Einleitung I
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG. 1
I LEBEN UND WIRKEN DES FRANZ VON ASSISI. 2
1 DER KULTURELLE UND RELIGIÖSE HINTERGRUND. 2
1.1 DIE KATHARER. 4
1.2 ASSISI IM 12. JAHRHUNDERT 5
2 DIE QUELLEN 6
3 KURZE LEBENSBESCHREIBUNG 6
4 DAS VERLASSEN DER WELT 8
4.1 DIE VISIONEN. 8
4.2 DIE AUSSÄTZIGEN. 9
4.3 DIE TRENNUNG VOM VATER. 10
4.4 DISKUSSION. 11
5 RELIGIÖSE GRUNDEINSTELLUNG. 12
5.1 GOTT UND SEINE SCHÖPFUNG. 12
5.2 ERLÖSUNG. 13
5.3 DAS SELBSTVERSTÄNDNIS DES FRANZISKUS VON ASSISI. 14
6 DIE IDEALE. 17
6.1 ARMUT 17
6.2 FRIEDFERTIGKEIT. 18
II LEBEN UND VERKÜNDIGUNG DES JESUS VON NAZARETH 20
1 WELCHES JESUSBILD? 20
1.1 TIEFENPSYCHOLOGISCHE HERMENEUTIK 21
1.2 HISTORISCH-KRITISCHE EXEGESE. 22
1.2.1 Das Differenzkriterium. 23
1.2.2 Das Plausibilitätskriterium. 23
2 DIE GOTTESHERRSCHAFT - ZENTRUM DER VERKÜNDIGUNG JES.U 24
3 DER WILLE GOTTES (ETHIK JESU) 25
4 DAS SELBSTVERSTÄNDNIS DES JESUS VON NAZARETH. 26
III FRANZISKUS VON ASSISI UND JESUS VON NAZARETH 28
Einleitung II
1 DAS PROBLEM 28
2 DAS BÖSE. 29
3 DIE ERLÖSUNG. 30
4 DIE ETHIK 31
5 ZUSAMMENFASSUNG. 32
LITERATURVERZEICHNIS 34
Einleitung 1
Einleitung
„Als ein Unbekannter und Namenloser kommt er [Jesus, d. V.] zu uns, wie er am Gestade des Sees an jene Männer, die nicht wussten, wer er war, herantrat. Er sagt dasselbe Wort: Du aber folge mir nach! und stellt uns vor die Aufgabe, die er in unserer Zeit lösen muß. Er gebietet. Und denjenigen, welche ihm gehorchen, Weisen und Unweisen, wird er sich offenbaren in dem, was sie in seiner Gemeinschaft an Frieden, Wirken, Kämpfen und Leiden erleben dürfen, und als ein unaussprechliches Geheimnis werden sie erfahren, wer er ist.“ 1
Sicher teilte Franziskus nicht den Standpunkt der Leben-Jesu-Forschung zu Zeiten Albert Schweitzers, dass über den historischen Jesus kaum Aussagen getroffen werden können. Franziskus unterschied wie seine Zeitgenossen nicht zwischen dem, was in den Evangelien stand, und dem historischen Jesus. Darüber hinaus lag ihm jeglicher wissenschaftlicher Umgang mit der Bibel fern. Aber auch an ihn erging das Wort: „Du aber folge mir nach!“ Und er versuchte von dieser Zeit an, Jesus nachzufolgen und ihm zu gehorchen. In zahlreichen Visionen und ekstatischen Erlebnissen erlangte er Klarheit über seine Nachfolge, die oft von Kämpfen und Leiden, aber eben auch von Friedenstiften und heilendem Wirken gezeichnet war. Das heutige Interesse an Jesus und Franziskus läuft Gefahr, beide Positionen miteinander zu vermischen. Es wird häufig nicht zwischen den beiden Persönlichkeitsprofilen unterschieden. Dies liegt zum Teil daran, dass die kirchliche Institution manchen Ideen des Franziskus die „Spitzen kappte“ und sie in kirchenverträgliche Kanäle lenkte. 2 Andererseits sieht man die für Franziskus so typische liebevolle Zuwendung zur gesamten Schöpfung oft schon bei Jesus angelegt oder gar umgesetzt. Folge einer solchen Vermischung ist, dass beide Personen - aufgrund übergeordneter religiöser Autorität Jesu vor allem aber die des Heiligen aus Assisi - ihr eigenständiges Profil verlieren. Trotz dem Streben des Heiligen Franziskus, sich ganz und gar an das Leben Jesu anzupassen, könnte sein Leben doch auch ganz andere, neue (religiöse) Gedanken in die Welt gebracht haben, von denen wir heute lernen könnten.
1 Schweitzer, Albert: Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Tübingen: Mohr Siebeck (UTB für Wissenschaft:
Uni-Taschenbücher, 1302) 1984 (9. Aufl., Nachdruck der 7. Aufl.), S. 629.
2 Feld, Helmut: Franziskus von Assisi und seine Bewegung, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
1994.
I Leben und Wirken des Franz von Assisi 2
Diese Vermengung verschiedener Positionen wird in dieser Arbeit aufgebrochen. Sowohl von Franziskus als auch von Jesus wird ein eigenständiges Profil entworfen. Anschließend werden diese Positionen im Hinblick auf einige ausgewählte zentrale Aspekte einander gegenübergestellt. Am Ende dieser Arbeit erscheint Franziskus als eigenständiger Charakter.
I Leben und Wirken des Franz von Assisi
Eine Annäherung an das Leben und Wirken des Franziskus kann nicht bei einer Darstellung der einzigartigen Handlungen wie beispielsweise seiner Predigt an die Vögel einsetzen. Für ein umfassendes und tiefes Verständnis des Heiligen aus Assisi ist es wichtig, sich Schritt für Schritt seiner Persönlichkeit anzunähern. Ein Umweg über die gesellschaftlichen und religiösen Gegebenheiten seiner Zeit zeigt sich in diesem Zusammenhang ebenso als erforderlich wie ein Blick auf die Quellen, die von ihm zeugen. Erst dann können vernünftigerweise seine Biographie, seine religiöse Grundeinstellung und seine Ideale thematisiert werden.
1 Der kulturelle und religiöse Hintergrund
Schon lange vor der Geburt des Franziskus hatte das Christentum in Europa Fuß gefasst. Im 11. und 12. Jahrhundert erfuhr es jedoch aus verschiedenen Gründen eine Krise, die den Ruf nach Reformen innerhalb der Kirche laut werden ließ. In dieser Zeit tauchten verschiedene religiöse Strömungen auf, die mitunter der päpstlichen Inquisition zum Opfer fielen. Wie kam es zu dieser religiösen Krise?
Die Komplexität der gesellschaftlichen und religiösen Zusammenhänge des Mittelalters verlangt an dieser Stelle eine starke Vereinfachung, die nur einige wenige für die Krise verantwortlichen Faktoren umfassen kann. Für den Zweck dieser Arbeit reicht eine solche Darstellung aus.
Zu Beginn des 1. Jahrtausends führten verbesserte Ackerbauverfahren zu einer beachtlichen Sektor. 3 Produktivitätssteigerung im landwirtschaftlichen Anteil an diesem
landwirtschaftlichen Aufschwung hatten in großem Maße Klöster.
3 Bredero, Adriaan H.: Christenheit und Christentum im Mittelalter: über das Verhältnis von Religion, Kirche
und Gesellschaft, Stuttgart: Steiner 1998, S. 27.
Der kulturelle und religiöse Hintergrund 3
Galt zu Zeiten geringer Ernteerträge der klösterliche Grundbesitz noch als relativer Reichtum, der sogar von Armutsbewegungen mitgetragen werden konnte, 4 änderte sich diese Sichtweise mit den verbesserten Agrartechnologien. Klöster erwirtschafteten sich als Großgrundbesitzer einen bedeutenden materiellen Reichtum, von dem die Landbevölkerung nur in geringem Umfang profitierte. 5
Parallel zu dieser Entwicklung kam es zu einem Wiederaufleben des Stadtwesens. 6 Zum Stand der Landwirte gesellte sich infolge dieser Entwicklung ein weiterer Stand, nämlich der des Bürgertums. Der Handel in der Stadt basierte in erster Linie nicht auf dem Austausch von Naturalien, sondern auf der Geldwirtschaft. Aus beiden Aspekten erwuchsen der Kirche Probleme. Güter wie Bildung gewannen innerhalb einer städtischen Bevölkerung ein stärkeres Gewicht, was letztlich gerade auch g egenüber der Kirche zu einem Emanzipationsstreben führte. 7 Andererseits hatte sich die Kirche einem Zinsverbot verschrieben, an dem sie trotz Erstarken der Geldwirtschaft festhielt.
Zu diesen Problemen kam weiterhin Kritik an der Amtsführung des Klerus aufgrund von Vernachlässigung der Seelsorgepflicht, Simonie, 8 Spielleidenschaft und sexuellen Kontakten von Nonnen mit Klerikern und Gönnern. 9
Im Sog dieser Missstände formierten sich mehrere religiöse Gruppierungen, die teilweise nur eine Rückbesinnung auf die Evangelien bzw. Jesus forderten, teilweise aber auch das Christentum in seinen Grundfesten infrage stellten.
4 ebd., S. 26.
5 Bredero, Adriaan H.: Christenheit und Christentum im Mittelalter: über das Verhältnis von Religion, Kirche
und Gesellschaft, Stuttgart: Steiner 1998, S. 25.
6 ebd., S.29.
7 ebd., S. 33.
8 Manselli, Raoul: Franziskus: Der solidarische Bruder, Freiburg: Herder 1989 (Sonderausgabe), S. 73.
9 Holze, Heinrich: Die abendländische Kirche im hohen Mittelalter (12./13. Jahrhundert), Leipzig: Evangelische
Verlagsanstalt 2003 (Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, Bd. I/12), S. 63.
Der kulturelle und religiöse Hintergrund 4
Die Waldenser
Aus dem im 12. Jahrhundert bestehenden Geflecht religiöser und sozialer Probleme gingen die von Waldes, einem Kaufmann aus Lyon, gegründeten Waldenser hervor. Waldes veräußerte im Anschluss an die Predigt eines Spielmanns und nachdem er den Rat eines Theologen eingeholt hatte seinen gesamten Besitz, um weiterhin ein Leben gemäß des Evangeliums zu führen. 10 Neben streng gelebter Armut und starker Rückbindung an die Bibel verschrieb sich dieser Bußprediger einem Wanderleben. 11
Schon bald gerieten Waldes und seine Anhänger in Konflikt mit der kirchlichen Autorität. Der Grund lag in ihrer Auffassung des apostolischen Auftrags, die keine Bindung an die sakramentale Ordination vorsah. Während es trotz zahlreicher Konflikte im Jahre 1208 zu einer Aussöhnung von Kirche und einem Teil der Waldenser kam, 12 erfuhren andere waldensische Gruppierungen dauerhaft die kirchliche Ablehnung bis hin zu g ewalttätigen Verfolgungen.
1.1 Die Katharer
Eine Armutsbewegung im weiteren Sinne stellen die aus dem Balkan stammenden Katharer dar. Wesentliches Merkmal ihrer Lehre ist ein starker Dualismus. In ihrer Lehre gilt Gott als „Haupt des geistigen Reiches und Satan als Haupt des stofflichen Reiches.“ 13 Diese Grundeinstellung erklärt auch, warum sie eine Abscheu gegenüber allem haben, was in Verbindung mit der materiellen Welt steht. Die „Vollkommenen“ ( perfecti), wie sie sich nannten, heirateten nicht, praktizierten eine strenge sexuelle Enthaltsamkeit, aßen keine Speisen, die aus einer geschlechtlichen Vereinigung hervorgingen, und verfochten eine rigorose Moral. 14
10 Bredero, Adriaan H.: Christenheit und Christentum im Mittelalter: über das Verhältnis von Religion, Kirche
und Gesellschaft, Stuttgart: Steiner 1998, S. 30.
11 Holze, Heinrich: Die abendländische Kirche im hohen Mittelalter (12./13. Jahrhundert), Leipzig:
Evangelische Verlagsanstalt 2003 (Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, Bd. I/12), S. 155.
12 Denzler, Georg und Andresen, Carl: Wörterbuch Kirchengeschichte, Freiburg: Deutscher Taschenbuch Verlag
1997 (5. aktual. Aufl.), S. 624.
13 Manselli, Raoul: Franziskus: Der solidarische Bruder, Freiburg: Herder 1989 (Sonderausgabe), S. 15.
14 Holze, Heinrich: Die abendländische Kirche im hohen Mittelalter (12./13. Jahrhundert), Leipzig:
Evangelische Verlagsanstalt 2003 (Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, Bd. I/12), S. 160.
Der kulturelle und religiöse Hintergrund 5
Erlösung „der in Materie und Finsternis eingeschlossenen Seele“ erhofften sie sich durch den guten Gott und Jesus, dessen Auftrag es war „die Seelen in die himmlische Heimat“ zurückzuführen. 15 Sie verwarfen die kirchliche Taufe und die Eucharistie. Holze bezeichnet sie als „radikale christliche Sekte“ und Bredero betont, dass die neutestamentlichen Schriften für sie Gültigkeit besaßen, wenngleich sie diese meist gegen die kirchliche Institution ausspielten. 16,17 Die Spannungen zwischen Klerus und der weit verbreiteten katharischen Bewegung führte zwischen 1209-1229 in Südfrankreich zu brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen, den Albigenserkriegen. Die Katharer hielten sich jedoch bis ins 14. Jahrhundert. 18 Noch bevor Franziskus das Licht der Welt erblickte, machten sich im Tal von Spoleto, in welchem auch Assisi gelegen ist, katharische Gedanken breit. 19
1.2 Assisi im 12. Jahrhundert
Rund um und in Assisi tobten im 12. Jahrhundert erbitterte Kämpfe, weswegen die Stadt immer wieder den Herrschaftsbereich wechselte. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erlangte die Stadt jedoch eine weitgehende Autonomie. Die zahlreichen k riegerischen
Auseinandersetzungen gründeten teilweise in der wirtschaftlichen Lage der Stadt. Ebenso wie andere Städte erfuhr auch Assisi zu dieser Zeit einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der auf den Märkten, welche landwirtschaftliche Produkte des Umlandes, wie Getreide, Früchte, Wein und Olivenöl anboten, sichtbar wurde. Zudem etablierten sich zusehends das Handwerk und Berufsgruppen, wie Ärzte, Notare, Baumeister und Tuchhändler. An diesem wirtschaftlichen Aufschwung hatte auch der Klerus Anteil. Deswegen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass ähnlich wie in anderen Regionen auch in Assisi Spannungen - zwischen Klerus und Laien bestanden, die den Ruf nach Reformen provozierten.
15 ebd., S. 161. 16 ebd., S. 159.
17 Bredero, Adriaan H.: Christenheit und Christentum im Mittelalter: über das Verhältnis von Religion, Kirche
und Gesellschaft, Stuttgart: Steiner 1998, S. 32.
18 Denzler, Georg und Andresen, Carl: Wörterbuch Kirchengeschichte, Freiburg: Deutscher Taschenbuch Verlag
1997 (5. aktual. Aufl.), S. 308.
19 Manselli, Raoul: Franziskus: Der solidarische Bruder, Freiburg: Herder 1989 (Sonderausgabe), S. 74.
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Stephan Abele, 2005, Franz von Assisi im Spiegel moderner Jesusforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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