Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 2
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen. 6
I. Einleitung. 8
II. Theoretische Erläuterungen zu Nichtregierungsorganisationen,
Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit. 11
1. Nichtregierungsorganisationen (NRO) - Definition,
gesellschaftliche Zusammenhänge und Strukturen. 11
1.1 Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation. 11
1.2 Gesellschaftliche Gründe für Nichtregierungsorganisationen. 15
1.3 Tendenzen in der Entwicklung von Nichtregierungsorganisationen. 17
1.4 Die Beziehung zwischen NRO und Staat in der BRD. 19
1.5 Ehrenamtlichkeit in Nichtregierungsorganisationen. 22
2. Der Begriff der Öffentlichkeit. 22
2.1 Die Konsistenz einer Öffentlichkeit. 23
2.2 Kommunikationssysteme und Zielfunktionen der öffentlichen
Kommunikation. 24
2.2.1 Die Be deutung der einzelnen Öffentlichkeitselemente. 26
2.2.1.1 Die Rolle der Massenmedien. 26
2.2.1.2 Die Rolle des Publikums. 27
2.2.1.3 Die Rolle der Sprecher. 28
2.3 Kommunikationsmodelle. 28
2
3. Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations. 29
3.1 Funktionsweise öffentlicher Zusammenhänge / Die Entstehung von
Public Relations. 29
3.2 Definition und Konzept der Öffentlichkeitsarbeit. 30
3.3 PR-Modelle. 32
3.4 Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit. 33
3.5 Ziele und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit. 34
3.6 Die Bedeutung der Massenmedien. 37
3.7 Medienarbeit. 39
3.7.1 Kontakterstellung mit Medienvertretern. 39
3.7.2 Formen und Möglichkeiten der Medienbeiträge. 41
3.8 Das Internet in der Öffentlichkeitsarbeit. 42
3.9 Öffentlichkeitsarbeit im Direktkontakt mit dem Publikum. 43
III. Öffentlichkeitsarbeit und Nichtregierungsorganisationen. 45
1. Überblick über die sechs untersuchten
Nichtregierungsorganisationen. 46
1.1 Organisationsinhalte / Organisationsaufgaben / Organisationsziele. 48
1.1.1 amnesty international. 48
1.1.2 Gesellschaft für bedrohte Völker. 49
1.1.3 Deutsches Rotes Kreuz. 49
1.1.4 Indianerhilfe Paraguay. 49
1.1.5 Greenpeace. 50
1.1.6 terre des hommes. 50
1.2 Unterscheidung der Organisationstypen. 50
2. Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit in den untersuchten
Nichtregierungsorganisationen. 52
3
3. Ziele der Öffentlichkeitsarbeit von
Nichtregierungsorganisationen. 53
4. Probleme der Öffentlichkeitsarbeit in
Nichtregierungsorganisationen. 55
5. Der Stellenwert von Öffentlichkeitsarbeit bei
Nichtregierungsorganisationen. 59
5.1 Einnahmen /Ausgaben für ÖA. 62
6. Strategien und Arbeitsweisen in der Öffentlichkeitsarbeit der
Nichtregierungsorganisationen. 64
6.1 Die Beziehung zwischen NRO und Medien. 67
6.2 Analyse der Medienarbeit der sechs untersuchten Organisationen. 68
6.2.1 Pressemitteilungen. 68
6.2.2 Medienpräsenz in Funk und Fernsehen. 72
6.2.3 Medienpräsenz in den Printmedien. 78
6.2.4 Nichtregierungsorganisationen im Internet. 81
6.3 Zusammenfassung der Medienarbeit. 82
7. Betrachtung der Eigenpublikationen der
Nichtregierungsorganisationen. 83
7.1 Beispiel einer Mitgliederzeitung: Das ai-Journal. 86
7.1.1 Beurteilung des ai-Journals. 88
7.2 Zusammenfassung der Eigenpublikationen. 90
8. Nichtregierungsorganisationen im Direktkontakt. 91
8.1 Untersuchung der aktionsorientierten Öffentlichkeitsarbeit des
Direktkontakts. 91
8.2 Zusammenfassung des Direktkontakts. 94
4
9. Dachverbände und Öffentlichkeitsarbeit. 95
10. Öffentlichkeitsbezogene Zusammenarbeit von
Nichtregierungsorganisationen. 98
11. Ergebnisse der Öffentlichkeitsarbeit in den
untersuchten Nichtregierungsorganisationen. 99
IV. Abschlußbetrachtung. 103
Literaturverzeichnis. 109
Anhang / Liste der Kontaktpersonen und Gesprächspartner. 114
5
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen
Verteilung des BMZ- Etats
Online-Öffentlichkeitsarbeit
Überblick über die untersuchten Organisationen
Stellenwert der Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Organisationen
Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit
Übersicht über die Periodika der untersuchten Organisationen
Übersicht über die genutzten Formen und Aktivitäten im Direktkontakt
Dachverbands- und Netzwerkzugehörigkeiten der untersuchten Organisationen
Aufgabenbereiche der Öffentlichkeitsarbeit
Medialer Nachrichtenkonsum (in % der Gesamtbevölkerung)
Täglicher Nachrichtenkonsum (in % der Gesamtbevölkerung)
Wertschätzung und tatsächliche Unterstützung der Organisationen
Anzahl der Pressemitteilungen der Organisationszentralen im Jahr 2000
Inhaltliche Ausrichtung der Pressemitteilungen des Jahres 2000 im
prozentualen Anteil der gesamten Mitteilungen
Fernsehbeiträge in ARD und ZDF zu den untersuchten Organisationen
Anzahl der Beiträge zu Nichtregierungsorganisationen in Printmedien, 2000
Verhältnis der WAZ-Beiträge zu Nichtregierungsorganisationen im Jahr 2000:
Eigenpublikationen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit von
Nichtregierungsorganisationen
6
I. Einleitung
In der folgenden Arbeit sollen die Bedeutung und die Möglichkeiten von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen untersucht werden. Die Untersuchung wird dabei in drei grundsätzlichen Schritten vorgenommen: a) ein theoretischer Teil über Nichtregierungsorganisationen, ihre Definition und Bedeutung in der heutigen Gesellschaft, sowie über den Begriff der Öffentlichkeit und der Öffentlichkeitsarbeit, b) ein analytischer Teil, der sich mit dem Umgang mit der Öffentlichkeit, also der Öffentlichkeitsarbeit auf Seiten der
Nichtregierungsorganisationen beschäftigt, c) einer Analyse dessen, ob theoretische und von Seiten der Organisationen selbst gestellte Ansprüche mit der tatsächlichen Arbeit übereinstimmen, wo Probleme und Grauzonen liege n und wie und ob diese gegebenenfalls gelöst werden können.
Der zweite Teil wird dabei sowohl empirisch, als auch inhaltlich untersucht werden. Zu diesem Zweck habe ich sechs Organisationen aus zum Teil unterschiedlichen Arbeitsgebieten und von unterschiedlichen Größen ausgewählt, die über dementsprechend unterschiedliche Mittel und Kapazitäten verfügen: amnesty international, das Deutsche Rote Kreuz, die Gesellschaft für bedrohte Völker, Greenpeace, die Indianerhilfe Paraguay und terre des hommes. Als Untersuchungsmaterialien dienten hierbei zum einen jegliche Art von Eigenpublikationen (Magazine, Selbstdarstellungen, Broschüren, Satzungen, etc.) sowie Untersuchungen von Medienbeiträgen zu bestimmten Themen / Organisationen. Außerdem war das Internet ein wichtiger Faktor bei der Beschaffung und Sichtung weiterer Informationen.
Zusätzlich zu den bereits genannten Quellen habe ich versucht, mittels Interviews mit und Fragebögen an die entsprechenden Verantwortlichen der deutschen Organisationszentralen, weitere Arbeitsweisen und Problemfelder der Organisationen zu erforschen, wobei ich bereits zu Beginn auf erste Probleme traf. Nahezu alle Organisationen wiesen auf mangelnde Kapazitäten hin, was sich darin auswirkte, daß sie bestenfalls bereit waren, telefonische Interviews durchzuführen. Greenpeace erklärte umgehend, daß sie weder in der Lage seien, Interviews zu geben, noch einen individuellen Fragebogen auszufüllen. Sie boten ihre Hilfe aber insofern an, als daß sie sehr ausführliche Informationsmaterialien z ur Verfügung stellten und zumindest
8
Einzelfragen beantworteten. Andere Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz benötigten insgesamt fünf Monate und ein regelmäßiges Nachhaken, ehe sie meinen Fragebogen beantworteten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hingegen erklärte sich zu einem ausführlichen Telefoninterview bereit, das sehr aufschlußreiche Ergebnisse bot.
Diese doch stark unterschiedliche Kooperationsbereitschaft führte letztendlich dazu, daß einige der Fragen nach wie vor offen geblieben sind, ich werde an den entsprechenden Stellen darauf hinweisen. Einige Punkte, wie etwa die Evaluation medialer Beiträge, konnten nur exemplarisch untersucht werden. Eine vollständige Auswertung aller Medien ist nahezu unmöglich und würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Die Anzahl an lokalen, regionalen und überregionalen Printmedien, TV- und Radiosendern ist zu breit gefächert und sehr unüberschaubar. Der Versuch herauszufinden, wer zu welchem Zeitpunkt über welche Organisation berichtete, kann daher nur auf einzelne Medien angewendet werden. Auch die Organisationen selbst und die entsprechenden Medienvertreter sahen sich dazu größtenteils nicht in der Lage. Selbst wissenschaftliche Statistiken stehen diesbezüglich nicht zur Verfügung oder beschränken sich ebenfalls auf eine Auswahl an Periodika oder Sendern.
Im Hinblick auf das Veranstaltungs- und Aktionswesen stellte sich das Problem (und hiermit spreche ich in Grundzügen bereits eines der generellen Probleme in der Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen an), daß die
Organisationszentralen zwar Auskunft über die von ihnen geplanten und durchgeführten Aktivitäten darstellen konnten, sie aber gleichzeitig in einem sehr großen Umfang auf die Arbeit ehrenamtlicher Mitglieder in Orts- und Regionalgruppen aufbauen, deren Aktivitäten sie jedoch nicht immer kontrollieren oder dokumentieren. Das gesamte Spektrum ist daher umfangreicher, als die Beispiele, die von den Organisationen aufgezeigt werden und auch hier läßt sich etwa die Anzahl der Veranstaltungen nicht genau nachvollziehen. In der aktuellen Literatur ist der Bereich des Direktkontakts und Veranstaltungswesens (von Nichtregierungsorganisationen) nahezu komplett ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt meiner Untersuchungen lagen keine wissenschaftlichen oder theoretischen Abhandlungen zu diesem Gebiet vor, aus diesem Grunde fußt dieser Teil nahezu ausschließlich auf meinen eigenen Betrachtungen und Untersuchungen der Organisationen.
9
Letztendlich werden verschiedene Strategien und Motivationen der Öffentlichkeitsarbeit aufgezeigt werden, mit deren Hilfe die Organisationen ihre unterschiedlichen Ziele verfolgen. Dabei wird sowohl die Frage der Effektivität dieser Vorgehensweise, als auch die Frage der eigentlichen Intentionen angesprochen werden, so daß im letzten Schritt die tatsächliche Bedeutung, die Möglichkeiten, aber auch die Art und Weise des Einsatzes von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen geklärt werden.
10
II. Theoretische Erläuterungen zu Nichtregierungsorganisationen, Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit
1. Nichtregierungsorganisationen (NRO) - Definition, gesellschaftliche Zusammenhänge und Strukturen
1.1 Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation
Eine genaue Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation (NRO) fällt aufgrund einer Vielzahl unterschiedlicher und teils konträrer Darstellungen recht schwer. Gleichzeitig besitzt dieser Begriff viele Äquivalente. Am häufigsten wird wahrscheinlich die internationale Bezeichnung der Non Governmental Organisation (NGO) benutzt. Nichtstaatliche Organisation (NSO) und Private and Voluntary Organisation (PVO) 1 sind mehr oder weniger häufig verwendete und verwandte Begriffe. Aber auch die Non Profit Organisation (NPO) wird häufig (wenn auch nicht immer richtig) mit NRO gleichgesetzt.
Bei Definitionsversuchen kommt es häufig zur irreführenden Beschränkungen auf einzelne Organisationssparten. So heißt es beispielsweise in einem Aufsatz der Paritätischen Organisation:
„ [NRO] sind Vereine, Stiftungen oder andere g emeinnützige
Zusammenschlüsse, die sich für die Belange von Menschen in Afrika, Asien oder
Lateinamerika einsetzen. Ein besonderes Merkmal ihrer Arbeit ist die Nähe zu
Entwicklungsländern
Nichtregierungsorganisationen dort. Das unterscheidet sie von der staatlichen
Entwicklungszusammenarbeit, die auf Vereinbarungen zwischen Regierungen
beruht.“ 2
Hier ist mit der Entwicklungshilfe ein sehr eng begrenzter Bereich der Nichtregierungsorganisationen aufgegriffen, der alleine auf keinen Fall das gesamte Spektrum von NRO wiedergibt.
1 Bertrand Schneider: Die Revolution der Barfüßigen (Ein Bericht an den Club of Rome),
Wien 1986, S. 103
2 im Internet: http://www.paritaet.org/bengo/1100.htm: „Bengo und die NRO“, 07.02.2001
11
In anderen Publikationen werden Nichtregierungsorganisationen als ein Nachfolgemodell der „neuen sozialen Bewegung“ gesehen. 3 Hiergegen spricht in erster Linie die Tatsache, daß die beiden Formen in unterschiedlichen Organisationsstrukturen / -formen auftreten. Auch die geschichtliche Entwicklung widerlegt die oben genannte Hypothese, da viele Jahre ein Nebeneinander beider Formen stattgefunden hat. Charakteristika der „neuen Sozialen Bewegung“ sind laut Klaus von Beyme „ der Protest als Handlungsmotiv, die größere Heterogenität der Zusammensetzung und die Pluralität der Überzeugungen ihrer Anhänger/innen“. 4 Organisationsformen sind nur in geringem Maße oder gar nicht fest geregelt. Nichtregierungsorganisationen hingegen weisen feste Strukturen und Organisationsformen auf (in Deutschland sind sie meist als eingetragener Verein vertreten). Sie können entweder der Neuen Sozialen Bewegung ähnlich einen Protestcharakter besitzen oder eine bürgerinitiierte Ergänzung staatlicher Aufgabengebiete vertreten 5 .
Inhaltlich wie organisatorisch gesehen läßt sich die Masse der NRO kaum auf einen Nenner bringen. Auch der Begriff an sich gibt nur wenig Aufschluß zur Begr iffsklärung. Der Name Nichtregierungsorganisation sagt lediglich, daß es sich zum einen um eine Organisation handelt, die keine Regierungsorganisation ist. Dementsprechend könnten alle Organisationen, Institutionen und Einrichtungen darunter fallen, die nicht dem Regierungsapparat angehören. Es handelt sich hierbei um eine Kritik die auch Joachim Hirsch in seiner Abhandlung „Das demokratisierende Potential von ‘Nichtregierungsorganisationen‘“ aufgreift, die er im Folgenden als ein „Catch-All-Word“ bezeichne t:
„Das „Nicht“ bezeichnet jedenfalls viel eher eine widersprüchliche Bestimmung denn
eine klare Positionierung innerhalb des gesellschaftlich-politischen Gefüges.“ 6
Jörg Bergstedt äußert sich zur Definition der NRO in seinem Kurzessay „NGO“ folgendermaßen:
„... einen verbindenden Begriff für alle Organisationen, die nicht an der
Regierung selbst beteiligt sind, aber dort bestimmte Interessen vertreten ... Dazu
3 Joachim Hirsch: Das demokratisierende Potential von Nichtregierungsorganisationen, Wien 1999, S. 1
4 Klaus von Beyme: Neue soziale Bewegungen und politische Parteien, in: Aus Politik und
Zeitgeschichte. Beilage zu der Wochenzeitung DAS PARLAMENT 44/1986, S.35
5 Vgl. Karl-Ernst Pfeifer: Nichtregierungsorganisationen - Protagonisten einer Entwicklungspolitik?,
Hamburg / Münster 1992, S. 43
6 Hirsch 1999, S. 2
12
gehören die Umweltverbände, die Gewerkschaften, Kirchen, alle Firmen und
deren Zusammenschlüsse sowie viele mehr“ 7
Wichtig ist für Bergstedt auch die „Denklogik“:
„... durch sie wird sichtbar, daß nicht die jeweilige Organisationsform, sondern
eine bestimmte Handlungsstrategie das „NGO“-Dasein definiert.“ 8
Für ihn zählt also weniger Form oder Aufbau der Struktur einer NRO / NGO, sondern ihre Strategien und Ziele. Eine hierarchisch aufgebaute Organisation kann demnach genauso gut eine NRO sein wie eine basisdemokratisch organisierte Einrichtung, eine Organisation mit 5 Mio. Mitgliedern genauso gut wie eine mit 500.000.
Erstmals benutzt wurde der Begriff der Non Governmental Organisation (NGO) anscheinend 1946 von den Vereinten Nationen im Rahmen der ersten Generalversammlung, während der diese die Bedeutung der Arbeit von NRO für die UN betonte. Weiter ausgeführt und definiert wurde dies 1968 vom Economic Council (ECOSOC) in der Resolution 1297, in der eine offizielle Zusammenarbeit unter den folgenden Kriterien beschlossen wurde:
- „Share the ideals of the UN Charter;
- Operate solely on a not-for-profit basis;
- Have a demonstrated interest in the United Nations issues and proven ability, to reach
large or specialised audiences, such as educators, media representatives, policy makers
and the business community;
- Have the commitment and means to conduct effective information programmes about
UN activities by publishing newsletters, bulletins, and pamphlets; organizing
conferences, seminars and round tables; and enlisting the co-operation of the media.“ 9
Überdies hält sich die UNO an die folgende Definition:
„ A non-governmental organization (NGO) is a non-profit, voluntary citizens‘ group,
which is organized on a local, national or international level. Task orientated and
driven by people with a common interest; NGOs perform a variety of services and
humanitaria functions, brig citizens‘ concerns to Governments, monitor policies and
encourage political participation at the community level. They provide analysis and
expertise, serve as early warning mechanisms and help monitor and implement
international agreements. Some are organized around specific issues, such as human
rights, the environment or health. Their relationship with offices and agencies of the
United Nations System differs depending on their goals, their venue and their
mandate.“ 10
7 Jörg Bergstedt: „NGO“, im Internet: http://www.thur.de/philo/uvungo.html , 21.01.2001
8 Ebd.
9 Im Intnernet: http://www.un.org/partners/civil-society/ngo/ngos-dpi.htm, 11.01.2001
10 Ebd.
13
In Artikel 71 der UNO-Charta wird Nichtregierungsorganisationen, die die hier festgelegten Kriterien erfüllen, ein sogenannter „Konsultativstatus“ zuerkannt - dies allerdings ausschließlich für den Wirtschaft- und Sozialrat (ECOSOC) der UNO. Dieser „Konsultativstatus“ ist in drei Kategorien unterteilt 11 :
- I. general consultive status: für Organisationen, die sich mit der Mehrzahl
- II. special consultive status: für Organisationen, die spezifische Beiträge in
einigen Gebieten des ECOSOC leisten können
- III. Listen- / Rosterstatus: für alle übrigen
Die Rechte, die den Organisationen dabei zuerkannt werden, variieren vom Rederecht über das Recht auf Verbreitung von Stellungnahmen als offizielles UN-Dokument bis hin zum Vorschlagsrecht für Tagesordnungspunkte. 12
Überdies führt Karl-Ernst Pfeifer die Punkte Ressourcentransfer (Finanzierung durch Spendengelder und andere nichtstaatliche Mittel) sowie die gesellschaftliche Verankerung („ein Zusammenschluß von Personen, deren Handlungsmotivation nicht durch eigene, sondern stellvertretend durch die Interessen Dritter sowie gemeinsam geteilte Weltorientierung bestimmt wird.“) an. 13
Zusammenfassend lassen sich also jene Definitionskriterien festhalten, die Nichtregierungsorganisationen zumindest einen gemeinsamen Rahmen geben. Dazu gehören:
- Gemeinnützigkeit / Non-Profit-Charakter
- Staatliche Unabhängigkeit
- Strukturierte Organisationsform (irgendeiner Art)
- Kapazitäten an Fachkenntnissen / -leuten
- Ressourcentransfer
- Gesellschaftliche Verankerung
- Zivilgesellschaftlich initiiert
Während mit diesen Kriterien zumindest ein äußerer Rahmen gegeben ist, fällt der Widerspruch der zugehörigen Interessengebiete größer aus. Pfeifer nimmt hierzu eine
11 Vgl. im Internet: http://www.bundesregierung.de: Außenpolitik: VN und Globale Zusammenarbeit:
Nichtregierungsorganisationen: Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen,
12.02.2001
12 Vgl. ebd.
13 Vgl. Pfeifer 1992 , S. 3 ff.
14
grobe Unterteilung in vier Typen von Nichtregierungsorganisationen vor, bei denen es allerdings zu thematischen Überschneidungen kommen kann: 14
1. Kirchliche Organisationen
2. Nichtkommerzielle, private Organisationen überörtlicher Bedeutung (z.B.: DRK,
terre des hommes)
3. Politische Stiftungen
4. Entwicklungspolitische Aktionsgruppen
Ein Widerspruch wird an dieser Einteilung deutlich, wenn diese etwa mit der Definition des BMZ verglichen wird, die politische Stiftungen, ihrer Parteiennähe wegen, aus dem Bereich der Nichtregierungsorganisationen ausschließt. 15
Joachim Hirsch bezieht zudem Interessengruppen privatwirtschaftlicher Unternehmen (z.B. Gewerkschaften) mit ein. 16 Im Gegensatz zu Pfeifer nimmt Hirsch eine Unterteilung nach primären Arbeitsaufgaben der NRO vor 17 :
• NRO mit Hauptaufgabe in Problemdefinition
• NRO mit Hauptaufgabe in agenda setting 18
• NRO mit Hauptaufgabe in Lobbyarbeit
• NRO mit Hauptaufgabe in praktischer Projektarbeit
Zusammenfassend erscheint es logisch, die Nichtregierungsorganisation als eine zivilgesellschaftliche Interessengruppe zu bezeichnen, die unter den oben genannten Rahmenbedingungen agiert.
1.2 Gesellschaftliche Gründe für Nichtregierungsorganisationen
Über die Ursachen, die gerade in den 1970er / 1980er Jahren zu einer starken Zunahme von Nichtregierungsorganisationen geführt haben, sind sich die meisten Autoren einigsie sehen den Grund in einem relativen „ Staatsversagen“ 19 oder zumindest in einer Überforderung des Staates, sich mit dem breiten Spektrum an sozialem Handeln
14 Ebd., S. 9 ff.
15 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: journalistenhandbuch, Bonn 2000,
S. 236
16 Vgl. Hirsch 1999, S. 3
17 Vgl. ebd., S. 4
18 Die Bestimmung und Auswahl von Themen / Interessengebieten zwecks einer (medialen) Verbreitung
und Thematisierung innerhalb der Bevölkerung - vgl. Scott P. Robinson: Media-Agenda-Setting, im
Internet: http://www.niu.edu/newsplace/agenda.html, 10.5.2001
19 Hirsch 1999, S. 4
15
angemessen auseinanderzusetzen. So urteilt Bertrand Schneider über die Arbeit der Regierungen:
„Ihre schwerfälligen, oft bürokratischen Strukturen können sich nicht den
unzähligen Facetten einer so komplexen Realität anpassen, nicht bis zu den
Dörfern der Allerärmsten, zu den entlegensten Gebieten, vordringen.“ 20
Der Vorteil einer NRO wird also in ihrer Flexibilität und Mobilität gesehen. Die schnelle Aktion vor Ort bietet hier die wahre Hilfe. Die oben bereits angesprochenen „sozialen Bewegungen“ haben sich zum Teil fester organisiert und professionalisiert und sind somit bedingt auch in die Form der Nichtregierungsorganisation übergetreten. Sie befassen sich mit Interessen, die von staatlicher Seite gar nicht, oder nur gering abgedeckt werden. Auch der Protestcharakter kann hier weiter aufrecht erhalten oder oppositionelle Positionen zu staatlichem Handeln eingenommen werden. Deutschland ist ein gutes Beispiel für ein Land, in dem nationale Schwerpunkte neu gesetzt und festgelegt worden sind. Hier sei die neue Situation nach dem Niedergang des Ostblocks genannt. So heißt es in einem Papier des Ausschusses für Entwicklungshilfe:
„Mehrere Jahre nach der Wiedervereinigung hat Deutschland immer noch mit den
politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieses Ereignisses zu kämpfen. ... Vor
diesem Hintergrund der Sorgen „zuhause“, steht die internationale Entwicklung zur
Zeit nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion in Deutschland.“ 21
Nachfolgend wird erklärt, daß aufgrund innerdeutscher Schwerpunkte andere soziale und solidarische Tätigkeiten den internen Probleme n untergeordnet werden.
Joachim Hirsch führt als weiteren Punkt eine Globalisierung an, die von einer generellen Internationalisierung von Waren und Dienstleistungen sowie den Finanz-und Kapitalmärkten begleitet ist und auch den Kommunikations- und Informationsfluß auf dieser neuen Ebene ansiedelt. 22 Das Ergebnis ist ein geringerer Handlungsspielraum des einzelnen Staates und das Auftreten grenzüberschreitender Probleme, die nicht allein auf nationaler Ebene gelöst werden können.
20 Schneider 1986, S. 102
21 OECD: Politik und Leistungen der Mitglieder des Ausschusses für Entwicklungshilfe -
Deutschland, Paris 1995, S. 7
22 Vgl. Hirsch 1999, S. 5
16
Weiterhin betont Hirsch d ie „ Verwissenschaftlichung der Politik “ 23 , die in der Konfrontation mit der Bevölkerung eine entsprechend professionelle Reaktion erfordert, um auf diese eingehen und Einfluß nehmen zu können. Das Beispiel der UNO und dem von ihr vergebenen Konsultativstatus für Organisationen unterstützt diese Aussage.
Auch individuelle Gründe, wie die der christlichen Verantwortung bei kirchlichen Organisationen 24 oder der Versuch des Aufbaus eines weitreichenden (internationalen) Austausches von Erfahrungen, Perspektiven und Informationen sollten bei den Entstehungsgründen von Nichtregierungsorganisationen berücksichtigt werden.
Festzuhalten bleibt an dieser Stelle eine zunehmende internationale (globale) Vernetzung, die eine zentrale Aufgabensteuerung von gesellschaftlichen Interessen nahezu unmöglich macht und daher zu einer Aufspaltung und Untergruppierung verschiedener Spezialisten und Interessenvertreter führen muß. Interessenschwerpunkte des Staates führen zu der Vernachlässigung anderer Interessenpunkte. Zusammen mit einer Überforderung und einem Mangel an Flexibilität und Spontaneität führen diese Punkte zu Ergänzungs- und Oppositionsangeboten, die Nichtregierungsorganisationen abzudecken versuchen.
1.3 Tendenzen in der Entwicklung von Nichtregierungsorganisationen
Die UNO hat das Jahr 2001 zum „Jahr des Ehrenamtes“ erklärt. Es scheint als würde nicht nur die (Welt)Bevölkerung die Regierungsarbeit als unzureichend sehen, sondern als hätten auch die Regierungen (und supranationale Organisationen) einen zusätzlichen Hand lungsbedarf zu der eigenen Arbeit erkannt. Dies kann auf der einen Seite als ein Beweis der staatlichen Überforderung gesehen werden, auf der anderen Seite aber auch als eine einfache Lösung zur Einsparung staatlicher Mittel und Energien. Positiv gesehen könnte es sich um einen Appell an eine neue Menschlichkeit im Zeitalter der Globalisierung handeln, negativ gesehen, um einen Rückzug staatlicher Verantwortung. Prof. Dr. Peter Glotz sieht noch andere Aspekte, die sich auf die Veränderungen im Bereich der Nichtregierungsorganisationen auswirken können. In seinem Vortrag „Non-Profit-Organisationen in der beschleunigten Gesellschaft“, der im Rahmen des 7. Deutschen Fundraising-Kongresses in Leipzig gehalten wurde, weist er auf die sich
23 Ebd.
24 Vgl. Pfeifer 1992, S. 5
17
verändernden, gesellscha ftlichen Strukturen innerhalb der heutigen
Informationsgesellschaft des „ digitalen Kapitalismus“ hin. 25 Den Ausgangspunkt bildete hier die Annahme der Entstehung eines gesellschaftlichen, klassengeprägten Zweidrittelblocks, der sich in eine größere, finanzstarke und kapitalistisch ausgerichtete Schicht mit hohem Einkommen und in eine kleinere, sozial schwache Schicht mit hoher Arbeitslosigkeit oder Teilzeitbeschäftigung, unterteilt. Seine Vermutung geht dahin, daß diese kleinere Schicht sich im Zuge der Entwicklungen neue Aufgaben und Lebensinhalte suchen wird, die auf „ ganzheitlichen Konzepten der Lebensführung“ basieren werden. 26 Dieses wird sich, so Glotz, neben einer neuen Konzentration auf das familiäre und private Leben, auch auf Tätigkeiten in Bereichen der Sozialarbeit, des Umweltschutzes, des Gesundheitswesens, der Ausbildung, der Rechtshilfe, der Wissenschaft, der Kunst und des Spiels, auswirken. So schreibt er:
„Die Idee geht dahin, gemeinnützige Tätigkeiten als grundsätzliche Alternative zu
traditionellen Arbeitsverhältnissen, zum (erst 200 Jahre alten) Jobsystem
aufzuwerten ... Er [der dritte Sektor] wird sehr viele, gut ausgebildete und
argumentationsfähige Menschen anziehen. In ihm wird ein wichtiger Teil des
intellektuellen Lebens in der Gesellschaft des digitalen Kapitalismus stattfinden.“ 27
Auch wenn Glotz in seiner Rede nicht direkt auf Nichtregierungsorganisationen eingeht, so schließt die von ihm aufgezeichnete Tendenz NRO als einen Teil der Non-Profit-Organisationen oder des dritten Sektors mit ein.
Die Zahl der allgemein als Nichtregierungsorganisationen bezeichneten Institutionen ist jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, so daß es derzeit nur vage Schätzungen über genaue Zahlen gibt. Das Deutsche Spendeninstitut z.B. verzeichnete im Jahre 2000 Einträge von 8537 Spendenorganisationen. 28 Klaus Neuhoff hingegen geht von allein 91.000 Vereinen aus, die den sechs Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege angeschlossen sind. 29 Dabei muß natürlich auch weiterhin berücksichtigt w erden, daß nicht jede Spendenorganisation aus den oben genannten
25 Vgl. Prof. Dr. Peter Glotz: Non-Profit-Organisationen in der beschleunigten Gesellschaft, Vortrag im
Rahmen des 7 Deutschen Fundraising-Kongresses, 7.4.2000
26 Ebd.
27 Ebd.
28 Deutsches Spendenorganisationen: im Internet: http://www.dsk.de/rds/rdsstati.htm, 11.12.2000
29 Vgl. Klaus Neuhoff: Nonprofits weiter im Aufwind - 450.000 Vereine im Lande, in bsm-Newsletter,
2/1999, S.10
18
Definitionsgründen auch gleichzeitig eine NRO ist und nicht jede NRO auch eine Spendenorganisation (wie z.B. Gewerkschaften).
1.4 Die Beziehung zwischen NRO und Staat in der BRD
Auch wenn eines der Hauptkriterien für Nichtregierungsorganisationen die staatliche Unabhängigkeit ist, so basiert ein beträchtlicher Teil der Arbeit vieler NRO doch auf staatlichen Zuschüssen und Förderprogrammen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing errechnete, daß Non Profit Organisationen sich zu 64% aus Zuwendungen der öffentlichen Hand finanzieren. 30 Auch wenn der Bereich der Non-Profit Organisationen nicht deckungsgleich mit dem der NRO ist, so ist die Schnittmenge doch groß genug, um diese Kalkulationen grob auf NRO zu übertragen.
In Deutschland werden die meisten Fördergelder an NRO vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vergeben. Hier ist das BMZ Ansprechpartner und Förderer von Kirchen, politischen Stiftungen und anderen Entwicklungsprojekten für humanitäre Hilfe, Nahrungsmittelhilfe und freiwillige entwicklungspolitische Bildung. Über die zwischenstaatliche Institution Deutscher Entwicklungsdienst (DED) werden Entwicklungshelfer ausgebildet und versandt. Aber auch andere Ministerien können entsprechend ihrer Ausrichtung Ansprechpartner und Förderer sein. Das Auswärtige Amt unterstützt NRO-Projekte im Bereich der Bildung und kulturellen Zusammenarbeit, während die Verwaltungsstellen der Länder und Gemeinden Projekte von NRO und anderen privaten Institutionen für Ausbildung und Erziehung sowie technischer Zusammenarbeit fördern. 31
Die folgenden Zahlen sollen einen ersten Aufschluß über die Entwicklung der Ausgaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammena rbeit und Entwicklung (BMZ) in den letzten zehn Jahren geben.
30 Im Internet: http://www.sozialmarketing.de/zahlen.htm, 16.03.2001
31 Vgl. OECD 1995, S. 24
19
Tab.1: Ausgaben des BMZ-Haushaltes
Die mit ** versehenen Angaben beruhen auf der von der Bundesregierung im Juni 2000
verabschiedeten mittelfristigen Planung
Quelle: VENRO: Aktuelle Information - Aufwärtstrend oder Mogelpackung? 32
Eine weitere Tabelle gibt Auskunft darüber, welchen Institutionen welcher Anteil der hier zur Verfügung stehenden Gelder in den Jahren 2000 / 2001 zugeteilt wurden und werden soll:
Tab. 2: Verteilung des BMZ-Etats
Die beiden Tabellen zusammengenommen zeigen, daß von den gesamten Ausgaben für Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Jahren 2000 und 2001 (7,102 Mrd. DM / 7,224 Mrd. DM) jeweils etwa 7 % an nichtstaatliche Organisationen vergeben werden. Ebenso demonstriert Tabelle 1, daß die Ausgaben d es BMZ, gemessen an dem Einkommen des Bruttosozialproduktes in den letzten 10 Jahren
32 VENRO: Aktuelle Information - Aufwärtstrend oder Mogelpackung?, im Internet:
http://www.venro.org/fr-rbrief.html, 21.12.2000
33 Ebd.
20
deutlich gesunken sind. Dieses wiederum veranschaulicht eine neue Interessenverschiebung der bundesdeutschen Regierungen. Die Frage ist, wie es zu dieser Verschiebung kommen konnte. Zwar wurde der Etat des BMZ vom Jahr 2000 zum Jahr 2001 um 1,7 % (ca. 1,02 Mrd. DM) erhöht, allerdings sind für die darauffolgenden Jahre erneute Reduzierungen veranschlagt (2002: -1,6%; 2004: -1,5%). Vielversprechend klingen zwar die Worte des derzeitigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der während seiner Regierungserklärung im November 1998 mitteilte:
„Diesen Abwärtstrend werden wir stoppen und dabei auf Effizienz und Kohärenz der
Maßnahmen zur Bewältigung globaler Zukunftsaufgaben achten.“ 34
im Endeffekt ist es jedoch Fakt, daß jene 0,23 / 0,22 % des BSP bereits an sehr geringen Maßstäben festgemacht sind und die Politik der vorherigen Regierung somit weiter fortgesetzt wird. Bestenfalls kann also von einer Stagnation, nicht aber von einer Verbesserung die Rede sein.
1995 förderte die Bundesregierung Programme von ca. 50 bundesweit tätigen NRO und privaten Institutionen sowie von etwa 250 lokalen und regionalen Gruppen (keine NRO im Sinne der UNO-Charta), deren Aufgabengebiet auf entwicklungspolitischer Bildung lag. 35 Laut Eigendarstellung ist ihr Anliegen
„Kampf gegen die Armut, ... Schutz der natürlichen Ressourcen und die Bildung sowie
Ausbildung der Bevölkerung in den Entwicklungsländern, aber ... auch ... Vermeidung von
Krisen und anderen Katastrophen.“ 36
Entgegen dem ersten Anschein sind Arbeitsschwerpunkte wie das Gesundheitswesen, die soziale Infrastruktur, Gemeinwesen, der institutionelle Ausbau, politische Bildung, mediale / kulturelle Entwicklung, Umweltschutz und Menschenrechte in die Förderpunkte des BMZ einbezogen. 37 Es gibt zwei Durchführungsorganisationen, die sämtliche Projekte koordinieren und evaluieren: die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
34 Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, 10. November 1998, Bonn
35 Vgl. OECD 1995, S.15
36 Ebd., S.13
37 Vgl. ebd., S.30
21
1.5 Ehrenamtlichkeit in Nichtregierungsorganisationen
Das Europäische Beobachtungsnetz für KMU (kleine und mittelgroße Unternehmen) fand heraus, daß in der Bundesrepublik Deutschland 30% der Bevölkerung ehrenamtlich in einer gemeinnützigen Organisation tätig sind. Angeführt wurde die Liste vom Vereinigten Königreich (48%), Schweden (36%) und Belgien (32%), an hinterer Stelle rangierten Spanien, Italien (13%) und Luxemburg (17%). 38 Der europäische Anteil (ermittelt aus 12 Mitgliedsländern) soll bei 25,3% liegen. Der Zuspruch, der einer unbezahlten Tätigkeit entgegen gebracht wird, ist also in vielen Ländern relativ hoch und scheint die These zur gesellschaftlichen Veränderung von Dr. Peter Glotz zu bestätigen.
Tatsächlich baut die Arbeit fast aller Nichtregierungsorganisationen auf einem hohen Anteil von freiwillig Tätigen auf. In Organisationen wie der deutschen Sektion von amnesty international waren 1999 9530 aktive, unentgeltliche Mitglieder 39 zu verzeichnen, die einer Anzahl von 43 Festangestellten (plus 4 Zivildienstleistenden) 40 gegenüberstanden. In kleineren Organisationen wie der Indianerhilfe Paraguay, die ca. 150 Mitglieder aufweist, werden alle ausgeübten Tätigkeiten ehrenamtlich ausgeführt. Das DRK gibt sogar ein ehrenamtliches Engagement von ca. 400.000 Mitgliedern an. 41 Was unter diesem Engagement genau zu verstehen ist, welche Tätigkeitsbereiche hierunter fallen und wie kontinuierlich die Arbeit stattfindet wurde im Einzelnen nicht weiter differenziert. Es ist wahrscheinlich, daß auch einmalige Einsätze in diese, doch sehr hohe Zahl, miteinbezogen wurden. Nichtsdestotrotz zeigt sich bereits hier die Bedeutung, die die freiwillige Tätigkeit in der Struktur von
Nichtregierungsorganisationen, einnimmt.
2. Der Begriff der Öffentlichkeit
Um Bedeutungen und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit zu klären, sie zu analysieren und möglichst gezielt zu nutzen und einzusetzen, bleibt die Notwendigkeit der genauen Definition des Begriffs Öffentlichkeit nicht aus. Was ist Öffentlichkeit, wie
38 Europäische Kommission: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaft: Das
Europäische Beobachtungsnetzwerk für KMU - Sechster Bericht, Luxemburg 2000, S. 248
39 amnesty international: Das Jahr `99, Bonn 2000, S.16
40 Vgl. im Internet: http://www.dsk.de/rds/0.htm, 12.01.2001
41 http://www.drk.de/aktuelles/hitparade2001/inhalt.htm, 12.01.2001
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funktioniert sie, welche Elemente gehören ihr an, welche Faktoren nehmen Einfluß auf sie, und was kann sie erzielen?
In einem Artikel des Fischerlexikon „Staat und Politik“ von 1964 umreißt Jürgen Habermas den Bereich der Öffentlichkeit wie folgt:
„Unter Öffentlichkeit verstehen wir zunächst einen Bereich unseres
gesellschaftlichen Lebens, in dem sich so etwas wie öffentliche Meinung bilden
kann. Der Zutritt steht grundsätzlich allen Bürgern offen.“ 42
Des weiteren weist er in dem Artikel auf die Grundvoraussetzung des Rechts auf Versammlung, Meinungsäußerung und Meinungsveröffentlichung hin. So entsteht ein grober Umriß der Bedingungen und Akteure, auf denen eine Öffentlichkeit nach den Prinzipien einer demokratischen Gesellschaft basiert.
2.1 Die Konsistenz einer Öffentlichkeit
Öffentlichkeit basiert auf dem Verbund verschiedener Teilelemente, die sich im Laufe der menschlichen Geschichte bedeutend verändert haben. In dem oben genannten Artikel geht Habermas genauer auf diese historischen Veränderungen ein. So beschreibt er die Öffentlichkeit des Mittelalters als eine Form der Darstellung und Repräsentation, in der sich Herrscher vor dem Volk dargestellt haben. Das, was als Öffentlichkeit bezeichnet wurde, war weniger ein Ausdruck der Allgemeinheit, als eine Demonstration und Verlautbarung herrschaftlicher Entscheidungen und Souveränität. Das Interaktionsspektrum war somit auf ein Minimum beschränkt, bzw. gar nicht erst vorhanden, sondern durch einen einseitigen Aktionsraum belegt.
Heute hingegen sieht die Situation grundlegend anders aus. Öffentlichkeit ist heute ein, „nach Kompetenzen geregelter Betrieb eines mit dem Monopol legitimer Gewaltanwendung ausgestatteten Apparates.“ 43 Und selbst dieses Monopol ist nur bedingt von Relevanz, da in einer demokratischen Öffentlichkeit verschiedene Elemente und Akteure Einfluß auf die Öffentlichkeit haben.
42 Fischer Lexikon: Staat und Politik, 1964, S.220, aus Jürgen Habermas: Kultur und Kritik, 1973, S. 61
43 Ebd., S.64
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Kommunikationsforum, das sich aus Öffentlichkeitsakteuren und einem Publikum zusammensetzt. 44 Der Unterschied zu der repräsentativen Öffentlichkeit des Mittelalters besteht dabei in dem Austausch und gegenseitigen Einfluß, den die beiden Ebenen aufeinander ausüben. Hierbei kommt die Rolle der Mediatoren ins Spiel, die als Vermittler in den Arenen der Öffentlichkeit auftreten und meistens von den Medien in Anspruch genommen werden. Eine demokratische Öffentlichkeit umfaßt also 3 elementare Grundbausteine: Öffentlichkeitsakteure, d.h. a) die Sprecher einer bestimmten Gruppe, die Anliegen und ihre Ziele zum Ausdruck bringen und dafür Zustimmung gewinnen wollen, b) das Publikum, das sich aus einer möglichst breiten Bevölkerung zusammensetzen soll, c) die Mediatoren, die als Vermittler zwischen Publikum und Akteuren auftreten und somit eine Kommunikation ermöglichen.
Diese Öffentlichkeit, die auch Habermas in ähnlicher, wenn auch nicht ganz so detaillierter Weise für das Fischerlexikon „Staat und Politik“ beschrieben hat, gehört heute zu der verfassungsrechtlichen Grundausstattung jeder Demokratie. Wichtigstes Kriterium ist dabei der Zugang aller Bevölkerungsteile zu Kommunikation und den Öffentlichkeitsarenen.
2.2 Kommunikationssysteme und Zielfunktionen der öffentlichen Kommunikation
Da Öffentlichkeit und Kommunikation heute zwei kaum voneinander zu trennende Konstanten bilden, die sich gegenseitig beeinflussen, ja sogar bestimmen und definieren, ist es wichtig, ihre genaueren Aufgaben und Ziele zu betrachten. Aus diesem Grund hat Amitai Etzioni 1968 die Theorie der „ kybernetischen Fähigkeiten“ aufgestellt, in dem er Öffentlichkeit als Kommunikationssystem ana lysierte und wertete. 45 Dieses System, auf dem fast alle folgenden Theorien basieren, beruft sich auf ein Drei-Stufen-Konzept der Funktionen und Aufgaben von öffentlicher Kommunikation: a) die Transparenzfunktion, in der Themen und Meinungen zusammenkommen und allen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich sein müssen (Input), b) der Validierungsfunktion, in der die aufkommenden Themen und Meinungen
44 Vgl. Friedhelm Neidhardt (Hrsg.): Öffentlichkeit, Öffentliche Meinung, Soziale Bewegung,
Opladen 1994, S.7
45 Vgl. Etzioni, Amitai: The Active Society: A Theory of Societal and Political Processes,
New York 1968, S.157 ff.
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Kerstin Dopatka, 2001, Bedeutung und Möglichkeit von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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