Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzung 1
2. Textkritik am Beispiel von Mt 8,25
2.1. Äußere Bezeugung 2
2.2. Innere Bezeugung und abschließendes textkritisches Urteil 2-3
3. Textanalyse Mt 8,23-27
3.1. Abgrenzung des Textes 3
3.2. Kontextstellung 3
3.3. Textaufbau 4-5
4. Literarkritik
4.1. Allgemeines 5-6
4.2. Synoptischer Vergleich (Mt 8,23-27 Mk 4,35-41 Lk 8,22-25) 6-7
5. Gattungsbestimmung 8
6. Einzelexegese 8-14
7. Zusammenfassung 14-17
8. Literaturverzeichnis 17-18
II
1. Übersetzung
23 Και εµβαντι αυτω εις το πλοιον ηκολουθησαν αυτω οι µαθηται αυτου.
Und als er in das Boot einsteigt, folgten ihm seine Jünger nach.
24 και ιδου σεισµος µεγας εγενετο εν τη θαλασση, ωστε το πλοιον καλυπτεσθαι
υπο των κυµατων, αυτος δε ακαθευδεν.
Und siehe, ein heftiger Sturm entstand auf dem Meer, so dass das Boot
bedeckt wurde (wörtl.= wird) von den Wellen, er aber schlief.
25 και προσελθοντος ηγειραν αυτον λεγοντες κυριε, σωσον, απολλυµεθα.
Und nachdem sie herangekommen waren, weckten sie ihn auf und sprachen
(wörtl.= sprechen): „Herr, bewahre uns vor dem Tode, wir sterben.“
26 και λεγει αυτοις Τι δειλοι εστε, ολιγοπιστοι; Τοτε εγερθεις επετιµησεν τοις α
νε− µοις και τη θαλασση, και εγενετο γαληνη µεγαλη.
Und er spricht zu ihnen: „Was seid ihr furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ Darauf
stand er auf, bedrohte die Winde und das Meer, und es entstand eine große
Stille.
27 οι δε ανθρωποι εθαυµασαν λεγοντες ποταπος εστιν ουτος οτι και οι ανεµοι
και η θαλασσα αυτω υπακουουσιν;
Die Menschen aber erstaunten und sprachen (wörtl.= sprechen): „Was ist er für
einer, dass sogar die Winde und das Meer auf ihn hören?“
1
2. Textkritik am Beispiel von Mt 8,25
2.1. Äußere Bezeugung
Eine Zufügung οι µαθηται lesen die zweite Hand des Codex Ephraemi rescriptus (C 2 ), die Majuskel L, die Minuskelfamilie f 13 , der Mehrheitstext, der Altlateiner h und der Kirchenvater Eusebius.
Eine Zufügung οι µαθηται αυτου lesen die erste Hand des Codex Ephraemi rescriptus (C*), die Majuskeln W und Θ, die Minuskelfamilie f 1 , die Minuskel 1424 und andere, die Altlateiner b g1 (q), die Vulgata Clementia, die gesamte syrische und die mittelägyptische Überlieferung. Den vorliegenden Text ohne Zufügung bezeugen der Codex Sinaiticus (a) und Codex Vaticanus (B), die Minuskeln 33 (wie es scheint, aber keine sichere Lesart) und 892, die Lektionare 844 und 2211, altlateinische und Vulgata Handschriften, die sahidische und die bohairische Überlieferung.
2.2. Innere Bezeugung und abschließendes textkritisches Urteil:
Die erste Lesart οι µαθηται kommt wegen ihrer relativ geringen äußeren Bezeugung als ursprüngliche Lesart meines Erachtens nicht in Betracht. Dagegen sind die beiden anderen Lesarten relativ gleichwertig, denn die Lesart οι µαθηται αυτου wird von einer ganzen Reihe Zeugen vertreten, für die Variante des vorliegenden Textes nach Nestle-Aland 27 spricht wiederum die Bezeugung wichtiger Handschriften wie Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus, beide aus dem 4. Jahrhundert und damit die ältesten hier genannten Zeugen. Bei der Lesart οι µαθηται αυτου handelt es sich zweifelsfrei um die längste Lesart. Da diese Variante sehr wahrscheinlich später als Erklärung hinzugefügt wurde, lässt sich hier die Regel „lectio brevior lectio potior“ anwenden. Das lässt sich einmal damit begründen, dass bereits zwei Verse zuvor in 8,23 erwähnt wird, dass die Jünger (nämlich οι µαθηται αυτου) Jesus auf das Boot nachfolgten. Es ist also dem Leser bereits bekannt und er kann sich in 8,25 aus dem Kontext erschließen, dass es die Jünger gewesen sein müssen, die Jesus weckten. Des weiteren spricht für die kürzere Lesart, dass sie durch die ältesten
2
vorliegenden Zeugen vertreten wird und sich daher die Zufügung οι µαθηται αυτου daraus entwickelt hat.
Meines Erachtens stellt also die vorliegende Lesart von Nestle-Aland 27 die ursprüngliche dar. Die Fakten bezüglich des Kontextes und des Alters der Handschriften sprechen dafür, dass sowohl οι µαθηται als auch οι µαθηται αυτου eine jeweilige Zufügung darstellen.
3. Textanalyse Mt 8, 23-27
3.1. Abgrenzung des Textes
Das 8. Kapitel des Matthäusevangeliums ist vor allem durch Wundergeschichten geprägt. Das Rettungswunder von der Stillung des Sturmes folgt auf die Nachfolgeworte Jesu in Mt 8,18-22 als Nachfolgegeschichte. Sie wird durch και εµβαντι αυτω markiert und weist auf eine neue Handlung hin. Inhaltlich bezieht sich der Beginn der Perikope auf Mt 8,18, wo Jesus befiehlt, ans andere Ufer des Sees zu fahren. Die Nachfolgeworte Jesu 8,19-22 bilden somit einen Einschub. Der folgende Vers 28a και ελθοντος αυτου εις το περαν bezieht sich auch noch auf die Sturmstillungsgeschichte, da hier das Ziel der Überfahrt genannt ist.
3.2. Kontextstellung
Dem 8. Kapitel des Matthäusevangeliums geht die Bergpredigt voraus (Mt 5-7), in der im Sinne des Evangelisten die Lehre Jesu repräsentiert wird. Die darauf folgenden Wundergeschichten zeigen die Taten Jesu als Beweis seiner Vollmacht. Auf drei Heilungswunder folgen die Worte von dem Ernst der Nachfolge, nach denen wiederum das Wunder von der Sturmstellung gestellt ist. Hierauf folgen erneut zwei Heilungswunder. Es fällt somit auf, dass es sich bei der Perikope Mt 8,23-27 um das einzigste Natur- bzw. Rettungswunder handelt. Inhaltlich ist hierbei wichtig, dass es um den „Kleinglauben“ der Jünger Jesu und um mangelndes Vertrauen in die Vollmacht Jesu geht.
3
3.3. Textaufbau
Die Einleitung in Vers 23 besteht aus einer kurzen Situationsangabe. Jesus und seine Jünger steigen in ein Boot, um an das andere Ufer zu gelangen, wie es bereits in Mt 8,18 angekündigt worden ist (εκελευσεν απελθειν εις το περαν). Die Einleitung enthält nur das allernötigste Material. 1 Die Jünger werden erwähnt als die später „zu Rettenden“. Sie bilden das Subjekt des Verses und sind damit die tragenden Gestalten der Wundergeschichte. Die Erwähnung des Bootes bildet die Voraussetzung für eine Seegeschichte. Jesus selbst wird nur indirekt erwähnt. Er stellt das Ziel der Jünger in Ihrer Nachfolge dar und wird nur im Personalpronomen genannt, namentlich tritt er dagegen in Vers 22 im unmittelbaren Kontext auf.
Die Notsituation wird ziemlich ausschweifend dargestellt und bildet den Auftakt des eigentlichen Rettungswunders. Diese Notsituation lässt sich in einen äußeren und einen inneren Bereich aufteilen. 2 Die äußere Notlage erweist sich im naturellen Bereich aufgrund der Bedrohung durch die Elemente Wasser und Wind, die innere Notlage entsteht infolge des Schlafens Jesu, das ein Entziehen des Wundertäters darstellt (V.24c). 3
In Vers 25 folgt die Bitte der Jünger um Rettung und in Vers 26 der Jüngertadel durch Jesus. Beides bildet als „Kurzdialog“ das Zentrum der Wundergeschichte. Die Beseitigung der Notsituation erfolgt im eigentlichen Rettungsakt. Auch hier wieder auf personaler und natureller Ebene: Die Gefahr wird durch das Bedrohen der Elemente seitens des Wundertäters beseitigt (V.26b) und die Elemente kommen zum Schweigen als Reaktion auf den Wunderakt (V.26c). Hierbei fällt auf, dass die Schilderung des Wunders selbst sehr knapp gehalten ist, nachdem zuvor ein besonderes Augenmerk auf die enormen Naturgewalten gelegt wurde.
Das Ende der Perikope bildet Vers 27 mit dem Chorschluss. Er rundet die Sturmstillungserzählung ab. Im Gegensatz zum Beginn der Erzählung sind hier jedoch οι ανθρωποι statt der Jünger als Subjekt eingeführt.
1 Vgl. R. Kratz, Rettungswunder, S. 221
2 Vgl. ebd., S. 222
3 Vgl. ebd.
4
Arbeit zitieren:
Christine Hoppe, 2005, Exegese Mt 8,23-27 (Das Rettungswunder von der Stillung des Sturmes), München, GRIN Verlag GmbH
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