- II -
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
A. Einführung 1
I. Beweggründe und Ziele. 1
II. Aufbau 3
B. Theoretische Grundlagen aus konzeptioneller und inhaltlicher Sicht 5
I. Vom Lernfeld zur Lernsituation. 5
II. Methodische Umsetzung einer Lernsituation durch den Tagesfall. 7
III. Besonderheiten des Themas. 8
C. Planung der Lernsituation "Fit for life" 9
I. Bildungsauftrag der Schule 9
II. Charakteristika der Lerngruppen 11
III. Didaktisch-methodische Schwerpunkte. 12
1. Vorgaben der Richtlinien / Legitimation des Themas 12
2. Einordnung des Tagesfalls in den unterrichtlichen Kontext. 12
3. Didaktische Transformation 13
4. Ziele der Lernsituation. 15
D. Durchführung und Evaluation der Lernsituation. 17
I. Vorbereitungsphase 17
II. Umsetzungsphase. 18
III. Auswertungsphase 20
1. Erfolgskontrolle 20
2. Schülerfeedback 22
3. Lehrerfeedback 24
E. Fazit 28
Anhangsverzeichnis. VI
Literaturverzeichnis der Lernsituation VII
Literaturverzeichnis VIII
- III -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Synoptische Darstellung des geplanten Verlaufs der Lernsituation
Abbildung 2: Motivationsgrad
Abbildung 3: Spaßfaktor.
Abbildung 4: Gruppenarbeit
Abbildung 5: Gesamtübersicht der Auswertung der geschlossenen Fragen.
Abbildung 6: Dreidimensionale Darstellung der Auswertung der offenen Fragen.
Abbildung 7: Methodenvielfalt
Abbildung 8: Praxisbezug.
Abbildung 9: Beurteilung der Lernsituation durch die beteiligten Lehrpersonen
- IV - Abkürzungsverzeichnis
Abb. ......................... Abbildung
Abs. ......................... Absatz Abt. .......................... Abteilung
APO-BK ................... Ausbildungs- und Prüfungsordnung Berufskolleg Aufl. ......................... Auflage AWL......................... Allgemeine Wirtschaftslehre BASS ....................... Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften Bd. ........................... Band BetrKV ..................... Betriebskostenverordnung BGB......................... Bürgerliches Gesetzbuch
BWP ........................ Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (Zeitschrift) bzw. ......................... beziehungsweise ca............................. circa Dez .......................... Dezember DG ........................... Dachgeschoss d.h. .......................... das heißt durchges.................. durchgesehene DV ........................... Datenverarbeitung DVD ......................... Digital Versatile Disc E .............................. Essen (Stadt Essen) EG ........................... Erdgeschoss etc............................ et cetera f. .............................. folgende ff .............................. fort folgende geb .......................... geboren GEZ ......................... Gebühreneinzugszentrale Hifi ........................... High Fidelity Hochp ...................... Hochparterre Hrsg. ........................ Herausgeber Immob ..................... Immobilien inkl ........................... inklusive i.d.R. ........................ in der Regel i.S.v. ........................ im Sinne von KDB ......................... Küche, Diele, Bad
- V -KM ........................... Kaltmiete KMK......................... Kultusministerkonferenz MM .......................... Monatsmiete möbl......................... möbliert
MSJK ....................... Ministerium für Schule, Jugend und Kinder MSW........................ Ministerium für Schule und Weiterbildung mtl............................ monatliche Nachtsp ................... Nachtspeicher NK ........................... Nebenkosten Nr............................. Nummer od ............................ oder OG........................... Obergeschoss PC ........................... Personal Computer Priv .......................... privat R.............................. Raum RdErl. ...................... Runderlass
ReNo ....................... Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r renov ....................... renoviert RS-BK ..................... Robert-Schuman-Berufskolleg S. ............................. Seite SELUBA .................. Steigerung
SKM......................... Schulden Kompetent Managen sog........................... sogenannte Str............................ Straße Tel ........................... Telefon TV............................ Television u.a. .......................... unter anderem v............................... vom Vgl. .......................... Vergleiche VWL......................... Volkswirtschaftslehre WBS ........................ Wohnberechtigungsschein Whg ......................... Wohnung WM .......................... Warmmiete z.B. .......................... zum Beispiel Zi ............................. Zimmer
ZBW ........................ Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik
- VI - Anhangsverzeichnis
Deckblatt….........................................................................................................................I
Allgemeine Informationen für die Lehrperson....................................................................II
Einstieg: Rollenkarten ......................................................................................................III Arbeitsunterlagen mit möglichen Schülerlösungen 1 ......................................................... V
Schülerfragebogen ......................................................................................................XXIV
Lehrerfragebogen.........................................................................................................XXV
Bewertungsraster ........................................................................................................XXVI
Beispiele von Schülerlösungen ..................................................................................XXVII
1 Aufgrund besserer Lesbarkeit wird im Anhang ausschließlich die Lehrerversion dargestellt. Die möglichen Schülerlösungen sind dabei kursiv gedruckt. Die Schülerversion befindet sich auf der beiliegenden CD-ROM.
- VII - Literaturverzeichnisder Lernsituation
Unterrichtshilfe Finanzkompetenz; Ein Kooperationsprojekt Arbeitsgemeinschaft zum Umgang mit Geld und Konsum: Schuldnerberatung
http://www.unterrichtshilfe-finanzkompetenz.de der Verbände (08. Dez. 2004) (2004)
Wirtschaftsrecht; Fachschule für Wirtschaft, Blank, A., Christ, Kaiser, Silvia
H., Schneider, K.H. (Hrsg.), 5. Aufl., Troisdorf, Bildungsverlag (2005) EINS - Stam
Evaluation der Unterrichtsqualität durch Schülerfeedback; in: Rothkirch, Klaus
Erziehungswissenschaft und Beruf, Heft 2, S. 176-187 (2005)
Schuldenprävention. Eine Zukunftswerkstatt. Materialien für
Stange, Waldemar;
den
Gnielczyk, Peter
Verbraucherinstitut
(2000)
Bundesverband http://www.lernerfolg.vzbv.de/projekt01/media/pdf/ schuldenpraevention.pdf
- VIII - Literaturverzeichnis
Denken: Das Ordnen des Tuns, Bd. 1: Kognitive Aspekte der Aebli, Hans
Handlungstheorie, Stuttgart: Klett-Cotta (1980)
Konstruieren von Lernfeldern: Eine Handreichung für Bader, Reinhard
Rahmenlehrplanausschüsse und Bildungsgangkonferenzen in (2000)
technischen Berufsfeldern; in: Bader, R./Sloane, P. (Hrsg.): Lernen in Lernfeldern: Theoretische Analysen und Gestaltungsansätze zum Lernfeldkonzept, Markt Schwaben: Eusl-Verlag
Lernfelder konstruieren - Lernsituationen entwickeln: Eine Bader, Reinhard
Handreichung zur Erarbeitung didaktischer Jahresplanungen (2003)
für die Berufsschule; in: Die berufsbildende Schule, Heft 55, S. 210-217
Leitziel der Berufsausbildung: Handlungskompetenz. Bader, Reinhard/
Anregungen zur Ausdifferenzierung des Begriffs. In: Die Müller, Martina
berufsbildende Schule, Heft 54, S. 176-182 (2002)
Lernfelder gestalten: Vom komplexen Handlungsfeld zur Bader, Reinhard/
didaktisch strukturierten Lernsituation; in: Die berufsbildende Schäfer, Bettina Schule, Heft 50, S. 229-234 (1998)
Durch Schülerrückmeldung den Unterricht verbessern; in: Bastian, Johannes/ Pädagogik, Heft 5, S. 6-9 Combe, Arno/ Langer, Roman (2001)
Neue Methoden im Wirtschaftslehre-Unterricht, Rinteln: Beyen, Wolfgang Merkur-Verlag (2004)
Starke Schüler - Gute Schulen, Wege zu einer neuen Burkard, Christoph/
Arbeitskultur im Unterricht, Berlin: Cornelsen Scriptor Eikenbusch, Gerhard Ekholm, Mats (2003)
Vom Lernfeld zur Lernsituation - Neue Anforderungen an das Busian, Anne/
didaktische Handeln vor dem Hintergrund der Diskussion um Pätzold, Günter
Prozessorientierung; in: Erziehungswissenschaft und Beruf, (2004) Heft 1, S. 3-21
Lernfeldorientierung: Löst dieser neue curriculare Ansatz die Dubs, Rolf
alten Probleme der Lehrpläne und des Unterrichtes an (2000)
Wirtschaftsschulen? In: Lipsmeier, A./Pätzold, G. (Hrsg.): Lernfeldorientierung in Theorie und Praxis, Beiheft 15 zur ZBW, Stuttgart: Franz Steiner Verlag
- IX -Wirtschaft zeitgemäß lehren. Leitfaden für Ewig, Gerd
handlungsorientierte Unterrichtsgestaltung oder: Theorie und (1997)
Praxis oder: Leitfaden für die Unterrichtspraxis, Darmstadt: Winklers-Verlag
Zur Konstruktion von Handlungslernsituationen; in: Halfpap, Hemmert, Helmut
K. (Hrsg.): Unterricht als integriertes Handlungslernen in (1993)
kaufmännischen Schulen, Bd. 1: Absatzwirtschaft, Darmstadt: Winklers-Verlag
Selbst-, Methoden- und Sozialkompetenz; Bausteine für die Heuermann, Alfons/
Sekundarstufe II, Berlin: Cornelsen Scriptor Krützkamp, Marita (2003)
Methoden-Mix: Unterrichtliche Methoden zur Vermittlung Hoffmann, Bärbel/
beruflicher Handlungskompetenz in kaufmännischen Fächern, Langefeld, Ulrich
4. durchges. Aufl., Darmstadt: Winklers-Verlag (2001)
Didaktische Modelle zur Unterrichtsvorbereitung und - Jungkunz,Diethelm/
gestaltung im Rahmen des Lernfeldkonzepts; in: Wirtschaft Rose, Thilo und Erziehung, Heft 5, S. 195-204 (2004)
Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung (S. Klafki, Wolfgang
5-34), in: Roth, H., Blumenthal, A. (Hrsg.): Didaktische (1962)
Analyse. Auswahl Reihe A, Heft 1 - Grundlegende Aufsätze aus der Zeitschrift “Die Deutsche Schule“, Hannover: Schroedel
Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der KMK
Kultusministerkonferenz (KMK) für den berufsbezogenen (2000)
Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe, Bonn, Sekretariat der KMK (1995); Fassung v. 15.09.2000
Lernfelder - Motor didaktischer Innovationen? In: Zeitschrift Kremer, H.-Hugo/
für Wirtschaft und Pädagogik, Heft 26, S. 37-60 Sloane, Peter F.E. (1999)
Lernfelder implementieren - erste Umsetzungserfahrungen Kremer, H.-Hugo/
lernfeldstrukturierter Curricula; in: Lipsmeier, A./Pätzold, G. Sloane, Peter F.E.
(Hrsg.): Lernfeldorientierung in Theorie und Praxis, Beiheft 15 (2000)
zur ZBW, Stuttgart: Franz Steiner Verlag Gestaltung von Lernsituationen: Intention und Umsetzung; in: Kuhlmeier, Werner/ Berufsbildung Heft 79, S. 4-7 Meyser, Johannes (2003)
Didaktische Jahresplanung. Entwicklung. Dokumentation. Landesinstitut für
Umsetzung. Lernsituationen im Mittelpunkt der Schule
Unterrichtsentwicklung in den Fachklassen des dualen (2005) Systems.
http://www.lfs.nrw.de/vero4528.htm
- X -Kreative Bausteine für den kaufmännischen Unterricht, Lindemann, Meike Rinteln: Merkur-Verlag (2000)
Wirtschaft unterrichten, Methodik und Didaktik der Mathes, Claus
Wirtschaftslehre; 3., überarb. und erw. Aufl., Haan-Gruiten: (2004) Verlag Europa-Lehrmittel
Rahmenvorgabe für den Vorbereitungsdienst in Ministerium für
Studienseminar und Schule; RdErl. v. 01. Juli 2004; Schule, Jugend und BASS 20 - 03 Nr. 21, Kinder des Landes
http://www.bildungsportal.nrw.de/BP/Schule/System/Recht/Vo Nordrhein-Westfalen
rschriften/Lehrerausbildung/Rahmenvorgabe_OVP.pdf (2004a)
Lehrplan für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Ministerium für
Notarfachangestellte/r; Stand August 2004,Frechen: Schule, Jugend und Ritterbach Verlag (BASS 15-33 Nr. 77) Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (2004b)
Lehrplan für den Ausbildungsberuf Ministerium für
Rechtsanwaltsfachangestellte/r; Stand August 2004,Frechen: Schule, Jugend und Ritterbach Verlag (BASS 15-33 Nr. 76) Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen (2004c)
Ausbildung im Dialog zwischen Schule und Seminar. Ministerium für
Seminarrahmenkonzept für Studienseminare für das Lehramt Schule und
für die Sekundarstufe II, Frechen: Ritterbach Verlag Weiterbildung (1997)
RdErl. v. 16.09.2009, Schulprogrammarbeit, zu BASS 14-23, Ministerium für
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/schulprogramm/erlass/ Schule und Weiterbildung (2005)
Vom Lernfeld zur Lernsituation: Strukturierungshilfe zur Muster-Wäbs,
Analyse, Planung und Evaluation von Unterricht, Bad Hannelore/ Homburg vor der Höhe: Verlag Gehlen Schneider, Kordula (1999)
Umsetzung des Lernfeldkonzeptes am Beispiel der Muster-Wäbs,
handlungstheoretischen Aneignungsdidaktik; in: BWP Heft 1, Hannelore/ S. 44-49 Schneider, Kordula (2001)
Fächerübergreifender Unterricht, in: Lungershausen, H. Piek, Michael
(Hrsg.): Waren verkaufen lehren, Das Handbuch für die (1995)
Warenverkaufskunde, 2. Aufl., Haan-Gruiten, Verlag Europa- Lehrmittel
- XI -Schulprogramm; Robert-Schuman- verabschiedetauf der Schulkonferenz am 05.11.2003 Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Essen (2003)
Didaktische Jahresplanung; Robert-Schuman- Beschlussder Bildungsgangkonferenz ReNo v. 18.02.2004 Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Essen (2004)
Handlungsorientiertes Lernen in Lernsituationen - Potenziale Rottmann, Joachim
zur Verbindung betrieblichen und berufsschulischen Lernens (2002)
in der kaufmännischen Berufsausbildung; in: Wirtschaft und Erziehung, Heft 7-8, S. 242-249 Lebensstile von Jugendlichen und Umgang mit Geld; Schlegel-Matthies,
Folgerungen für die haushaltsbezogene Bildung, in: Haushalt Kirsten und Bildung, Heft 4, S. 41-48 (2001)
Möglichkeiten der Schuldenpräventation an Schulen, in: Schlegel-Matthies,
Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände Kirsten
(Hrsg.), Verführt + Gekauft = Verschuldet, Armutsbekämpfung (2002)
durch Schuldenprävention, Fachtagung in Köln am 10./11. Juni 2002, S. 63-73
Zur Umsetzung lernfeldstrukturierter Lehrpläne in Nordrhein- SELUBA
Westfalen „Didaktische Jahresplanung“ im Bildungsgang, (2001)
Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.), Modellversuchsinformation Nr. 3, Soest Didaktische Jahresplanung im Bildungsgang: Leitfaden zur SELUBA
Umsetzung von Lehrplänen für die Fachklassen duales (2002)
System, Landesinstitut für Schule (Hrsg.), Werkstattbericht Heft 2; Soest
Lernfelder und Unterrichtsgestaltung; in: Die berufsbildende Sloane, Peter F.E. Schule, Heft 52, S. 79-85 (2000)
Theorie und Praxis des Wirtschaftslehreunterrichts, 8. Aufl., Speth, Hermann Rinteln: Merkur-Verlag (2004)
- 1 - A.Einführung
I. Beweggründe und Ziele
Der zunehmende Wandel in der Arbeitswelt und innerhalb der Gesellschaft 1 , der sich vor allem auf den Einfluss der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zurückführen lässt, hat viele Arbeitsprozesse grundlegend verändert und die Komplexität der Arbeitstätigkeiten zunehmen lassen. Diese veränderten Arbeitsbedingungen führen zu veränderten Anforderungen an die Berufsausbildung, die heute nicht in erster Linie auf einen Arbeitsplatz vorbereitet, sondern die Voraussetzungen für einen Berufsweg schafft. Im berufsschulischen Bereich wurde in diesem Zusammenhang das Konzept der sog. Schlüsselqualifikationen 2 diskutiert, welches sich didaktisch-methodisch in dem Prinzip der Handlungsorientierung 3 verdichtete. Dem bestehenden Berufsbildungssystem wurde vorgeworfen, dass es bezogen auf einen bestimmten Anwendungskontext, zu viel träges Wissen vermittle und zu wenig Übungen und Anwendungen erfolgen, wodurch die Lernenden Schwierigkeiten haben, dass in einem bestimmten Lernkontext erworbene Wissen zu dekontextualisieren und auf neue Problemsituationen zu übertragen. 4
Aufgrund dieser neuen Intentionen müssen in der schulischen und betrieblichen Berufsbildung andere Methoden praktiziert werden. Handlungsorientierte Methoden zielen dabei auf Lebens- und Arbeitssituationen ab, so dass die Lernenden ihr erworbenes Wissen und Können in praktischen Handlungs-und
Problemzusammenhängen aktivieren. Somit müssen starke Lernumgebungen geschaffen werden, die eine angemessene Problemhaftigkeit und Komplexität beinhalten und die Handlungskompetenz fördern. Die unterrichtliche Umsetzung kann in diesem Zusammenhang durch Lernsituationen erfolgen, die intentionale und didaktische Lehr-Lern-Arrangements sind. Der Sinn der Anwendung des Situationsprinzips im Unterricht besteht insbesondere darin, durch den Bezug zu einem konkreten Anwendungsfall praktikable Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben. Darüber hinaus soll ein höherer Motivationsgrad bei den Lernenden erzeugt werden,
1 Anstelle klassischer Werte wie Pflichterfüllung, Treue und Fleiß sind Kreativität, Selbstständigkeit und Abwechselungsreichtum als neue Anspruchskategorien getreten, vgl. Lindemann 2000, S. 16.
2 Schlüsselqualifikationen werden als berufs- und funktionsübergreifende Qualifikationen für die Bewältigung zukünftiger Aufgaben verstanden, vgl. Hoffmann/Langefeld 2001, S. 7.
3 Unter „Handeln“ wird dabei nach Aebli 1980, S. 19f. ein zielgerichtetes, planvolles, geistig gesteuertes Tun verstanden. Die vollständige Handlung umfasst die Phasen Informieren - Planen - Entscheiden -Ausführen - Kontrollieren - Bewerten, vgl. Lindemann 2000, S. 27.
4 Vgl. Jungkunz/Rose 2004, S. 195; Dubs 2000, S. 16; Beyen 2004, S. 96f.
- 2 -indem die Sinnhaftigkeit des Lehrgegenstandes durch den Anwendungsbezug unmittelbar deutlich wird und subjektive Erfahrungen der Lernenden einfließen können. 5
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung, Durchführung und Evaluation einer Lernsituation für die Ausbildungsberufe Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r und Rechtsanwaltsfachangestellte/r am Robert-Schuman-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Essen. Der Schwerpunkt der Lernsituation liegt auf einer Förderung ausgewählter Aspekte der Humankompetenz der Schüler. 6 Um gültige Aussagen über die Zielerreichung treffen zu können, wird im Verlauf der Arbeit der oben genannte Förderungsschwerpunkt hinsichtlich seines Erreichungsgrades bei den Schülern beschrieben. Humankompetenz lässt sich als „die Fähigkeit und Bereitschaft, als Individuum die Entwicklungschancen und Einschränkungen in Beruf, Familie und öffentlichem Leben zu durchdenken und zu beurteilen, eigene Begabungen zu entfalten sowie Lebenspläne zu fassen und fortzuentwickeln“ definieren. 7 Darüber hinaus sollen personale Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortungs-und
Pflichtbewusstsein angeeignet werden. 8 Eine so verstandene Humankompetenz vereinigt kognitive und affektive Lernfähigkeiten. Sie zu schulen ist Teil des in den Schulgesetzen aller Bundesländer formulierten Auftrags der Persönlichkeitsbildung in der Oberstufe. Da es sich um ein langfristig angelegtes Ziel handelt, wird es in der Schulzeit nicht in allen Fällen zu überprüfen sein, sondern sich erst später in außerschulischen (Lern-)Situationen oder im Studium und Beruf zeigen. Ziel der vorliegenden Lernsituation soll es sein, die Schüler in den genannten personalen Eigenschaften zu stärken und einen Beitrag zum Erwachsenwerden der Lehrenden zu leisten. Zudem soll eine verstärkte Vernetzung des Wissens bei den Schülern gefördert werden, indem Aspekte aus unterschiedlichen Unterrichtsfächern in einem Themengebiet zusammengeführt und von den Schülern erarbeitet werden.
5 Vgl. Kuhlmeyer/Meyser 2003, S. 5.
6 Aufgaben, die schwerpunktmäßig die Förderung der Humankompetenz der Lernenden bezwecken, sind in den Unterrichtsmaterialien blau schattiert und umrandet. Die Bearbeitung dieser soll durch die Lehrperson besonders beobachtet und gegebenenfalls kommentiert werden.
7 MSJK 2004: Lehrplan für den Ausbildungsberuf Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r und ..Lehrplan für den Ausbildungsberuf Rechtsanwaltsfachangestellte/r, S. 12.
8 Vgl. Bader/Müller 2002, S. 180.
- 3 -Die Lernsituation “Fit for life“ soll damit einen Beitrag zur Präzisierung des Lernfeld-Konzeptes auf der Unterrichtsebene darstellen, indem sie ein für die Schüler bedeutsames und aktuelles Thema in der Unterrichtsmethode des Tagesfalls abbildet.
Dabei stehen die Lehrerfunktionen “Evaluieren, Innovieren und Kooperieren“ und “Erziehen“ im Vordergrund. 9
Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Schule als Lern- und Lebensraum gewinnt die Funktion “Erziehen“ konstitutive Bedeutung. Die Schüler 10 sollen durch erziehenden Unterricht in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und in der Entwicklung von Handlungskompetenz gefördert werden. Zudem soll Schule und Unterricht dazu dienen, den Schülern Wertebewusstsein zu vermitteln und Orientierung zu geben.
Innovierendes Handeln im schulischen und pädagogischen Kontext bezieht sich in erster Stelle auf die Fähigkeit, die Schule als pädagogische Institution gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln. Dies verlangt von den Lehrpersonen die Fähigkeit zur Kooperation in den zentralen Funktionen. Diesem Bild von der Schule und dem Lehrerberuf wird das gegenwärtig vorherrschende Verständnis der Lehrerrolle gerecht. Unterrichten und Erziehen erfordern einen kontinuierlichen Rückkoppelungsprozess. So können u.a. die Ergebnisse von internen Evaluationen für die Unterrichts- und Schulentwicklung genutzt werden.
Die Lehrerfunktionen “Unterrichten“ (Kapitel C.III.), “Organisieren und Verwalten“ (Kapitel D.I.), sowie “Leistung messen und beurteilen“ (Kapitel D.III.1) werden im Laufe der Arbeit angesprochen, stehen aber nicht im Fokus der Betrachtung.
9 Gemäß Rahmenvorgabe für den Vorbereitungsdienst in Studienseminar und Schule: RdErl. des MSJK v. 01. Juli 2004; vgl. auch MSW 1997.
10 Zur Vereinfachung des Leseflusses sind mit der Bezeichnung Schüler im laufenden Text Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gemeint; auch alle weiteren Personenbezeichnungen werden im Folgenden geschlechtsneutral verwendet.
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Arndt Slabihoud, 2005, Fit for life - Haushaltsgründung junger Erwachsener - ein Tagesfall zur Förderung ausgewählter Aspekte der Humankompetenz mittels konkreter Ansätze in handlungsorientierten Materialien im Bildungsgang für Rechtsberufe, München, GRIN Verlag GmbH
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