INHALTSVERZEICHNIS
I. Pidgin-Sprachen im Bantu-Bereich 3
1. Was sind Pidgin-Sprachen? 3
2. Bantu-Pidgin-Sprachen und ihre Verbreitung 3
II. Phonologie der Bantu-Pidgin-Sprachen 4
1. Vokale 4
2. Konsonanten 4
2.1 Die palatalo-alveolaren Frikativen S und Z 5
2.2 Die dentalen Frikativen 5
2.3 Die glottale Frikative 5
2.4 Die Plosiven 6
2.5 Die Ejektiven 6
2.6 Aspirierte Explosive 6
2.7 Weitere Merkmale 7
3. Tonhöhe als dinstiktive Einheit 7
4. Morphophonologie 7
4.1 Alternation 7
4.2 Optionale Alternation 8
III. Grammatische Kategorien 8
1. Numerus 8
1.1 Numerus-Unterscheidung innerhalb des Satzes 8
1.2 Numerus am Nomen 9
2. Die Nominalklassen und die Konkordanz 9
2.1 Die Nominalklassen 9
2.2 Die Konkordanz 11
3. Deiktische Kategorien 13
3.1. Das Personal- und Possessivpronomen 13
3.2. Das Demonstrativum 16
4. Zeit, Aspekt, Modus 18
4.1. Zeit und Aspekt 18
1
4.2. Modus 19
IV. Syntax und Semantik 20
1. Syntax 20
1.1. Beziehungen zwischen Wörter 20
1.2. Verbindungen von Sätzen 21
2. Lexikon und Semantik 22
V. Zusammenfassung 23
Bibliographie 24
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I. PIDGIN-SPRACHEN IM BANTU-BEREICH
1. Was sind Pidgin-Sprachen?
Pidgin-Sprachen werden typischerweise in Kommunikationssituationen entwickelt, in denen Menschen mit unterschiedlicher Erstsprache aufeinander treffen und einer Handels-, Arbeits-oder Hilfssprache im weitesten Sinne bedürfen.
Diese Kommunikation beschränkt sich zunächst auf bestimmte Bereiche wie Handel, Verkehr, Arbeit oder Armee, und führt außerhalb dieser Bereiche in der Regel nicht zu vertieften sozialen Beziehungen zwischen den Kommunikationspartnern. Die Kontakte zwischen Gemeinschaften sind sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer jeweiligen Dauer meist beschränkt, unpersönlich und oft durch soziale Distanz gekennzeichnet. Pidgin-Sprachen sind in lexikalischer und syntaktischer Hinsicht als rudimentär bzw. simplifiziert und gemischt zu bezeichnen.
Nach Hymes (1971) kann man Pidgin-Sprachen als solche definieren, die starke grammatische Vereinfachung und ein begrenztes Lexikon aufweisen, die in ihrer kommunikativen Funktion eingeschränkt sind, die nur von Erwachsenen gesprochen werden und für keinen Sprecher Muttersprachen sind, die in multilingualen Gruppen als Kommunikationsmittel dienen und in der Regel nicht verschriftet sind.
2. Bantu-Pidgin-Sprachen und ihre Verbreitung
Bantu-Pidgin-Sprachen sind Sprachen, die ihrer genetischen Stellung nach zur Bantu-Gruppe gehören und einen Prozess der Pidginisierung durchgemacht haben. Dazu gehören: Fanagalo, Stadt-Bemba, Kituba, Lingala, Luba, Pidgin A 70 und Pidgin-Dialekte des Swahili. Fanagalo ist abgeleitet von Nguni-Dialekten (Zulu) und überwiegend innerhalb der Republik Südafrika verbreitet.
Stadt-Bemba gehört zur Bemba-Gruppe und wird vor allem im Industriegebiet des Copperbelt in Zambia gesprochen.
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Kituba, die von Kikongo abgeleitete Pidgin-Sprache wird im unteren Kongo-Gebiet gesprochen. Nicht alle Dialekte des Kituba sind Pidgins.
Lingala wird in weiten Teilen des südlichen und zentralen Kongo-Brazaville gesprochen. Es ist wenig bekannt, welche Dialekte des Lingala Pidgin-Formen besitzen. Luba (Tshiluba) wird im Südosten der Republik Kongo überwiegend als erste Sprache gebraucht. Luba scheint eine Pidgin-Form hervorgebracht zu haben, die Tshituba oder Kituba genannt wird. Dieser Dialekt war vor allem in der Kommunikation zwischen Afrikanern und Europäern benutzt.
Pidgin A 70 wird hauptsächlich im südlichen Teil Kameruns gesprochen. Pidgin-Dialekte des Swahili sind im inneren Kenias, in Uganda, Ruanda, Burundi und im Osten der Republik Kongo zu finden. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Kenia-Pidgin-Swahili und „Congo Swahili“.
II. PHONOLOGIE DER BANTU-PIDGIN-SPRACHEN
1.Vokale
Bei den in Afrika verbreiteten Pidgin-Sprachen findet man in der Regel fünf Vokal-Phoneme, nämlich:
Distinktive Vokallänge ist in den Pidgin-Bantu-Sprachen kaum festzustellen. Bemba (Cibemba nach I. Richardson) und Zulu, zum Beispiel, besitzen distinktive Vokallänge, in Stadt-Bemba und Fanagalo wurde sie abgebaut.
2. Konsonanten
Als Folge des Pidginisierungsprozesses lässt sich in der Regel eine Verminderung der Zahl distinktiver Einheiten beobachten. Z.B. Kenya-Pidgin-Swahili hat zwischen 18 und 22 Konsonanten-Phoneme, Swahili, das an der Küste Ostafrikas gesprochen wird, hat dagegen zwischen 25 und 29 Konsonanten-Phoneme. Die Zahl der Konsonanten-Phoneme im
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Fanagalo liegt zwischen 23 und 27, während in seiner Basis-Form, dem Zulu, man über 30 Konsonanten-Phoneme unterscheidet. 2.1 Die palato-alveolaren Frikativen [S] und [Z]
Die palato-alveolaren Frikativen [S] und [Z] werden in den Pidgin-Sprachen abgebaut und in
der Regel durch alveolare Frikativen [s] und [z] ersetzt. Z.B. das Standard Swahili Phonem /S/ (orthogr. sh) ist in den pidginisierten Dialekten des Swahili in Kampala (Uganda) und auch
in Kenia Pidgin-Swahili zu /s/ geworden: kushona > kusona `nähen`, mashamba > masamba `Farmer`
2.2 Die dentalen Frikativen
Die interdentalen Frikativen [T] und [D] bleiben nur selten in Pidgin-Sprachen erhalten und
weisen verschiedene Entwicklungsrichtungen auf. So werden sie in einigen Worten des Kenia-Swahili-Pidgins und in englischen Lehnwörter des Fanagalo durch entsprechende Explosive ersetzt, wie /T/ > /t/ in folgenden Beispielen: Standard-Swahili themanini >
tamanini `80`, Engl. thirty > teti `30`. Andere Entwicklungen, wie /T/ (th) > /s/ (manchmal
auch /T/ > /f/) und /D/ (dh) > /z/, findet man in folgenden Beispielen:
Standard-Swahili: Kenya-Pidgin-Swahili:
thelathini selasini `30` thumni sumuni `50 Cent` kudharau kuzarau `verachten` haidhuru haizuru `es macht nichts`
2.3 Die glottale Frikative
In dem Entwicklungsprozess von der natürlichen Sprache zum Pidgin kommt es häufig zum Schwund der glottalen Frikativen [h], wie z.B. im Kenya-Pidgin-Swahili. Bei pidginiesierten Swahili-Dialekten in Kampala ist das /h/ des Standard-Swahili entweder durch /y/ oder durch kein Phonem vertreten. /h/ scheint durch /y/ nur in solchen Fällen vertreten zu sein, wenn der darauffolgende Vokal ein /i/ ist, z.B. Kiswahili chiswayili `Swahili-Sprache`
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muhindi muyindi `Maispflanze` hata ata `sogar`
2.4 Die Plosiven
Die stimmhaften implosiven Konsonanten der Bantu-Sprachen sind in dem Pidginisierungsprozess allgemein geschwunden und durch die entsprechenden Explosiven
ersetzt worden. Standard-Swahili Implosiv-Reihe [∫ Î Ô ©] ist in den Pidgindialekten des
Swahili durch [b d dZ~y(“Congo Swahili”) g] ersetzt worden, z.B. Standard-Swahili: „Congo Swahili”(nach Harries 1956):
[si`Ôui] siyui `ich weiß nicht`
[pam`çÔa] pamoya `zusammen`
Zulu besitzt eine distinktive Opposition zwischen einem stimmhaften bilabialen Implosiven
und einem bilabialen Explosiven /∫/ : /b/, z.B. ∫eka `put` : beka `look`. Diese Phoneme sind
bei dem Pidginisierungsprozess zusammengefallen, das implosive /∫/ wurde in Fanagalo
explosiv.
2.5 Die Ejektiven
Die Ejektiven sind in dem Pidginisierungsprozess in der Regel durch nicht-ejizierte stimmlose Explosive ersetzt worden, z.B. an Stelle von Zulu [k` t` p`] sind im Fanagalo die nichtejektiven [k t p] getreten.
2.6 Aspirierte Explosive
Die in den natürlichen Sprachen vorhandene distinktive Unterscheidung zwischen aspirierten und nicht-aspirierten explosiven Konsonanten ist in den Pidgin-Sprachen geschwunden. Diese Unterscheidung beobachtet man beispielsweise im Zulu /khakha/ `ätzend sein` vs. /kaka/ `umzingeln`, während sie in Fanagalo nicht mehr existiert.
Nach Hopkins-Jenkins soll die Unterscheidung zw. /kh/ und /k/ erhalten geblieben sein, z.B. khala `schreien`: ka yena `sein` (Poss.)
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Arbeit zitieren:
2003, Strukturelle Charakteristika von Bantu-Pidginsprachen, München, GRIN Verlag GmbH
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