Er beschreibt unter anderem auch das Gebäude, in dem sich eine Fachhochschule oder Akademie befindet. 10
Das Hochschulsystem in Großbritannien ist gekennzeichnet durch eine stark ausgeprägte Autonomie der Universitäten und Colleges. Auf diese Weise fällt nicht nur jede dieser Hochschulen eigenmächtig Entscheidungen über die jeweiligen akademischen Ausbildungsformen, sondern auch über die Finanzierungen und den Personalbedarf. Dennoch werden sie vom Staat finanziell unterstützt und von dem Higher Education Quality Council (HEQC), bezogen auf das akademische Niveau, überprüft, um einen einheitlichen Bildungsstandard im Land zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang existieren Hochschulranglisten, die in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden, um zukünftigen Studenten die Suche nach einer guten Universität zu erleichtern. Ausnahmen bezüglich der Unabhängigkeit einer Hochschule bilden hier die Institutes of Higher Education und an Universitäten gebundene
10 Im Weiteren soll der Begriff College ausschließlich für fachspezifische Institute oder
Fachbereiche Verwendung finden.
Arbeit zitieren:
Sandra Viering, 2002, Sportlehrerinnen und Sportlehrer in Großbritannien, München, GRIN Verlag GmbH
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