1. Herkunft und Kindheit
Am 05. Juni 1912 wird Josef Carl Neckermann als zweites Kind seiner Eltern Josef Carl Neckermann und Julia Neckermann (geb. Lang) in Würzburg geboren. Sein Vater ist Kohlengroßhändler und wird auf Grund seines Besitzes und seiner Beziehungen in Wirtschaft und Politik als „Rockefeller von Würzburg“ betitelt. 1 Josef wächst mit seinen Geschwistern Maria-Barbara (1909-1948) und Walter (19141972) in Würzburg auf. Er besucht das Realgymnasium. Dort galt er eher als Außenseiter. 2 Die Schule steht für Josef nur an zweiter Stelle, seine ganze Leidenschaft gehört dem Reiten. Im Schwimmbad lernt Josef seine spätere Frau Annemarie Brückner kennen. Sein Vater ist sein großes Vorbild und Josef möchte eines Tages ebenfalls Unternehmer werden. Geprägt durch seinen Vater entsteht auch sein Lebensmotto: „Was du tust, das tust du ganz!“.
Ein Wendepunkt in seinem Leben ist der frühe Tod des Vaters am 20. Dezember 1928. Sein Vater erliegt einem Herzinfarkt und von diesem Tag an ist seine Kindheit vorbei. 3
2. Der Jungunternehmer im Dritten Reich
Josef soll nach abgeschlossener Ausbildung das Unternehmen seines Vaters J.C. Neckermann übernehmen. Der Prokurist Guido Klug führt die Geschäfte der Kohlenhandlung fort. Josef schließt 1929 die Schule mit Mittlerer Reife ab und beginnt eine Lehre bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in Würzburg, Hausbank der Neckermanns. Anschließend absolviert er ein 18-monatiges Praktikum bei der Hedwigs-Hütte AG in Stettin und wird im Jahr 1931 zum Assistenten der Geschäftsführung bestellt. Er geht nach England und Belgien und kehrt im Jahr 1933 nach Deutschland zurück. Mit nur 22 Jahren tritt er in das väterliche Unternehmen in die Geschäftsleitung ein. Er will unbedingt Erfolg und modernisiert und strukturiert das Unternehmen komplett um. Auch vor Aufträgen der Rüstungsindustrie schreckt er nicht zurück. 4
1 www.wikipedia.org/wiki/Josef_Neckermann, 12.12.05.
2 Vgl. Veszelits, Die Neckermanns, 2005, S. 43.
3 Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 27.
4 Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.
Für den Bau von Fliegerhorsten der NS Luftwaffe im Raum Würzburg liefert er die Kohlen, aber seine Tätigkeit im Kohlengeschäft füllt ihn nicht aus. Er möchte etwas Eigenes, etwas „ganz Großes“. Daher übergibt er das Kohlenunternehmen an seinen Bruder Walter. 5
Am 16. August 1934 heiratet Josef seine Jugendliebe Annemarie Brückner. Im Oktober 1935 kommt das erste Kind der Eheleute, Peter, zur Welt. Im Jahr 1937 folgen Tochter Eva- Maria und 1942 Sohn Johannes.
Im Jahr 1934 tritt Neckermann in die Reiter- SA ein. In seiner Biografie schreibt er als Rechtfertigung allerdings: „ohne es so recht zu merken..“, lässt aber weitere Fakten offen. 6 In der Familie ist er mit seiner Sympathie für die SA nicht allein. Seine Schwester Barbara hat 1930 den Rechtsanwalt Dr. Lang geheiratet, der ein Buch über die SA-Bewegung geschrieben hat, in dem er das Regime bejubelt. Auch Neckermanns Schwiegervater Richard Brückner hegt Sympathien für das System.
Am 15. September 1935 werden die Nürnberger Rassegesetze (Blutschutzgesetz, Reichsbürgergesetz, Reichsflaggengesetz) erlassen. Jüdische Unternehmer werden sowohl persönlich als auch unternehmerisch unter Druck gesetzt. Ihre Unternehmen werden zu Spottpreisen arisiert. Die Kaufhäuser des jüdischen Unternehmers Ruschkewitz werden von SA Leuten streng beobachtet. Die Kunden werden belästigt, beschimpft und fotografiert. Hier sieht Neckermann seine Chance und macht sich diese Gelegenheit zu nutze, obwohl er von den Maßnahmen der NSDAP gegen Ruschkewitz nichts gewusst haben will, da er sich zu dieser Zeit noch in England aufhielt. Er lässt sich von seiner Mutter seinen Erbanteil der Firma J. C. Neckermann in Höhe von 200.000 Reichsmark auszahlen und nutzt dieses Geld als Startkapital, um seine Träume von einem eigenem Geschäft zu verwirklichen. Neckermann erwirbt am 25. Oktober 1935 vom jüdischen Unternehmer Ruschkewitz dessen Textilkaufhaus sowie das Niedrigpreisgeschäft Wohlwert- Merkur in Würzburg für 100.000 Reichsmark. Die Abgeltung eines Firmenwertes wurde von vornherein ausgeschlossen, da dies unter dem NS- Regime für jüdische Unternehmen nicht üblich war. 7
5 Vgl. www.patricia-wiede.de/show_ref.php?ref=0035; 28.01.06.
6 Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 55.
7 Vgl. Neckermann, Erinnerungen; 1990, S. 69.
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Diplom-Betriebswirtin (FH) Ines von Hollen, 2005, Biografie Josef Neckermann, Munich, GRIN Publishing GmbH
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