1. Einleitung
Wer war Humbert von Silva Candida? Wer war dieser radikale Reformer, der im 11. Jahrhundert als Kardinal zu den höchsten kirchlichen Würdenträgern gehörte und zudem ein enger vertrauter der Päpste Leo IX., Viktor II., Stephen IX. und Nikolaus II. war? 1
Das Hauptziel dieser Untersuchung ist es, Informationen zum Leben und Wirken des Humbert von Silva Candida zusammenzutragen. Da Humbert zu den wichtigsten Mitgliedern und Führern der kirchlichen Reformpartei im 11. Jahrhundert gehörte, wird sein Hauptwerk "Libri Tres Adversus Simoniacos", das aus dem Kampf um die Reform der Kirche hervorgegangen war, im Folgenden untersucht. In diesen drei Büchern sind die bedeutendsten gregorianischen Ideen und Prinzipien niedergelegt. 2 Anhand Huberts Werk gegen die Simonisten sollen seine Ansichten generell über Moral, und spezifisch über Simonie, einer der grössten Missbräuche in der Kirche des 11. Jahrhunderts, vorgestellt werden, wobei diese Untersuchung hauptsächlich auf das dritte Buch eingeht. Ferner geht es um die Fragestellung, worin die Radikalität in seinen bis anhin "undenkbaren" Ideen besteht.
Die Quelle "Libri Tres Adversus Simoniacos" ist ein theologischer Traktat und ist Bestandteil des „Libelli de Lite“, wo alle Streitschriften des Investiturstreits gesammelt wurden. 3 Die Streitschrift "Libri Tres Adversus Simoniacos" wurde 1058 von Humbert geschrieben und richtet sich gegen Petrus Damiani und sein Werk "Liber Gratissimus". 4
Die Literatursuche erwies sich als relativ aufwändig, da der Ertrag zur neueren Forschung über den Reformator Humbert nicht sehr ergiebig war. Oft wird er
1 Gilchrist, John, Cardinal Humbert of Silva-Candida, in: Canon Law in the Age of Reform, 11 th -12 th Centuries, (Variorum Collected Studies Series 406), Hampshire und Vermont 1993, S.33.
2 Augusts, Cardinal Humbert of Silva Candida, S.23.
3 Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, S.229.
4 Laudage, Gregorianische Reform und Investiturstreit, S.23.
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nur eher beiläufig in Werken über den Investiturstreit erwähnt. Erfolgreicher erweist sich die Suche nach älterer Literatur: Die Dissertation "Cardinal Humbert, sein Leben und seine Werke mit besonderer Berücksichtigung seines Traktates Libri Tres Adversus Simoniacos" von Georg Augusts wurde 1882 geschrieben und bildet eine sehr hilfreiche Grundlange für diese Arbeit.
Um Humbert als Person vorzustellen, beginnt die Arbeit mit einem Abriss seiner Biografie (2.1). Damit seine Ansichten über Simonie dargelegt werden können, folgt darauf die Begriffsumschreibung der "Simonie" (2.2). Schliesslich besteht der wichtigste Punkt dieser Recherche in einer Vorstellung seiner Ideen anhand der Quelle "Libri Tres Adversus Simoniacos" (2.3).
2. Hauptteil
2.1 Humbert von Silva Candida - Biografische Daten
Humbert wurde um 1000 n.Chr. in Lorraine geboren. Über seine Kindheit, sowie über seine Eltern ist wenig bekannt. 1015 trat er ins Kloster Moyenmoutier ein. 5 Dort beschäftigte er sich mit der Dichtkunst 6 und lernte Griechisch, was zu dieser Zeit ziemlich selten war und ihm später im Streit mit der oströmischen Kirche 1054 helfen sollte. 7 Humberts Diözensanbischof Bruno v. Toul wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn 1050 nach seiner Erhebung zum Papst Leo IX. nach Rom. Humbert wurde ein enger Vertrauter und erhielt das Amt des Erzbischof von Sizilien. 8 Da Papst Leo IX. von den mächtigsten Fürsten von Salerno, sowie von den Normannen freundlich aufgenommen worden war, hatte er die Hoffnung, Sizilien wieder in die römische Kirche einzugliedern. Der grösste Teil Unter-Italiens gehörte zu dieser Zeit der griechischen Kirche an. Die Hoffnung des Papstes Leo auf Sizilien wurde jedoch bald zerschlagen.
5 Gilchrist, Cardinal Humbert of Silva-Candida, S.29.
6 Augusts, Cardinal Humbert, S.2.
7 Gilchrist, Cardinal Humbert of Silva-Candida, S.20.
8 Schieffer, „Humbert ", in: LexMa V, Sp.207.
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Humbert wurde zum Kardinal der römischen Kirche erhoben und erhielt den Namen "Humbert von Silva Candida". 9
Die Differenzen zwischen der römischen und der oströmischen Kirche wurden immer grösser, vor allem als ein Schreiben des Erzbischof von Achridal an den Bischof Johannes, das aus der Initiative des Patriarchen Michael Kaelarius aus Konstantinopel entstanden war, in heftigster Weise verschiedene rituelle Gewohnheiten der abendländischen Kirche angriff. Humbert übersetzte diesen Brief ins Lateinische und schickte ihn Papst Leo IX. Dieser antwortete auf das Schreiben, und der Streit zwischen der oströmischen und der römischen Kirche kam zum Ausbruch. Jedoch fürchtete Kaiser Constantius Monomachus von Konstantinopel, dass die Normannen in Unter-Italien zu mächtig werden und wollte deswegen Papst Leo IX. weiterhin als Bundesgenossen behalten. Der Kaiser überredete Michael Kaelarius nachzugeben und beide richteten ein versöhnliches Schreiben an Papst Leo IX. Dieser schickte darauf 1054 eine Gesandtschaft bestehend aus Humbert, dem Erzbischof Peter von Amalfi und dem päpstlichen Kanzler Friedrich von Lothringen nach Konstantinopel, um endgültigen Frieden zwischen der oströmischen und der römischen Kirche herzustellen. Die Gesandtschaft ging zuerst nach Monte Cassino, um dort die Fürbitte der Mönche zu gewinnen. 10 In Konstantinopel angekommen, wurden sie vom Kaiser freundlich aufgenommen. 11 Aber die Entfremdung zwischen den Kirchen in Ost und West war bereits so gross geworden, dass der Patriarch Michael von Kaelarius das Volk gegen den bündniswilligen Kaiser und gegen die päpstlichen Legaten aufbringen konnte. Humbert reagierte radikal, indem er am 16.Juni 1054 auf dem Altar der Hagia Sophia eine Bannbulle gegen Michael und seine Anhänger niederlegte und diese somit von der Kirche exkommunizierte. 12
Während dieser Reise Humberts nach Konstantinopel starb Papst Leo IX. Mit dem Nachfolger Papst Viktor II. führte Humbert jedoch ein ebenso enges
9 Augusts, Cardinal Humbert, S.4-5.
10 Augusts, Cardinal Humbert, S.7-8.
11 Augusts, Cardinal Humbert, S.14.
12 Hartmann, Der Investiturstreit, S.13.
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Arbeit zitieren:
Michiko Yamanaka, 2004, Humbert von Silva Candida und sein Werk "Libri Tres Adversus Simoniacos", München, GRIN Verlag GmbH
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