Inhaltsangabe
1. Einleitung
2. Das Streben nach Glück - Verschiedene Moralprinzipien
3. Was ist das Glück des Menschen?
4. Zum Glücksbegriff
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
In ihrem Buch „Einführung in die Ethik“ gibt Annemarie Pieper unter anderem auch einen kurzen Überblick über den Begriff der „Glückseligkeit“ und des Glücks. In der vorliegenden Arbeit werden diese beiden Ausdrücke unter dem Gesichtspunkt ihrer Vielfältigkeit behandelt. Ausgegangen wird dabei von dem von A. Pieper verfassten Text. Eine Unterscheidung der Glücksbegriffe wird danach auf der Grundlage der Einteilung von Günther Bien vorgenommen.
2. Das Streben nach Glück - Verschiedene Moralprinzipien
In dem Absatz zur „Glückseligkeit“ hält A. Pieper zunächst fest, dass der Mensch sein Leben lang danach strebt glücklich zu sein. Dies ist aber, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, nicht möglich. Als Grund dafür bringt A. Pieper zwei Theorien: Freud meint, dass Glück für den Menschen in der Schöpfung nicht geplant ist; das Christentum lehrt, dass der Mensch seit dem Sündenfall kein Recht mehr auf ein glückliches Leben hat. Trotzdem strebt jeder Mensch von Natur aus nach Glück. Die Aufgabe der Ethik sieht die Autorin nun darin, herauszufinden, „ob und wie es moralisch zu rechtfertigen ist.“ 1 , das heißt, ob der Mensch überhaupt berechtigt ist - nur - für sich selbst nach Glück zu suchen. Es wird nun die erste Frage behandelt, zu der A. Pieper zwei gegensätzliche Thesen vorgibt. Die eine Theorie gibt die Antwort, dass das „Prinzip der Glückseligkeit“ oberstes normatives Prinzip sein soll, da es ja sowieso Sinn jeglichen Handelns darstellt. Die andere Theorie spricht vom „Prinzip der Pflicht“, welches das „Streben nach Tugend, Sittlichkeit, Vernünftigkeit“ 2
1 Pieper, Annemarie (Hg.), Philosophische Disziplinen. Leipzig 1998 S. 133
2 Pieper, Annemarie (Hg.), Philosophische Disziplinen. Leipzig 1998 S. 134
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beinhaltet, als obersten Grundsatz, dem das Streben nach Glück zu unterwerfen ist. Diese beiden Hypothesen ausführend gibt A. Pieper je ein Beispiel: Nach John Stuart Mill begehrt die menschliche Natur nur jenes, was letztendlich zum Glück führt, dieses ist also der Endzweck jeglichen Handelns überhaupt. Somit wird die Beschaffung von Glück zum Maßstab für das menschliche Handeln und schließlich auch zum Kriterium der Moral. Demnach könnte ich also sagen, dass mein Wirken „gut“ oder „schlecht“ ist, je nachdem, ob es der Beschaffung von Glück für mich und meine Mitmenschen dient oder nicht. Denn die Moral stellt laut Höffes „Lexikon der Ethik“ den „für die Daseinsweise der Menschen konstitutiven [...] normativen Grundrahmen für das Verhalten vor allem zu den Mitmenschen , aber auch zur Natur u. zu sich selbst dar“, bildet weiterhin „einen der Willkür der einzelnen entzogenen Komplex von Handlungsregeln, Wertmaßstäben und Sinnvorstellungen“ und beruht „auf einer allgemeinen Grundübereinstimmung (Achtung vor der Menschenwürde, Negation von Zwang, Minderung von Leiden [...])“ 3 (S.177) Wenn nun die Beförderung von Glück ein Kriterium für Moral sein soll, muss mein Handeln, dass sich aus meinem Wunsch nach einem glücklichen Leben motiviert, in Übereinstimmung mit der Erfüllung von Glück meiner Mitmenschen geschehen. Mein erlebtes Glück ist demnach ethisch gut, wenn es die Grundsätze der allgemeinen Moralvorstellungen auf dem Weg zu seiner Erreichung nicht verletzt.
A. Pieper stellt nun auch die Gegenposition Immanuel Kants dar. Er unternimmt eine Trennung von den Prinzipien der Glückseligkeit und der Sittlichkeit, die mit einer Trennung von Sinnen und Vernunft einhergeht. Dabei betont Kant aber, dass dies keine Entgegensetzung bedeutet, denn die Vernunft schreibt nicht vor, dass man den Wunsch nach Glückseligkeit gänzlich verwerfen soll, sondern ihn nur unterdrücken, wenn die Pflicht hinzutritt. Somit kann die Beschaffung von Glück niemals Pflicht sein - oder Grundmotivation jeglichen Handelns, wie
3 Höffe, Otfried (Hg.), Lexikon der Ethik, München 2002 S. 177 •
3
Mill es betrachtet. Moral ist damit nicht die Lehre von der Beförderung des Glücks, sondern die Lehre, wie wir uns würdig erweisen, Glück zu empfangen (vielleicht von Gott). An anderer Stelle führt A. Pieper den Gedanken Kants weiter aus: „Dem Glücksprinzip grundsätzlich in allen Handlungen den Vorzug zu geben, würde nach Kant bedeuten, sich der Natur zu unterwerfen, denn die Natur bestimmt den Menschen unausweichlich dazu, sein Glück zu wollen, und wenn es dazu keine Alternative gäbe, könnte von Freiheit und Selbstbestimmung keine Rede sein.“ 4 Kant aber gibt uns die Alternative ohne Rücksicht auf das eigene Glücksempfinden zu handeln und damit frei zu sein von den Zwängen der Natur. Damit wird „Freiheit um der Freiheit aller willen“ 5 als Prinzip erhoben, das es zu respektieren gilt. Denn die Freiheit im Sinne der „Annerkennung des Selbstbestimmungsrechts jedes Individuums“ 6 besteht darin, sich über eigene natürliche Bedürfnisse zugunsten des Selbstbestimmungsrechts und damit der Freiheit der Mitmenschen hinwegzusetzen. Kant sagt nun aber auch, dass das Streben nach Glück erfolgen kann, wenn der Mensch keiner Pflicht unterliegt oder - wie A. Pieper es ausdrückt - „dadurch das Freiheitsgebot nicht verletzt wird“ 7 . Dieser Ausspruch ist meiner Ansicht nach so zu verstehen, dass der Mensch seinem natürlichen Bedürfnis nach Glück nachgehen kann, wenn es nicht seiner Vernunft und auch nicht der Freiheit der anderen, diesem Bedürfnis nicht zu folgen, widerspricht.
In einem Aufsatz zur Ethik fasst A. Pieper die gegensätzlichen Ansichten zusammen: Kants Hypothese fasst sie unter das Freiheitsprinzip, Mills Theorie unter das Nutzenprinzip (welches unter die Richtung der Ethik des „Utilarismus“ fällt). Bei dem ersteren geht es darum, dass der Vollziehende einer Handlung gute Absichten hat, die vom Verstand und der
4 Philosophische Disziplinen. 1998. S.81
5 Ebd.
6 Ebd.
7 Ebd.
4
Arbeit zitieren:
Julia Schlichter, 2005, Glück und Glückseligkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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