Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung 3
2) Hauptteil:
2.1) Fragestellung:
2.1.1) Theoretischer Hintergrund 4
2.1.2) Konkrete Fragestellung 6
2.2) Analyse der Institution
2.2.1) Allgemein 7
2.2.2) Aufgaben der Institution 7
2.2.3.) Problemfelder und Erwartungen der Klienten 8
2.2.4) Arbeitsform der Institution 9
2.3) Bearbeitung der Fragestellung:
2.3.1) Darstellung der Vorgehensweise 11
2.3.2) Resultate 18
2.3.3.) Probleme 22
3) Schluß 24
4) Literaturverzeichnis 25
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1) Einleitung:
In unserer heutigen Gesellschaft ist das Ideal des autonomen selbstbestimmten Individuum ein viel gebrauchtes Schlagwort. Der moderne Mensch soll autonom handeln können, Initiative entwickeln und freiwillig Verantwortung für sein Leben und die Gemeinschaft übernehmen. Diese und viele andere hohe Ziele werden häufig zitiert, besonders häufig in den Erziehungswissenschaften. Oftmals habe ich mich gefragt: Wie entstehen diese Eigenschaften im Menschen? Welche Faktoren im Leben eines Menschen können ihm diese Ideale näherbringen ? Natürlich versucht man uns in zahlreichen Seminaren Antworten auf diese Fragen zu geben. Aber dennoch bleibt der Wunsch offen, selbst Antworten zu finden und in diesem Bereich zu forschen. Deshalb entschloß ich mich dazu, daß ich mich in meinem zweiten Praktikum im Sommer 1994 um einen dieser Punkte bemühe. Ich wollte die Entstehung oder besser die Entwicklung von Initiative und die damit verbundenen Faktoren untersuchen. Die Wahl dieses Thema war nicht zufällig, da ich mich an den aktuellen Fällen der Praktikumsstelle orientieren mußte. Da ich als theoretischen Hintergrund eine sehr allgemeine Theorie von Erikson, zur Ich-Identität, gewählt hatte, wurde ich von Herrn Dr. Lüders, dem wissenschaftlichen Betreuer, darauf hingewiesen, daß ich mit meiner Fragestellung Probleme bekommen könnte und zwar deshalb, weil eine so allgemeine Theorie nicht einfach auf konkrete Situationen angewandt werden könnte. Trotzdem wollte ich bei meiner Thematik bleiben. Ich bereue dies nicht, obwohl sich die Warnungen von Herrn Dr. Lüders bestätigten. So sind die Resultate meiner Bemühungen für mich alles andere als befriedigend. Allerdings nur in Bezug auf die allgemeine Theorie. Ansonsten konnte ich durch das Praktikum, und die Analyse der Fragestellung, wertvolle Erkenntnisse über wissenschaftliches Arbeiten erlangen.
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2) Hauptteil:
2.1) Fragestellung
2.1.1) Theoretischer Hintergrund
Für die Entstehung von Eigenschaften wie Autonomie und Initiative gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Einer davon ist die Theorie von Erikson über die Entwicklung der Ich - Identität. Im wesentlichen sagt Erikson, daß die Entwicklung der Persönlichkeit durch Krisen bestimmt ist. Die Persönlichkeit steht immer im Spannungsfeld zwischen zwei Polen. Goffman nennt diese zwei Dimensionen "die vertikale Zeitdimension, in der die Ereignisse im Leben des Individuums zu einer "personal identity" zusammengefaßt werden, und die horizontale Dimension, in der zu einem gewissen Zeitpunkt nebeneinander aktualisierbare Rollen zu einer "social identity" vereinigt werden." (Krappman, Seite 316). Vereinfacht ausgedrückt fordert die soziale Dimension so zu werden, wie alle sind (Role - taking), während die personale Dimension fordert so zu werden, wie keiner ist (Rolemaking). "Zwischen ihnen zu balancieren, ist die Leistung des Individuums, die als Ich - Identität bezeichnet werden soll" (Krappman, Seite 316). Die Ich -Identität verleiht dem Individuum die Fähigkeit, trotz der Betonung seiner Einzigartigkeit, weiterhin interaktions- und kommunikationsfähig zu sein. Auf der anderen Seite garantiert die Ich - Identität die Wahrung der eigenen Merkmale, trotz Unterordnung in bestehende Normen. Ist diese Balance nicht gegeben, kann dies zu extremen Verhaltensmustern führen. Ein Beispiel für das extreme Ausbilden der sozialen Dimension sind Mitläufer, bei ihnen ist die Tendenz sich Normen unterzuordnen zu stark ausgeprägt. Im Gegensatz dazu stehen Menschen die sich keiner oder kaum einer Norm unterwerfen. Dieses Verhalten führt dazu, daß die Interaktion mit ihnen abgebrochen wird und diese Menschen zu Außenseiter werden.
Aber um eine solch ausgewogene Ich - Identität zu entwickeln müssen verschiedene Faktoren gegeben sein. Erikson hat in seiner Theorie versucht, die wichtigsten Stationen in der Entwicklung des Individuums aufzuzeigen, die dazu führen, daß eine Ich - Identität aufgebaut wird. Er hat diese Stationen als Krisen bezeichnet. Jede dieser Krisen ist durch eine Dipolarität charakterisiert. In den Krisen wird das Individuum mit zwei Extremen konfrontiert, die sich konträr gegenüberstehen. Nach Abschluß der Krise hat sich das Individuum seine Position zwischen den beiden Polen gewählt. So zum Beispiel in der Phase Initiative versus Schuldgefühl sind die beiden Extreme, das ungehemmte Handeln, die ungehemmte Initiative auf der einen Seite und auf der anderen Seite das durch Schuldgefühle verursachte Nichtstun. Eine Idealform wäre hier, ein ausgeglichenes Ich, daß nach Abschluß dieser Phase Initiative entwickelt, die durch ein Gewissen kontrolliert wird. Ob eine Phase zu einem ausbalancierten Ich führt hängt im wesentlichen von drei Faktoren ab. Erstens von den biologischen Voraussetzungen, zweitens von dem Verlauf der
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vorhergegangenen Krisen und drittens von dem soziokulturellen Umfeld des Individuums. Erikson schafft in seiner Theorie eine Synthese zwischen Elementen der Psychoanalyse und der Soziologie unter Berücksichtigung der genetischen Veranlagung 1 . Er bezieht sowohl die Lebenswelt, als auch die Lebensgeschichte des Individuums in seine Theorie mit ein. Erikson hat die Abfolge der Krisen in ein Schema gefaßt:
Jedes dieser Kästchen stellt eine Krise dar, auch die die nicht ausgefüllt sind 2 . Die ausgefüllten Kästchen sind die Krisen, die für das Lebensalter entscheidend sind. Sie werden Komponenten der psychosozialen Entwicklung genannt. Die Anordnung dieser Komponenten stellt eine Entwicklungslinie im menschlichen Leben dar. In den Spalten soll die Entwicklung der einzelnen Krisen dargestellt werden. So fängt die Krise Identität versus Identitätsverlust (Spalte 5) schon im Säuglingsalter mit der Konfliktsituation Unipolarität versus vorzeitige
1 obwohl er diesen Faktor sehr gering hält und auch in seiner Literatur kaum erwähnt
2 Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich nur die wichtigsten Krisen aufgeführt
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Selbstdifferenzierung an. Sie kommt dann allerdings erst in der Adoleszenzphase zum Ausbruch.
Wie bereits erwähnt, wollte ich die Entwicklung der Initiative untersuchen. Von den drei oben genannten Faktoren sah ich gerade im Faktor Umwelt einen Ansatzpunkt für meine Arbeit während des Praktikums.
2.1.2) Konkrete Fragestellung
Sowohl Erikson, als auch andere Wissenschaftler, sind sich darin einig, daß eine Reizarme Umwelt die Entwicklung von Initiative erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Aber gerade dies bietet einen Ansatzpunkt für die Arbeit der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Denn auf die Veranlagung, also auf die Erbanlangen, kann nicht eingewirkt werden 3 . Ebenso verhält es sich mit dem zweiten Faktor. Auch auf die Lebensgeschichte kann nicht mehr eingewirkt werden, da es ja schon geschehen ist. Vielmehr ist gerade dies, also der bisherige Verlauf der Sozialisation, der Grund dafür, daß Kinder zu Klienten der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) werden. Also kann nur auf den dritten Faktor eingewirkt werden. Die SPFH versucht durch ihre Maßnahme eine verbesserte Umwelt herzustellen. Da diese Arbeit temporär begrenzt ist, stellt sich für mich die Frage, ob diese kurzfristigen Maßnahmen zum gewünschten Erfolg führen? Reicht es, wenn man für einen kurzen Zeitraum (von 1 bis 1 1/2 Jahren) eine anregende Umwelt schafft, um Sozialisationsdefizite auszugleichen?
Diese Fragestellung wollte ich mittels teilnehmender Beobachtung und Aktenstudiums, während meines Praktikums bearbeiten.
Die ersten Probleme auf die ich stieß, war die Schwierigkeit bestimmte Begriffe wie Initiative, Schuldgefühl und Erfolg zu operationalisieren und zu definieren. Weiterhin konnte ich leider nicht auf umfangreiche Fallstudien zurückgreifen, sondern mußte mich mit einem Fall begnügen. Allerdings ist dieser Fall so exemplarisch, daß ich eine große Anzahl an Erkenntnissen gewinnen konnte. Ein weiteres Problem war die Tatsache, daß der Klient ein drei jähriges Kind war, so daß ich nicht die Möglichkeit hatte, ihn direkt zu befragen. Vielmehr mußte ich von beobachteten Verhalten auf die dahintersteckenden Regungen deuten. Dies erwies sich als schwer und ließ immer eine gewisse Ungewißheit offen.
3 rein technisch ist dies zwar schon möglich, aber noch ist nicht ausreichend erforscht in wie
weit Gene für bestimmte Verhalten verantwortlich sind. Außerdem wäre dieses Vorgehen
ethisch kaum zu vertreten.
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Arbeit zitieren:
Christoph Fournier, 1994, Praktikumsbericht Sozialpädagogische Familienhilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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