Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung 3
1.1 Fragestellung 3
1.2 Definitionen/Begriffserklärungen 3
2 Methodik und Vorstellung der Befragten 4
2.1 Verzeichnis der Interviewten 4
3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Alltagleben der Ostdeutschen und
Tschechen/Innen in München 5
3.1 Ansätze von Konrad Bedal Strukturmerkmale eines Kultursystems 6
4 Eigene empirische Forschung 8
4.1 Sprache Sprachverständnis, Sprachschwierigkeiten 8
4.1.1 Sprachliche Ebene - Verständnis von Wörtern und Grammatik 8
4.1.2 Sprachliche Schwierigkeiten im tieferen Sinne? 9
4.2 Kulturell geprägte Funktionszuweisung und Wahrnehmung 10
4.3 Kontaktaufnahme und Anfangsschwierigkeiten 11
4.4 München kennen lernen 14
4.4.1 Einkaufen 14
4.4.2 Kleidung 17
4.4.3 Verkehrsmittel 17
5 Bleiben oder Zurückkehren? 19
6 Kurzer Exkurs „mental maps“ 21
7 Schlussbemerkungen 22
8 Ausblick - offene Fragen 22
9 Literaturverzeichnis 23
9.1 Internetangabe 23
10 Anhang 24
2
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
Welche Veränderungen ergaben sich im Alltagsleben bei den Tschechen/Innen und Ostdeutschen, die nach
München gekommen sind und wie sind sie mit der Alltagsumwelt klar gekommen?
1.2 Begriffserklärung
Am Anfang möchte ich einige Begriffe erläutern, die ich in meiner Hauptseminararbeit benutzen werde.
Fremd:
Der Fremde gehört weder hier noch dort ganz hin. Sobald er vom Bekannten ins Unbekannte gewechselt ist, gerät er in ein Zwischenbereich; er ist nirgends zu Hause. Physisch und (zum Teil) auch psychisch lebt er in der fremden Kultur, bleibt aber doch seiner eigenen Kultur verhaftet, jener Kultur also, die er in der Enkulturation verinnerlicht hat und die er überallhin „mitnimmt“. (Simmel 1983:261)
Fremdsein beruht auf Wechselseitigkeit. Der Fremde in der Fremde erlebt die Menschen der Gastkultur als fremd, zugleich aber ist er selber für die Einheimischen ebenfalls ein Fremder, der zudem als „Eindringling“ erlebt wird und somit eine potenzielle Gefahr darstellt. Potenziellen Gefahren begegnet man oft - in meist sehr urtümlichen Reaktionen - mit Misstrauen und Ablehnung. (Maletzke 1996: 30)
Fremde Lebenswelten:
Eine fremde Lebenswelt beinhaltet alle Alltagssituationen in einer neuen Wohnumgebung, in deren wir uns zuerst
orientieren müssen, es bezieht sich auf die Wohnweise, Wohnungssuche, auf die Fahrten von zu Hause in die
Arbeit/zur Schule/zur Uni, auf das Aussuchen von Geschäften, (Lebensmitteln, Bekleidung), neue Kontakte/Freunde
finden, klar kommen mit neuen Kollegen auf der Arbeit…
3
2 Methodik und Vorstellung der Befragten
2.1 Verzeichnis der Interviewten
Interview: Anna Lobcová, 02.05.2004
Interview: Monika Potocká, 20.05.2004 Interview: Petr Malý, 22.05.2004 Interview: David Novotný, 24.05.2004 Interview: Ralf Gübner, 25.05.2004 Interview: Janine Ritter, 20.06.2004 Interview: Johannes Müsner, 26.06.2004
Die Namen wurden aus Datenschutzgründen verändert. Zur besseren Zuweisung wurden der Nationalität entsprechende Namen gewählt.
In meinem empirischen Teil möchte ich im Vordergrund Ergebnisse aus den von mir gemachten Interviews, sowie aus meinen eigenen Erfahrungen darstellen und weiter bearbeiten. Als Begleitmethode möchte ich „mental maps“ (mentale Landkarten) einbeziehen, die ich einige der Befragten gebeten habe anzufertigen. Die Befragten waren aus Tschechien und aus Ostdeutschland, die angefertigten Orientierungslandkarten habe ich auch einige Münchner anfertigen lassen um den Vergleich deutlicher darstellen zu können.
Ich habe mich vor allem auf 2 Gruppen konzentriert. Die eine Gruppe sind Tschechen/Innen, die andere Gruppe sind ostdeutsche Männer und Frauen, die nach München gekommen sind. Das Alter der Befragten bewegt sich zwischen 22-30 Jahren 1 und alle sind nach München wegen einer Ausbildung, Arbeit oder zum Deutsch lernen (als au-pair Mädchen) gekommen.
1 Das Alter als sie nach München gekommen sind bewegte sich zwischen 18-22 Jahren.
4
3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Alltagsleben der Ostdeutschen und Tschechen/Innen in München
Einige auffallende Gemeinsamkeiten oder Unterschiede, die ich bei den beiden Gruppen beobachten konnte, möchte ich kurz im folgenden Absatz erwähnen. Es hat sich eine interessante Entwicklung herausgestellt. Alle befragten Tschechen studieren mittlerweile, alle befragten Deutschen arbeiten.
Ein gemeinsames Problem von Ostdeutschen/Tschechen war am Anfang Kontakt mit den Westdeutschen aufzunehmen.
Einige Feinheiten konnte ich beim Kochen/Essen feststellen. Die Ostdeutschen haben die westdeutsche, bayerische Küche schneller
angenommen, Tschechen haben meistens am Anfang eher die tschechische Küche bevorzugt. 2
Dennoch kann man nicht behaupten, dass sich in meinen Interviews ständig dieselben Aussagen wiederholt hätten, denn es geht um Aussagen von einzelnen Individuen, die in einer anderen Umgebung aufgewachsen sind und bei denen man sehr unterschiedliche Aspekte und Schwierigkeiten im fremden München beobachten kann.
Bei der Frage zwei 3 haben fast alle Befragten in dem Sinne geantwortet, dass sie gar keine Vorstellungen über die Wohnung hatten oder sie nur das kannten, wie sie es zu Hause gewohnt waren.
Dieses hängt damit zusammen, dass es im sozialistischen Regime sehr begrenzte Möglichkeiten zu reisen gab und wenn dieses möglich war, dann nur in die östlichen Länder.
Ein ostdeutscher Befragte war einer anderen Meinung:
In dem wie ich früher und am Anfang in München gewohnt habe, da gibt es keine Unterschiede. Die Wohnung in der DDR war nicht qualitativ schlechter als hier und dadurch das wir Verwandtschaft in Westen hatten, haben wir gewusst, wie die Wohnungen in Westen ausschauen. Man war in der DDR sehr gut informiert, wie es hier (Westen) ausschaut. Man hat ja ARD und ZDF gucken können. Man wusste eigentlich sehr genau, was da vor sich geht im Gegensatz zu dem Bundesbürger, der nicht gewusst hat, was in der DDR vor sich geht. […] Im Gegensatz zu unserer Wohnung würde ich sagen, dass unsere Wohnung in der DDR von innen schöner gewesen ist. Wir haben in der DDR 2 Balkone gehabt, dass ist in München unbezahlbar.( Interview: Johannes, Müsner 26.06.2004)
2 Unter tschechische Küche versteht man in diesem Zusammenhang vor allem den eigenen Gewürzgeschmack und kalorienhaltiges Essen. (Als Beispiel: es gibt oft Gebratenes auf unterschiedlichste Art mit viel Fett, sowohl Gemüse als auch Fleisch. Oft gibt es als Beilage auf verschiedene Art gemachte Knödel).
3 Im Anhang vorgefertigte Fragen für meine Leitfadeninterviews.
5
Natürlich sind den Übersiedlern zumindest durch das Westfernsehen viele westliche Einstellungswerte oberflächlich bekannt. Dennoch besitzen sie in der DDR und im Westen ganz unterschiedliche Bedeutungsaufladungen. Diesem sind sich die Migranten nicht bewusst. 4
Bei den meisten Interviewten konnte ich beobachten, dass sie oft äußern, dass sie sich nicht mehr erinnern können, weil es schon ein paar Jahre her ist. Sie haben über Sachen erzählt, die sie sich gemerkt haben oder auch über alltägliche Sachen - in dem Sinne, dass sie den Leuten, die in München länger leben alltäglich vorkommen, die für die Befragten aber auf gar keinen Fall alltäglich waren, sondern besonders vorkamen.
Wertorientierung und Normenorientierung variiert von Kultur zu Kultur. Durch die Werte und Normen werden bestimmte Kulturmerkmale dargestellt und
den Menschen sind diese Strukturmerkmale meistens wenig bewusst und zählen dadurch zu Selbstverständlichkeiten. Man wird sich ihrer erst bei der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen, die eigene Wert- und Normen- Orientierungen haben, bewusst. (Maletzke 1996: 80)
3.1 Ansätze von Konrad BedalStrukturmerkmale eines Kultursystems
Die folgenden Strukturen 5 eines Kultursystems nehmen Bezug auf Ebenen, die ich als Ansatz von Konrad Bedal 6 übernommen habe.
- Diese Ebenen sind in einem Interaktionsgefüge und dieses bezieht sich auf jede Kultur und jede Wohnung.
- Diese ganzen Strukturen sind immer bewertet, deswegen müssen wir mit diesen kritisch umgehen.
- Auf jeder der Strukturebenen können Probleme unter den Kulturen entstehen.
Es stellt sich die Frage, welche Bedürfnisse die Bewohner haben? Es ist anders in einer WG, anders innerhalb einer Familie und auch anders, wenn die Kinder noch zu Hause sind oder wenn sie weg sind.
Ich habe junge Leute befragt, die in einer WG, einem Wohnheim, bei der Gastfamilie oder bei einer Person in der eigenen Familie gewohnt haben, nach der Ankunft in München. Aus der Heimat kamen einige Personen aus einem Einfamilienhaus oder aus einer Mietwohnung. Auf dieser Ebene bin ich mir bewusst, dass ich sehr vorsichtig bei der Vergleichsanalyse sein muss.
4 Vollbrecht 1993: 82-83
5 Zeitstrukturen, innere Sozialstruktur, Individualstrukturen, Bedürfnisstruktur, Wohnstruktur (Handlungsstruktur), Funktionsstruktur, Einrichtungsstruktur, Raumstruktur, Baustruktur
6 Hier gehe ich von Strukturen aus, mit denen sich Volkskundler Konrad Bedal in seinem Buch „Haus und Stadel“ aus dem Jahre 1975 beschäftigt hat.
6
Quote paper:
Miroslava Rabe, 2004, Fremde Lebenswelten - Orientieren in einem fremden München von Ostdeutschen und Tschechen/Innen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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