Das Schicksal der Inuit unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem anderer „First Nations“ in Kanada. Kontakte mit Weißen erfolgten erst spät, Inuit wurden nie in Reservationen angesiedelt und waren auch nicht dem „Indian Act“ unterworfen. Im Gegensatz zu dem noch immer gern in den Medien verbreiteten Bild, sind die Inuit schon lange keine einfachen Jäger und Sammler mehr, sondern betrachten sich als ein eigenständiges, modernes Volk, daß gewillt ist, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Nach Meinung vieler Inuit stellt ein Mittel dazu das 1999 geschaffene riesige Territorium Nunavut dar, was in Inuktitut, der Sprache der Inuit soviel bedeutet wie „Unser Land“. Das erste Mal haben damit Ureinwohner auch Regierungsgewalt über ihre weißen Mitbewohner. Wie es dazu kam, welche Probleme, Kritiken und Aussichten rund um das Projekt Nunavut existieren, soll Thema dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vorgeschichte
1.1. Erste Kontakte mit Weißen
1.2. Beispiele für den Wandel der Inuit-Gesellschaft
1.2.1. Demographie
1.2.2. Bildung
1.2.3.Strafrecht
1.2.4. Allgemeine Folgen des staatlichen Eingreifens
1.2.5. „Modernisierung“ und „Ethnisierung“
2. Nunavut
2.1. Der Weg nach Nunavut
2.2. Nunavut Land Claims Agreement und Nunavut Act
2.3. Probleme in Nunavut
2.4. Kritiken zu Nunavut
2.5. Inherent Right of Self-Government und Non-Ethnic Government
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die politische Etablierung sowie die damit verbundenen Herausforderungen und Kritiken bei der Schaffung des Territoriums Nunavut, welches als Ausdruck des Strebens der Inuit nach Selbstbestimmung und einer eigenständigen, modernen Identität verstanden wird.
- Historische Kontakte zwischen Inuit und der euro-kanadischen Gesellschaft
- Sozio-ökonomische Auswirkungen staatlicher Eingriffe seit 1950
- Politischer Prozess und rechtliche Rahmenbedingungen von Nunavut
- Soziale Probleme und kritische Diskurse rund um das Territorium
- Das Selbstverständnis der Inuit und das Prinzip der Selbstregierung
Auszug aus dem Buch
1.2.3. Strafrecht
Ursprünglich gab es bei den Inuit keine schriftlichen Gesetze und keine Spezialisten, die sich um deren Einhaltung und um Bestrafung kümmerten. Trotzdem existierten strikte Verhaltensregeln, die von allen verstanden und akzeptiert wurden und bei Fehlverhalten erfolgte eine Reaktion darauf. Die Inuit-Gesellschaft basierte auf informellen Methoden der sozialen Kontrolle, d.h. Klatsch, Spott, soziale Kritik, Verbannung (soziale oder physische) und im Falle einer unmittelbaren Bedrohung für die Gemeinschaft konnte auch eine Tötung beschlossen werden. Konflikte wurden in ritualisierten und spielerischen Sing- und Trommeltänzen oder in Ringkämpfen ausgetragen.
Eine wichtige Rolle für die Inuit-Sozialisation spielten Geschichtenerzähler, die spielerisch traditionelle Wertesysteme und Tabus vermittelten.
Oberste Priorität besaß nicht die Bestrafung, sondern die Wiederherstellung von Frieden und Harmonie, das Bemühen um Reintegration in die Gemeinschaft, bei gleichzeitiger Wahrung des sozialen Status, nach dem Prinzip, daß die Reaktion auf ein nicht-normkonformes Verhalten nicht mehr Probleme für die Gemeinschaft hervorrufen sollte, als das auslösende Vergehen an sich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die Ausgangslage der Inuit, die sich durch späte Kontakte von anderen "First Nations" unterscheidet, und führt in das Projekt Nunavut ein.
1. Vorgeschichte: Analysiert den kulturellen und sozio-ökonomischen Wandel der Inuit durch externe Einflüsse wie Walfang, Pelzhandel, Missionierung und staatliche Administration.
2. Nunavut: Dokumentiert den politischen Weg zum Territorium, die rechtliche Struktur sowie aktuelle Probleme und kritische Reflexionen dazu.
Zusammenfassung: Bündelt die Erkenntnisse und bewertet das Projekt als einen historisch bedeutsamen Präzedenzfall für die Inuit-Selbstbestimmung.
Schlüsselwörter
Nunavut, Inuit, Kanada, Selbstbestimmung, Inuktitut, Landrecht, First Nations, Sozialer Wandel, Moderne Mentalität, Ethnisierung, Regierungsform, Strafrecht, Reintegrative Shaming, Indigene Völker, Selbstregierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des Territoriums Nunavut und den damit verbundenen gesellschaftspolitischen Veränderungen für die Inuit in Kanada.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Wandel der Inuit-Gesellschaft, die politische Kampagne zur Schaffung von Nunavut, soziale Probleme in den Siedlungen sowie Konzepte zur Selbstregierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie es zur Gründung von Nunavut kam und welche Probleme, Kritiken und Aussichten das Projekt für die Inuit bereithält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Untersuchung historischer und politischer Prozesse zur Transformation der Inuit-Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Vorgeschichte, einschließlich Demographie, Bildung und Strafrecht, sowie den konkreten Entstehungsprozess des Nunavut Land Claims Agreement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nunavut, Selbstbestimmung, Inuit, Landrechte und das Spannungsfeld zwischen traditionellen Werten und Moderne.
Wie gehen die Inuit mit dem Verlust ihrer ursprünglichen sozialen Kontrollmechanismen um?
Die Arbeit beschreibt das durch Forscher wie Tomaszewski vorgeschlagene Modell des "reintegrative shaming" als einen Ansatz, der an traditionelle Werte anknüpft, um soziale Harmonie wiederherzustellen.
Warum wird Nunavut als "nicht-ethnische" Regierung bezeichnet?
Obwohl es von Inuit-Mehrheiten getragen wird, ist die Regierungsform nach dem Nunavut Act nicht exklusiv an Ethnie gebunden, um Diskriminierung zu vermeiden und demokratischen Standards zu entsprechen.
- Arbeit zitieren
- Kay Ramminger (Autor:in), 2003, Nunavut. Der Kompromiss in der Arktis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52082