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Inhaltsverzeichnis
Einf ührung - Hauptthemen der Parodie im Mittelalter 3
1. Minne 3
2. Bibel und Liturgie 5
3. Astrologische und prophetische Schriften 6
4. Urkundenparodie 7
Die Urkundenparodie am Beispiel eines Morgenbriefes 8
1. Die Textsorte „Urkunde“ im Mittelalter 8
2. Die Urkundenparodie eines Morgengabebriefes 10
Bau und Formelhaftigkeit
11
Kontext
15
Form und Sprache
16
Publikum und Geschichte
18
Fazit
19
Literatur 21
Quellentexte 22
3
Parodie - In der Literatur die verspottende,
verzerrende oder übertreibende Nachahmung eines schon vorhandenen ernstgemeinten Werkes (auch eines Stils, einer Gattung) oder einzelner Teile daraus unter Beibehaltung der äußeren Form (Stil und Struktur), doch mit anderem, nicht dazu passendem Inhalt. 1
Die Parodie bedeutet ursprünglich, dem griechischen παρψδια entsprechend, einen „Nebengesang“ oder „Gegengesang“. 2
Einführung - Hauptthemen der Parodie im Mittelalter
• Minne
Aus der Literatur des Mittelalters sind nur wenige Überlieferungen parodistischer Texte in deutscher Sprache erhalten. Das Parodieren ist nämlich die Sache gebildeter Stände, und die Sprache der Gebildeten im Mittelalter war das Latein. Das heißt, dass das Parodieren zunächst in der Hand von niederen Klerikern und Vaganten lag. Die letzten propagierten diese Gattung meist auf der Landstrasse oder im Wirtshause, d.h. überwiegend nicht in dem Medium der Schriftlichkeit. Dies führte zu dem heutigem Mangel von schriftlichen Aufzeichnungen dieser Dichtung. Die Texte jedoch, die uns heute vorliegen geben uns ein Bild davon, welcher Witz und Geist in dem mittelalterlichem Menschen steckte. Die Parodien haben zu der Zeit meist zwei Ziele: zum einen die Bibel und Liturgie, zum anderen die Minnedichtung ins Lächerliche zu ziehen. Dabei scheuen sie weder Anstößigkeit noch Skrupel vor dem Heiligen.
1 von Wilpert, Gero: Sachwörterbuch der Literatur; 7 Auflage - Stuttgart: Kröner, 1989
2 Rotermund, Erwin: Lyrische Parodien, Wiesbaden 1964
4
Der Tannhäuser und Steinmar gehörten zu den bekanntesten Parodisten dieser Zeit welche die Minnedichtung verspottet haben. Bei diesen Parodien wurden meist die Rollen der Frau und des Mannes vertauscht und ihre Attribute gegen sie eingesetzt. Das höfische Leben wurde in den dörpelichen Bereich transponiert, so dass die Bauernhochzeiten z.B. mit den Mitteln und der Sprache der hohen Minne umschrieben worden sind, das Thema jedoch Schlägereien und erotische Exzesse waren. Der Frauendienst fand nicht mehr bei Hofe zwischen dem Ritter und seiner geliebten frouwe, sondern vielmehr zwischen dem Hirten und der Rübensammlerin statt:
„Sumerzît, ich fröwe mich dîn, daz ich mac beschouwen eine süeze selderîn, mînes herzen frouwen. Eine dirne, die nâch krûte Gât, die hân ich zeinem trûte mir erkorn: ich bin ir ze dienst erborn.“ 3
Auch der Frauendienst selbst wurde parodiert, indem die Minnethematik von der Forderung der Frau ins Maßlose überzogen wurde. Durch diese Technik schlugt der Ernst des Minneliedes in ein lustiges Lügenlied um:
„Ein boum stet in Indian, groz, den will si von mir han. minen willen tuot si gar, seht, ob ich irz allez her gewinne. Ich muoz bringen ir den gral, des da pflac her Parzival, und den apfel, den Paris
3 Rotermund, Erwin
5
gap durch minne Venus der gütinne,“ 4
Die Epen wurden ebenfalls nicht verschont, so z.B. Wittenweilers „Ring“. Die Eposparodie beginnt mit einem Turnier, wo auch der Protagonist Bertschi Triefnas (mit zwei Mistgabeln im Wappen) vorgestellt wird. Beendet wird das Stück in einer blutigen Schlacht am Hochzeitstage. An dieser nehmen viele Helden der Sagen und Epen des Mittelalters teil. An dieser Parodie wurde die Eposstruktur belassen, die Geschehenise wurden aber ins Absurde hin übertrieben (mehr noch als beim Epos sowieso üblich ist!).
• Bibel und Liturgie
Der Bereich der Bibel- und Liturgieparodien ist überwiegend anonym. Meist wurden bekannte Lieder und Psalme (wie das Ave Maria oder pater noster) parodiert, indem die Form und Melodie gewahrt wurde, der Text jedoch ein bekannter Gassenhauer oder eine profane Dichtung war.
„Wol uff ir gesellen in die tabern „Aurea luce rutilat“ Ach lieben gesellen ich drunck so gern „Sicut cervus desiderat“
Ich weisz kein bessern uff myn won „A solis ortu cardine“ Uns ist ein fol fasz uffgeton „Jam lucis ortu sydere““ 5
Hier werden zwei Lieder geschickt verknüpft, und somit ihr Kontrast zueinander unterstrichen: Die Kneipenschlägerei wird in die Form eines Psalms gepresst.
4 Rotermund, Erwin
5 Schweikle, Günther: Parodie und Polemik in mittelhochdeutscher Dichtung, Stuttgart, 1986
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Dem werden die Kontrafakturen entgegengesetzt, welche ein weltliches Lied in ein geistliches umdichten. Die Kontrafakturen haben sogar Parodien als Vorlage, wie im Fall der Steinmarschen „Summerzît, ich fröwe mich dîn...“, wo es dann heißt „Himmelrîche, ich fröwe mich dîn...“, und aus der Rübensammlerin die Mutter Gottes wird.
• Astrologische und prophetische Schriften
Eine beliebte Art der Parodie im Mittelalter waren auch die Parodien astrologischen Ursprungs. So zum Beispiel die Lasstafelnparodien. Die Lasstafeln gehörten mit zu den frühesten Erzeugnissen des Buchdrucks. Sie gaben, ausgehend von dem Lauf des Mondes, die günstigen Zeiten für den Aderlass im Jahr an. Da sie sehr bekannt waren, eigneten sie sich besonders gut für die Parodisten. Eine Lasstafel wurde nach bestimmten festen Mustern verfasst, so dass zuerst die wichtigsten Daten eines Jahres genannt worden sind, der Sonnenbuchstabe, etc. Erst zum Ende der Tafel folgten die wichtigen Daten, die für medizinische Zwecke günstig waren. Anschließend folgten noch die genauen Zeiten der Voll- und Neumonde.
Zu den parodistischen Techniken gehörte die Störung der Kompatibilitätsbeziehung, so dass die Form belassen wurde und bestimmte Erwartung weckte, der Text jedoch ein völlig anderer war:
„Nach dem vnd man zalt dausent eyer vnnd cccc pratwürst vnd lxxx pfaffen seidlein des aller pesten knie mostes“ 6
liest man, anstatt von:
„Ls man czelt nach Cristi gepurt .M.CCCC. vnd in
6 Pfister, Silvia: Parodien astrologisch-prophetischen Schrifttums, Pfister. - Baden - Baden: Körner, 1990
Arbeit zitieren:
Bartosz Nowak, 2000, Urkundenparodie im Mittelalter an Beispiel Vigil Rabers Consistory Rumpoldi II , München, GRIN Verlag GmbH
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