II
Gliederung
1. Einführung in die Thematik 1
2. Die sinntragenden Namen 2-5
3. Die Bedeutung des „Krugs“ 5-7
4. Die biblischen Motive im „zerbrochnen Krug“ 7-9
5. Die Symbolik der Sprache - ein Fazit 9-10
6. Literaturverzeichnis 11
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1. Einführung in die Thematik
Erzählt wird in Heinrich von Kleists „der zerbrochne Krug“ die Geschichte von Adam und Eve, die im Gerichtssaal eines niederländischen Dorfes bei Utrecht spielt. Dreh und Angelpunkt der Handlung bildet ein zerbrochener Krug. Dorfrichter Adam soll in einer Gerichtsverhandlung den Schuldigen finden, der den Krug zerbrochen hat. Mit der Untersuchung des Tathergangs offenbart sich Stück um Stück ein Sündenfall der besonderen Art. Kleist verwendet im „zerbrochnen Krug“, wie in wohl keinem zweiten seiner Werke, eine Sprache, die geradezu gespickt ist von Ausdrücken symbolischen Charakters. Die oft subtile Wortwahl sowie etliche Formulierungen und Phrasen, die zum Teil geradezu plakativ verwendet werden, manchmal aber auch nur indirekt angedeutet oder beim „zwischen den Zeilen lesen“ zu erkennen sind, transponieren das Lustsiel auf eine viel weitere, höhere Ebene als lediglich die Lösung eines Gerichtsverfahrens. Angefangen bei der Namensgebung der beteiligten Akteure und Schauplätze, über die Verwendung von angeführten Beweismitteln der ganz besonderen Art, bis hin zu allerorts gegenwärtigen Anspielungen auf die Bibel, im Besonderen auf das Alte Testament, überträgt Kleist das Geschehen von einem kleinen niederländischen Dörfchen auf das Format der „Weltbühne“, auf der sowohl die Politik und das Herrschaftssystem seiner Zeit sowie auch die Gesellschaft und nicht zuletzt die Religion kritisch vorgeführt werden. Der „zerbrochne Krug“ kann daher auch als ein „semiotisches Stück“ bezeichnet werden, ist doch eines der Hauptthemen der Unterschied oder aber auch die Gemeinsamkeit zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten, zwischen Signifikat und Signifikant. Die sprachlichen Mittel führen zu einer spannenden Dialektik von Verdeckung und Entdeckung. Diese Hausarbeit befasst sich mit der Symbolik der sprachlichen Mittel, die Kleist zu diesem Zweck im „zerbrochnen Krug“ verwendet und versucht aufzuzeigen, unter welchen Gesichtspunkten man die Handlung vom Dorfgerichtssaal auf die Geschehnisse der „Weltbühne“ übertragen kann.
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2. Die sinntragenden Namen
Gleich zu Beginn des Stückes, ja schon mit dem ersten Blick auf das Personenregister, fällt dem Leser eines sofort ins Auge: Kleist verwendet bei seinen Figurenbezeichnungen im „zerbrochnen Krug“ so genannte sinntragende- oder sprechend-typisierende Namen. Die Verwendung solcher Namen ist im Genre der Volkskomödie ein durchaus verbreitetes Stilmittel. Die Namen sind, wie im Fall der Hauptpersonen Adam und Eve, vielschichtig-ironisch angelegt, oder, wie im Beispiel von Ruprecht Tümpel, Walter und besonders beim Schreiber Licht, charakteristisch und bezeichnend für die Figuren und ihre Bedeutung im Stück. Besonders auffällig ist wohl die Verwendung der biblischen Namen Adam und Eve zur Bezeichnung der beiden Protagonisten dieses Lustspiels. Hiermit verweist Kleist eindeutig auf die biblische Geschichte des ersten Menschenpaares im Alten Testament, im Besonderen auf den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Garten Eden, wie er im Buch Genesis niedergeschrieben steht 1 . Dieser Bezug zur Bibel wird durch den Schreiber Licht bereits ganz zu Beginn des Bühnenstücks herausgestellt und verdeutlicht, als er zu Richter Adam sagt:
Doch anders als in der biblischen Geschichte, in der Eva die Sünde begeht, da sie die Frucht des verbotenen Baumes begehrt, so ist in Kleists „Krug“ Adam der Schuldige, denn er begehrt den Körper der jungen Eve zur Befriedigung seiner Fleischeslust. Die inszenierte Handlung wirkt daher faktisch als ein Spiegelbild der biblischen Handlung, „als wollte Kleist die Eva-Verführung in der Genesis korrigieren, indem er sie durch eine Adam-Verführung ersetzt“ 3 . Auch die Rolle und Handlungsweise der Eve ist jener der biblischen Namensvetterin diametral entgegengesetzt. In Kleists „Krug“ wird sie zum Opfer Adams. Sie wird Seitens ihrer Mutter und Ruprechts als Schuldige
1 Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Buch Genesis, 2,4b - 3,24. hg. von Katholische
Bibelanstalt GmbH, Stuttgart 1980, S. 6-8.
2 Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug. Ein Lustspiel. In: ders.: Sämtliche Werke und Briefe, hg. von
Helmut Sembdner, München 2001, S. 177.
3 Volker Nölle: Heinrich von Kleist Niederstiegs- und Aufstiegsszenarien. Versuch einer Phantasmata- und
Modell-Analyse mit einem Exkurs zu Hofmannsthal, Sternheim, Kafka und Horváth, Berlin 1997, S. 79.
Arbeit zitieren:
B.A. Dominik Burger, 2004, Die Symbolik der Sprache in Kleists 'Der zerbrochne Krug', München, GRIN Verlag GmbH
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