Inhaltsverzeichnis
HAUSARBEIT 1
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Zum Begriff Interkulturalität 4
3. Ziele eines interkulturellen Unterrichts 5
4. Berücksichtigung des interkulturellen Aspekts in den Lehrplänen des
Landes Nordrhein-Westfalens 7
4.1 Verbindliche Anforderungen in den Lehrplänen NRWs 7
4.2 Umsetzung 8
5.2 Anspruch an geeignete Kinderliteratur 12
5.3 Das Zusammenspiel von Literatur- und Spracherwerb 13
5.4 Produktiver Umgang mit Texten der Kinderliteratur 14
6. Interkulturelles Lernen anhand von Märchen 16
7. Schlussbemerkung 20
Literaturverzeichnis 22
2
1. Einleitung
Kinder wachsen heute mehr und mehr in einer durch kulturelle Vielfalt geprägten Umwelt auf. Das Zusammenwachsen der europäischen Staaten, Arbeitsmigration sowie die Rückkehr von Spätaussiedlern haben seit Mitte des 20. Jahrhunderts dazu geführt, dass in Grundschulen eine soziokulturelle Heterogenität zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Laut Statistischem Bundesamt liegt der Ausländeranteil an Grundschulen bei etwa 12 %. Je nach geografischer Lage kann der Ausländeranteil jedoch auch erheblich höher liegen wie beispielsweise in einigen Großstädten des Ruhrgebiets, wo Kinder deutscher Herkunft nicht selten in der Minderheit sind.
Etwa 43,3 % der ausländischen Schüler sind türkischer Nationalität. Mit weitem Abstand folgen Kinder aus asiatischen Herkunftsländern (12,9 %), aus den ehemaligen Kriegsgebieten Serbien und Montenegro (5,9 %), aus Italien ( 6,7) und Griechenland (3,5 %). Eine solch multikulturell zusammengesetzte Schülerschaft verlangt nach einem interkulturellen Unterricht. Auch wenn es für den interkulturellen Literaturunterricht bisher wenig konkrete Literatur gibt, habe ich dennoch versucht, einen Überblick über eine interkulturelle Literaturdidaktik zu geben.
Ich habe mich zwar vorwiegend mit der Literaturdidaktik befasst, möchte die interkulturelle Sprachdidaktik jedoch nicht ganz außen vor lasse. Gerlind Belke, bis 2002 Dozentin für Linguistik an der Universität in Dortmund, beschreibt einen Zusammenhang zwischen Literaturerwerb und Spracherwerb, den ich im fünften Kapitel kurz aufgreifen möchte um ein Gesamtbild eines interkulturellen Unterrichts zeichnen zu können.
3
2. Zum Begriff Interkulturalität
Im Gegensatz zur Multikulturalität, die ein gleichberechtigtes nebeneinander verschiedener Kulturen zum Ausdruck bringt, meint Interkulturalität eher die Begegnung und Annährung zwischen Einheimischen und Eingewanderten. Entstanden ist dieser Begriff im Kontext der Arbeitsmigration. Zielten die Konzepte der Integration ursprünglich auf die Emanzipation der Minderheiten in der Einwanderungs- gesellschaft ab, so fand Mitte der 80er Jahre ein Perspektivenwechsel statt. Interkulturelle Erziehung forderte nicht länger eine einseitige Angleichung sondern ein gegenseitiges Näher kommen. 1
Wierlacher definiert Interkulturalität folgendermaßen: „In seiner weiteren Bedeutung wird der Begriff der Interkulturalität im Folgenden als Bezeichnung eines auf Verständigung gerichteten, realen oder dargestellten menschlichen Verhaltens in Begegnungssituationen verstanden, an denen einzelne Menschen oder Gruppen aus verschiedenen Kulturen in diversen zeitlichen continua beteiligt sind.“ 2
Laut Wierlacher beinhaltet der Begriff Interkulturalität den Prozess der Überwindung des Ethnozentrismus durch wechselseitige Abhebung. Erst die Offenheit für Fremdes und Anderes lässt den kritischen Umgang mit der eigenen Kultur zu und verhilft dazu, Unterschiede aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, so dass überhaupt ein Dialog möglich wird, bei dem es nicht schon im Vorhinein ein besser oder schlechter, ein richtig oder falsch gibt.
Kliewer beschreibt Interkulturalität als ‘,[...] Austausch zwischen den Kulturen in beiden Richtungen.“ 3 Er weist jedoch darauf hin, dass in der deutschen Kultur- und Bildungspolitik der Bildungsexport bei weitem überwiegt.
1 vgl. Rösch 1997 2 vgl. Wierlacher 2003, S. 257 3 vgl. Kliewer 2000, S. 214
4
Die Öffnung der Bildungseinrichtungen betrachtet er unter dem interkulturellen Aspekt eher kritisch. So kritisiert er, dass im Deutschunterricht kaum Migrantenliteratur, Märchen fremder Völker oder Jugendbücher nicht europäischer Autoren behandelt werden.
Interkulturalität wird seiner Meinung nach in der Schule eher als einzelner Themenkomplex behandelt. Zudem geschieht dieses meist noch in einer stereotypen Art und Weise, indem lediglich Folklore und kulinarische Leckerbissen das Niveau bestimmen.
3. Ziele eines interkulturellen Unterrichts
Ein interkultureller Unterricht sollte folgende Ziele verfolgen 4 :
- Kinder mit unterschiedlicher kultureller Herkunft und Muttersprache lernen sich in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und zu akzeptieren. Die kulturellen Unterschiede sollen als Bereicherung erfahren werden und Schüler zu einem toleranten Umgang angehalten werden.
- Das Interesse der Schüler an fremden Kulturen und Sprachen wecken und fördern.
- Schüler sollen lernen, sich mit kulturellen Unterschieden auseinander zu setzen aber auch Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen der eignen und der fremden Kultur entdecken.
- Falls es die Umstände zulassen, können sich Kinder verschiedner Nationalitäten gegenseitig einen Einblick in ihre Erfahrungen geben.
Die häufig multikulturell zusammengesetzte Schülerschaft bringt es mit sich, dass verschiedene Lebenserfahrungen und kulturelle Hintergründe aufeinander treffen. Somit bleibt es unumgänglich, dass die Förderung eines toleranten Miteinanders von großer Bedeutung ist. Täglich wird von den Schülern ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen, Kompromissbereitschaft und Verständnis gefordert. 4 vgl. Bildungsserver Hessen: Interkulturelle Erfahrungen
5
Da solch hohe Erwartungen an den Charakter der Schüler meist nur zum Teil erfüllt werden, kommt es nicht selten zu Konfliktsituationen. Diese gilt es zu bewältigen, indem Interkulturalität im Unterricht thematisiert wird. Kinder müssen lernen, sich gegenseitig zu Achten, auch wenn das Aussehen, die Lebensweise und das Herkunftsland nicht dem ihren entspricht. Es muss eine Atmosphäre geschaffen werden, in der das Anders sein einen akzeptierten Platz hat. 5 Die Schüler müssen begreifen, dass die ihre Kultur lediglich eine unter vielen ist, weder besser noch schlechter als andere – lediglich bekannter und vertrauter. Auch wenn ein interkultureller Unterricht Begriffe und Eigenschaften wie „Toleranz“ und „Achtung“ vermitteln soll, ist dies jedoch nicht so zu verstehen, dass es keine moralischen Fragen mehr gibt. Das jeweilige Wertesystem muss nicht aufgegeben werden. Vielmehr sollen verschiedene Aspekte auch kritisch betrachtet und nicht Gleichgültig hingenommen werden um sich letztendliche eine eigne Meinung bilden zu können. So kann es auch passieren, dass man sich entscheidet etwas abzulehnen. „Der Unterschied einer solchen Ablehnung ist dann aber, dass es ein kritisches Urteil ist nicht etwa ein Vor-Urteil.“ 6 Um diese Ziele umzusetzen, ist es notwendig sich von der vorwiegend nationalen Ausrichtung des Unterrichts zu verabschieden. Hier kommt unter anderem die Einbeziehung internationaler Literatur ins Spiel. Literatur leistet einen gewissen Beitrag bei der Vermittlung von Werten, Normen und Einstellungen oder kann einen Einblick in fremde Kulturen verschaffen. Es können Texte deutscher Autoren eingesetzt werden, die sich mit kulturellen Aspekten oder Problemen beschäftigen, aber auch Literatur anderer Kulturkreise, um auch deutlich zu machen, dass jede Kultur und jeder Staat seine eigene Literatur hervorgebracht hat. So können ausländische Schüler erfahren, ihre Kultur einen akzeptierten Platz im Unterricht erhält. Ziel eines interkulturellen Unterrichts sollte es jedoch nicht sein, lediglich faktisch Normen und Werte einzelner Kulturen zu erarbeiten und stereotype Vorstellungen zu schaffen.
5 vgl. Oomen-Welke 1994, S. 171 6 Merks 2002, S. 9
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Quote paper:
Antje Höfs, 2006, Interkulturalität im Literaturunterricht der Grundschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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