Inhaltsverzeichnis
I. Einführung Seite 3
II. 1 Frauenbilder in der Literatur Seite 4
II. 2 Cleopatra Seite 5
II. 3 Catharina von Georgien Seite 8
III. Schlussbetrachtung Seite 10
IV. Bibliographische Angaben Seite 12
2
Daniel Casper von Lohensteins Cleopatra bringt mit dieser Aussage eine Überzeugung zum Ausdruck, die sie mit den wenigsten ihrer Geschlechtsgenossinnen des barocken Deutschlands gemein haben dürfte. Anders als diese steht Cleopatra mitten im politischen Leben. Sie ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern agiert und intregiert aktiv. Darüber hinaus verhilft sie ihren „Geheimsten“ 1 , Iras und Charmium, zu einer aufgeklärten politischen Sicht, indem sie ihnen sowohl ihre als auch die Pläne Augustus offen legt. Cleopatra als politisch agierende, in der Öffentlichkeit stehende Frau steht im Gegensatz zum Frauen- und Rollenbild der damaligen Zeit. Dass sie aber nicht die einzige Frau sein darf, die in den Dramen des deutschen Barock eine solch tragende Rolle einnimmt, zeigt die zeitgenössische Literatur. Wirft man einen Blick in die barocken Dramen, so stellt man fest, dass neben Daniel Casper von Lohensteins Cleopatra Andreas Gryphius’ Catharina von Georgien aktiv in das politische Geschehen ihrer Zeit eingreift. Charakteristisch für beide Frauengestalten sind der orientalisch, teilweise sogar exotisch anmutende Ort des Geschehens sowie die Verstrickung des persönlichen in das politische Schicksal des Landes. Beide sterben aus einer Überzeugung heraus; bei näherem Hinsehen lässt sich ein entscheidender Unterschied herauskristallisieren: Während Catharina für ihre Überzeugung, für ihr Land und, in letzter Konsequenz, für ihren Glauben stirbt, entscheidet Cleopatra sich für den Freitod und damit auch für den Untergang ihres eigenen Volkes, weil sie bis zuletzt „Meisterin ihres Tuns“ sein will. In der folgenden Arbeit sollen in einem ersten Schritt verschiedene Frauenbilder in der Literatur vorgestellt werden. Ein zweiter und dritter Schritt beschäftigt sich mit den Sterbemomenten von Cleopatra und Catharina. Im Mittelpunkt dieser Abschnitte soll über eine Charakterisierung hinaus die Frage stehen, welchem „Typ Frau“ beide entsprechen. Abschließend wird der skizzenhafte Versuch unternommen, zu klären, was das von Lohenstein und Gryphius gezeichnete Frauenbild über ihr Verständnis der morgenländischen Kultur aussagen kann.
1 von Lohenstein, Daniel Casper: Cleopatra. Trauerspiel. 1661, S. 9 (im Folgenden werden Angaben aus
Lohensteins Cleopatra im Fließtext in einer runden Klammer durch eine römische Zahl für die Abhandlung und
eine Verszahl gekennzeichnet)
3
II. 1 Frauenbilder in der Literatur
Elida Maria Szarota hat den weiblichen Bühnenfiguren des 17. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit geschenkt 2 . Sie geht dabei sehr systematisch vor und unterteilt das frauliche Leben in einen privaten und einen öffentlichen Bereich. Im Privaten tummeln sich Frauenrollennamen wie „die Geliebte“, „die Gattin“, „die Schwester“ und natürlich „die Mutter“. Für die vorliegende Arbeit ist es jedoch von Interesse, die Frau im öffentlichen Leben zu beleuchten. Szarota sieht in diesem Feld im wesentlichen drei Hauptbereiche, die Frau im Beruf, im Widerstand gegen die Obrigkeit und zwischen Machtverlangen und Machtverzicht. Wir beschränken uns im Folgenden auf eine Beleuchtung der beiden zuletzt genannten Bereiche.
Der Tyrannenmord als solcher spielte in ganz Europa eine zentrale Rolle 3 . Bei Frauen, die Widerstand gegen eine Obrigkeit leisten, „diagnostiziert“ Szarota Hass, „und wo Hass ist, ist schon der Keim zum Mord und zur Vernichtung 4 “ vorhanden. Was bewegt eine Frau dazu, den eigenen Hass in einem Mord gipfeln zu lassen und welche Konsequenzen kann das für den Charakter der Frau haben? Die Beurteilung solcher Fragen fällt schwer, in den meisten Fällen ist es uns als Literaturrezipienten möglich, in die Motivationslage und das Gefühlsleben der Handelnden Einblick zu nehmen. Wir entwickeln Verständnis für ihr Tun, teilen möglicherweise ihren Hass. Doch verurteilt man auf der anderen Seite, so verständlich es auch immer sein mag, gewalttätiges Verhalten. Denn es gibt auch andere Arten, sich gegen Obrigkeiten aufzulehnen.
Fest steht, dass Frauen, die in die Rolle der Rebellin schlüpfen, einen schweren Stand haben und viel Kraft brauchen, um ihr Vorhaben auf die eine oder andere Art zu realisieren. Frauen zwischen Machtverlangen und Machtverzicht durchleben eine ganz andere Art der persönlichen Hölle. Im Gegensatz zu denen, die sich gegen eine bereits bestehende Obrigkeit durchsetzen, verkörpern diese schon jene Obrigkeit. Ihr Dilemma besteht oft in einer Entscheidung zwischen Macht teilen oder Macht besitzen. Shakespeares Lady Macbeth ist eindeutig diesem Typ Frau zuzuordnen 5 . Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass dieser Frauentyp nur das kurzfristige Ziel vor Augen hat, ohne die weitreichenden Konsequenzen abzuschätzen.
2 vgl. Szarota, 1987
3 vgl. Szarota, 1987, S. 215
4 Szarota, 1987, S. 215
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Arbeit zitieren:
Stefanie Huland, 2002, Lohensteins Cleopatra und Gryphius' Catharina - Politisch agierende Frauen in barocken Dramen, München, GRIN Verlag GmbH
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