Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Institut für romanische Philologie
Hauptseminar: ”Ein- und Zweisprachigkeit im Fremdsprachenunterricht”
im WS 2000 / 2001
Mehrsprachigkeitsdidaktik
von: Katrin Denise Hee
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort: 3
II. Hauptteil 4
1. Geschichte der Mehrsprachigkeitsdidaktik 4
2. Allgemeines 6
3. Didaktisch-methodische Überlegungen: Konzept einer Mersprachigkeitsdidaktik 7
4. Lehrerausbildung 8
5. Mehrsprachigkeit im Fremdsprachenunterricht 9
6. Deutsch – Französischer Erdkundeunterricht 10
7. Positiver Transfer: Der Kurs EuRom4 13
8. Mehrsprachigkeit und früher Fremdsprachenunterricht 15
III. Schluss: 18
IV. Bibliographie 19
I. Vorwort:
Gerade im Kontext einer ständig voranschreitenden ”Europäisierung” und in Hinsicht auf die neu entstandenen internationalen sozialen und politischen Beziehungen, gewinnt die Mehrsprachigkeitsdidaktik an immer größer werdender Bedeutung. Vor allem im beruflichen Bereich ist das Beherrschen möglichst vieler Fremdsprachen, wenn nicht sogar schon erforderlich, so doch wenigstens von großem Nutzen. Flexibilität und Mobilität sind Schlagworte, die jedem, der auf Arbeitssuche ist, bekannt vorkommen werden, und damit verbunden ist die Bereitschaft, einige Zeit im Ausland zu verbringen. In den kommenden Jahren werden die internationalen Beziehungen immer enger werden und eine einsprachige Kommunikation folglich eher die Ausnahme bilden.
In diesem Zusammenhang rückt die Mehrsprachigkeitsdidaktik wieder in den Mittelpunkt des Interesses, zumindest in der romanischen Fremdsprachendidaktik. Aber Mehrsprachigkeit hat ihre Bedeutung nicht nur auf dem Gebiet der Didaktik. Auch im politischen Bereich hat sie ihre Verankerungen. So ist zum Beispiel die Sprachenpolitik ein wichtiger Bestandteil der Friedenspolitik. Man geht davon aus, dass eine bessere Völkerverständingung vor allem dann erzielt werden kann, wenn man die Sprache und Kultur des jeweiligen Landes kennt und somit einen besseren Einblick in bestimmte Sitten und Gewohnheiten der Menschen hat. Da eine bessere Verständigung zweifellos ein friedliches und harmonisches Zusammenleben fördert, ist die Mehrsprachigkeit das geeignete Mittel, einen dauerhaften Frieden zu unterstützen. Dies wird dadurch unterstützt, dass die Mehrsprachigkeitsdidaktik sich nicht als reine Sprachdidaktik versteht, sondern auch kulturelle Aspekt einbezieht. Ganz konkret in der Schule bedeutet dies, dass der Schüler Einblick in mehrere neue Kulturen erhält. Der Vorteil liegt darin, dass er durch das gleichzeitige Kennenlernen mehrerer Kulturen seine eigene nun als eine unter vielen anderen sieht. Dadurch geht der natürliche Dualismus zwischen ”Wir-Kultur” versus die ”Fremdkultur” zugunsten einer ”Polyfremdkultur” verloren und es wird eine tolerantere Haltung gegenüber den Andersartigkeiten anderer Nationen erreicht.
II. Hauptteil
1. Geschichte der Mehrsprachigkeitsdidaktik
Als einer der ersten Mehrsprachigkeitsdidaktiker kann Comenius angesehen werden, der bereits 1617 ein viersprachiges Werk verfasste, das auf William Baths ”Janua linguarum”1 aufbaut. Comenius erweiterte die ”Janua linguarum”, die in lateinischer und spanischer Sprache verfasst war, um das Englische und das Französische zu seinem 1631 erschienenen Werk ”Janua linguarum reserata”2. An diesem Werk kann man sehen, dass sich bereits im 17. Jahrhundert Wissenschaftler mit dem Prinzip beschäftigten, von Anfang an mehrere Fremdsprachen zu lernen.
Die Mehrsprachigkeit ist also - gerade in der romanistischen Didaktik-, kein neuer Begriff, sondern hat bereits Tradition. So beschäftigte sich Leo Spitzer schon 1948 und Niess 1992 mit diesem Thema. In den 70-er Jahren vollzieht sich allerdings im Zuge der Professionalisierung, d.h. der Philologisierung, eine Neuprägung des Begriffs. Der Akzent wird nun viel mehr auf ein philologisches Studium gelegt, das vor allem die Bereiche Landeskunde, Sprachpraxis und Fachdidaktik umfasst und sich mit Sprachgeschichte, Quellen, editorischen Problemen und der jeweiligen Literatur befasst. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik wird in den Hintergrund gedrängt, Forschung wird nur nationalphilologisch betrieben, obwohl es sich gerade bei einem romanistischen Studiengang anbieten würde, multilinguale Aspekt in das Studium zu integrieren.
Erstaunlich ist, dass eine konsequente ”Trennung des Fremdsprachenlernens von den Einflüssen der Muttersprache sowie die Absonderung der einzelnen Sprachen voneinander [...] im wesentlichen (sic!) erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der direkten Methode ein[setzt], die von vielen Anhängern der neusprachlichen Reformbewegung propagiert wurde”3. In den vorangehenden Jahrhunderten dagegen wurden durchaus mehrsprachige Ansätze vertreten. Mit den Anhängern der direkten Methode änderte sich dies allerdings, da sie den Grammatik-Übersetzungsmethodikern antagonistisch gegenüberstanden: ”Deren rationalistisch-synthetischer Konzeption setzten sie eine eher intuitivistische, teilweise am außerschulischen Zweitsprachenerwerb orientierte Konzeption entgegen; die Konstruktion von Übersetzungssätzen auf der Grundlage von memorierten Wörtern und Grammatikregeln sollte durch das Ausgehen von Texten ersetzt werden, aus denen sich dann Bedeutung und die grammatischen Strukturen für die Lernenden teilweise unbewusst, teilweise auch über eine explizit vorgenommene Analyse erschließen . Dabei sollte der Grammatikunterricht weitgehend einsprachig erfolgen.”4
[...]
1 Vgl: Weller, Franz Rudolf: ”Über Möglichkeiten und Grenzen praktizierter Mehrsprachigkeit im Unterricht und außerhalb.” In: Meißner, Franz.Joseph/ Reinfried, Marcus (Hrsg.): Mehrsprachigkeitsdidaktik. Konzepte, Analysen, Lehrerfahrungen mit romanischen Fremdsprachen. (Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik) Tübingen: Narr 1998, S. 70
2 ebd.
3 Vgl: Reinfried, Marcus: Transfer beim Erwerb einer weiteren romanischen Fremdsprache. Prinzipielle Relevanz und methodische Integration in den Fremdsprachenunterricht.” In: Meißner, Franz.Joseph/ Reinfried, Marcus (Hrsg.): Mehrsprachigkeitsdidaktik. Konzepte, Analysen, Lehrerfahrungen mit romanischen Fremdsprachen. (Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik) Tübingen: Narr 1998, S. 24
4 ebd.
Quote paper:
MA Katrin Denise Hee, 2001, Mehrsprachigkeitsdidaktik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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