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Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 2
2. Bedeutung der Funde von Kuntillet Agrud 2
3. Aschera und die Zeichnungen von Kuntillet Agrud 3
3.1. Bildliche Darstellung eines Götterpaares? 4
3.2. Aschera als Leierspielerin? 7
3.3. Aschera als stilisierter Baum? 8
4. „seine Aschera“ Göttin oder Machtsymbol bzw. Kultobjekt? 11
4.1. Blick auf die hebräische Grammatik 12
4.2. Blick auf den Kontext 13
4.3. Aschera als Kultobjekt 14
5. Aschera und die theophoren Namen von Kuntillet Agrud 16
5.1. Untersuchung der Theophoren Personennamen durch J H Tigay 16
5.2. Theophore Personennamen bezüglich der Göttin Aschera 18
5.3. Die theophoren Personennamen von Kuntillet Agrud 19
6. Zusammenfassung 21
7. Literaturverzeichnis 25
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1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach einem Götterpaar „Jahwe und Aschera“ in der vorexilischen Religion Israels bzw. Judas. Bei Ausgrabungen der Universität Tel Aviv wurden 1975/76 spektakuläre Inschriften und Zeichnungen gefunden, welche den Befürwortern einer Götterpaar-These enormen Auftrieb gaben. 1 Die Annahme einer Paredros 2 Jahwes wiederum ist in die aktuelle alttestamentliche Forschung eingebettet, welche vor allem im deutschsprachigen Raum für die Zeit vor dem Exil inzwischen pauschal von einer polytheistischen Religion ausgeht. 3 Ob diese Annahme tatsächlich pauschal gerechtfertigt ist, soll die Diskussion eines wichtigen Teilproblems, die Frage nach einer Gefährtin Jahwes, zeigen. Dazu werden die Funde von Kuntillet Agrud beleuchtet, wobei in einer Dreiteilung erst nach den Zeichnungen, anschließend nach der Bedeutung der Inschriften und als Drittes nach den in den Inschriften enthaltenen theophoren Namen gefragt wird, welche ebenfalls auf interessante Art und Weise Auskunft über den Glauben dieser Zeit geben.
2. Bedeutung der Funde von Kuntillet Agrud
Die Annahme einer Gefährtin Jahwes wurde bereits durch Heranziehen ugaritischer Funde getroffen. 4 Aus diesen kann der Schluss gezogen werden, dass eine Göttin Atirat an der Seite des Göttervaters El gestanden hat. 5 Allerdings wird in der aktuellen Diskussion immer mehr betont, dass der Rückgriff auf den Stadtstaat Ugarit keinesfalls überbewertet werden darf, wie es in der Vergangenheit bereits geschehen ist. 6 „Der Vergleichspunkt für die Religion der Königszeit darf nicht in den um ca. 500 Jahre früheren Ugarittexten gesehen werden.“ 7 Diese Texte sind nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich weit von den Grenzen der Provinz Kanaan entfernt. Zwischen Ugarit und Jerusalem liegen ca. 400 km, etwa die Strecke von Jerusalem bis zum ägyptischen Memphis, 8 und so betrachtete die ugaritische Liste KTU 4.96 offenbar einen
1 Vgl. Dietrich, W., 15; Vgl. Weippert, M., 16
2 Paredros = weibliche Göttergefährtin bzw. göttliche Ehefrau
3 Vgl. Dietrich, W., 14; Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 2; Vgl. Weippert, M., 10
4 Vgl. Frevel, C., 13
5 Vgl. Dietrich, W., 15
6 Vgl. Frevel, C., 15
7 Vgl. Ebd., 7
8 Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 456
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kanaanäischen Händler als einen Fremden. 9 Es handelt sich hier somit nicht um Primärquellen. 10 Die Funde der Universität Tel Aviv von Kuntillet Agrud bieten dagegen die Möglichkeit, sowohl zeitlich als auch räumlich die Religion der vorexilischen Königszeit näher zu beleuchten.
3. Aschera und die Zeichnungen von Kuntillet Agrud
Die 50 km südlich von Kadesh Barnea
bei archäologischen Ausgrabungen gefundenen Malereien und Inschriften, ließen die Diskussion über eine Göttin an der Seite Jahwes in großer Breite aufflammen. Die markanteste Inschrift davon ist
Formulierung „Jahwe ... und seine Aschera“. Die Befürworter der These eines Götterpaares sahen sich bestärkt und zogen trotz unterschiedlichster Interpretationen den Schluss, dass besagte Malereien und Inschriften ihre These stützen:
„ Die Tonscherben oder Tonkrüge, auf denen geschrieben wurde, enthielten übrigens auch Zeichnungen verschiedener Art, darunter zwei menschliche Gestalten, die man wohl als Jahwe und seine Gefährtin ansprechen muss.“ 11
„Die weibliche Figur von Achrud stellt nicht nur die Große Göttin dar. Die Tatsache, dass sie majestätisch auf einem Thron sitzt, neben Jahwe angerufen wird und wie dieser Spenderin himmlischen Segens ist, bedeutet, dass sie für einige Kreise in Israel die
9 Vgl. Ebd., 12, Fn. 5
10 Vgl. Ebd., 456
11 Gerstenberger, E. S., 46f.
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Gefährtin Jahwes war [...] Die jüngsten Ausgrabungen in Achrud und el -Qom [...] beweisen, dass Aschera als Gefährtin Jahwes personifiziert war.“ 12
„[...] in vorexilischer Zeit [herrschte] offenbar ein Dyotheismus von El/Jahwe-Aschera vor, wobei der Göttin nach Ausweis der Segenswünsche von Kuntillet Agrud und Khirbet el -Qom die Funktion einer Segensmittlerin zukam.“ 13
Die angeführten Zitate weisen auf ein interessantes Charakteristikum der Diskussion um die Funde von Kuntillet Agrud bezüglich der Frage nach einer Paredros Jahwes hin: Trotz völlig unterschie dlicher und sich zum Teil widersprechender Deutung 14 der Zeichnungen und Inschriften wird der gemeinsame Schluss gezogen, dass hier ein Beleg für eine göttliche Gefährtin an der Seite Jahwes in der Königszeit Israels vorhanden sei. Genau deshalb aber, weil hier unterschiedliche Deutungen zu einem gleichen Ergebnis gelangen, muss kritisch gefragt werden, ob nicht das Ziel, Belege für eine Paredros Jahwes zu finden, die Arbeitsweisen und Interpretationen bestimmt. Die These eines Götterpaares hat bereits starke Verbreitung gefunden, so dass in der Literatur wie selbstverständlich von der „ehelichen Karriere“ 15 Jahwes gesprochen wird: „Jahwe, der Nationalgott Israels (bzw. Israels und Judas), stand in vorexilischer Zeit nicht allein, wie wir es von der Zeit des nachexilischen Judentums an gewöhnt sind, sondern hatte eine Göttin neben sich.“ 16 Allerdings fehlten bisher sowohl plausible inschriftliche als auch biblische Hinweise und selbst die oft zitierten Ausgrabungen von Kuntillet Agrud sind nur relevant, wenn sich damit eine „personale Zuordnung der Göttin zu YHWH bezeugen“ lässt. 17 An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an und fragt, inwieweit diese archäologischen Funde tatsächlich die These eines Götterpaares stützen.
12 Raurell, F., 83f.
13 Albertz, R., 84
14 Im ersten Zitat werden „Jahwe ... und seine Aschera“ in zwei menschlichen Gestalten erkannt, im zweiten dagegen „Aschera“ allein in einer auf einem Thron sitzenden Person. Vgl. Kapitel 3.1. u. 3.2.
15 Vgl. Lemche, N. P., 72
16 Weippert, M., 15
17 Vgl. Frevel, C., 927
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3.1. Bildliche Darstellung eines Götterpaares?
Das bereits angeführte Zitat von E. Gerstenberger: „Die Tonscherben oder Tonkrüge, [...] enthielten übrigens auch Zeichnungen verschiedener Art, darunter zwei menschliche Gestalten, die man wohl als Jahwe u nd seine Gefährtin ansprechen muss.“ 18 bezieht sich auf folgende Abbildung auf Pithos A: 19
Durch den Kopfschmuck der linken Gestalt verläuft eine Inschrift, in der von „Jahwe ... und seiner Aschera“ gesprochen wird. 20 Außerdem ist die rechte Gestalt mit zwei kreisförmigen Brüsten versehen. Aus diesen Gründen könnte der schnelle Schluss gezogen werden, dass mit diesen Zeichnungen das Götterpaar Jahwe und Aschera abgebildet worden ist. 21
18 Gerstenberger, E., 46f.
19 Pithos = Krug
20 Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 246
21 So meint Gerstenberger, E. S., 47: „Text und schon erwähnte figürliche Gottesdarstellung sind aufeinander zugeordnet.“
6
Die zwei gezeichneten Gestalten lassen sich jedoch auf Grund ihrer ikonographischen Merkmale (Kopfschmuck, groteskes, löwenartiges Fratzengesicht mit abstehenden Ohren, Bart oder Kragen, auf die Hüften gestemmte Arme, krumme und kurze Beine, Schwanz) kombiniert
mit frontaler Darstellung als Bes-Gestalten identifizieren.
22
Bes-Figuren entstammen der religiösen Vorstellungswelt der Ägypter
23
und ihnen wurde ein
Aufgabenfeld zugeschrieben. Einerseits als gefährlicher, gebändigter Dämon, andererseits als mit solaren Zügen ausgestatteter Gott war die Bes-Gestalt für den Schutz von Schwangeren
Schlangenbissen 24 bzw. generell für das Abwehren von Unheil 25 zuständig. Seine Bedeutung in Palästina ist durch Ausgrabungen belegt, bei dene n vor allem Dutzende von Amuletten gefunden worden sind. 26
Die Identifikation der Bes-Gestalten mit „Jahwe ... und seiner Aschera“ allein wegen der durch den linken Kopf verlaufenden Schrift ist recht problematisch. Neben Kuntillet Agrud ist nämlich keine weitere mögliche Verbindung zwischen Jahwe und Bes-Figuren bekannt. 27 Es stellt sich also zum Ersten die Frage, wieso „Jahwe ... und seine Aschera“ hier als Bes-Gestalten dargestellt sein sollen, wenn es für diese Verbindung keine weiteren Beleg gibt.
Zum Zweiten muss betont werden, dass es nicht einmal sicher ist, ob die beiden Figuren überhaupt als Paar von einer Person gezeichnet worden sind. 28 Mehre Punkte sprechen dagegen. So passen die Figuren in ihrer Darstellung zueinander nicht so recht zusammen. Einerseits steht die kleinere rechte Gestalt perspektivisch hinter der linken, wobei man die Linien unter dem rechten Fuß möglicherweise als Standlinien
22 Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 246
23 Vgl. Heide, M., Die ältesten Bibelzitate, 15
24 Vgl. Keel, O. u. Uehlinger, C., 251
25 Vgl. Ebd., 248
26 Vgl. Ebd., 248
27 Vgl. Ebd., 272 f.
28 Vgl. Ebd., 256
Quote paper:
Tobias Mühlberg, 2002, Jahwe ... und seine Aschera - Eine Analyse der These eines Götterpaares Jahwe und Aschera an Hand der Funde von Kuntillet Agrud, Munich, GRIN Publishing GmbH
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