Gliederung
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Nach den Iden des März
2.2 Der Aufstieg Octavians oder Die Usurpation der Macht
2.3 Das Zweite Triumvirat
2.4 Die res publica restituta
3. Fazit
4. Quellen und Literatur
2
1. Einleitung
Als Augustus am 19. August 14 n. Chr. im Alter von 76 Jahren starb, hatte er 57 Jahre ununterbrochen an der Spitze des römischen Staates gestanden, 45 Jahre hatte er gar als Alleinherrscher regiert und in dieser Zeit eine neue Herrschaftsform, den Prinzipat, und somit das Römische Kaiserreich, begründet. Eine Herrschaftsform, die zahlreichen Kaisern des Mittelalters und noch im Zeitalter des Absolutismus als staatstheoretisches Vorbild galt.
Die traditionelle res publica befand sich seit den Tagen der Gracchen in einer existentiellen, fast ausweglosen Krise, es herrschten Bürgerkriege und mächtige Militärpotentaten. Die regierende Gesellschaftsschicht, die Nobilität befand sich spätestens seit den Proskriptionen des Diktators Sulla in einem Prozess der Auflösung, verlor infolgedessen zunehmend an Ansehen und konnte den Staat nicht mehr hinreichend lenken.
Augustus’ Verdienst war es, das Römische Reich aus dieser Situation gerettet und den Staat auf ein festes Fundament gestellt zu haben, welches auch zwei Jahrhunderte später noch Bestand hatte. Der Prinzipat war ein Konsens zwischen Verwaltungsaristokratie und Monarchie, mit dem sowohl Senatsaristokratie als auch Monarch leben konnten, da sie nur auf diese Weise ihre Macht und Einflussnahme sichern konnten. Die alte res publica blieb jedoch nur der Form nach bestehen, denn die eigentlichen Machtinhaber waren nicht mehr der Senat und die traditionellen politischen Gremien, sondern ein einzelner Mann: der Prinzeps, dem der antike Historiker Tacitus die Vernichtung von Freiheit und Demokratie vorwarf, wogegen Cassius Dio die Prinzipatsverfassung durchaus als ideale Herrschaftsform, weil Mischung aus Monarchie und Demokratie verstand, durch die Freiheit, Ordnung und Sicherheit gesichert wurden. 1 Dass es sich beim augusteischen Prinzipat um eine Form der Monarchie handelte, machte schon der Name „Augustus“ deutlich, der aufgrund des augurium salutis, dem Zwölfgeier-Prodigium, an den Gründer und ersten König Roms Romulus erinnerte.
Wie aber gelang es dem jungen Gaius Octavius, der von Geburt her nicht der obersten Standesschicht angehörte und der erst durch die Ermordung seines Großonkels und Förderers, dem Dik-tator Caesar im März 44 v. Chr. die große politische Bühne betrat, im Alter von nur 36 Jahren zum ersten Römischen Kaiser Augustus und somit zum mächtigsten Mann seiner Zeit aufzusteigen? In welchen Phasen vollzog sich sein Aufstieg und welche Hürden hatte er dabei zu überwinden?
1 Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, eingeleitet von G. Wirth, übers. von O. Veh, 5 Bde., Zürich 1985-1986,
56, 43 sowie Tacitus, Annalen, lat., dt., hrsg. von E. Heller, München 1982, 1,9f..
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2. Hauptteil
2.1 Nach den Iden des März
Als Caesar am 15. März 44 v. Chr. im Senat ermordet wurde, glaubten die Attentäter im Sinne der römischen Republik zu handeln. Nicht nur die Caesarmörder um die beiden Bruti Marcus und Decimus sowie Cassius, sondern auch Senatoren wie Cicero, die nicht an der Verschwörung gegen den Diktator beteiligt gewesen waren, sahen in Caesar einen Tyrann, von dessen Alleinherrschaft man sich hatte befreien müssen, um die res publica und deren libertas wiederherzustellen. Caesar war es in den Jahren seiner Herrschaft nicht gelungen alle Gruppen in sein politisches System zu integrieren und je stärker er seine eigene Person und dignitas herausstellte, desto stärker wurde die Front der Gegner. 2 Die Verschwörer hatten dabei allerdings nicht bedacht, dass im Laufe der Bürgerkriegsjahre die alte Senatsaristokratie geschwächt worden war und daher nicht mehr in der Lage war, die Leitung der Republik zu übernehmen. Mit der Beseitigung des „Tyrannen“ war keineswegs eine automatische Rückkehr zu den politischen Verhältnissen der klassischen Römischen Republik verbunden. Ein großer Teil der Senatoren war durch Caesar in Amt und Würde gekommen und stand daher loyal zu ihm. Der Senat war keine geschlossene Einheit, sondern in verschiedene Interessengruppen zersplittert; den republikanischen Kräften gelang es nicht Ordnung in die politischen Wirren zu bringen. 3 Die Verunsicherung in Senat und Bevölkerung nutzte Konsul Marcus Antonius, um sich als erster Mann in Rom zu profilieren; er bemächtigte sich der Verfügungen und Unterlagen Caesars und konnte auf diese Weise seinen Einfluss, legitimiert durch die acta Caesaris 4 , vergrößern. 5 Als der Senat am 17. März zu einer Sitzung zusammenkommen wollte, waren die Eingänge zum Tellus-Tempel auf Befehl von Antonius durch Soldaten versperrt worden und der Senat wurde mit militärischen Machtmitteln gezwungen, sich dem Willen des Antonius zu beugen. 6 Antonius verfolgte die Attentäter jedoch nicht konsequent, sondern stimmte einer Amnestie der Mörder zu und erklärte die Diktatur, das Herrschaftsinstrument Caesars für abgeschafft. Trotz dieser Kompromissbereitschaft, die den Ausbruch eines neuerlichen Bürgerkrieges verhindern sollte, mussten Brutus und Cassius im April aus Rom fliehen, da Antonius das Volk bei
2 Vgl. Christ, K., Die Römische Kaiserzeit. Von Augustus bis zu Konstantin, 3. Aufl. München 1995, S. 46.
3 Vgl. Bleicken, J., Augustus. Eine Biographie, Sonderausgabe Berlin 2000, S. 7-18.
4 Mit der acta Caesaris wurden alle Verfügungen, die Caesar getroffen hatte für rechtsgültig erklärt.
5 Velleius Paterculus spricht in diesem Zusammenhang sogar davon, dass Antonius die Interessen des Staates für
seine persönlichen Ambitionen verkauft habe, vgl. Velleius Paterculus, Historia Romana - Römische Geschichte 2,
lat., dt., übers. u. hrsg. von M. Giebel, Stuttgart 1989, 60.
6 Vgl. Paterculus, Hist. Rom., 61.
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seiner Leichenrede für Caesar gegen sie aufhetzte. 7 Ein konkretes Konzept für die Verwendung der Macht war aber auch auf Seiten von Antonius und seinen Anhängern nicht zu erkennen. 8
2.2 Der Aufstieg Octavians oder Die Usurpation der Macht
Der 19-jährige Gaius Octavius erhielt die Nachricht vom Tod seines Großonkels Caesar in Makedonien, wo er sich zusammen mit dem Gros der Legionen zur Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Parther befand. Schon länger als Ziehsohn Caesars bekannt und durch diesen gefördert, forderten die Offiziere G. Octavius auf gegen Rom zu marschieren, um die Macht an sich zu reißen und sicherten ihm dafür die Unterstützung aller Soldaten zu. 9 G. Octavius entschloss sich jedoch Vorsicht walten zu lassen und verzichtete auf ein gewaltsames Vorgehen und begab sich erst einmal zu dem kleinen Ort Lupiae (Lecce), wo er von Caesars Testament erfuhr, durch das er zum Haupterben von Caesars Vermögen und in die Familie der Julier adoptiert wurde. Nicht nur die Soldaten und Veteranen Caesars setzten sich für den jungen Mann, der sich von nun an zu Ehren seines Adoptivvaters Gaius Julius Caesar 10 nannte, als Caesars politischen Nachfolger ein, sondern auch einflussreiche Männer aus dem Ritterstand wie L. Cornelius Balbus und Gaius Oppius. 11 Unterstützt von der großen Klientel seines Adoptivvaters ging Octavian nach Kampanien, wo er unter den Veteranen Caesars schnell ein eigenes Heer aufstellen konnte, „mit dem [er] dem Staatswesen, das durch die Gewaltherrschaft einer politischen Machtgruppe unterdrückt wurde, die Freiheit“ wiedergeben wollte. 12 Er trachtete, zumindest in seiner Selbstdarstellung, danach die Ermordung seines Onkels zu rächen und dessen Feinde zu vernichten. 13 Dabei ging er jedoch nicht als politischer Abenteurer vor, sondern wählte mögliche Verbündete mit Bedacht; nicht nur alte Freunde Caesars zog er als Berater hinzu, sondern auch ausgesprochene Gegner Caesars wie beispielsweise Cicero. Dieser sah in dem jungen Octavian einen nützlichen Partner in der Auseinandersetzung zwischen den Republikanern und Antonius, dem vermeintlichen Anführer der Caesarianer. Vor allem aber glaubte Cicero Octavian aufgrund seines Alters lenken zu können und so sind auch die Schmeicheleien zu erklären, in denen er den jungen Mann als „Retter des Staates“ (conservator rei publicei) und „ersten Mann“ unter
7 Vgl. Appian, Römische Geschichte, Bd. II: Bürgerkriege, übers. von O. Veh, eingel. und erläutert von K. Broder-
sen, 1988, 2, 146.
8 Vgl. Schlange-Schöningen, H., Augustus, Darmstadt 2005, S. 44.
9 Vgl. Nikolaos von Damaskus, Leben des Kaisers Augustus, griech., dt., übers. u. hrsg. von J. Malitz, Darmstadt
2003, 46.
10 Der Einfachheit halber verwende ich im folgenden für die Zeit bis zur Übertragung des Ehrennamens
„Augutus“ den Namen Octavian.
11 Vgl. Kienast, D., Augustus. Prinzeps und Monarch, Darmstadt 1982, S. 22 sowie Schlange-Schöningen, Augus-
tus, S. 45.
12 Augustus, Res Gestae. Tatenbericht (Monumentum Ancyranum), lat., griech., u. dt., übers. u. hrsg. von M. Gie-
bel, bibliogr. rev. Ausg. Stuttgart 2004, 1.
13 Vgl. Sueton, Augustus, lat., dt., übers. u. hrsg. von D. Schmitz, Stuttgart 1988, 10.
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Marcus Sonntag, 2005, Von Octavian zu Augustus - Der Aufstieg des Gaius Octavius und die Begründung des Prinzipats, München, GRIN Verlag GmbH
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