Gliederung
1. Einleitung 03
2. Sachanalyse 03
2.1 Das Markusevangelium 04
2.2 Bibelstelle Mk 2, 1-12 „Die Heilung eines Gelähmten“ 05
2.3 Auslegung der Bibelstelle 06
2.4 Klärung bestimmter Begriffe 10
2.5 Besonderheiten dieser Erzählung 11
3. Schülerbezug 13
3.1 Soziokulturelle Bedingungen 13
3.2 Anthropogene Bedingungen 15
4. Fachdidaktische Analyse 19
4.1 Gegenwartsbedeutung des Themas 20
4.2 Zukunftsbedeutung des Themas 21
4.3 Exemplarizität 22
4.4 Formulierung der Lernziele Aufstellen einer kleinen Sequenz 23
5. Methoden- und Medienfragen 24
5.1 Methoden 24
5.2 Medien 26
6. Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde 28
7. Reflexion über die Unterrichtsstunde 30
8. Geschichte 31
9. Literaturverzeichnis 34
2
1. Einleitung
Im Rahmen des fachdidaktischen Praktikums im Unterrichtsfach Evangelische Religion, welches ich im Wintersemester 2004/2005 an der Volksschule Innigen-Augsburg absolvierte, soll zu einer Unterrichtsstunde eine Didaktische Analyse geschrieben werden.
Die Themen der zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden richten sich nach dem Religionsbuch für die zweite Klasse. In der Zeit, in der ich mein Praktikum machte, haben wir drei größere Themenkomplexe behandelt. Der erste Bereich war die Geschichte von Josef und seinen Brüdern, die zu dem Oberthema „Miteinander leben - füreinander da sein“ gehörte. Der zweite Themenbereich hieß „Auf Weihnachten warten - Freude erleben“, wozu der Weg der Maria zählte, der in der Geburt Jesu seine Endstation gefunden hat. Nach Weihnachten haben wir uns dann mit dem Thema „Von der Hilfe Jesu erfahren - sich auf seine Hilfe einlassen“ beschäftigt, zu dem u. a. die Jesusgeschichten zählten. Während meines Praktikums habe ich zwei Unterrichtsstunden gehalten, wobei die erste Stunde seine Zuordnung bei dem Weg der Maria fand. Es handelte sich hierbei um die Geburt Jesu. Meine zweite Stunde, die die Grundlage für die Didaktische Analyse darstellen soll, hat sich mit der Heilung eines Gelähmten beschäftigt. Sie findet ihre Zuordnung im dritten großen Themenkomplex in den Geschichten über Jesus.
2. Sachanalyse
Die nun folgende Sachanalyse befasst sich auf einer fachwissenschaftlichen Ebene mit dem im Unterricht zu behandelnden Thema. Damit der Lehrer das Thema seiner Unterrichtsstunde pädagogisch richtig aufbereiten kann, gilt es als eine wichtige Voraussetzung, sich auf das „Was“ des Unterrichts zu konzentrieren. Peterßen ist der Meinung, dass der „Lehrer die >Sache<, um die es im Unterricht geht, beherrschen muss […] Er muss sie vielmehr insgesamt, in ihrer ursprünglichen Struktur und ohne Einengungen kennen.“ 1 Daher werde ich mich im folgendem mit
1 Peterß en, Wilhelm H.: „Handbuch Unterrichtsplanung“; Ehrenwirth/Veritas; 1992; 5. Auflage; S.22
3
der Grundlage für meine Geschichte, dem biblischen Text, näher beschäftigen und dessen Besonderheiten herausarbeiten.
„Die Heilung eines Gelähmten“, welche die Grundlage für meine Unterrichtsstunde ist, findet sich in den Evangelien, also bei Markus (Mk 2, 1-12), Matthäus (Mt 9, 1-8) und Lukas (Lk 5, 17-26) wieder. Jedoch bezieht sich der Lehrplan 2000 auf die Bibelstelle bei Markus, die ich der Vollständigkeit halber im übernächsten Absatz aufführen werde.
2.1 Das Markusevangelium
Das Evangelium nach Markus gehört zu den synoptischen Evangelien. Es handelt sich neben den beiden anderen Synoptikern, Matthäus und Lukas, um das kürzeste Evangelium. Der Begriff Evangelium bedeutet gute Nachricht oder frohe Nachricht / Botschaft.
In ihm werden die Taten Jesu, sein Wirken und Handeln in der Öffentlichkeit beschrieben, die im Gegensatz zu seinen Worten im Vordergrund stehen. Hier findet der „handelnde Jesus“ 2 eine stärkere Betonung als in den anderen Evangelien. Es handelt sich dabei um kurze Erzähleinheiten, die sich nach Gerhard Hörster 3 mit folgenden drei Bereichen befassen: Die Wunder Jesu, Jesu Wirkung auf die Menschen in Palästina und Jesu Auseinandersetzung mit den jüdischen Führern. Das Evangelium lässt sich in sechs Abschnitte einteilen, wobei sich die Geschichte über „die Heilung eines Gelähmten“ zu Jesu Wirken in Galiläa zählen lässt. Als literarische Besonderheit i st auffallend, dass es sich um eine lose Zusammenstellung von Berichten über die Taten und Reden Jesu handelt, aus der sich aber kein zeitlicher Ablauf des Wirkens Jesu erstellen lässt. Es handelt sich vielmehr um eine geographische Aufteilung nach „Ereignisse in Galiläa“, „Ereignisse auf dem Weg nach Jerusalem“ und „Ereignisse in Jerusalem“. 4 Bei der Gestaltung finden schriftstellerische Gesichtspunkte Verwendung. Es werden Berichte oder Erzählungen an bestimmten Stellen unterbrochen und nach einem völlig anderen Einschub wieder aufgegriffen und zu Ende erzählt.
2 vgl. Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995;
S. 13
3 Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993;
S. 25f
4 Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993;
S. 27
4
Markus schreibt sein Evangelium für Heiden, was sich teilweise daran erkennen lässt, dass Markus „jüdische Gepflogenheiten und aramäische Wörter“ 5 erklärt. Auffallend ist ebenfalls, dass im gesamten Evangelium Markus seinen Namen nicht nennt; ebenfalls stammen die Überschriften nicht von Markus, sondern sie wurden als Inhaltsverzeichnisse zum Neuen Testament im 2. Jh. geschrieben. Aber Markus wurde von Anfang an als der Verfasser des Evangeliums betrachtet, da er ein Mitarbeiter und Schüler des Petrus war und dessen Berichte, nach den Aussagen des Bischofs Papias von Hierapolis in Kleinasien, „genau - allerdings nicht der Reihe nach - aufgeschrieben“ 6 hatte.
Zum Ort der Entstehung dieses Evangeliums können keine zuverlässigen Angaben gemacht werden, aber zu der etwaigen Entstehungszeit werden im Evangelium selbst Hinweise gegeben. Bei „Mk 13,14ff hat die Urgemeinde vor der Belagerung Jerusalems die Stadt verlassen und ist nach Pella in Peräa ausgewandert.“ 7 Daher kann man sagen, dass das Evangelium um 64-66 n. Chr. verfasst worden ist.
2.2 Bibelstelle Mk 2, 1-12 „Die Heilung eines Gelähmten“
1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaun; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett hinunter, auf dem der Gelähmte lag.
5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine
Sünden sind dir vergeben.
6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
5 „Gute Nachricht Bibel“; Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart; 2003
6 Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 9
7 Hörster, Gerhard: „Einleitung und Bibelkunde zum Neuen Testament“; R. Brockhaus Verlag; 1993;
S. 33
5
8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben,
oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geht umher?
10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben
auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen. 8
2.2 Auslegung der Bibelstelle
Im folgenden Absatz möchte ich mich mit der Auslegung der Bibelstelle näher beschäftigen und dabei Vers für Vers vorgehen. Die kursiv geschriebenen Wörter beziehen sich auf den Bibeltext und unterstrichen hebe ich Anregungen hervor, die ich i n meine Unterrichtsstunde mit einfließen lassen möchte bzw. die Verwendung finden könnten.
Überwiegend orientiere ich mich bei der Auslegung an den Aussagen von Gerhard Maier 9 in seinem Kommentar zum Evangelium nach Markus. Die „Heilung eines Gelähmten“ stellt den Anfang eines neuen Abschnittes dar, nämlich die Zeit der Kämpfe und Auseinandersetzungen. Es erfolgt ein Übergang in eine andere Ebene. In Mk 1,39 und Mk 1,45 ist die Rede davon, dass Jesus in Galiläa unterwegs ist bzw. an einsamen Orten unterwegs ist, wo die Menschen zu ihm kommen 10 . Nun ändert sich dies: Eine neue Situation ist eingetreten, denn es heißt, dass Jesus nach Ablauf einiger Zeit wieder nach Kapernaum gekommen ist. Oft findet sich auch die Übersetzung ‚nach einigen Tagen’ wieder, dennoch kann der Leser erkennen, dass zu dem zuvor genannten eine gewisse Zeitspanne dazwischen gelegen sein muss und Jesus auch schon einmal in Kapernaum gewesen sein musste, da er ja wieder gekommen ist. Die Äußerung dass er im Haus war ist eine Erklärung für die spätere Menschenmenge, denn die Tatsache, dass Jesus da war,
8 Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers; Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart; 1985; S. 45 NT
9 Maier, Gerhard: „Markus Evangelium Bibelkommentar Band 3“; Neuhausen-Stuttgart; 1995; S. 84ff
10 vgl. Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“;
Neukirchen; 1998; S. 91
6
sprach sich schnell herum und es versammelten sich viele, nämlich ganze Menschenmengen, die das Haus zum Überfüllen brachten. Am besten stellt man sich das so vor, dass die Menschen dicht gedrängt im ganzen Raum, weiter auf dem Weg von der Gasse zu diesem Raum und im eventuellen Innenhof des Hauses standen. Hierbei könnte man die Kinder nach eigenen Erfahrungen fragen, die sie gesammelt
haben, falls sie sich schon einmal in einem überfüllten Raum befunden hatte. Das
Wort Tür kann man auf zwei verschiedene Arten erklären, da sich nicht genau feststellen lässt, welche Tür gemeint ist. Es gibt zum einen die Tür zum Raum, indem sich Jesus aufgehalten hatte, zum anderen kann aber auch die Tür zu dem ganzen Hauskomplex gemeint sein, also die Tür, welche das Haus zur Gasse hin öffnet. Die Predigt Jesus, dass er den Menschen das Wort sagte, war der Grund für das zahlreiche Erscheinen der Menschen. „Die Wendung >das Wort sagen< gehört zur urchristlichen Missionssprache.“ 11 Jesus konnte, wie sonst niemand, den Menschen durch seine Botschaft den Weg zum Reich Gottes und zur Erlösung nahe bringen. Die nun folgende Geschichte entspricht einer Lehrszene, denn „Jesu Zuspruch der Sündenvergebung (5b), seine Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten (6-10) und die wunderbare Heilung eines Gelähmten (11-12) haben Lehrcharakter.“ 12 Es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen schildert die nun folgende Situation im Gegensatz zu Matthäus und Lukas sehr anschaulich und somit gut vorstellbar. Ein einziger Kranker wird von vier gesunden Menschen zu Jesus gebracht. Gelähmt bedeutet hier, dass sich dieser Mensch nicht mehr selbst bewegen kann, er liegt nur herum, ist körperlich nicht zu Bewegungen fähig und kann sich daher auch selbst keinen Weg zu Jesus und seiner Botschaft suchen. Er ist auf die Hilfe von seinen Freunden oder auch anderen, unter Umständen fremden Menschen angewiesen. An dieser Stelle möchte ich die Kinder fragen, ob sie sich unter dem Wort gelähmt etwas vorstellen können und ob sie wissen, wie ein gelähmter Mensch sein Leben verbringt. Was kennzeichnet einen Gelähmten? Bei der Erzählung wird allerdings nicht erwähnt, warum er Mensch gelähmt ist. Aber gerade diese Tatsache könnte die Phantasie der Kinder anregen, dass sie sich auch die Gründe dafür überlegen. Der Beginn von Vers 4, sie konnten wegen der Menge,
drückt ein Scheitern im Vorhaben der Freunde aus, was sie aber nicht von ihrem
11
Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen;
1998; S. 91
12 Eckey, Wilfried: „Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu; ein Kommentar“; Neukirchen;
1998; S. 91
7
Arbeit zitieren:
Uta Starke, 2005, Jesus zeigt einem Gelähmten, wie er sein Leben wieder lieben kann, Mk 2, 1-12, München, GRIN Verlag GmbH
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