II
Inhalt
I. Einleitung 1
II. Hauptteil 3
1. Erläuterungen und historischer Kontext
1.1. Soziale und politische Verhältnisse nach der Reichsgründung und die Rolle
Bismarcks S.3
1.2. Der ADAV und Ferdinand Lassalle S.4
1.3. Die Eisenacher SDAP - Karl Liebknecht und August Bebel S.5
2. Die Sozialisten und der monarchische Staat
2.1. Einigung in Gotha - Die Rolle und Forderungen der Sozialisten S.6
2.2. Das Sozialistengesetz - Reaktion auf Bedrohung? S.7
III. Resümee 9
IV. Bibliographie
1
Einleitung
„Die deutsche Sozialdemokratie hat ihre politischen Gegner und Kritiker wiederholt mit der Fähigkeit überrascht, auch schwerste Krisen durchstehen zu können und aus ihnen die Kraft zum erfolgversprechenden Neuanfang zu schöpfen.“ 1
Besonders in ihren Anfängen nach der Revolution von 1848/49 wurde die sozialistische Arbeiterbewegung immer wieder von Rückschlägen und Unterdrückung heimgesucht. Als erklärter Feind der Bourgeoisie und des militaristischen oder monarchischen Staatswesens gerieten die sozialistischen Parteien immer wieder in den Fokus der Regierenden. Besonders nach der Reichsgründung 1871 und zunehmend nach der Vereinigung von ADAV und SDAP 1875 mussten die Arbeitervereinigungen Verfolgung und Hetze hinnehmen. In Anbetracht der vorliegenden historischen Vorgänge und Daten, kann der Eindruck gewonnen werden, dass sowohl Kaiser Wilhelm als auch Otto von Bismarck überzeugt waren, ihren monarchischen, militaristisch geprägten Staat gegen die Sozialdemokraten verteidigen zu müssen.
In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden zu erarbeiten, ob und warum die Herrschenden Angst und Misstrauen gegenüber den Sozialdemokraten empfanden. Hat der nach der Reichsgründung 1871 regierende kaisertreue Reichskanzler Otto von Bismarck Grund gehabt, die SAPD zu fürchten? War die Erlassung des Sozialistengesetzes die Reaktion auf eine für ich scheinbare sozialistische Bedrohung?
Die historische Forschung ist sich, insbesondere den Zusammenschluss betreffend, nicht einig. In der ausgewählten Literatur, die zu unterschiedlichen Zeiten in den vergangenen 140 Jahren verfasst wurde, werden verschiedene Zeitangaben für den Einigungsprozesses genutzt. Während manche Autoren, beispielsweise Dieter Groh und Peter Brandt, den Februar 1875 als Grundlage nehmen, gehen andere wie Heinrich Potthoff vom Mai 1875 aus. Doch auch über die genaue Tagesangabe sind sich die Historiker nicht einig. So findet man sowohl den 21. Mai, als auch den 22. Mai 1875 als Eröffnungstag des Gothaer Kongresses. Nach eingehender Recherche
1 Lehnert, Detlef: Sozialdemokratie zwischen Protestbewegung und Regierungspartei 1848 - 1983. 1. Auflage.
Frankfurt / Main 1983.
2
werde ich den 22. Mai bis 27. Mai 1875 als zeitlichen Ausgangspunkt benennen. Diese Annahme stützt sich auf das Protokoll der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 2 über den Programmbeschluss in Gotha. Dieses beginnt folgendermaßen:
A. Vorversammlung: Sonnabend, den 22. Mai, Abends 8 Uhr,...
Um einen möglichst differenzierten Hintergrund über das Thema zu erhalten, wurde zur Recherche zeitgenössische Literatur ebenso genutzt wie die des frühen, mittleren und späten 20. Jahrhunderts. Dabei wurden Werke aus der Bundesrepublik ebenso bedacht wie diejenigen, die in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik verlegt wurden.
Es soll auch versucht werden, die ursprünglichen Quellen der in der Literatur verwendeten Zitate heranzuziehen.
2 Protokolle der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Band II. Bonn 1976.
3
Erläuterungen und historischer Kontext
1. Soziale und politische Verhältnisse nach der Reichsgründung und die Rolle Bismarcks
Seit 1850 vollzog sich die Industrialisierung in Deutschland in zunehmender Geschwindigkeit. Als Folge der Ausbildung des industriekapitalistischen Systems war die Ausbreitung eines industriellen Proletariats zu erkennen. Die handwerkliche Herstellung wurde durch Großbetriebe ersetzt; eine höhere Produktivität der Arbeiter und eine Intensivierung der Anforderungen waren das Ziel der Fabrikanten. Die zudem schnell steigende Zahl der Bevölkerung führte zu einer Verhärtung des Kampfes um Arbeitsplätze. Doch der industrielle Aufschwung war auch Ursache für die Bildung eines „national geschlossenen Wirtschaftsraumes und schließlich der Reichseinigung 1871 unter preußischer Führung“ 1 . Ab 1871 wuchs das Reich zu einer geschlossenen Wirtschaftsgroßmacht heran. Nicht nur die Intensivierung der Industrie, sondern auch die Kriegsausgleichsgelder Frankreichs sorgten für wirtschaftliche Expansion. Allerdings herrschten in den einzelnen Regionen des Reiches unterschiedliche soziale und politische Strukturen. Eine Folge der industriellen Entwicklung hätte auch eine soziale Entwicklung sein müssen, die sich jedoch nicht vollzog. Zum einen gab es noch keine politisch starke Vertretung der Arbeiterschaft, zum anderen führten noch instabile Firmen und die überhitzte Konjunktur zu inflationärer Finanzentwicklung und schließlich zum Gründerkrach von 1873. 2 Viele Betriebe konnten sich in dieser Krise nicht halten, Arbeitslosigkeit und extreme Lohnsenkungen waren die Folge. In diesem sozialen Umfeld schlossen sich nunmehr Tausende von Arbeitern in Interessensverbänden zusammen, da sie erkannten, dass sie in einer organisierten Vertretung besser für ihre Rechte kämpfen konnten.
Otto von Bismarck wurde 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt, um den monarchischen Staat in seiner konservativen Ausrichtung gegenüber dem Parlament zu vertreten. In einem Heereskonflikt, der sich zum Verfassungskonflikt
1 Klönne, Arno: Die deutsche Arbeiterbewegung. 1. Auflage. Düsseldorf 1980. S.41
2 Borgmeyer, Wolfgang: Das Wilhelminische Kaiserreich - ein Ausbeuterstaat?. 1. Auflage. Berlin 1994.
Arbeit zitieren:
Katrin Spott, 2005, Die SAPD nach Gotha 1875 - eine Bedrohung für Bismarck?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Arbeiterbewegung im Kaiserreich: Partei und Gewerkschaften
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Schlüsselqualifikationen - Ein Begriff, zwei Ansätze
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Seminararbeit, 16 Seiten
Vorteile und Nachteile von Studiengebühren
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Hausarbeit, 18 Seiten
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Entwicklung regionaler Disparitäten in China
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Bachelorarbeit, 23 Seiten
Die Frage der Inklusion älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem vor ...
Ein Ländervergleich Deutschlan...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Das Widerstandsverbot bei Immanuel Kant
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
John Donne – “The Flea” and Andrew Marvell – “To His Coy Mistress”
Metaphysical poetry: Virginity...
Hausarbeit, 15 Seiten
Das Verhaeltnis des Menschen zur Natur in William Wordsworths "Th...
Seminararbeit, 19 Seiten
Focus strategies in english sentences and their representation in book...
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Analyse kontrafaktischer Konditionale: Der meta-linguistische Ansa...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Gewinnmöglichkeiten im Monopol und im Oligopol
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Hausarbeit, 15 Seiten
Die chinesischen Öffnungspolitik - war sie erfolgreich?
Südasienkunde, Südostasienkunde
Wissenschaftlicher Aufsatz, 18 Seiten
Regionale vs. weltwirtschaftliche Integration
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Katrin Leschikar's Text Die SAPD nach Gotha 1875 - eine Bedrohung für Bismarck? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Katrin Leschikar hat den Text Die SAPD nach Gotha 1875 - eine Bedrohung für Bismarck? veröffentlicht
Katrin Leschikar hat einen neuen Text hochgeladen
WOLK 1: Der LASAREWSKI-REPORT zum Wolf in Rußland. Über die Vernichtu...
Die Wolfsansiedlung und ihr Pr...
Alexander Brückner, Walter Rathgeber, Wasilij Matwejewitsch Lasarewski, Narcisse Seppey, Domenico Laffi, Alexander Theodor von Middendorf, Jürg Steiner, F. I. Walewskij, Knut Bengelmann, Giordano Cayetano Brunelli, Valentino Bonvicini, Claus Taaks, Claus Gampe, Irina Mironova
0 Kommentare