Gliederung Seite
1. Einleitung 3
2. Begriffsbestimmung 5
2.1 Hilfe im alltäglichen Sprachgebrauch 5
2.2 Hilfe aus rein altruistischer Sicht 5
2.3 Hilfe aus systemtheoretischer Sicht 6
3. Probleme und Paradoxien von Hilfeprozessen 6
3.1 Welche Hilfe ist die Richtige? 6
3.2 Hilfe als Form der Verdrängung eigener Probleme 7
3.3 Hilfe als individuelle Nutzenmaximierung 8
3.4 Weitere Paradoxien und potenzielle Probleme von Hilfeprozessen 9
3.5 Institutionelle Hilfe als Vergrößerung der Abhängigkeit 9
3.6 Hilfe als unerwünschte Maßnahme 11
3.7 Qualität, Kosten und Standardisierung von Hilfeprozessen 12
3.8 Hilfeprozesse aus der Sicht von Organisationen 17
3.9 Hilfeprozesse als Entmoralisierung 17
3.10 Hilfeprozesse als Ware verbunden mit einem Rechtsanspruch 18
3.11 Zusammenfassung und Ausblick 20
4. Literaturverzeichnis 23
2
1. Einleitung
Der Begriff „Hilfe“ stellt ohne Zweifel einen der am häufigsten verwendeten Begriffe im Bereich der Sozialen Arbeit, bzw. der Sozialpädagogik dar. Darüber hinaus existiert er in mehreren Kontexten, wie z.B. Helfen auf der interpersonalen Ebene („jemandem der sich verfahren hat den richtigen Weg zeigen“) oder aufgrund sozialer Bindungen („guten Bekannten beim Umziehen helfen“).
Auf der politischen Ebene findet sich Hilfe in Form von Entwicklungshilfe - wie auch länderübergreifend bei Organisationen, die Patenschaften mit Kindern aus der Dritten Welt vermitteln. Schließlich sind noch Formen institutioneller Hilfe („Jugendhilfe“) und Handlungen aufgrund besonderer Situationen („Nothilfe“ oder „Erste Hilfe“) in diesem Zusammenhang relevant (Gängler, 2001).
„Der Alltag des sozialen Lebens ist seit je bestimmt durch Hilfe und Unterstützung in Situationen der Not und ihrer Bewältigung. Man weiß sich - im Kontext der Generationen ebenso wie im Wissen um die Wechselfälle des Lebens - aufeinander verwiesen in Verwandtschaft, Nachbarschaft, Gemeinde oder Kirche“ (Thiersch, 2001, S. 1247).
Hilfe stellt also eine Urform menschlichen Handelns dar und ist eng mit dem gesellschaftlichen Handeln verknüpft.
„Hilfe ist wie ihr Gegenteil Kampf eine Grundform des Verhaltens der Menschen zueinander. Wie es in der Wirklichkeit des menschlichen Zusammenlebens von jeher Kampf gegeben hat und immer wieder geben wird - er braucht sich ja nicht immer in der Form des Krieges abzuspielen -, so ist auch ohne Hilfe, ohne positives Zusammenwirken von Menschen, die gegenseitige Hilfe, menschliches Zusammenleben überhaupt nicht denkbar“(Scherpner, 1974, S.122).
Bereits im Lukas-Evangelium des Neuen Testaments wird die Hilfe charakterisiert durch das Gleichnis des barmherzigen Samariters. In diesem Fall beschränkt sich die Hilfe allerdings auf die direkte Verminderung des Leids, das der Andere erfährt - die näheren Umstände, die zu dieser Situation geführt haben, werden nicht berücksichtigt (Thiersch, 2001). Erst gegen Ende des Mittelalters entwickel te n sich neue Formen des Umgangs mit Hilfebedürftigen, die nun auch die Berücksichtigung ihrer Lebensumstände mit einbezogen. So gab es zwei Klassen von Hilfebedürftigen, deren Zugehörigkeit davon abhing, ob man durch eigene Schuld oder schuldlos in die gegenwärtige Notsituation geraten war. Ihnen
3
wurde es nahe gelegt, zu arbeiten, um nicht ausschließlich auf Almosen und Gaben angewiesen zu sein und für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können. Dieses Verständnis hatte erhebliche Auswirkungen auf den Geist und das Denken im Zusammenhang mit der Armenfürsorge und den Arbeitshäusern. Die Hilfebedürftigen waren religiösen und moralischen „Predigten“ ausgesetzt, mussten entwürdigende Kontrollen und Anpassungszwänge über sich ergehen lassen und schließlich wurde von ihnen erwartet, dass sie sich bescheiden, dankbar und demütig zeigten. Diese Praxis erstreckte sich bis in das vorherige Jahrhundert hinein (Thiersch, 2001).
Aber im Laufe des vorherigen Jahrhunderts wandelte sich das Verständnis von Fürsorge und Hilfe und führte zum Gedanken der Solidarität. Solidarität war in Verbänden, Vereinen, Parteien und anderen Zusammenschlüssen zu finden und erstreckte sich auf diejenigen, die der gleichen Not ausgesetzt waren.
Im Gegensatz dazu blieb jedoch derjenige ausgeschlossen, der der Fähigkeit zur gegenseitigen Hilfe entbehrte und somit von spezielle n Hilfeleistungen abhängig war (Thiersch, 2001). In der modernen heutigen Gesellschaft sind Hilfe und Fürsorge vergesellschaftlicht. Es hat eine Institutionalisierung und eine Standardisierung von Hilfe stattgefunden. Hilfe ist mittlerweile nicht selten mit einem rechtlichen Anspruch verbunden und wird von komplexen, arbeitsteilig organisierten Institutionen praktiziert. Dankbarkeit und Demut sind nicht mehr unabdingbar mit der Inanspruchnahme von Hilfe gekoppelt; Solidarität erstreckt sich nunmehr auf die ganze Gesellschaft. Hilfe ist zu einem Beruf geworden (Thiersch, 2001).
„Nicht mehr der Samariter, sondern der Wirt, bei dem der Samariter den unter die Räuber gefallenen zur Pflege lässt, wird Leitbild der Sozialen Arbeit; der Wirt, der bezahlt wird und Hilfe als Beruf praktiziert, ist Prototyp moderner Hilfe und Unterstützung“ (Thiersch, 2001, S. 1250).
Es gibt zwei Extreme von Hilfe, die in diesem Zusammenhang zu finden sind. Hierbei handelt es sich zum einen um die rein altruistisch geprägte selbstlose Hilfe, die ausschließlich das Ziel des Wohlergehens eines anderen Menschen verfolgt und sogar soweit gehen kann, eigene persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen - bis hin zur Gefährdung für Leib und Leben. Zum anderen kann Hilfe auch mit der egoistischen Sichtweise verbunden sein , den eigenen individuellen Nutzen zu maximieren (Volz, 2001).
Aufgrund dieser besonderen Rahmenbedingungen in der modernen Gesellschaft, kann es bei gegenwärtigen Hilfeprozessen nicht selten zu Widersprüchen und Problemen kommen, die die ich im Folgenden nun genauer betrachten möchte.
4
2. Begriffsbestimmung
Der Begriff der Hilfe weist einen sehr umfangrei chen Bedeutungshorizont auf, der sich von spontanem oder geplantem Handeln im Alltag zur uneigennützigen Unterstützung einer anderen Person, über ambulante, stationäre und institutionelle Hilfe, bis hin zu Sozialleistungen, auf der Basis eines Rechtsanspruchs (Jugendhilfe, Sozialhilfe) erstrecken kann. Daher begegnet man unterschiedlichen Definitionen, die sich hinsichtlich ihrer Perspektive voneinander unterscheiden.
2.1 Hilfe im alltäglichen Sprachgebrauch
Das Wort Hilfe bezeichnet in der Umgangssprache ein altrui stisches, dass heißt selbstloses oder uneigennütziges Verhalten und meint die Unterstützung einer anderen Person ohne Gegenleistung.
Diese Unterstützung bezieht sich auf die Kompensation der unzureichenden materiellen oder auch immateriellen Ressourcen auf Seiten des Akteurs, dem zu helfen ist, unter der Voraussetzung, dass zwischen Helfer und zu Helfendem wenigstens eine geringe Übereinstimmung über die Zielvorstellungen des Helfenden, für die seine vorhandenen Ressourcen nicht ausreichend sind, besteht (Schefold, 2004).
2.2 Hilfe aus rein altruistischer Sicht
Das Hauptaugenmerk der altruistisch geprägten Hilfe liegt darin, dass man ausschließlich auf das Wohlergehen eines anderen Menschen bedacht ist. Diese Zielvorstellung kann auch mit der Bereitschaft verbunden sein, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, die im Extremfall bis zu einer Beeinträchtigung der eigenen Gesundheit führen können. Man kann also von Altruismus sprechen,
„- wenn die Handlung A`s [als der potentielle Helfer] freiwillig ausgeführt wurde (und nicht etwa aufgrund von Rollenvorschriften, wie sie für einen Sozialarbeiter oder Mediziner gelten) - wenn A`s Handlung für B [als Empfänger der Hilfe] eine Wohltat darstellt, die keinen Dritten in unzumutbarer Weise schädigt
5
- wenn B eine konkrete Person oder Personengruppe ist (nicht eine anonyme Organisation, wie z.B. eine GmbH)
- wenn A die Intention hat, B zu helfen“ (Bierhoff, 1980, S. 18).
2.3 Hilfe aus systemtheoretischer Sicht
Nach Talcott Parsons ist Hilfe als Reaktion auf ein abweichendes Verhalten zu verstehen, die zugleich das Ziel verfolgt, die Angst auf Seiten des Beobachters zu reduzieren. In diesem Fall ist die Solidarität mehr als soziale Kontrolle zu verstehen, die die abweichende Person dazu bringen soll, sich in einen Zustand zu bringen, der Hilfeleistungen nicht mehr erforderlich macht (Baecker, 2001).
3. Probleme und Paradoxien von Hilfeprozessen
Probleme und Paradoxien können im Prinzip auf allen bisher geschilderten Ebenen, auf denen Hilfeprozesse ablaufen, entstehen. Zum Teil können diese Probleme und Paradoxien - aus soziologischer Sicht - als nicht intendierte Handlungsfolgen bezeichnet werden, aber in einigen Fällen werden sie durchaus einkalkuliert und in Kauf genommen.
3.1 Welche Hilfe ist die Richtige ?
Wenn ich einem anderen Menschen helfen möchte, kommt es darauf an, dass ihm damit auch wirklich geholfen wird. Ich muss mich in den Menschen hineinversetzen können, muss verstehen, was ihn bewegt und seinen Bedürfnissen auf die Spur kommen. Des Weiteren habe ich mir die Frage zu stellen, ob er meine Hilfe akzeptieren wird. Ich darf mich nicht anmaßen, ohne Einbeziehung des Adressaten zu entscheiden, welche Form und welcher Umfang von Hilfe für den Adressaten in Frage kommt („Ich weiss, was das beste für dich ist“).
Im Zusammenhang mit der Entwicklung des geeigneten Hilfeprozesses werden auch oft die Begriffe „Empathie“, „Sozialkompetenz“ und „Emotionale Intelligenz“ genannt. Und in der Tat können einige Eigenschaften, die mit diesen Begriffen verbunden sind, von entscheidender Bedeutung sein, w enn ich einem anderen Menschen helfen möchte, da
6
Arbeit zitieren:
Christoph Stockert, 2005, Probleme und Paradoxien von Hilfeprozessen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Biografische Fall- und Milieurekonstruktion
Das Konzept des biografisch-na...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Wie gehen die Fachkräfte im Jugendamt mit dem Struktuproblme von Hilfe...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Ausgebrannt, zunehmende Belastungen der Mitarbeiter/-innen in Pflege- ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 168 Seiten
Die Logotherapie und Existenzanalyse Viktor Emil Frankls
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 24 Seiten
Biografiearbeit als sinnvolles Handlungsinstrument in der Sozialen Arb...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Männlichkeit und Gewalt - Konzepte für die Jungenarbeit
Soziologie - Kinder und Jugend
Hausarbeit, 21 Seiten
Jugend und Gewalt. Jugendliche Täter - Jugendliche Opfer
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 19 Seiten
Maßnahmen zur Re-Integration arbeitsloser Problemgruppen in den ersten...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Magisterarbeit, 128 Seiten
Gewalt gegen Kinder – Vernachlässigung als eine Form der Kindeswohlgef...
Interventionsmöglichkeiten der...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 103 Seiten
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: Probleme und Paradoxien von Hilfeprozessen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christoph Stockert hat den Text Probleme und Paradoxien von Hilfeprozessen veröffentlicht
Christoph Stockert hat einen neuen Text hochgeladen
116 neue Denk- und Knobelspiel...
Henry Ernest Dudeney, Jens Knipp, Kai Kilian
Paradoxien in der Reform der Schule
Ergebnisse qualitativer Sozial...
Georg Breidenstein, Fritz Schütze
0 Kommentare