Einleitung
Modelle postnationaler europäischer Identität und Verfassung, die Entwicklung eines Euro Republicanism? Auf Grundlage des Textes „The Nacent Political Philosophy of the European Polity“ von Heidrun Friese und Peter Wagner soll in dieser Hausarbeit eine Antwort auf die vorgenannte Frage gefunden werden, wobei die weiteren Modelle, die dort erwähnt werden, auch nicht unerwähnt bleiben sollen. Gerade hier zeigen sich vorhandene bzw. mögliche Konfliktfelder und Gemeinsamkeiten, die für die weitere politische Entwicklung der Europäischen Union (EU) von nicht uninteressanter Priorität sein werden, was unter Anderem im Punkt zwei und drei klar hervorkommt. Im ersten Punkt werden, wie bereits erwähnt, die theoretischen Modelle des Friese/Wagner Textes vorgestellt sowie die Kontroversen, die sich im Rahmen der Betrachtung durch verschiedene Forscher ergeben, nicht außer Acht gelassen.
Der zweite Punkt wirft einen Blick auf den Status quo der politischen Ebene der Europäischen Union. Ich werde, ausgehend von der derzeitige Situation, versuchen einen Ausblick auf Grundlage der von mir verwendeten Sekundärliteratur (Zeitschriftenartikel und Veröffentlichungen im Internet) vorzunehmen. Hier werden zwei Modelle, ein optimistisches und pessimistisches vorgestellt, wobei das optimistische deutlich Stellung für eines der im Punkt eins vorgestellten Modell bezieht. Abschließen wird der Punkt zwei mit einer kurzen Betrachtung des Stands der Einführung einer Europäischen Verfassung und der sich hieraus ergebenen Entwicklungen hinsichtlich der zukünftigen Organisation und Aufgaben der EU. Des weiteren wird die gesellschaftliche Ebene in der EU hinsichtlich der Realität unter Punkt drei betrachtet. Hier werden die in der Umwelt zu sehenden und gefühlten Eindrücke vorgestellt und in eines der Modelle eingebunden. Ich vermute, dass sich die Europäer in den letzten Jahren in vielen Punkten immer näher gekommen sind, als sie es selbst wahrnehmen und vielleicht wahrhaben wollen und das sich langfristig eine Europäische Identität bilden und etablieren wird.
Gliederung
Einleitung
1. Die theoretischen Entwicklungsmodelle
1.1 A europe of nation-states
1.2 Towards a european technocracy
1.3 A european community of values
1.4 Euro-Republicanism
1.5 Towards a situated Euro-Republicanism
2. Die politische Evolution der EU
2.1 Das zukünftige Europa Variante 1
2.2 Das zukünftige Europa Variante 2
2.3 Eine Verfassung für die EU
3. Die sichtbare und gefühlte Entwicklung in der Europäischen Union
3.1 Die Fußballeuropameisterschaft 2004
3.2 Das Eurobarometer 2002
3.3 Das Eurobarometer 2003Seite
3.4 Die Entwicklung einer Europäischen Identität
Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der politischen Philosophie von Friese und Wagner sowie aktueller Umfragedaten, ob sich in der Europäischen Union eine postnationale Identität entwickeln kann und welches Organisationsmodell – insbesondere der Euro-Republicanism – hierfür die geeignetste Basis bietet.
- Analyse theoretischer Entwicklungsmodelle der europäischen Integration
- Gegenüberstellung optimistischer und pessimistischer Zukunftsszenarien für die EU
- Untersuchung der Bedeutung einer Europäischen Verfassung
- Empirische Überprüfung des europäischen Identitätsgefühls anhand des Eurobarometers
- Rolle des Sports und gesellschaftlicher Vernetzung bei der Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
1. Die theoretischen Entwicklungsmodelle
In diesem Abschnitt werden die theoretischen Modelle für eine mögliche Organisation der Europäischen Union die im Friese/Wagner Text genannt werden vorstellen. Welches Modell in der Folge der nächsten Jahrzehnte heranreift kann nicht vorhergesagt werden. Durch die bisherige Entwicklung der EU und der folgenden Modelle, lassen sich allerdings mögliche erreichbare Tendenzen feststellen. Fest steht, dass in der EU ein Konflikt zwischen Nationalen und Individuellen Interessen vorliegt, der aus der Mischung vom Cosmopolitan Citizenship und Communitarian Citizenship kommt. Richard Bellamy unterscheidet sogar in zwei „mixed models of citizenship“ dem Communitarian Cosmopolitanism, von dem Habermas mit seinem Konzept des Verfassungspatriotismus ein Hauptvertreter ist, und dem Cosmopolitan Communitarism, nach Paul Hirst, welches die EU als eine Mehr-Ebenen-Republik sieht (Bellamy 2000). Praktisch ist womöglich ein Wandel der EU, von einer liberalen, hin zu einer republikanischen Bürgerdemokratie gefragt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die theoretischen Entwicklungsmodelle: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Ansätze zur politischen Organisation der EU, darunter das Modell der Nationalstaaten, die Technokratie und den Euro-Republicanism.
2. Die politische Evolution der EU: Hier werden anhand eines optimistischen und eines pessimistischen Szenarios die Entwicklungsmöglichkeiten der EU sowie die Relevanz einer gemeinsamen Verfassung diskutiert.
3. Die sichtbare und gefühlte Entwicklung in der Europäischen Union: Das Kapitel verknüpft theoretische Überlegungen zur Identität mit empirischen Daten aus dem Eurobarometer sowie dem kulturellen Phänomen der Fußballeuropameisterschaft 2004.
Resümee: Die abschließenden Ausführungen bewerten den Euro-Republicanism als zweckmäßigste Organisationsform und bestätigen die Tendenz zur Entwicklung eines europäischen Identitätsgefühls.
Schlüsselwörter
Europäische Identität, Euro-Republicanism, Europäische Verfassung, Eurobarometer, politische Integration, Postnationalismus, Bürgerdemokratie, europäische Wertegemeinschaft, Mehrebenen-Republik, supranationale Organisation, soziale Integration, Wirtschaftsraum, kulturelle Identität, Demokratiedefizit, europäisches Gemeinschaftsgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die politische Entwicklung der Europäischen Union mit dem Ziel zu bestimmen, ob und wie sich eine postnationale europäische Identität herausbilden kann.
Welches ist das zentrale Thema der Arbeit?
Das zentrale Thema ist die Entwicklung eines "Euro-Republicanism" als mögliches, zukunftsfähiges Organisationsmodell für die Europäische Union.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll analysiert werden, welches Organisationsmodell der EU am besten geeignet ist, um bestehende Konflikte zwischen nationalen und individuellen Interessen zu lösen und die Identifikation der Bürger mit Europa zu stärken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Analyse politisch-philosophischer Literatur (insb. Friese/Wagner) mit der Auswertung empirischer Daten des Eurobarometers sowie einer Untersuchung der medialen Berichterstattung zur Fußball-EM 2004.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Modellbetrachtungen, die politische Evolution der EU-Strukturen (inkl. Verfassungsdebatte) und die empirische Untersuchung zur gefühlten Identität der EU-Bürger.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Europäische Identität, Euro-Republicanism, Verfassungspatriotismus, supranationale Integration und das Spannungsfeld zwischen Nationalstaat und EU.
Warum wird die Fußballeuropameisterschaft 2004 als Analysebeispiel herangezogen?
Der Sport dient als Indikator für eine grenzübergreifende gesellschaftliche Vernetzung und als "kreative Kommunikations-Tendenz", die helfen kann, Bürger für den europäischen Integrationsprozess zu gewinnen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Euro-Republicanism?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Euro-Republicanism die vorteilhafteste Organisationsform darstellt, da er individuelle Mitbestimmung mit effizienter zentraler Steuerung verbindet und die Regionen als Identitätsanker integriert.
- Quote paper
- Diplom Politologe Tim Pommeränig (Author), 2004, Modelle postnationaler europaeischer Identitaet und Verfassung. Die Entwicklung eines Eurorepublikanimus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52141