Inhaltsverzeichnis
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1. Rahmenbedingungen des deutschen Equity-Marktes
1.1 Eigentümer-dominierte mittelständische Unternehmen als „Motor“ 1
der deutschen Wirtschaft
1.2 Akzeptanz des Kapitalmarktes (IPO) als Möglichkeit der Kapital- 1
beschaffung bei mittelständischen Unternehmen
1.3 GEX als Hilfsmittel zur Direktinvestition in Unternehmen mit hohem 3
Alteigent ümer-Anteil für private und institutionelle Investoren
2. GEX - ein Index der Deutschen Börse Group
2.1 Grundlegende Regeln für Aktien-Indizes 3
2.1.1 Kalkulatorische Basis 3
2.1.2 Gewichtung einzelner Aktienwerte innerhalb der Indizes 3
2.2 GEX-Spezifika 4
2.2.1 Selektion der Einzelwerte durch CEFS/TUM 4
2.2.2 Selektionskriterien 4
2.2.3 Index-Berechnung 5
2.2.4 Grundlegende Informationen zu wesentlichen Einzelwerten 5
3. Erste Kritik am GEX nach bisher neunmonatiger Kurs feststellung
3.1 Benchmark-Vergleich (Performance) mit -MDAX/S-DAX als 6
wesentliches Erfolgskriterium für den Anleger
3.2 GEX als Ergänzung des Index-Portfolios der Deutschen Börse 7
3.2.1 Angebotene Underlyings auf den GEX 7
3.2.2 Akzeptanz in den Medien 7
3.3 Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des GEX 7
3.4 Zusammenfassende Kritik 8
- 1 - 1. Rahmenbedingungen des deutschen Equity-Marktes 1.1 Eigentümer-dominierte mittelständische Unternehmen als „Motor“ der deutschen Wirtschaft
Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist Gegenstand ausgiebiger Diskussionen. Vor-und insbesondere Nachteile der „Deutschland AG“ werden in unzähligen Kommentaren thematisiert. Dabei stehen die größten deutschen Konzerne zumeist im Mittelpunkt der Berichterstattung, etwa aufgrund größerer Restrukturierungsmaßnahmen (z. B. die Siemens AG) oder durch unglückliche öffentlichkeitswirksame Auftritte der Verantwortungsträger der Unternehmen (z. B. Deutsche Bank AG). Durch die einseitige Berichterstattung wird beim Beobachter der Eindruck erweckt, diese Konzerne seien der „Kern“ der deutschen Wirtschaft. Im gesamtwirtschaftlichen Vergleich wird der Großteil der deutschen Wirtschaftsleistung jedoch von 3,3 Millionen 1 eigentümer-dominierten mittelgroßen Unternehmen erbracht, welche nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Diese leisten 50% des deutschen Bruttosozialproduktes 2 , 46% aller Investitionen 3 und beschäftigen 70% aller Angestellten 4 . Für institutionelle Anleger, welche seit ca. sechs Monaten aufgrund erster, zögerlicher Reformen und trotz aller politischen Wirrungen Deutschland gegenüber positiv eingestellt sind können diese Unternehmen bei gegebener Investitionsmöglichkeit in der asset allocation eine Alternative darstellen.
1.2 Akzeptanz des Kapitalmarktes (IPO) als Möglichkeit der Kapitalbeschaffung bei mittelständischen Unternehmen
Der zögerliche wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland steigert den Kapitalbedarf deutscher Unternehmen. Aufgrund diverser Insolvenzen stehen die Kreditinstitute einer Kreditvergabe an Unternehmen immer noch zögerlich gegenüber (vgl. Chart 5 ).
___________________
1,2,3,4 Vgl. http://www.dihk.de/download.php?dload=http://www.dihk.de/inhalt/download/mittelstandsreport04.pdf
5 Vgl. http://www.m-e-x.de/blog/grafics/Kreditvergabe.gif
- 2 -Vielfach müssen kleinere und mittlere Unternehmen bei erfolgreicher Kreditzusage im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren schlechtere Konditionen akzeptieren. Trotz dieser Entwicklung spielt der Kapitalmarkt bei der Eigenkapitalgewinnung in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Viele Unternehmen des Mittelstandes befinden sich im Familienbesitz. Die Bereitschaft nach einem eventuellen IPO neuen Anteilseignern Mitspracherechte einzuräumen besteht nicht oder nur kaum. Auch die mit einem Börsengang verbundenen Informationspflichten und Kosten besitzen eine abschreckende Wirkung auf größere Mittelständler. Von Alteigentümerseite wird zudem der Mangel eines geeigneten Marktsegments als negativ eingeschätzt. Der Großteil der Unternehmen ist größenbedingt nicht für ein Listing im M-DAX geeignet, zugleich strebt ein Großteil der Unternehmer aufgrund der skandalumwitterten Vergangenheit keine Mitgliedschaft im Segment des „General Standard“ an. Aufgrund fehlender Bekanntheit wird ein Börsengang in das Segment „Prime Standard“ mit Ziel der Aufnahme in den S-DAX als unrentabel angesehen. Die Anzahl der Börsengänge war aus diesen Gründen und im Zusammenspiel mit der schlechten Börsenentwicklung der Jahre 2000-2003 im Jahr 2004 sehr gering (vgl. Chart 2 6 ).
___________________
8 Vgl. http://www.deutsche-boerse.com
- 3 - 1.3 GEX als Hilfsmittel zur Direktinvestition in Unternehmen mit hohem Alteigentümer-Anteil für private und institutionelle Investoren
Das einerseits gestiegene Interesse institutioneller Investoren an der deutschen Wirtschaft und das andererseits geringe IPO-Volumen stellte für die Deutsche Börse Group eine unbefriedigende Situation dar. Ziel war, einen Aktienindex zu schaffen, welcher die Eigenkapitalaufnahme am Kapitalmarkt für Mittelständler attraktiv macht und dem Anleger möglichst einfach die Möglichkeit bietet, sich am Erfolg von Firmen mit deutlichem Alteigentümer-Anteil zu beteiligen. Es wird von Seiten der Deutschen Börse Group unterstellt, dass der Firmenwert dieser Unternehmen sich nachhaltig besser entwickelt als der „gewöhnlicher“ Unternehmen, da das Management der Firmen durch die Eigenbeteiligung eigenen finanziellen Risiken ausgesetzt ist und daher an einer nachhaltigen Wertsteigerung interessiert sei 7 . Vor allem nach den Skandalen „Corporate America’s“ sollte diese Philosophie bei potentiellen Investoren Anklang finden. Zugleich soll der am 03. Januar 2005 geschaffene German Entrepreneurial Index (GEX) die Stellung der Börse als Exit-Option für Alteigentümer oder andere Private-Equity-Investments (z. B. Venture Capital) festigen und erstmals einen Peer-Group-Vergleich bzgl. Eigentümer-dominierter Unternehmen ermöglichen.
2. GEX - ein Index der Deutschen Börse Group
2.1 Grundlegende Regeln für Aktien-Indizes
2.1.1 Kalkulatorische Basis
Um eine durchgängige Vergleichsbasis zwischen den Indizes - auszugsweise seien DAX, M-DAX, TecDAX und S-DAX als wichtigste Indizes zu nennen - der deutschen Börse zu schaffen, wurde als Referenz- oder Basisdatum der 30. Dezember 1987 gewählt. Da der Index GEX im wesentlichen Zusammenhang mit der Gründung des Marktsegments „Prime Standard“ steht (siehe Gliederungspunkt 2.2.2) wurde für diesen als Referenz- oder Basisdatum der 30. Juli 2004 gewählt.
2.1.2 Gewichtung einzelner Aktienwerte innerhalb der Indizes
Seit Juni 2002 werden grundsätzlich alle Werte in den Indizes der Deutschen Börse Group nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung auf Basis des Streubesitzes gewichtet. Dabei zählen zum Streubesitz alle Aktien, welche nicht von Großaktionären gehalten werden und vom breiten Publikum erworben werden können. Je höher der Streubesitz einer Aktie ist, desto höher ist im Regelfall die Handelbarkeit einer Aktie. Der Streubesitz wird im angelsächsischen Bereich als „Free Float“ bezeichnet. ___________________
7 Vgl. http://www.iser.osaka-u.ac.jp/library/dp/2003/DP0593.pdf : Sang-Mok Lee and Keunkwan Ryu, Discussion Paper No .
593, Management Ownership and a Firm’s Value: An Empirical Analysis using Panel Data, The Institute of Social and Economic
Research Osaka University, September 2003
- 4 - 2.2 GEX-Spezifika
2.2.1 Selektion der Einzelwerte durch CEFS/TUM
Grundsätzlich berät der „Arbeitskreis Indizes“ die Deutsche Börse Group in allen Fragen betreffend der Aktualität der Indexpalette. Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern großer Kreditinstitute und Kapitalanlagegesellschaften zusammen und legt seine Vorschläge dem Vorstand der Deutschen Börse Group zur Entscheidung vor. Der GEX nimmt hier eine Ausnahmestellung ein. Seine Zusammenstellung wird auf vierteljährlicher Basis durch das Center für Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) 8 der Technischen Universität München (TUM), welches unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner maßgeblich an der Konzeption des GEX beteiligt war, überprüft und eventuelle Änderungsvorschläge dem Vorstand der Deutschen Börse Group als Entscheidungsvorlage unterbreitet. Die Selektion erfolgt dabei anhand vorher festgelegter Selektionskriterien.
2.2.2 Selektionskriterien
Um eine Aufnahme in den GEX zu rechtfertigen, müssen potentielle Unternehmen die folgenden fünf Selektionskriterien erfüllen:
• Der Vorstand/die Vorstände bzw. dessen/deren Familie(-n) und/oder der Aufsichtsrat/die Aufsichtsräte bzw. dessen/deren Familie(-n) halten gemeinsam einen Anteil von mindestens 25 Prozent der Stammaktien des betreffenden Unternehmens. Die Regel schließt ehemalige Vorstände bzw. Aufsichtsräte mit ein. Halten Investment-, Asset- oder Holding-Gesellschaften einen Anteil von mehr als 25 Prozent, ist die Regel erfüllt wenn diese Gesellschaften sich mehrheitlich im Besitz der Alteigentümer befinden.
• Der Vorstand/die Vorstände bzw. dessen/deren Familie(-n) und/oder der Aufsichtsrat/die Aufsichtsräte bzw. dessen/deren Familie(-n) sowie Investment-, Asset- oder Holding-Gesellschaften halten einen Anteil von maximal 75 Prozent der Stammaktien des betreffenden Unternehmens.
• Eine Zeitspanne von mehr als 10 Jahren nach Börsengang wird bei Aufnahme des Unternehmens in den GEX nicht überschritten. Die vorangehend angeführten Selektionskriterien dienen der Unterscheidung zwischen wachstumsorientierten eigentümer-dominierten und „klassischen“ Kapitalgesellschaften. Zusätzlich müssen zwei Kriterien mit „formellem“ Charakter erfüllt werden:
• Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Deutschland sowie
• Das Unternehmen ist Mitglied des „Prime Standard“-Segmentes der Deutschen Börse Group. ___________________
8 Vgl. http//:www.cefs.com
Arbeit zitieren:
Dipl. Bw (FH) BSc MSc Daniel Kriegler, 2006, German Entrepreneurial Index (GEX) - Vorstellung und Kritik, München, GRIN Verlag GmbH
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