Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Ausländische Direktinvestitionen - Begriffsbestimmung 2
III. Ausländische Direktinvestitionen in den MERCOSUR- Ländern Brasilien und
Argentinien 5
1. Globalisierung in Lateinamerika 5
2. Allgemeine Entwicklung der Direktinvestitionen in Lateinamerika 6
3. Argentinien 10
4. Brasilien 15
IV. Fazit 20
V. Anhang 26
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Erwartete Entwicklung der ADI in Lateinamerika 10
Abbildung 2 : Ausländische Nettodirektinvestitionen in Argentinien 12
Abbildung 3 : erwartete Entwicklung der ADI in Argentinien 15
Abbildung 4 : Ausländische Nettodirektinvestitionen in Brasilien 1980 2003 17
Abbildung 5 : Nettodirektinvestitionen in Brasilien nach Sektoren 18
Abbildung 6 : Erwartete Entwicklung der ADI in Brasilien 20
Abbildung A 1 : Die 30 am meisten vom Rückgang der DI betroffenen Volkswirtschaften 2002 26
Abbildung A 2 Top 30 der Empfänger von Direktinvestitionen 2002 26
Abbildung A 3 : Nettodirektinvestitionen weltweit 29
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung im Rahmen des
eklektischen Paradigmas 4
Tabelle 2 : regionale Verteilung der Nettodirektinvestitionen 1999 2002 Mrd. US 7
Tabelle 3 Ausländische Direktinvestitionen in Südamerika 1990 2002 Mio. US 8
Tabelle A 1 : Nettodirektinvestitionen in Lateinamerika 1990 2002 (bis 1999 Fünf-Jahres
Durchschnitt) 26
Tabelle A 2 : Nettodirektinvestitionen in Südamerika 1990 2002 (bis 1999 Fünf-Jahres Durchschnitt)
27
Tabelle A 3 : Prozentuale Aufteilung der Direktinvestitionen in Brasilien nach Sektoren (1996 2002 )27
Tabelle A 4 : Lateinamerika und Karibik: Strategien der nationalen Unternehmen in den 90er Jahren 28
Tabelle A 5 : Einfluss von Unternehmens , Branchen- und Ländercharakteristika auf OLI- Vorteile 30
I. Einleitung
Im Zuge der Internationalisierung der Produktion und der Globalisierung der Wirtschaft haben die ausländischen Direktinvestitionen v.a. seit den 80er Jahren weltweit immer stärker an Bedeutung gewonnen. Seitdem die ausländischen Direktinvestitionen 1997 erstmals den Wert von 400 Mrd. US-Dollar überschritten haben, sind sie zu einem wesentlichen Maßstab der Globalisierung geworden. 1
Nach der sogenannten década perdida der lateinamerikanischen Volkswirtschaften in den 80er Jahren, gelang es vielen Ländern Lateinamerikas während der 90er Jahren mit der Abkehr von Staatsinterventionismus und Importsubstitution und der zunehmenden Liberalisierung der Außenwirtschaft ihre wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Durch diese tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Reformen gelang es den lateinamerikanischen Ländern, ihre Attraktivität für ausländische Anleger zu verbessern, deren Interesse sich wieder stärker nach Asien verlagert hatte. Vor allem Argentinien und Brasilien gewannen zunehmende Bedeutung als Anlageländer und entwickelten sich während der 90er Jahre zu den Hauptempfängerländern der gesamten Region Lateinamerikas.
Seit dem Jahre 2001 zeichnet sich mit dem Konjunktureinbruch in den USA ein weltweiter Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse ab. Bedingt durch die nationalen Krisen in Brasilien, Argentinien und Venezuela traf der Rückgang der Direktinvestitionen die Länder Lateinamerikas im besonderen Maße.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchenden, in wieweit der drastische Rückgang der ausländischen Direktinvestitionszuflüsse in Argentinien und Brasilien das Ergebnis eines weltweiten Abwärtstrend ist bzw. in welchem Maße die nationalen und intraregionalen Bedingungen zu der Abnahme der Direktinvestitionen beigetragen haben. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen seit Anfang der 90er Jahre in beiden Ländern.
1 Vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 6.
II. Ausländische Direktinvestitionen - Begriffsbestimmung
„Direktinvestitionen sind internationale Kapitaltransfers im Rahmen einer unternehmerischen Tätigkeit im Ausland, d.h. Investitionen in Unternehmen in einem anderen Land als dem Heimatland des Investors.“ 2
Ziel der Direktinvestition ist es, unmittelbaren Einfluss und Kontrolle auf die Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens im Ausland auszuüben. Darüber hinaus dienen Direktinvestitionen - als langfristige Kapitaltransfers mit einer Bindungsdauer von über einem Jahr - dem Zweck, dauerhafte Wirtschaftsverbindungen zu schaffen. Diese beiden Kriterien, die Schaffung langfristiger Wirtschaftsverbindungen und die unmittelbare Einflussnahme, werden auch in der Terminologie des Internationalen Währungsfonds genannt: „The Fund’s Balance of Payments Manual defines foreign direct investment as investment made to acquire a lasting interest in a foreign enterprise with the purpose of having an effective voice in its management.“ 3 Generell unterscheiden sich Direktinvestitionen von den sogenannten
„Portfolioinvestitionen“, - eine weitere Form der Auslandsinvestition - dadurch, dass letztere lediglich finanzwirtschaftliche Vorteile durch den Kauf ausländischer Wertpapiere oder anderer Kapitalanlagen, wie Investmentzertifikate, festverzinsliche Wertpapiere oder Minderheitsbeteiligungen ohne Einflussmöglichkeit anstreben. 4
Die Direktinvestitionen können vielfacher Gestalt sein: Es können Geld- und Sachkapital ins Ausland transferiert werden, aber auch Humankapital, das jedoch aufgrund der Schwierigkeit einer empirischen Messung oft vernachlässigt wird.
Die Mindesthöhe einer Kapitalbeteiligung an einem ausländischen Unternehmen für eine Direktinvestition ist von Land zu Land verschieden, liegt aber im allgemeinen zwischen 10% und 25%. 5 Je nach Anteil der Kapitalbeteiligung des ausländischen Investors variieren auch seine Einfluss- und Kontrollmöglichkeit auf die Geschäftstätigkeit des ausländischen Unternehmens.
Aufgrund der komplexen Charakteristika der Direktinvestitionen und der entsprechenden Schwierigkeiten ihrer genauen und vollständigen Erfassung und Bewertung, ist es bisher nicht
2 Reddig, Bertram (1989), S. 20.
3 IMF (1985), S. 28.
4 Vgl. Bea, Stephan (1995), S. 6.
5 So spricht sich die OECD für eine Mindestbeteiligung von 10% aus, während die Empfehlung des Internationalen Währungsfonds eine Kapitalbeteiligung von 25% an einem Unternehmen in einem anderen Land empfiehlt.(vgl. OECD (1996)
gelungen, das Thema der DI in einen einheitlichen, alle Aspekte umfassenden theoretischen Modellrahmen zu integrieren. Neben zahlreichen makroökonomischen Ansätzen, in denen Direktinvestitionen vorwiegend als internationale Kapitalströme behandelt werden, sind ebenso viele mikroökonomische Ansätze zu finden, die sich eher mit der unternehmensspezifischen Perspektive auseinandersetzen. Neben monetären- und realwirtschaftlichen Aspekten sowie Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekten, sind jedoch auch die raumwirtschaftlichen Aspekte der Direktinvestition als mobiler Standortfaktor nicht zu vernachlässigen. (Eine Übersicht über die Eigenschaften und Merkmale von DI findet sich bei Döhrn/ Heiduk, s. Anhang A-6).
Der einzige bisher existierende umfassende Erklärungsansatz der Internationalisierung von Unternehmen, stammt von Dunning. In seiner Theorie, dem sogenannten „eklektischen Paradigma“ verknüpft er Standort-, Wettbewerbs- und Internalisierungsaspekte miteinander. „Dabei erklärt er nicht nur die Entscheidung zur Durchführung von DI, sondern auch andere Arten grenzüberschreitender Unternehmensaktivitäten wie Export oder vertragliche Vereinbarungen (z.B. Lizenzen) in Abhängigkeit von der jeweils vorliegenden Wettbewerbskonstellation.“ 6
Ein Unternehmen wird nach Dunning dann eine Direktinvestition tätigen, wenn drei Vorraussetzungen erfüllt sind: (1) „Ownership advantages“, der Besitz unternehmensspezifischer
Nettowettbewerbsvorteile gegenüber den auf dem Auslandsmarkt tätigen Unternehmen (z.B.: technisches und betriebliches Know How, Kapitalintensive Produktion).
(2) „Internalization advantages“ Internalisierung der Eigentumsvorteile durch eine Ausweitung der Aktivitäten innerhalb der eigenen Firmenhierarchie, anstatt diese Eigentumsvorteile (technologisches und betriebliche Know-how etc.) durch Lizenzen oder andere vertragliche Vereinbarungen zu vergeben. (3) „Localization advantages“ Standortvorteile des Gastmarktes gegenüber dem Heimatmarkt. Hierbei spielen Faktoren wie die Liberalisierung der Wirtschaft, die Marktgröße (erweiterte Märkte durch regionale Integration etc), Ressourcen- und Humankapitalausstattung des Landes, Infrastruktur und gesetzliche Regelungen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Sind alle drei Vorteilsarten erfüllt, wird ein Unternehmen nach Dunning eine DI tätigen. Liegen jedoch Standortvorteile des Heimatlandes gegenüber dem Gastland vor, so wird ein
6 vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S. 46.
Unternehmen im Inland produzieren und den Markt des Gastlandes mit Exporten bedienen. Besitzt ein Unternehmen lediglich unternehmensspezifische Vorteile und sieht sich Internalisierungsnachteilen gegenüber, so wird es seine Vorteile über den Markt veräußern, z.B. im Rahmen einer Lizenzvergabe, und auf eine unternehmensinterne Verwertung des Wissens verzichten. 7
Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung im Rahmen des eklektischen Paradigmas
Die jeweiligen Vorteilsarten verteilen sich darüber hinaus unterschiedlich auf Länder, Branchen und Unternehmen und erklären so die Unterschiede des Umfangs und der Richtung von Direktinvestitionen in bestimmten Branchen oder Ländern (s. Anhang, Tabelle A-5). Somit erlaubt das eklektische Paradigma über diese Systematisierung nach verschiedenen Einflussebenen hinaus auch eine Differenzierung nach verschiedenen Investitionsmotiven wie Ressourcen-, Markt-, oder Effizientorientierung. 8
Unter Ressourcenorientierten Direktinvestitionen versteht man Direktinvestitionen, die getätigt werden, um die ergiebigen Rohstoffquellen zu nutzen, über die das jeweilige Anlageland verfügt.
Kosten- oder Effizienzorientierte Direktinvestitionen werden getätigt, wenn unter gestiegenem Wettbewerbsdruck (z.B.: gestiegene Lohnkosten für ein relativ arbeitsintensives Unternehmen) am bisherigen Standort nicht mehr wettbewerbsfähig produziert werden kann. Es kommt dann zu einer „kostenorientierten“ Produktionsverlagerung oder -Ausweitung, um die Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens auf dem Weltmarkt zu erhöhen. Für die angestrebten Effizienzsteigerung des Unternehmens tragen die landeseigenen Faktoren wie Humankapital und Ressourcen entscheidend bei.
7 vgl. Döhrn/ Heiduk (1999), S.45 ff
8 vgl. Döhrn/ Heiduk (1999)
Absatz- bzw. marktorientierte Direktinvestitionen treten zum Beispiel dann an die Stelle von Güterexporten, wenn andernfalls Marktanteile in dem betreffenden Land nicht (mehr) gehalten oder ausgeweitet werden können. Die Gründe für marktorientierte Direktinvestitionen können zu lange Transportwege oder eine bessere und sorgfältigere Kundenbetreuung vor Ort sein. Auch eine aus beschäftigungspolitischen Gründen bevorzugte Vergabe öffentlicher Aufträge an im Land ansässige Unternehmen oder die Umgehung hoher Importbarrieren können Firmen dazu bewegen, marktorientierte Direktinvestitionen zu tätigen. 9
III. Ausländische Direktinvestitionen in den MERCOSUR- Ländern Brasilien und Argentinien
1. Globalisierung in Lateinamerika
Unter dem Begriff der Globalisierung versteht man die aufgrund der gesunkenen Transport-und Kommunikationskosten weltweite Intensivierung und Ausweitung des Handels (Güter und Dienstleistungen), der Kapitalbewegung und der Migration, seit Ende der 80er Jahre, wobei die höchsten Wachstumsraten bei den Direktinvestitionen zu verzeichnen sind. 10 Im Zuge des Globalisierungsprozesses hat sich seit einigen Jahren ein Trend durchgesetzt, bei dem die ressourcenbasierte Produktion immer stärker durch wissensbasierte Produktionsprozesse, die mit Hilfe der neuen Transport- und Kommunikationstechnologien auf nahezu dem gesamten Globus angesiedelt werden können, abgelöst wird. Weltweit ist eine zunehmende Präsenz multinationaler Unternehmen zu beobachten, die ihre Produktions-und Absatzplanung nach globalen Kosten- Nutzen-Strategien ausrichten, bei denen landesspezifische (komparative) Kostenvorteile mit unternehmensspezifischen (kompetitiven) Wettbewerbsvorteilen kombiniert werden.
Dabei stehen immobile Standortfaktoren wie Infrastruktur, Boden, investiertes Kapital und sesshafte Arbeitnehmer im Wettbewerb mit anderen Standorten. Die immobilen Standortfaktoren müssen möglichst attraktiv für die mobilen Produktionsfaktoren wie Finanzkapital, innovative Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte sein. 11 Dies gilt insbesondere für die lateinamerikanischen Volkswirtschaften, die aufgrund ihrer
9 vgl. Donges, Juergen, B. (1981)
10 vgl. Foders (1998), S.15ff.
11 vgl. Sangmeister, Hartmut (2003)
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und einer v.a. durch hohe Auslandsverschuldung chronischen „Sparlücke“ auf ausländische Kapitalanleger angewiesen sind. Eine mögliche Strategie um Marktpotentiale zu vergrößern stellt die Bildung (sub-)regionaler Integrations- und Handelsräume in Lateinamerika dar, wie die Gründung des MERCOSUR (Mercado Común del Sur) im Jahre 1991 zwischen den Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Die Vereinbarungen über einen gemeinsamen Außenzoll und die Liberalisierung der Märkte führte zu einer kontinuierlichen Ausweitung des intraregionalen Handelsvolumen.
Durch die verringerten Transaktionskosten innerhalb des MERCOSUR sowie den größeren Absatzmarkt hat die Region als Standort für marktorientierte Direktinvestitionen, v.a. im sekundären Sektor, in den 90er Jahren stark an Attraktivität gewonnen. Abgesehen vom raschen Rückgang der letzten drei Jahre ist der Anstieg des Handlesvolumen der MERCOSURländer beeindruckend: Waren es zu Beginn des Jahres 1991 lediglich 5,1 Mrd. US Dollar, so erreichten die Länder im Jahre 1998 bereits ein Handelsvolumen von 18,3 Mrd. Dollar. Davon entfällt allein auf den Warenaustausch zwischen Brasilien und Argentinien ein Löwenanteil von 14,8 Mrd. Dollar, insgesamt rund 80%. 12 Allerdings haben die nationalen Krisen in Brasilien, Argentinien und Uruguay den gemeinsamen Markt zunehmend geschwächt. Die Abwertung des Reals seit Januar 2001, der bis zum März 2002 42% seines Wertes einbüßte und die anhaltende Rezession führten zu einer starken Abnahme des Handlesvolumens auf nur noch 12 Mrd. Dollar.
2. Allgemeine Entwicklung der Direktinvestitionen in Lateinamerika
Die ausländischen Direktinvestitionen haben v.a. während der 90er Jahre eine herausragende Bedeutung für die Internationalisierung der Produktion und die weltwirtschaftliche Entwicklung erhalten. Die Direktinvestitionen, die 1997 erstmals den Wert von 400 Mrd. US$ überschritten und damit um das zehnfache im Vergleich zum Anfang der 80er Jahre gestiegen waren, galten nun als wichtigster Maßstab für die Globalisierung der Wirtschaft. 13 Seit dem Jahre 2001 ist weltweit ein allgemeiner Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen festzustellen, der sich schon seit 2000 in Lateinamerika und Afrika abzeichnet. Im Jahre 2001 erreichten die weltweiten Nettodirektinvestitionen nur noch 735
12 vgl. AHK-Rio de Janeiro (2002), S. 6ff.
13 Vgl. Döhrn/ Heiduk, (1999)
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Iris Gasch, 2004, Ausländische Direktinvestition und Globalisierung in Lateinamerika am Beispiel Argentiniens und Brasiliens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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