Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung 1
I. Ziel der Arbeit 1
II. Recherche und Vorgehensweise 2
B. Hauptteil 3
I. Die Sendung 3
1. Zur Geschichte der Sendung 3
2. Konzept 3
3. Themen- und Besucherwahl 5
4. Publikum 6
5. Anspruch und Adressat 7
6. Räumliches Arrangement und Visualisierung 9
7. Dauer 10
8. Warming up 11
II. Das Korpus 14
III. Ablaufschema 15
1. Beginn 15
2. Die Diskussion 17
2.1 Beginn der Diskussion 17
2.2 Die Diskussion um ein Thema 18
2.3 Themenwechsel 19
3. Ende 23
IV. Diskussionsorganisation und -verlauf 24
1. Gesprächsrollen 25
1.1. die Rolle Friedmans 26
1.2 die Rolle der Teilnehmer 32
1.3. Adressierung und Anrede 35
2. Gesprächsverteilung 38
2.1 Sprecherwechsel 39
2.2 Gliederungssignale und Rückmeldungen 45
V. Konflikt 49
1. Definition 49
2. Meinungs- und Beziehungskonflikte 49
3. Der face-Begriff 51
4. Selbst- und Fremddarstellung 52
5. Interaktionismus 55
5.1. Angriffe 55
5.2. Reaktionen 57
VI. Confrontainment 60
1. Allgemeines zum Begriff 60
2. Confrontainment als Charakteristikum der Sendung 61
3. „Geladene Fragen“ 65
4. Analyse einer Confrontainment-Situation 71
VII. Thematische Inkonsistenzen 74
1. Nonresponsive Antworten 74
2. Metakommunikation 76
3. Reparaturen 78
VIII. Beobachtungen zum nonverbalen Verhalten 79
C. Schluss 81
Bibliografie 1
Anhang Fehler Textmarke nicht definiert.
Portr ät: Michel Friedman Fehler Textmarke nicht definiert
II
Themenbeschreibung der Sendung vom 15.10. im Internet _________ Fehler! Textmarke nicht definiert. Chat über „Vorsicht Friedman!“ ______________________________ Fehler! Textmarke nicht definiert. Wahl der schlechtesten Talk-Show ____________________________ Fehler! Textmarke nicht definiert.
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A. Einleitung
Bereits bei Aristoteles findet sich die Empfehlung, nicht über Worte zu streiten. Allerdings gibt es eine Ausnahme, die den Streit um Worte rechtfertigt, und das ist der politische Streit um Worte. So waren sich auch schon die Politiker der Antike der Macht der Sprache bewusst und schrieben der Rhetorik eine große Bedeutung zu.
Wie viel Missbrauch mit Sprache getrieben werden kann, zeigen uns die Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte.
Viele Autoren, darunter Victor Klemperer, haben sich dieses Phänomens angenommen und die Sprache im Dritten Reich und damit auch die politische Sprache untersucht. In der heutigen Zeit scheint, gerade durch das Wachsen der Medien und die Verbreitung der politischen Äußerungen, die Sprache ein nicht zu vernachlässigendes Mittel im Kampf um die politische Macht zu werden.
Eine große Rolle spielen dabei wie angedeutet die Medien und der Journalismus. Immer mehr politische Sendungen erreichen den Wähler, immer wieder werden Politiker in Zeitungen zitiert und ihre Meinungen der Öffentlichkeit unterbreitet.
So gesehen bieten diese Medien einerseits den Politikern zwar Raum, ihre Ideen publik zu machen, andererseits laufen sie aber auch Gefahr, in einer politischen Sendung beispielsweise von einem Journalist derartig ins Kreuzfeuer genommen zu werden, dass die Wähler ein eher negatives Bild bekommen.
Chancen und Risiken liegen hier also dicht beieinander, zumal wir seit den siebziger Jahren davon abgekommen sind, die Politiker mit Samthandschuhen anzufassen und statt dessen zu einer kritischen und durchaus nicht vor gewissen Grenzen haltenden Interviewtechnik übergegangen sind.
I. Ziel der Arbeit
Als Beispiel für eine „moderne“ politische Diskussionssendung soll im Folgenden eine relativ junge Produktion des Hessischen Rundfunks mit Michel Friedman, „Vorsicht Friedman!“, vorgestellt werden. Am Beispiel zweier Sendung vom 18.06.2001 mit dem Thema „Schwarze Zukunft für grüne Regierungsträume?“ und vom 15.10.2001 mit dem Thema „Rot-grün legt loslauer Aufguss oder Neubeginn?“ soll die Sprache der politischen Gäste sowie des Moderators Michel Friedman, untersucht werden und unter dem Aspekt des „confrontainments“ betrachtet werden.
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile: zunächst Theoretisches zur Sendung selbst,
2
anschließend die sprachliche Analyse der Sendung, und schließlich ein Spezifikum von „Vorsicht Friedman!“, das nonverbale Verhalten.
So sollen zuerst einige theoretische Informationen zu Sendung und Sendetyp gegeben werden, um ein Bild über das Konzept und die Art der Diskussion zu gewinnen. Anschließend soll von der Oberflächenstruktur der Sendung ausgehend bis zur innern Organisation, also von Ablaufschema zu Diskussionsorganisation und -verlauf, ein detailliertes Bild der Sendung und ihrer sprachlichen Verwirklichung entwickelt werden. Schließlich werden von beiden Sendungen ausgehend Begriffe des Konflikts und des „confrontainments“ untersucht, da sie, wie ich meine, den Charakter der Sendung ausmachen und sowohl für die Gesprächsführung des Moderators, als auch für die Sprache der Gäste eine entscheidende Rolle spielen. Diesen zweiten Komplex ergänzen Hinweise auf sprachliche Besonderheiten wie thematische Inkonsistenzen. Der dritte Teil thematisiert schließlich kurz einige Beobachtungen zum nonverbalen Verhalten.
II. Recherche und Vorgehensweise
Dank der freundlichen Unterstützung des Hessischen Rundfunks und der Produktionsfirma AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH war es mir möglich, die beiden für diese Arbeit relevanten Sendungen live im Main-Tower in Frankfurt mitzuverfolgen. Gleichzeitig hatte ich die Möglichkeit, die Sendevorbereitungen mitzuerleben und aufzunehmen. So konnte ich mir einen Überblick über das Studio und das Produktionsteam machen, und hinter die Kulissen schauen. Da ich bis kurz vor Sendebeginn Aufzeichnungen machen durfte, hatte ich auch die Möglichkeit, das warming up der Sendung zu filmen.
Diese Aufzeichnungen bilden die Basis für die Untersuchungen bezüglich der Sendevorbereitungen, vor allem des warming up’s, und sind dieser Arbeit als CD beigefügt. Leider liegen über die meisten Informationen über die Sendung keine Literaturangaben vor, da ich diese aus Telefonaten mit der Produktionsgesellschaft AVE erhielt, die kein schriftliches Informationsmaterial zur Verfügung stellen konnte.
Grundlage für die Gesprächsanalyse sind Videoaufzeichnungen der beiden Sendungen im hr3. Ausgehend von diesen Aufnahmen werde ich versuchen, einzelne Gesprächssequenzen anhand von ausgewählten Beispielen zu analysieren. Dabei habe ich mich für die Transkriptionsmethode GAT entschieden 1 . Da es sich meist um kürzere Gesprächssequenzen handelt, habe ich sie direkt in den Text eingebunden.
1 Ausschlaggebend für meine Wahl ist der in der Bibliographie aufgeführte Aufsatz von Selting, 2001
3
B. Hauptteil
I. Die Sendung
Zunächst soll ein kurzer Blick auf Geschichte und Konzept der Sendung geworfen werden, anschließend werden Punkte wie Themen- und Besucherwahl, das Studio-Publikum, die Fernsehzuschauer, das räumliche Arrangement des Studios und die Dauer der Sendung, sowie schließlich die Sendevorbereitungen, sprich die Generalprobe und das warming up, näher betrachtet.
1. Zur Geschichte der Sendung
„Vorsicht! Friedman“ ist wie erwähnt eine recht junge Sendung.
Sie entstand als Koproduktion von Hessischem und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg und wurde am 15.09.1998 das erste Mal ausgestrahlt.
Der Sendetitel, der den Unterhaltungsklassiker Vorsicht, Kamera assoziiert 2 , macht wie bei anderen Produktionen ähnlichen Charakters wie z.B. „Explosiv- Der heiße Stuhl“, oder „Schlag auf Schlag“ 3 schon die provokante Intention der Sendung deutlich. Jeden Dienstag Abend um 20.15 wird die 45-minütige Diskussion um ein aktuelles politisches Ereignis live aus dem Main-Tower in Frankfurt übertragen und im Hessen Fernsehen ausgestrahlt, d.h., es handelt sich um eine „echte“ Live-Sendung, im Gegensatz zu Sendungen, die vor der Sendezeit unter „Live-Umständen“ aufgezeichnet werden und später ohne weitere Bearbeitung ausgestrahlt werden. 4
Zusätzlich gibt es eine Seite im Internet, auf der zu der aktuellen Sendung eine kurze Themenvorstellung 5 zu lesen ist, außerdem einige Informationen über den Moderator zu finden sind und schließlich die Möglichkeit zu Kritik gegeben wird. Während der Sendezeit ist zusätzlich der Raum für einen chat mit dem Motto „Ihre Meinung interessiert uns“ gegeben. 6
2. Konzept
Die Produktion scheut sich also nicht vor Kritik und stellt gleichzeitig dieses Phänomen in den Mittelpunkt der Sendung.
In der Kurzbeschreibung der Sendung im Internet wird dies deutlich beschrieben:
2 Vgl. www.freitag.de/2000/10/00101402.htm vom 15.02.01
3 vgl. Burger 1991, 19
4 vgl. Burger 2001, 1496
5 vgl. Ausdruck im Anhang über die Sendung vom 15.10.2002, www.hr-online.de/fs/friedman vom 18.10.2002
6 vgl. www.hr-online.de/fs/friedman und siehe Anhang
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Jeden Dienstag kultiviert Michel Friedman sein politisches Streitgespräch live aus dem Main Tower in Frankfurt [...]. Er debattiert das Thema der Woche [...] - ohne Umschweife, emotional, manchmal frech, aber immer humorvoll. Mit pointierten Fragen will Friedman die Widersprüche und die Heuchelei aufdecken, die sich hinter den Erklärungen der Politiker verbergen. Das Publikum dankt es ihm, wenn er immer wieder nachhakt und hartnäckig bleibt, bis er eine befriedigende Antwort bekommen hat.“ 7
Hier ist der Charakter der Sendung deutlich getroffen: Es handelt sich nicht in erster Linie um ein informatives Gespräch, sondern vor allem um den „Schauplatz einer lebendigen Streitkultur.“ 8 Obwohl Friedman der Presse zufolge „die erste politische Gesprächssendung mit Anfassen ins Leben gerufen“ 9 hat, so reiht Vorsicht! Friedman sich doch ein in eine Tradition politischer Streitgespräche in den Medien, wie z.B. Explosiv - Der heiße Stuhl; eine Sendung, die im Januar 1994 eingestellt wurde und in der ebenfalls „Formen der Personalisierung und Intimisierung der öffentlichen Kommunikation“ 10 eine große Rolle spielten.
Friedman will also die Konfrontation mit seinen Gästen: „frech, direkt und kontrovers: das ist das Konzept des provokanten Live-Talks“ 11 .
Sicherlich geht es auch hier um den Inhalt, die Informationsvermittlung, und wahrscheinlich wird der Zuschauer letztendlich auch mit mehr Informationen versorgt als in Konkurrenzsendungen wie „Sabine Christiansen“ in der ARD, die ohne die pointierten Fragen meistens nur typisch inhaltslose Politiker-Antworten erhalten.
Allerdings scheint Informationsvermittlung nicht immer im Mittelpunkt der Sendung zu stehen. Vielmehr erweckt der Moderator den Eindruck, es darauf anzulegen, seinen „Gegner“ aufs Glatteis zu führen und ihn durch sprachliche Fallstricke in die Enge zu treiben. Seine Sendung will also mehr als reine Information. Wie die Metapher des „Schauplatzes“ 12 zeigt, geht es gleichzeitig um einen Unterhaltungswert für den Zuschauer; sie zeigt, „dass Unterhaltung etwas mit Unterhalten zu tun hat, mit Austausch und Gegenrede.“ 13 Auch Mühlen verweist in ihrer linguistischen Untersuchung „Talk als Show“ auf die Kombination von „informative[r] Unterhaltung und unterhaltsamer Information“ 14 . Gerade dies ist in einer Live-Sendung, die Vorsicht Friedman! ja ist, besonders gegeben, da sie „durch das Weglassen der Zensur die reine Wahrheit [versprechen].“ 15 Ein weiterer Grund für den Reiz einer Live-Sendung ist laut Mühlen zum einen der
7 vgl. www.hr-online.de/fs/friedman
8 vgl. www.hr-online.de/fs/friedman
9 www.live-magazin.de/rubriken/whoswho/who0012.htm vom 18.02.03
10 Vgl. Holly/ Schwitalla 1995, S. 81
11 vgl. www.uni-marburg.de/fb09/ndl&medien/medien/Publikationen Projekte/ Fernsehkritik/VorsichtFriedmann.htm vom 15.02.01
12 vgl. www.hr-online.de/fs/friedman vom 18.10.2002
13 vgl. . www.freitag.de/2000/10/00101402.htm vom 15.02.01
14 vgl. Mühlen 1985, S.21
15 vgl. www.uni-marburg.de/fb09/ndl&medien/medien/Publikationen Projekte/ Fernsehkritik/VorsichtFriedmann.htm vom 15.02.01
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„Peinlichkeitsreiz“ 16 , also die Möglichkeit für den Zuschauer, mögliche Peinlichkeiten mitzuerleben, die in aufgezeichneten Sendung vor der Ausstrahlung zensiert werden können. Zum anderen verspricht eine Live-Sendung einen höheren Grad an Spontaneität als eine aufgezeichnete Sendung. Wobei hier darauf hingewiesen werden muss, dass es sich selbstverständlich auch bei einer Live-Sendung nur zum Teil um spontane Äußerungen handelt, da sich sowohl Moderator als auch die Gäste auf das Thema vorbereiten und v.a. der Moderator einen Fragekatalog ausgearbeitet hat, worauf aber im nächsten Punkt näher eingegangen werden soll.
3. Themen- und Besucherwahl
Die Themen- und Besucherwahl für die Sendung werden relativ kurzfristig getroffen. Dafür verantwortlich sind der Chefredakteur der Sendung zusammen mit Friedman, dem Produktionsleiter und einigen anderen Mitarbeitern.
Zu Beginn steht die Wahl des Themas, das meist ein aktuelles, aus den Medien aufgegriffenes politisches Ereignis darstellt. Anschließend wird die Wahl der, meist politischen Besucher getroffen. 17 Diese richtet sich zum einen nach dem Thema, d.h. die Person soll einen engen Bezug zum Thema haben, zum anderen werden auch Zitate und Äußerungen in den Medien recherchiert. Eine provokante These oder ein kritisches Statement eines Politikers in der Öffentlichkeit kann beispielsweise zu einer Einladung in die Sendung führen.
So sagt Friedman selbst über seine Gäste: „Ich wünsche mir Gäste mit Streitlust, Menschen, die ihr Gesicht zeigen. Ich will die Konfrontation mit Meinungen gegen den Strom.“ 18 Als Gäste werden eigentlich immer Vertreter der beiden großen Parteien, rot und schwarz, geladen, die dritte eingeladene Peson ist dann entweder ein Vertreter des Volkes oder der kleineren Parteien.
In all den Sendungen, die ich in meiner Recherche gesehen habe, ist weiterhin auffällig, dass es sich in den seltensten Fällen um hochrangige Politiker handelt. Vielmehr werden Fraktionsvorsitzende, Mitglieder des Bundestages oder Minister kleinerer Ministerien eingeladen, der Bundeskanzler oder der Außenminister beispielsweise waren nie zu Gast. Leider konnte ich auch über die Produktionsfirma AVE nicht herausfinden, welche Gründe dafür verantwortlich sind, ob dies von Friedman so gewollt und intendiert ist, oder die bekanntesten Politiker entweder keine Zeit oder keine Courage haben, sich dem Kreuzfeuer Friedmans auszusetzen.
16 vgl. Mühlen 1985, S. 24
17 siehe dazu auch: Burger 2001, S. 1496
18 vgl. www.hr-online.de/fs/friedman
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Ist die Wahl des Themas und der Gäste getroffen, wird ein Fragekatalog elaboriert, der sowohl teilweise auf die Persönlichkeit der Gäste, als auch auf das politische Thema selbst zugeschnitten ist.
Bei meinen Besuchen der beiden in dieser Arbeit relevanten Sendungen konnte ich feststellen, dass Friedman die Diskussion anhand eines „Leitfadens“ führt, den er auf denen Knien ständig im Blick behält. Bei der späteren Analyse des Videomaterials konnte man dies auch deutlich erkennen. Es wurde von der Kameraregie nicht zensiert und scheint also zum Konzept der Sendung zu gehören, ja vielleicht sogar den relativ spontanen Charakter zu unterstreichen. Laut Produktionsfirma stehen nämlich teilweise bis Redaktionsschluss am Freitag nicht alle Gäste fest, die Vorbereitung auf die Sendung kann deshalb erst montags oder dienstags erfolgen, also einen Tag vor, bzw. am Tag der Ausstrahlung selbst.
4. Publikum
Anders als in anderen politischen Diskussionsrunden spielt das Publikum bei Vorsicht Friedman! keine aktive Rolle bei der Gesprächsbeteiligung.
Dennoch darf die Bedeutung des Publikums nicht gering geachtet werden. So weist Friedman selbst das Publikum auf seine Möglichkeit hin, das Gespräch durch Applaus zu lenken. So heißt es bei Mühlen (1985:28):
Die Anwesenheit eines realen Publikums an sich hat schon einen latenten psychologischen Einfluss auf beide Gruppen; die (Re-) Aktionen des Publikums stellen dann seine manifeste Art der Einflussnahme dar. Auch Friedman selbst lässt sich durch das Publikum beeinflussen: in der folgenden Szene erntet Friedman für eine spitzfindige Äußerung Applaus beim Publikum, worauf er, seine Rede eigentlich schon abgeschlossen, diese Äußerung noch weiter ausarbeitet: Als Beispiel möchte ich eine Passage aus der Sendung vom 15.10. zitieren 19 : Kontext ist die Diskussion um die Besteuerung der Gewinne aus Anlagengeschäften, die die Bundesregierung vor der Wahl dem Bürger als Altersversorgung nahe gelegt hatte.
19 vgl. Minuten: 32.15
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12 13 14 15 16 1 7 18 19 20 An dieser Stelle erntet Friedman für einen spontanen witzigen Kommentar in Z. 9 Applaus im Publikum. Statt es aber darauf beruhen zu lassen, und den Applaus zu genießen, wie im warming up beschrieben, lässt er es nicht auf dem Kommentar bewenden, sondern unterstreicht ihn zunächst mit der dreigliedrigen Wiederholung das stimmt in Z.11. Als der Beifall im Publikum immer noch anhält , erweitert Friedman, sich der Wirkung seiner Worte bewusst, seinen humoristischen Einwurf von oben mit einer weiteren rabulistischen Frage in Z. 14. Anschließend verstärkt er diese wiederum durch den ironischen Kommentar in Z.16 und endet schließlich in einem Themen- und Sprecherwechsel in Z. 18, der ebenfalls, getragen von der Reaktion des Publikums, starke ketzerische Züge trägt. Man kann an diesem Beispiel sehr schön sehen, dass das Publikum durchaus einen großen Einfluss auf den Gesprächsverlauf nehmen kann, da Friedman durch die beifallspendende Reaktion angetrieben, seine Ironie immer weiter ausbreitet. Obwohl es also bei Vorsicht Friedman! keine echte verbale oder aktionale Einflussnahme des Publikums gibt, so lässt sich mit Mühlen (1985:29) doch von einer nonverbalen Handlungsmöglichkeit sprechen. Sie geht davon aus, dass diese eher in affirmativer Weise eingesetzt werden, d.h. Lachen und Applaus häufiger vorkommen als Buh-Rufe oder Pfiffe. Diese These konnte sich auch bei Vorsicht Friedman! behaupten: In der Sendung vom 15.10.02 beispielsweise wurde kein einziges Mal gepfiffen oder gebuht, dafür allerdings 33 mal gelacht oder applaudiert, wobei der Beifall nicht allein auf Äußerungen Friedmans selbst, sondern durchaus auch auf die der Gäste bezogen war.
5. Anspruch und Adressat
Neben dem Publikum zählt auch das Fernsehpublikum zu den passiven Teilnehmern, an die der Talk zwar gleichfalls adressiert ist, die im Gegensatz zu den Studiogästen allerdings jeder Einflussmöglichkeit beraubt sind. Mit Goffman (1999:161) kann man von einer „doppelten Adressiertheit medialer Kommunikation“ sprechen, wenn man den Diskussionsteilnehmer hinzuzählt, sogar von einer dreifachgerichteten.
In erster Linie ist die Diskussion wohl an die Fernsehzuschauer daheim adressiert, da sie zum einen die Sendung an sich ja legitimieren, zum anderen auch die breitere Masse darstellen. Eine
8
Diskussion, die sich lediglich an das Studiopublikum richtet, könnte in den heutigen Medien, die ein schnelllebiges Geschäft sind und auf Profit ausgerichtet sind, schwerlich überleben. Damit die Sendung also auch weiterhin ihre Berechtigung im Programm haben darf, muss sie entsprechende Einschaltquoten erzielen.
Vom Hessischen Rundfunk wurde mir eine durchschnittliche Einschaltquote von 8,8% mitgeteilt, was eine Zuschauerzahl von 440.000 bedeutet.
Eine genaue Aufschlüsselung dieser Zahlen darf allerdings nicht veröffentlicht werden. In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass die Meinungen zu Vorsicht Friedman! sich in zwei völlig konträre Lager teilen. In allen Aufsätzen, die ich im Internet zu diesem Thema finden konnte, bzw. bei Gesprächen mit Freunden und Bekannten, herrschte immer entweder völlige Begeisterung oder strikte Ablehnung. So heißt es in einem Essay, der auf der Homepage der Uni Marburg veröffentlicht ist:
„Ohne Zweifel ist Friedman der charismatischste, aber zugleich auch der umstrittenste Polit-Talk-Moderator.“ 20
Diese geteilte Meinung scheint mir vor allem an der durchaus gewöhnungsbedürftigen Moderation Friedmans zu liegen, die die einen befürworten, weil sie von Witz und Rhetorik zeugt und Wahrheiten ans Licht befördert, die man bei anderen Sendungen nicht erfährt. So sehen viele das Beispiel Friedmans als Möglichkeit, „demokratische Streitkultur“ zu leben und damit durch das Motto „Einmischen statt wegschauen“ Einfluss auf die Politik zu nehmen. 21 Die anderen vertreten die Gegenmeinung, dass Friedman seinen Gästen zu sehr auf die Pelle rückt, teilweise unverschämt und zu aufdringlich ist 22 .
So fand sich Vorsicht Friedman! laut einer Umfrage im Internet mit 47,5% auf Platz eins der schlechtesten Talk Shows, wobei der zweite Platz schon nur noch 22,6% erhielt. 23 Allerdings muss man sehen, dass dieses Ergebnis nicht ganz repräsentativ ist, da die anderen zur Wahl stehenden Talk Shows auch keine politische Talk Shows, sondern „Klatsch-Talkshows“ am Nachmittag waren, die eine ganz andere Klientel verfolgen. So scheint sich Vorsicht Friedman! nicht an die Hausfrau zu richten, die sich nachmittags beim Bügeln zur Ablenkung eine „leichte“ Talk Show ansieht. Schon allein die Sendezeit und das politische Thema lassen darauf schließen, dass Vorsicht Friedman! sich vor allem an ein politisch interessiertes und aufgeklärtes Publikum richtet, was mir auch von der Produktionsgesellschaft bestätigt wurde.
20 vgl. www.uni-marburg.de/fb09/ndl&medien/medien/Publikationen Projekte/ Fernsehkritik/VorsichtFriedmann.htm vom 15.02.01
21 vgl. www.justmarco.de/stories/friedman.html
22 siehe dazu den chat im Anhang, : www.mzee.com/forum/archiv/11/2002/08/2/23797.html vom 30.09.2002
23 vgl. www.freevote.com/booth/badtalkshow vom 15.02.01
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6. Räumliches Arrangement und Visualisierung
Zunächst einige Worte zur Proxemik.
Wie in meinen Aufzeichnungen auf der beiliegenden CD zu sehen ist, findet die Sendung in einem relativen kleinen Studio im Main-Tower statt. Durch die Glasfront ist ein weiträumiger Blick auf die Skyline von Frankfurt gegeben. In Mitten des Studios findet sich, umringt von den Studiogästen, ein etwas erhöhtes Podest mit zwei sich gegenüberstehenden blauen Zweisitzer-Couchs, auf denen sich die Gäste und Friedman in engstem Abstand, nämlich ca. einem Meter, gegenübersitzen.
Die stets gleichbleibende Kulisse dient zum einen als Erkennungszeichen der Sendung, zum anderen ist durch diese räumliche Vorgegebenheit schon ein Großteil des nonverbalen und vor allem des proxemischen Verhaltens vorbestimmt. 24
So erlaubt es das räumliche Arrangement dem Moderator nicht nur, seine Gäste durch sein hartnäckiges Nachhaken, sondern auch durch körperliche Mittel in die Enge zu treiben. Friedman selbst äußerte sich über eine Situation, in der eine Staatssekretärin der Grünen über den Krieg im Kosovo in Tränen ausgebrochen ist und „ihr wahres Gesicht gezeigt hat“, folgendermaßen: „Das möchte ich erreichen, wenn ich auf meine Gäste - auch körperlich - Druck ausübe.“ 25
Man kann in der Sendung immer wieder deutlich sehen, dass Friedman die Hand auf das Knie seines Gesprächspartners legt, dessen Hand festhält, oder ihm auf die Schulter klopft, was allein durch die beengte Sitzordnung möglich ist. Kerstin Müller, die in der Sendung vom 18.06. 02 zu Gast war, verharrte beispielsweise während der gesamten Sendung in der äußersten Ecke der Couch und verließ diese Position lediglich in emotional aufgewühlten Situationen, in denen sie ihren Gegenüber angriff.
Die räumlichen Gegebenheiten unterstützen also das Konzept der „direkten, unmittelbaren Kontroverse“ 26 . Gleichzeitig wird es noch durch die Art der Kameraführung, nämlich „den rasanten Kamerawechsel mit den vielen Großaufnahmen, unterstrichen.“ 27 Bei den meisten Großaufnahmen werden häufig so genannte „Inserts“ 28 eingeblendet, die der Sprecheridentifikation dienen.
Schon zu Beginn der Sendung wird bei der Begrüßung die Kameraeinstellung in Großaufnahme
24 vgl. Burger (1991), S.35 und Mühlen 1985, S. 24
25 www.live-magazin.de/rubriken/whoswho/who0012.htm vom 18.02.03
26 vgl. www.uni-marburg.de/fb09/ndl&medien/medien/Publikationen Projekte/ Fernsehkritik/VorsichtFriedmann.htm vom 15.02.01
27 vgl. www.uni-marburg.de/fb09/ndl&medien/medien/Publikationen Projekte/ Fernsehkritik/VorsichtFriedmann.htm vom 15.02.01
28 vgl. Mühlen 1985, S. 202
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auf den gerade vorgestellten Gast gerichtet, dessen Name und politische Funktion mit Parteizugehörigkeit eingeblendet wird.
Diese sind selbstverständlich für das Studiopublikum nicht sichtbar, sowie insgesamt das Erleben des Talks im Studio selbst ganz andere Erfahrungen vermittelt als das Verfolgen der Sendung via Fernsehen.
Dieses Phänomen konnte ich bei den beiden Besuchen der Sendungen erfahren. Auf der einen Seite birgt das direkte Erleben des Talks den Vorteil, alle Informationen selbst selektieren zu können. Man hat selbst die Wahl, wessen Gestik man sehen will, ob man den Sprecher oder den Hörer beobachtet, oder das Gesamtbild wichtiger findet. Aber genau da liegt auch die Schwierigkeit. Durch die Medien bekommen wir immer eine gut portionierte Auswahl, die wir verarbeiten können. Zu Beginn der Diskussion im Studio fiel es mir deshalb schwer, dem Talk an sich zu folgen, weil der Fokus nicht auf nur einer Person lag, sondern gleichzeitig das Studiopublikum, die Kameraleute und die zuhörenden Gästen interessant waren.
Beim Erarbeiten des Videomaterials dagegen, bei dem man auf das angewiesen ist, was die Kameraführung und die Regie ausgewählt hat, konnte ich mich dann ganz auf die Diskussion an sich konzentrieren.
Dafür gingen all diejenigen Informationen verloren, die außerhalb des Gezeigten lagen. So heißt es auch bei Burger (2001:1501):
„Die technische Bedingtheit von Fernsehgesprächen ist eine der Grundbedingungen von Inszeniertheit. Sie wird am unmittelbarsten deutlich in der Visualisierung, da diese den alltäglichen Wahrnehmungsgewohnheiten zuwiderläuft. Der Rezipient ist an die Wahrnehmung des Bildes gebunden, das ihm die Kamera vermittelt. [...] Durch diese Ritualisierung gehen u.U. Elemente des kommunikativen Geschehens verloren [...]. Andererseits zeigt sich beim Vergleich der ausgestrahlten Diskussion mit einer im Studio gemachten Aufnahme[...], dass durch die Kameraführung die Atmosphäre des Gesprächs gänzlich verändert werden kann.“
7. Dauer
Laut Fernsehzeitung und Friedman selbst dauert die Sendung 45 Minuten. Auch die Abmoderation „Meine Damen und Herren, das war Vorsicht Friedman!, die Zeit, sie ist um“, die in jeder Sendung mitten in der Aussage eines Gastes völlig ohne Ankündigung und Vorwarnung auftritt, lässt darauf schließen, dass es sich auch genau um diese 45 Minuten Sendezeit handelt.
Dieses abrupte Schlusswort, das charakteristisch für die Sendung geworden ist 29 , stellt eine Besonderheit im Genre des Talks dar, da sonst in Gesprächen mit Moderator, immer eine
29 laut Schwitalla 1997, S.119 handelt es sich dabei um eine situationsgebundene Routineformel , genauer gesagt um eine Verabschiedungsformel
11
stufenweise Ankündigung des Schlusses erfolgt. 30
Allerdings konnte ich bei meinem zweiten Besuch der Sendung feststellen, dass Friedman um einige Minuten überzog, obwohl er ständig eine digitale Uhr im Blick hatte, die die Sendezeit rückwärts zählt und ihm so die verbleibende anzeigt. Dennoch fiel Friedman auch in dieser Sendung, in der er die 45 Minuten ohnehin überschritten hatte, seinem Gast mitten in dessen Ausführungen mit seinem bekannten Schlusssatz ins Wort. 31
Mit Burger (1991:12) kann man sagen, dass Zeit, eigentlich eine Hintergrundbedingung des Sprechens, in den Medien allerdings explizit thematisiert wird. 32 Friedman zeigt mit seinem abrupten Ende der Diskussion, dass noch genügend Gesprächsstoff gewesen wäre. Auch die Formulierung „Die Zeit, sie ist um“, suggeriert, dass das Ende nicht gewollt, sondern zeitlich vorgegeben ist. Vor allem im Fernsehen heißt es, Zeit sei kostbar. So ist der Schlusssatz auf der einen Seite ein Signal an den Fernseh-Sender, dass die Sendung so interessant ist, dass sie nicht nur 45 Minuten, sondern durchaus länger gehen könnte, auf der anderen Seite suggeriert sie dem Zuschauer aber auch, dass er ohne Langeweile noch weiter geschaut hätte. Es macht neugierig auf die nächste Sendung und man gewinnt den Eindruck, permanent unterhalten worden zu sein. Dadurch, dass niemand auf das Ende vorbereitet wird und es völlig unverhofft mitten in die Diskussion hineinplatzt, empfindet man es als „verfrühtes“ Ende, man hätte ja gerne die Diskussion noch „zu Ende“ gehört. Genau da liegt die Intention Friedmans. Es geht ihm nicht um eine abgeschlossene Diskussion, die zu einem Ziel oder Ergebnis gelangt, sondern um eine provokante, kurzweilige Auseinandersetzung, von der der Zuschauer hinterher denkt, dass sie noch hätte andauern können und sie das nächste Mal deshalb wieder anschauen will.
8. Warming up
Das gesamte warming up ist auf den beiden Daten-CDs zu sehen, einzelne relevante Passagen habe ich als Transkription in den Text eingefügt..
Als Grundlage für die Transkription dient das Videomaterial, das ich bei meinen Besuchen der Sendung erstellt habe. Es ist dieser Arbeit als Daten-CD beigefügt 33 . Das warming-up steht im Vorfeld jeder Sendung. Etwa eine Viertelstunde vor Sendebeginn erscheint Friedman plötzlich im Studio und bereitet seine Gäste auf die Sendung vor. Dabei stellt er zum einen seine Gäste und das Thema vor, und stimmt zum anderen das Publikum emotional ein.
30 vgl. Burger 1991, S. 24
31 Dieses Beispiel wir unter dem Punkt III.3. näher untersucht und transkribiert.
12
So birgt bereits das erste Auftreten Friedmans eine gewisse Theatralik in sich, wenn er drei Mal das Studio betritt, um den Applaus der Studiogäste zu trainieren:
1 [Friedman betritt das Studio] <
[betritt das Studio] Also. <
Neben der ständigen räumlichen Bewegung ändert Friedman auch Sprechrhythmus, -tempo und Tonhöhe, um das Publikum aufzuwecken, mitzureißen.
In Zeile 15/16 des Transkripts spricht er bereits an, was er gegen Ende der Aufwärmphase noch einmal deutlicher macht
35
:
1
2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Neben der Vorstellung des Themas dient das warming up also hauptsächlich dazu, die Zuschauer zu Rückmeldungen zu ermuntern, um dem Gespräch auf der einen Seite mehr Lebendigkeit zu verleihen, und auf der anderen Seite Moderator und Gäste in ihren Meinungen zu unterstützen,
33 Beginn der Sendevorbereitung vom 18.06.02 in Minuten: 9.46, vom 15.10: 4.15
34 siehe Anhang, Feintranskript vom 18.06.02
35 ich zitiere hier aus dem warming up der zweiten Sendung vom 15.10., da es an diesem Beispiel deutlicher wird, siehe aber auch: Transkript vom 18.06. Zeile 111-122
13
bzw. die Gegenmeinung dazu auszudrücken.
Interessant hierbei ist, dass Friedman bei beiden Sendungen fast identische Formulierungen verwendet, obgleich 4 Monate Pause dazwischen liegen. So bittet er sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Sendung die Studiogäste, mit ihrem Applaus nicht „schüchtern“ zu sein. 36 . Diese Aufforderung wird übrigens nicht nur sprachlich identisch realisiert, sondern findet sich auch zeitlich und thematisch an der gleichen Stelle der beiden Sendevorbereitungen. 37 Außerdem verweist Friedman in beiden Aufwärmphasen auf die Schwierigkeit, mit seinen Gästen zu diskutieren, um sich die Mithilfe des Publikums zu sichern und verwendet auch da ähnliche Vokabeln. 38
Auch bei der Vorstellung des Themas bedient er sich in beiden Sendungen der gleichen Rhetorik. So verwendet er bei der Kernthematik der Sendung vom 18.06. die dreigliedrige Wiederholung „Bildung, Bildung, Bildung“, die er im Laufe der Sendevorbereitung wiederholt.
39
Diesen rhetorischen Kunstgriff, der wohl eine Anlehnung an den Slogan der Zeitschrift
Fokus
„Fakten, Fakten, Fakten“, der zu einem geflügelten Wort geworden ist, darstellt, setzt er auch in der zweiten Sendung ein, in der die Diskussion sich um das Thema „Sparen, Sparen, Sparen“ dreht. Auch hier zieht sich das Wort „sparen“ wie ein roter Faden durch die Vorbereitung, allerdings bleibt der dreigliedrige Ausdruck für die Sendevorbereitung einmalig
40
. In der Diskussion selbst wird er dafür wiederum mehrfach wiederholt
41
:
1
2 3 [...] 4
5 [...] 6 7 8
Eine weitere auffällige sprachliche Wiederholung in beiden Vorbereitungsphasen ist die Reihung des Wortes „sehr“, die er in beiden Sendungen verwendet, beide Male in zwei direkt aufeinanderfolgenden Teilsätzen:
dA ist das pUblikum sEhr ,sEhr wAch, (.) sEhr, sEhr fAIr(.),
42
<
36 siehe Transkript vom 18.6. Z.128, und Transkript vom 15.10., Z.128,129
37 vgl. z.B. die Zeilennummern
38 siehe Transkript vom 18.6., Z. 91-122, Z.132-137, und Transkript vom 15.10., Z. 111-127, Z.130-138
39 siehe Transkript vom 18.06., Z. 64, 66, 68
40 siehe Transkript vom 15.10., Z.13, 14, 15, 21, 68, 71, 106
41 vgl. Minuten: 22.40, 22.46, 23.22, 23.35
42 vgl. Transkript vom 18.06., Z.126
43 vgl. Transkript vom 15.10., Z.82, 83
14
Man kann also sagen, dass Friedman in seinem warming up zwar eine geballte Rhetorik verwendet, um das Interesse des Publikums zu gewinnen, um es zu fesseln und aufzuwecken, dass sich bei genauerer Betrachtung allerdings durchaus auch stereotype Sprachmuster feststellen lassen, die fast ans Formelhafte grenzen und nicht mehr den Eindruck einer spontanen Äußerung tragen. 44
II. Das Korpus
Wie schon eingangs erwähnt, bezieht sich diese Arbeit auf zwei exemplarisch ausgewählte Sendungen von „Vorsicht Friedman!“, wobei es sich bei der ersten der beiden Sendungen um eine Sonderform handelt. Normalerweise diskutiert Friedman immer dienstags live mit drei Gästen. In der ersten von mir untersuchten Sendung musste allerdings kurzfristig umdisponiert werden, da der Moderator zu einem Exklusivinterview mit Ariel Sharon in den Nahen Osten reisen musste und deshalb die Sendung am Dienstag abgesagt und ein Ersatztermin am Samstag gefunden wurde. Dadurch bedingt waren auch nur zwei Gäste statt der sonst üblichen drei geladen, was Friedman im warming up damit begründet, dass es sich bei den Teilnehmern um „Schwergewichte“ handelt, die es ihm zu zweit schon schwer genug machen. 45 Diese beiden „Megaprofis in der Politik“ 46 sind Thomas Goppel, Generalsekretär der CSU (im Transkript mit G gekennzeichnet) und Kerstin Müller, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag (im Transkript KM genannt). Das Thema der Sendung lautet: “Schwarze Zukunft für grüne Regierungsträume“.
In der zweiten Sendung, die einen Monat nach der Bundestagswahl stattfand, diskutiert Friedman mit Oswald Metzger, Haushaltsexperte der Grünen (im Transkript mit OM gekennzeichnet), mit Reinhold Robbe, einem Mitglied des Fraktionsvorstandes der SPD (im Transkript RR), und Herbert Reul, dem Generalsekretär der CDU in Nordrheinwestfalen (im Transkript HR) über das Thema „Rot-grün legt los - lauer Aufguss oder Neubeginn“.
Von beiden Sendungen habe ich Videoaufnahmen angefertigt und sie dieser Arbeit beigefügt. Außerdem liegt eine CD mit den Videoaufnahmen der Sendevorbereitungen und des Studios bei. Die in den Transkripten angegebene Minutenzahlen gibt die Stelle im Video an, auf die sich der Text bezieht.
Da es sich fast ausschließlich um kürzere Passagen handelt, habe ich sie direkt in den Text eingefügt.
44 vgl. zum Thema Spontaneität vs. Inszenierung: Holly/ Schwitalla 1995, Burger 2001, S.1499ff, Mühlen 1985, S.67ff, 297ff
45 vgl. Transkript vom 18.06., Z. 91ff
46 vgl. Transkript vom 18.06., Z. 105
15
Als Transkriptionsmethode habe ich mich für GAT entschieden
47
, als zusätzliche Parameter habe ich <
An manchen Stellen, an denen ich lediglich auf inhaltliche Aspekte aufmerksam machen möchte, habe ich auf eine Transkription verzichtet und literarische Umschrift 49 verwendet.
III. Ablaufschema
Im folgenden Kapitel soll ein Blick auf die Sendung an sich geworden werden. Ich fange in chronologischer Reihenfolge mit dem Sendebeginn an, werde dann die Diskussion selbst untersuchen und mit einem Blick auf das Ende der Sendung das Kapitel schließen.
1. Beginn
Die Sendung beginnt pünktlich nach den Nachrichten um 20.15.
Dazu sitzen Friedman und seine Gäste bereits auf ihren Plätzen, die sie vor Sendebeginn zugewiesen bekommen haben, wo sie dem Studiopublikum vorgestellt und von diesem begrüßt wurden.
Ca. 10 Sekunden vor Sendebeginn signalisiert der Regieleiter durch einen Countdown die noch verbleibende Zeit bis zur Sendung.
Nach dem Countdown wird ein immer gleicher Spot eingeblendet 50 , den Friedman, seine Gäste und das Publikum auf einer kleinen Leinwand und Fernsehern im Studio mitverfolgen können. Zu einem blauen Hintergrund, auf dem in großen Lettern der Titel der Sendung erscheint und anschließend Porträts des Moderators während verschiedener Diskussionen gezeigt werden, spricht eine Frauenstimme die Einleitungsworte: „Hoch über Hessen, live aus dem Maintower, Vorsicht Friedman“. Begleitet wird dieser Spot durch eine musikalische Untermalung, die zum Ende hin immer lauter und eindringlicher wird und schließlich mit einem Art Paukenschlag endet. Auf einem zweigeteilten Bildschirm ist für das Fernsehpublikum dann auf der linken Seite der Moderator sichtbar, während auf der rechten wiederum auf blauem Hintergrund der Titel der Sendung eingeblendet wird.
Friedman, der in Großaufnahme im Bild ist, steigt nach Ende der Musik direkt in medias res. Statt einer Begrüßung der Gäste oder des Publikums, entwickelt er in einigen kurzen, rhetorisch ausgefeilten Sätzen das Thema der Sendung, um erst dann seine Gäste vorzustellen, die dabei
47 entscheidende Aufsätze waren Deppermann 1999, Selting 2001
48 Trotz dieser Erweiterung des Systems, kann, gerade bei einem rhetorisch so ausgefeilten Sprecher wie Friedman, wahrscheinlich nicht jedes Detail in der Transkription dargestellt werden, zumal es sich bei jeder Transkription um die subjektive Wahrnehmung eines Hörers handelt (vgl. Selting 2001, S.1060)
49 vgl. Redder 2001, S.1045
50 auf dem Video vom 18.06. bei 20.08 Minuten, vom 15.10 bei 06.07 Minuten
Arbeit zitieren:
MA Katrin Denise Hee, 2003, Vorsicht Friedman! Gesprächsananlytische Untersuchung einer neuen Confrontainment Sendung., München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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