Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Zentrale Begriffe 3
2.1. Habitus 3
2.2. Kapital 4
2.3. Klasse 5
3. Der soziale Raum 6
3.1. Theoretische Grundlage 6
3.2. Das Sozialraum-Modell der französischen Nachkriegsgesellschaft 8
4. Fazit 10
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Der Franzose Pierre Bourdieu (1930-2002) gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Soziologen der Neuzeit. Zahlreiche sozialwissenschaftliche Studien (u. a. in Algerien und seiner französischen Heimat) bilden die Grundlage für verschiedene gesellschaftstheoretische Analysen und Konzepte des studierten Philosophen. Bourdieu zeigte sich mit der wissenschaftlichen Diskussion seiner Arbeit oftmals wenig einverstanden. Seiner Meinung nach wurden seine Werke weitgehend praxisfern interpretiert und fälschlicherweise in zu großem Umfang mit anderen bedeutenden Gesellschaftstheorien in Verbindung gebracht. Es geht vielmehr darum, dass die theoretischen Ansätze nicht vornehmlich für sich selbst stehen, sondern als Grundlage für die praktische Erforschung der sozialen Wirklichkeit einer Gesellschaft hilfreich eingesetzt werden sollen. In einem seiner Hauptwerke „Die feinen Unterschiede: Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“, gelingt es Bourdieu (anknüpfend an Max Weber), den klassischen Schichtungsmodellen eine Komponente hinzuzufügen. Neben der ökonomischen Struktur analysiert der Soziologe klassenspezifische Vorlieben bestimmter kultureller Präferenz oder, allgemein gesprochen, den Klassengeschmack. Er entwickelt ein mehrdimensionales Sozialraum-Modell, welches die Existenzbedingungen der französischen Gesellschaft der Sechziger- und frühen Siebziger Jahre extrem detailreich darstellt.
Grundlegendes Ziel folgender Ausführungen soll es sein, Bourdieus Verständnis von sozialem Raum zu verdeutlichen. Zu diesem Zweck folgt einer kurzen Hinleitung, die zentrale Begriffe wie Habitus, Kapital und Klasse erklären soll, die Darstellung der eigentlichen Theorie, in der sich die einzelnen Begriffe vereinen. Im Sinne Bourdieus wird abschließend das Sozialraum-Modell der französischen Nachkriegsgesellschaft, welches er in „Die feinen Unterschiede“ illustriert, interpretiert, um auch dem praktischen Nutzen der Arbeit des Soziologen Tribut zu zollen.
Neben Bourdieus Originaltext „Die feinen Unterschiede“ werde ich auf ausgewählte Sekundärliteratur zum Thema zurückgreifen, um eine möglichst umfassende Gesamtbetrachtung darzulegen.
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2. Zentrale Begriffe
Das Habituskonzept ist grundsätzlich in allen Analysen Bourdieus erkennbar und dient im Allgemeinen als Erklärungsansatz der verschiedenen praktischen wie theoretischen Überlegungen. Das aus dem lateinischen entlehnte Wort Habitus bedeutet in erster Linie Erscheinung, Haltung oder Gehaben.
Im Mittelpunkt des Konzepts steht der soziale Akteur, der über ein systematisch strukturiertes Netz von Dispositionen, ihm angeborenes typisches Verhalten, am gesellschaftlichen Zusammenleben teilnimmt. Er ist in dieser Hinsicht kein freies, selbstständig handelndes Subjekt, sondern in enormem Maß gesellschaftlich geprägt. Die durch die Gesellschaft hervorgerufene Vorherbestimmung eines Individuums ist wiederum jedoch nicht angeboren. Sie ist das Ergebnis historischer Zusammenhänge und beruht auf individuellen Erfahrungen. Hierzu gehört der sensuelle Aspekt, der die alltägliche Wahrnehmung der sozialen Welt berücksichtigt. Der kognitive Aspekt, der Ordnung und Interpretation der sozialen Welt erlaubt und die Entstehung von Normen und Werten beeinflusst, sowie die Beurteilung kultureller Objekte und Praktiken (pers. Geschmack), ermöglicht. Zuletzt ist der Handlungsaspekt zu erwähnen, der individuelle oder kollektive Handlungsmuster hervorbringt. Es ist hierbei zu beachten, dass alle drei Aspekte in der Praxis unlöslich miteinander verwoben sind, d. h. nur theoretisch getrennt betrachtet werden können. Zusammengenommen ergeben diese drei Aspekte für Bourdieu den „sozialen Sinn“ 1 , den er ihm menschlichen Körper selbst verortet.
Die soziologische Determiniertheit des Habitus erfolgt aber erst über die spezifische Positionierung eines Akteurs innerhalb der Sozialstruktur – so ist jede persönliche Habitusform immer durch klassenspezifische Faktoren bestimmt. Unter Hinzurechnung äußerer gesellschaftlicher Bedingungen, materieller wie kultureller Art, erfolgt eine Grenzziehung bezüglich des eigenen Wahrnehmens, Denkens und Handelns. Im Verlauf der Sozialisation sind zwar neue Erfahrungen und Prägungen möglich, doch bleiben diese immer dem ökonomischen Zwang unterworfen. Die, in diesem Zusammenhang in den Habitus integrierten, sozialhistorisch hervorgebrachten Muster werden vom
1 Schwingel, Markus: „Pierre Bourdieu zur Einführung“, Hamburg 2000, S. 61
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Stefan Bartels, 2005, Zur Theorie des sozialen Raumes nach Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Publishing GmbH
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