Inhaltsverzeichnis
1. Der Konflikt zwischen Theologie und Wissenschaft 1
1.1 Die Evolutionstheorie 2
1.1.1 Die Evolutionsthesen von Charles Darwin 3
1.1.2 Schöpfungslehre des Alten Testaments 3
2. Unterschiede zwischen der Evolutionstheorie und der Schöpfungslehre 5
2.1 Der Kreationismus 6
2.2 Creatio ex nihilo 7
2.3 Creatio continua 8
2.4 Abgrenzungs- bzw. Selbstimmunisierungsmodelle 8
3. Zum Abgrenzungsmodell 10
3.1 Integration der Schöpfungslehre in die Evolutionstheorie 12
1. Der Konflikt zwischen Theologie und Wissenschaft
„Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde “ 1 für Jahrhunderte galt diese
Schöpfungslehre für die Entstehung der Welt und allen Lebens auf dieser. Und auch die
ersten fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse von Kopernikus 2 , Galileo Galilei 3
usw. mussten sich der Macht der Kirche fügen und ihre Erkenntnisse, die
widersprüchlich zu denen der Kirche standen, widerrufen. Denn die Kirche sah, durch
eine mögliche Widerlegung der theologischen Erkenntnisse, ihre Dogmen, durch die
Erkenntnisse der aufblühenden Naturwissenschaft bedroht. Aber spätestens seit dem
1 Die Bibel, Genesis 1 ,1
2 Kopernikus, Nikolaus, poln. Astronom, 1473 1543 begründete das heliozentrische Weltsystem, in
dessen Mittelpunkt die Sonne und nicht mehr die Erde, wie es in der Bibel steht
3 Galilei, Galileo, ital. Pysiker, 1564 1642 untermauerte die Theorie des Kopernikus durch exakte
Messungen und Beobachtungen. G. musste 1633 seine Beobachtungen widerrufen
1
Charles Darwin 4 1859 seine Evolutionstheorien vorstellte, wird die Schöpfungslehre der Theologie in Frage gestellt. Danach galten „(...) religiöses Wissen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse als konkurrierende Wahrheiten.“ 5 Die Wissenschaft ging davon aus, dass sie die Religion „... langfristig durch exaktes Wissen ersetzen werden...“ 5 könne. Doch ist dem so? Dürr bestreitet dies und gibt einen scheinbaren Konsens zwischen der Theologie und der Naturwissenschaft an, dass „nach unserer heutigen Auffassung ist dieses Ziel prinzipiell unerreichbar. Denn religiöse Einsichten basieren auf ganzheitlicher, nicht objektivierbarer Wahrnehmung und naturwissenschaftliche Erkenntnisse auf der Analyse kleiner Ausschnitte der Gesamtwirklichkeit.“ 5 Aber dennoch spricht Lüke von einem „faulem Frieden“ 6 in diesem Konflikt. Zwar sei das dieser Konflikt nun beigelegt, dennoch sei es nicht zu einem allgemein intellektuell anerkannten Ergebnis gekommen. Lüke führt an dieser Stelle ein Zitat von Karl Schmitz-Moormann an: „Der Streit ist zu Ende, aber nicht ausgetragen. Vielmehr ist das Interesse der Naturwissenschaft, die Theologie zu widerlegen, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr vorhanden, noch fühlt sich die Theologie von ihr bedroht.“ 6 Diese angesprochene Bedrohung der Theologie durch die Naturwissenschaft geht daher hervor, dass die Naturwissenschaft „zu Recht“ 7 aus dem Konflikt „als Sieger“ 7 des Konfliktes hervorgehe. Allerdings überschätze die Naturwissenschaft diesen Sieg, den diese versuche bzw. versuchte auf den allgemeinen Konflikt zwischen ihr und der Theologie auszuweiten.
4 Darwin, Charles Robert, engl. Naturforscher, 1809-1882, Begründer der Evolutionstheorie. Darwin hatte auf einer fünfjährigen Reise um die Welt (1831-1836) eine Fülle von Beobachtungen aus dem Gesamtgebiet der Biologie, der Erdgeschichte und der Tier- und Pflanzengeographie gesammelt. Er beschrieb in seinem 1859 erschienen Buch „On the origin of species by means of natural selection” den Gedanken einer Abstammung der heutigen Lebewesen von früheren einfachen Formen und gab gleichzeitig eine einleuchtende Darstellung der Ursachen für die Evolution der Organismen.
5 Dürr, H.P., Gott, der Mensch und die Wissenschaft, Augsburg 1997, S. 7.
6 Lüke, U., „Als Anfang schuf Gott...“ - Biologie-Theologie: Zeit - Evolution- Hominisation, Paderborn
1997, S. 109.
7 Häring, H. Theologische Revue, Schöpfungstheologie - ein Thema im Umbruch, Münster 2001, S.198.
2
1.1 Die Evolutionstheorie
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts galt in der Biologie die vorherrschende Lehrmeinung von der Unveränderlichkeit der Arten. Diese wurde aus der biblischen Schöpfungslehre abgeleitet. Diese Lehrmeinung änderte sich mit dem Erscheinen der von Charles Darwin dargelegten Evolutionstheorie.
Die Evolutionstheorie, die konträr zu der Schöpfungslehre der Theologie steht, ist das Fundament der Naturwissenschaft, und durch ihre scheinbare Richtigkeit, die sich experimentell nachweisen lässt, u. a. auch Fundament für den Konflikt zwischen Theologie und der Naturwissenschaft.
Die Evolutionstheorie basiert auf drei Prinzipien, die auf dem darwinistischen Modell aufbauen.
1. Das Prinzip der phänotypischen Variabilität. Nach diesem Prinzip unterscheiden sich Individuen in vielen Merkmalen.
2. Das Prinzip der differentiellen Tauglichkeit. Individuen vermehren sich, aber in der Abhängigkeit von den Bedingungen des jeweiligen Milieus sind die Vermehrungsraten verschiedener Phänotypen unterschiedlich hoch.
3. Das Prinzip der erblichen Tauglichkeit. Demnach gibt die Eltern Generation ihre Tauglichkeit, d.h. ihre Anpassung an das jeweilige Milieu, an ihre Nachkommen weitergeben.
1.1.1 Die Evolutionsthesen von Charles Darwin
Sämtliche Lebewesen haben die Fähigkeit zu exponentiellen Wachstum, d.h. sie vermehren sich stärker, als es zum Fortbestand der Population nötig ist. Die Population bleibt trotz Überproduktion stabil.
Die Ressourcen, also das Nahrungsangebot und der Lebensraum sind begrenzt. Daraus schlussfolgerte Darwin, dass unter den Individuen ein Kampf ums Dasein stattfindet. Dieser Kampf ist nicht in erster Linie als aggressive Auseinandersetzung zu verstehen, sondern als Wettbewerb um die beste Reproduktionsfähigkeit. Die Nachkommen eines Elternpaares sind nicht hundertprozentig gleich. Jedes Individuum ist einzigartig.
Ein großer Teil dieser individuellen Unterschiede ist erblich. Aus diesen Thesen schlussfolgerte Darwin, dass von den auftretenden Varietäten nur die am besten angepassten Individuen überleben können. Demnach findet eine
3
natürliche Auslese statt. Wenn diese über viele Generationen abläuft, ergibt sich daraus eine Evolution.
1.2 Die Schöpfungslehre des Alten Testaments 8
„Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Da sprach Gott: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Da trennte Gott Licht von Finsternis. Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber Nacht. Es ward Abend, und es ward Morgen: ein Tag.
Dann sprach Gott: „es entstehe ein festes Gewölbe inmitten der Wasser, und es bilde sich eine Scheidewand zwischen den Wassern!“ Gott bildete das feste Gewölbe und schied zwischen den Wassern oberhalb und unterhalb des Gewölbes, und so geschah es. Gott nannte das feste Gewölbe Himmel. Es ward Abend, und es ward Morgen: zweiter Tag.
Sodann sprach Gott: „Es werde das Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort gesammelt, und das Trockene werde sichtbar!“ Und es geschah so. Gott nannte das Trockene Erde, und das zusammengeflossene Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Da sprach Gott: „Die Erde lasse Grünes hervorsprießen, samentragende Pflanzen sowie Fruchtbäume, die Früchte bringen nach ihrer Art, in denen Samen ist auf Erden!“ Und so geschah es. Die Erde brachte Grünes hervor, samentragende Pflanzen nach ihrer Art und Bäume, die Früchte bringen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. Es ward Abend, und es ward Morgen: dritter Tag. Dann sprach Gott: „Es sollen Leuchten werden am Gewölbe des Himmels, um zu scheiden zwischen der Nacht und dem Tag, und sie sollen als Zeichen dienen sowohl für die Festzeiten als auch für die Tage und Jahre! Sie sollen Lichtspender an dem Gewölbe des Himmels sein, um zu leuchten über der Erde!“ Und es geschah so. So machte denn Gott die beiden großen Leuchten: die größere, dass sie den Tag beherrsche, die kleinere zur Beherrschung der Nacht und dazu die Sterne. Gott setzte sie als Leuchten über die Erde an das Gewölbe des Himmels zu beherrschen Tag und Nacht und zu trennen zwischen Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Es ward Abend, und es ward Morgen: vierter Tag.
8 Die Bibel, Genesis 1 - 1,31
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Quote paper:
Björn Backhaus, 2004, Der Konflikt zwischen Theologie und Naturwissenschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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