Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vater- oder Heimatland?
3. Empfinden Frauen die deutsche Sprache in ihrer jetzigen Form als Diskriminierung?
4. Die Rolle der Frau im täglichen Sprachgebrauch
5. Vorschläge, wie eine geschlechtergerechte Sprache aussehen könnte
6. Sprache - Gesellschaft - wer beeinflusst wen?
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
9. Quellen aus dem Internet
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1. Einleitung
In Reinhard Kreckels Text über „Soziale Ungleichheit in gesellschaftstheoretischer Perspektive“ wurde der „vertikale Sprachgebrauch“ (Kreckel 2004, S.39) angesprochen. Mit den Worten „höher“ und „tiefer“ wird die soziale Ungleichheit in der Sprache beschrieben. Die Sprachungleichheit ist auch im deutschen Sprachraum seit Jahrzehnten ein vieldiskutiertes Thema, in das ich im Rahmen meiner Seminararbeit näher beleuchten will. Zunächst möchte ich mit der noch nicht so lange zurückliegenden Diskussion zum Text der österreichischen Bundeshymne einen Einstieg in die Thematik geben. Dann möchte ich erörtern, wie Frauen die Sprachungleichheit - sprich die Diskriminierung durch die Sprache - empfinden, welche Rolle Frauen in der Konversation über sich/mit anderen spielen, welche Vorschläge es zur Umgestaltung der Sprache gibt und welche Schwierigkeiten hier auftreten. Zuletzt versuche ich herauszufinden, ob Sprache die Gesellschaft verändert oder umgekehrt.
2. Vater- oder Heimatland?
An Aktualität gewann die Diskussion in Österreich zuletzt im September 2005, als gefordert wurde, die österreichische Nationalhymne umzutexten. Dieser Vorschlag kam von der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, Maria Rauch-Kallat (ÖVP). Statt „Heimat bist Du großer Söhne", soll es „Heimat großer Töchter, Söhne" heißen und „Einig lass in Brüderchören, Vaterland Dir Treue schwören" mit „Einig lass in freud'gen Chören, Heimatland Dir Treue schwören" ersetzt werden. Maria Rauch-Kallat begründete ihren Vorstoß gegenüber den Medien damit, dass es der Wunsch vieler Frauen wäre und sie als Bundesministerin für Frauen diesem Wunsch nachzukommen verpflichtet sei (Rauch-Kallat gegenüber der APA, zit. nach ORF.at am 26.09.2005) Es war nicht das erste Mal, dass ein geschlechtergerechter Text für die Hymne gefordert wurde. In den frühen Neunziger gab es bereits die selbe Forderung, allen voran getragen von der damaligen Bundesfrauenvorsitzenden der SPÖ, Johanna Dohnal sowie einigen Abgeordneten der Grünen und des Liberalen Forums.
Diese erneute Initiative wurde kontrovers diskutiert und scheitere schließlich an dem Koalitionspartners der ÖVP, dem BZÖ, das diese Vorschläge nicht mittragen wollte Auch die auflagenstärkste Zeitung in Österreich, die Krone, stellte sich gegen eine Änderung.
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Der Hymnentext stammt von Paula von Preradović, einer österreichischen Schriftstellerin, die seit 1920 im Wien lebte. Nach dem 2. Weltkrieg und der neuen Unabhängigkeit Österreichs sollte die die Hymne gemeinsam mit dem Text zur Identitätsstiftung des jungen Staates beitragen. Der Originaltext von Paula von Preradović wurde vom Ministerrat etwas abgeändert, weil dieser nicht flüssig zur Melodie gesungen werden konnte. Unter anderem wurde aus „Großer Väter freie Söhne“ - „Heimat bist Du großer Söhne“.
Der Hymnentext muss im historischen Kontext gesehen werden. Paula von Preradović wollte mit ihrem Text vermutlich nicht Frauen diskriminieren. Sie schöpfte, wie alle Menschen in den Nachkriegsjahren, Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Stelle „Großer Väter freie Söhne“ und auch der aufgenommene Text „Heimat bist du großer Söhne“ zeigt, dass Frauen zu dieser Zeit in angesehenen, hohen Stellungen selten waren, sämtliche Errungenschaften Männern zugeschrieben wurden und die Beiträge der Frauen stets außer Acht gelassen wurden. So erging es auch Lise Meitner, einer österreichisch-schwedischen Kernphysikerin. Als ihr Kollege Otto Hahn 1944 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung der Kernspaltung von Atomen erhielt, wurde ihr maßgeblicher Anteil zu dieser Entdeckung nicht gewürdigt.(Wikipedia 2006) Die Diskussion um die Hymne zeigt eine Bewegung in der deutschen Sprache auf, wie sie besonders seit den 70iger-Jahren aufgekommen ist und von Feministinnen getragen wird: Sprachungleichheiten, also Eigenheiten der deutschen Sprache die Frauen diskriminieren sollen entschärft werden, die Sprache somit geschlechtergerecht er gestaltet werden und Frauen sollen nicht nur mitgemeint, sondern auch explizit miterwähnt werden. Sind Wörter wie „Vaterland“, die im Zuge der Hymnendiskussion ersetzt werden sollen, geschlechterungerecht? Günther Drosdowski brachte im Zuge einer Diskussionsrunde ein ähnliches Beispiel: „ ... dementsprechend ist ein „Vaterhaus“ nicht „das Haus des Vaters“ sondern „das Haus in dem man geboren und aufgewachsen ist“ (Drosdowski in Bickens/Brunner 1992, S. 18) Ein Analogieschluß zu „Vaterland“ liegt auf der Hand; das Duden Herkunftswörterbuch bestätigt diese Annahme, mittelhochdeutsch „vaterlant“ bedeutet „Heimat, Himmel“(Duden 2001, S.886). Man kann argumentieren, dass das Wort sich zu einer Zeit entwickelte, in der Frauen unterdrückt waren. Im hohen Mittelalter, in dem Mittel hochdeutsch gesprochen wurde, kam es zwar zu einer Besserstellung der Frauen in den Städten. Doch diese städtische Freiheit stellt nicht auf die persönliche Freiheit ab, der Begriff war zu dieser Zeit „ ... korporativ gefaßt, man erstrebt die Freiheit der Bürgerschaft, der Stadtgemeinde usw.“ (Ennen 1999, S.95)
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Arbeit zitieren:
Birgit Schweighofer, 2006, Wie wird Sprachungleichheit empfunden, welche Vorschläge gibt es zur Angleichung, wie ist die Wechselwirkung mit der Gesellschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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