Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 2
1. Vorgeschichte. 2
1.1. Erste Kontakte mit Weißen. 2
1.2. Beispiele für den Wandel der Inuit-Gesellschaft. 4
1.2.1. Demographie. 4
1.2.2. Bildung. 4
1.2.3.Strafrecht. 6
1.2.4. Allgemeine Folgen des staatlichen Eingreifens. 8
1.2.5. „Modernisierung“ und „Ethnisierung“ 9
2. Nunavut. 10
2.1. Der Weg nach Nunavut. 10
2.2. Nunavut Land Claims Agreement und Nunavut Act. 11
2.3. Probleme in Nunavut. 12
2.4. Kritiken zu Nunavut. 13
2.5. Inherent Right of Self-Government und Non-Ethnic Government. 14
Zusammenfassung. 16
Literaturverzeichnis
1
Einleitung
Das Schicksal der Inuit unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem anderer „First Nations“ in Kanada. Kontakte mit Weißen erfolgten erst spät, Inuit wurden nie in Reservationen angesiedelt und waren auch nicht dem „Indian Act“ unterworfen. Im Gegensatz zu dem noch immer gern in den Medien verbreiteten Bild, sind die Inuit schon lange keine einfachen Jäger und Sammler mehr, sondern betrachten sich als ein eigenständiges, modernes Volk, daß gewillt ist, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Nach Meinung vieler Inuit stellt ein Mittel dazu das 1999 geschaffene riesige Territorium Nunavut dar, was in Inuktitut, der Sprache der Inuit soviel bedeutet wie „Unser Land“. Das erste Mal haben damit Ureinwohner auch Regierungsgewalt über ihre weißen Mitbewohner. Wie es dazu kam, welche Probleme, Kritiken und Aussichten rund um das Projekt Nunavut existieren, soll Thema dieser Arbeit sein.
1. Vorgeschichte
1.1. Erste Kontakte mit Weißen
Zu ersten Kontakten der Inuit in Nord-Kanada mit Weißen (oder „Qallunaat“ in Inuktitut) kam es im Vergleich zu anderen Ureinwohnern Kanadas relativ spät. Es lassen sich dabei verschiedene Phasen und Faktoren unterscheiden, die in ihrer Bedeutung für und dem Grad der Einflußnahme auf die Inuit differieren.
Die ersten Veränderungen für die Inuit-Gesellschaft brachten seit Anfang des 19. Jahr-hunderts soziale und auch sexuelle Kontakte mit Walfängern, mit denen die Inuit regen Tauschhandel betrieben und dadurch erstmals in den Besitz westlicher Errungenschaften (Gewehre, Werkzeuge usw.) gelangten 1 .
Nach dem Niedergang der Walindustrie etablierte Anfang des 20. Jahrhunderts die Hudson Bay Company (HBC) viele Handelsposten in der Region und animierte die Inuit zum Einstieg in den Pelzhandel. Pelztierjagd und Fallenstellerei brachten für kurze Zeit relativen Wohl-
1 Roberts1983: 301.
2
stand, führten aber zu ökonomischer Abhängigkeit der Inuit und deren Einbindung in das Auf und Ab der kommerziellen Welt der Weißen 2 .
Parallel zur HBC intensivieren christliche Missionare ihre Aktivitäten im hohen Norden. Sie kreieren unter anderem die Schrift für das Inuktitut, die noch heute im Gebrauch ist 3 . Das traditionell animistische und schamanenbasierte Glaubenssystem der Inuit trifft auf die konkurrierenden westlichen Wertesysteme der Missionare. Roberts nennt als prägende Faktoren für diese Zeit die ökonomische Sklaverei durch die HBC und die moralische Sklaverei durch die Missionare 4 .
Ebenfalls im gleichen Zeitraum beginnt die kanadische Regierung ein Auge auf die polaren Gebiete zu werfen und etabliert mit der Errichtung von Posten der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) ihre Oberhoheit.
All diese Faktoren führten konsequenterweise dazu, daß spätestens in den 30er/40er Jahren des 20. Jahrhunderts die Inuit völlig abhängig vom Pelzhandel waren, umgeben und beeinflußt von fremden religiösen und sozialen Kontrollsystemen 5 .
Der nun erfolgende Zusammenbruch des Pelzmarktes trifft die Inuit daher mit voller Härte und stellt eine ökonomische und soziale Katastrophe dar. Gleichzeitig kommt es durch den Rückgang der Karibupopulation zur Hungersnot, was in den 50ern zum Eingreifen der Regierung auch aus humanitären Gründen führt.
Dieser Eingriff ist von zentraler Bedeutung für die Inuit-Gesellschaft, da es infolgedessen zu den tiefgreifendsten Veränderungen kommt. Die zuvor in wechselnden Jagdcamps lebenden, familienbasierten, halbnomadischen Gruppen (selten über 50 Menschen) wurden seit 1950 aus administrativen Gründen, zur effektiveren Kontrolle und zur besseren Verteilung von Leistungen vereinigt und in permanenten Siedlungen seßhaftgemacht. In den neuen Orten (Zentren waren im Westen Inuvik und im Osten Frobisher Bay, heute Iqaluit) wurden Schulen und Krankenhäuser errichtet, westliche Verwaltungsapparate etabliert, Wohnungsbauprogramme aufgelegt usw. usf 6 . Die Folgen des staatlichen Eingreifens werde ich jetzt anhand ausgewählter Beispiele untersuchen.
2 Ebd.: 302.
3 Arnaquq 1993: 108.
4 Roberts 1983: 302.
5 Ebd.: 303.
6 Fleras und Elliott 1992: 111; Roberts 1983: 304.
3
1.2. Beispiele für den Wandel der Inuit-Gesellschaft
1.2.1. Demographie
Bis in die 50er Jahre hinein kam es immer wieder zu Epidemiewellen unter den Inuit durch von Weißen eingeschleppte Krankheiten (v.a. Tuberkulose, Masern und Grippe). Der Zugang zu besserer medizinischer Versorgung in den neuerrichteten Krankenhäusern führte bei den Inuit zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion, so daß die Gesamtpopulation von 1951 6800 auf 1981 17000 und 2001 ca. 43000 anstieg 7 . Damit stellen die Inuit die jüngste und schnellstwachsende Bevölkerungsgruppe in Kanada, mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren im Vergleich zu 33 Jahren in Gesamt-Kanada (1991) 8 . Nach Roberts ist die Altersgruppe zwischen 15 und 64 ein guter Indikator für das wirtschaftliche Entwicklungspotential, das besonders gut ist, wenn dieser Anteil über 60% beträgt. Bei den Inuit hingegen sind nur 45% in diesem „produktionsfähigen“ Alter und da es durch die große Zahl an jungen Menschen mehr Konsumenten als Produzenten gibt, führt das zu einem Mißverhältnis von Menschen und Investitionsmitteln, was wiederum in schlechter wirtschaftlicher Gesamtsituation resultiert 9 . Diese Theorie erscheint mir jedoch nicht ganz schlüssig, da die hohe Arbeitslosigkeit bei den Inuit im „produktionsfähigen“ Alter dem doch offensichtlich widerspricht und ein noch höherer Anteil der 15- bis 64jährigen sicher nicht eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt bewirken würde. Eher scheint mir einleuchtend, daß es in den Inuit-Gebieten nur ein begrenztes Angebot an Lohnarbeit gibt und dieses nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann.
1.2.2. Bildung
1950 waren 95% der Inuit Analphabeten 10 , da die Inuit-Gesellschaft eine orale war und bis zur Einführung der Schrift durch die Missionare keine solche kannte. In den neuen Siedlungen gründete die Regierung Schulen und führte die allgemeine Schulpflicht ein. Dabei wurden die Eltern vor die Wahl gestellt, ihre Kinder entweder in Internate
7 Roberts 1983: 304f; http://npc.nunavut.ca/
8 Tomaszewski 1996: 83.
9 Roberts 1983: 305.
10 Ebd.: 306.
4
Arbeit zitieren:
Kay Ramminger, 2003, Nunavut - der Kompromiss in der Arktis, München, GRIN Verlag GmbH
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