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Die Teufelsvor- und Darstellung im Anegenge
Inhalt
Einf ührung - Formales zum Werk und Dichter 3
Der Prolog 4
Die Schöpfungsgeschichte und der Fall der Engel 5
Der Sündenfall 9
Die Erlösung 15
Die Bibel und das Anegenge 18
Fazit S. 20
Literaturliste 22
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Einführung - Formales zum Werk und Dichter
Das Anegenge ist wahrscheinlich im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts im österreichischen Raum entstanden. Es wird in die Zeit zwischen 1160 und 1170 datiert. In der heutigen Zeit existiert nur eine einzige Überlieferung des Werkes, welche wohl am Anfang des 14. Jahrhunderts in einer Wiener Handschrift 1 verfasst wurde. Bei dem Werk handelt es sich vermutlich um eines der ersten Lehrgedichte 2 dieser Zeitperiode, welches so schwierige (im Wesentlichen existenzielle) Fragen der Theologie zum Thema hat, und diese in der deutschen Sprache (also auch für Laien zugänglich - paradoxerweise, da der Dichter im Verlauf des Prologs die Laien vor der Lektüre des Werkes warnt) formuliert. Ehrismann urteilt über die besondere Stellung dieses Werkes in der Literatur des 11. - 12. Jahrhunderts, „dass es in umfassender Weise und mit scholastischer Methode den Glaubensinhalt auseinandersetzen will, wodurch es mehr als irgend eine andere Dichtung dieser Zeit einen theologischen Charakter trägt“ 3 .
Das Hauptthema des Gedichtes ist die christliche Heilsgeschichte, beginnend mit der Schöpfung bis zu der Erlösung. Der Autor möchte von Gottes gute und diemute und von seiner Schöpfung gänzlich sagen (Prolog 1, 20). Der deutsche Dichter ist in seinen Ausführungen sehr abhängig von Hugo von St. Viktor, besonders von dessen Werk über die Sakramente, aber auch von Werner von St. Blasien und dem heiligen Augustin.
Ich werde in dieser Arbeit versuchen einige für das Thema der Arbeit wichtige Stellen des Gedichtes zu benennen und unter dem Aspekt der Teufelsvor- und -darstellung im Mittelalter zu untersuchen. Des
1 Ehrismann, Gustav: Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters. München 1922
2 „Lehrdichtung - lehrhafte oder didaktische Dichtung, vermittelt Wissen um subjektive oder objektive Wahrheiten (Lehren, Wissen, Erkenntnisse) in sprachkünstlerischer Form: Religion... erst das ausdrückliche Überwiegen der belehrenden Tendenz über die Kunst ergibt die Form eines Lehrgedichts.“von Wilpert, Gero: Sachwörterbuch der Literatur. 7. Auflage. 1989 Stuttgart
3 Ehrismann, Gustav
4
weiteren werde ich einen Vergleich mit den biblischen Texten anstreben, um die Grundlage der Teufelsdarstellung im Anegenge zu prüfen.
Der Prolog
Als erstes werden Gott und seine Schöpfung behandelt. Wie Gott die „vinster braechte ze liehte unt...von nichte wolde wurchen elliu dinc“ 4 , 5 Darauf folgt eine Beschreibung des besten Gedanken Gottes, welcher die Menschen betrifft, nämlich den Entschluss Gottes zur Rettung der Menschen:
„do gedacht er der burde die er um uns wolde tragen“ 6
Der Dichter spricht im Prolog eine Warnung aus, welche sich an die ungebildeten und in theologischen Fragen nicht bewanderten Menschen richtet, sich vor der Sünde zu hüten und von dem Buch lieber zu lassen, da es nicht für Laien bestimmt wäre. Die nämlich, falls sie es dennoch lesen sollten, laufen sehr leicht Gefahr, sich in dem tieferen Sinn der kunstvollen Sprache des Dichters zu verlieren, da sie nicht im Stande wären, seinen Gedankengang nachzuvollziehen. Wenn dieser Fall aber eintreten sollte, so sind sie vom falschen Wege nicht fern, denn Missverstehen führt zur Verwirrung und schließlich zum Verlust der eigenen unsterblichen Seele. Der Dichter selbst fühlt sich dem gemeinen Volke 7 in diesem Punkt sehr weit überlegen, da er als „litteratus“ und Theologe auch die kompliziertesten Gedankengänge ohne jegliche Gefahr für seine Seele verarbeiten und
4 Dies und alle folgenden Zitate aus dem Anegenge wurden entnommen aus: Das Anegenge: Textkritische Studien, Diplomatischer Abdruck. Kritische Ausgabe. Anmerkungen zum Text. Hg. von Dietrich Neuschäfer. München 1966 (in Medium Aevum Philologische Studien Band 8)
5 1, 23 ff
6 1, 32 f
7 Natürlich dem Teil der Gesellschaft welche die Fertigkeit des Lesens erworben hat, und vor allem auch den Laien die nur Vorgelesenes rezipieren konnten.
5
wiedergeben kann. Diese überhebliche und abwertende Art des Dichters zieht sich durch das ganze Gedicht. Das Tragikomische hierbei ist die Blindheit des Verfassers, der im Verlauf des Textes beschreibt, warum der Teufel aus dem Himmelreich verstoßen worden ist, nämlich wegen seines Hochmuts, und der selbst nicht bemerkt, dass er die gleiche Sünde der Superbia begeht.
Die Schöpfungsgeschichte und der Fall der Engel
Nach dem Prolog kommt der Dichter mit folgenden Worten zum Thema:
„Ir sult wizzen, von wannen dem tievel chom die hohvart, dur die er verstozzen wart“ 8
Bevor aber auf das Thema der Teufelstaten näher eingegangen wird, fasst der Dichter noch einmal das bisher über Gott Gesagte in einigen Versen zusammen (2, 60 - 2, 65). Dann folgt eine Schilderung der Erschaffung der Engel. Diese werden als freie Wesen erschaffen, was im Verlauf der Heilsgeschichte eine wesentliche Rolle spielt. Gott ist sich darüber im Klaren, dass ein Teil dieser Wesen die ihnen geschenkte Freiheit missbrauchen wird, und dennoch stattet er sie mit diesem Attribut aus. Dieses Vorgehen hat einen guten Grund: Durch ihre Freiheit haben die Engel (die dazu erschaffen worden sind, den Schöpfer zu loben) ein um so größeres „recht“ auf das Reich Gottes. Dieser nimmt alle Mühen auf sich, geht sogar das Risiko des eigenen Todes ein, nur um die Liebe und Verehrung der Engel nicht zu erzwingen. Hätte Gott diese Gefühle erzwungen, so wäre er zwar seines Reiches sicher, er wäre umlobt und vergöttert gewesen, jedoch wären die Engel Sklaven, unfreiwillige Lobsänger, was gegen Gottes Grundsätze im höchstem Maße verstoßen würde.
8 2, 57 ff
6
Der Rezipient erwartet nach dieser ausgiebigen Einleitung einen Bericht vom Sturz des Luzifer. Der Verfasser zögert diese Beschreibung allerdings noch heraus, indem er sich erneut der Erschaffung der Welt widmet. Die gute Gottes rät ihm, alle Dinge, die auf der Welt sind, und die Engel zu erschaffen. Es folgt eine zusammengefasste Wiederholung des Sechstagewerks, der Erschaffung der Engel, eine Vorausblende auf den Fall der Teufel etc.:
„ouch schuof der heilige christ allez daz hiute ist, in vunf tage, chundet daz buoch an dem sehsten er den man geschouf und ouch sumelîchiu tier. (der tievel geviel dô vil schier von dem himelrîche)“ 9
Der Dichter spricht hier schon von Gottes unendlicher gute, vom Heiligen Geist und von seiner wisheit, sowie von Christus, obwohl von diesen trinitarischen Fragen noch gar nicht die Rede war. Dies führt unweigerlich zu einer leichten Verwirrung des Lesers des Gedichts. Auch dem Autor scheint bei dieser Reihenfolge nicht ganz wohl zu sein:
„des ist dehein nôt, daz wir daz allez gesagen, wan wir der zît niht enhaben, daz wir sô verre chomen dar inne; niewan, daz wir mit disem beginne iuch ermanen ein teil, wie sich huop unser heil und wie zagelîche sich von gotes rîche der tievel selbe verstiez
9 3, 35 ff
Arbeit zitieren:
Bartosz Nowak, 2001, Die Teufelsvor- und Darstellung im "Anegenge", München, GRIN Verlag GmbH
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