Inhaltsangabe
1. Einleitung
2. Zum Begriff „Digitale Spaltung“
3. Die Digitale Spaltung in Deutschland
3.1. Onliner
3.2. Intender
3.3. Offliner
4. Weitere Ursachen der Digitalen Spaltung -
Motive und Gründe für die Nutzung und Nichtnutzung des Internets
5. Konsequenzen und Aussichten
6. Verzeichnis der verwendeten Literatur
1
E i n e P a r t i e z w i s c h e n O n l i n e r n , O f f l i n e r n u n d I n t e n d e r n -D i e D i g i t a l e S p a l t u n g i n D e u t s c h l a n d
1. Einleitung
In dieser vorliegenden Arbeit soll sich mit dem weltweiten und länderübergreifenden Phänomen der „Digitalen Spaltung“ befasst werden - der Spaltung der Gesellschaft hinsichtlich der Internetnutzung in Nichtnutzende und Nutzende. Dabei sollen die typischen Charakteristiken und Eigenschaften der durch die digitale Spaltung gebildeten und hervorgerufenen Gruppen, wie auch Ursachen, die dieser Problematik zugrunde liegen, näher betrachtet werden. Außerdem soll ein Augenmerk auch auf den Auswirkungen sowohl für die Gesellschaft selbst, als auch für Politik und Wirtschaft liegen. Dies alles soll am Beispiel Deutschlands behandelt und verdeutlicht werden.
2. Zum Begriff „Digitale Spaltung“
Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informations- bis hin zur Wissensgesellschaft und den damit verbundenen Umgestaltungen der Strukturen in Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt der Gesellschaft, gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung. 1 Dabei nimmt die digitale Spaltung das Problem zum Gegenstand, dass sich in der Gesellschaft zwischen den einzelnen Gruppen der Internetnutzer und besonders der Nichtnutzer Ungleichheiten und Differenzen herausbilden und stark vergrößern. Diese immer weiter wachsenden „Klüfte“ stellen sich auf verschiedenartigen Ebenen dar: neben Unterschieden hinsichtlich des Alters, des Geschlechts und der Bildung werden ebenso Unterschiede bezüglich des Einkommens und der Wohnregion der Nutzer und Nichtnutzer deutlich. Doch abgesehen von soziodemographischen Merkmalen werden die Internetnutzerschaft wie auch die -Nichtnutzerschaft in jüngsten Studien verstärkt auch durch psychographische Eigenschaften voneinander unterschieden. Dies geschieht zunehmend mit Hilfe sogenannter Sinus-Milieus oder auch im Rahmen semiometrischer Methoden, wobei grundlegend versucht wird, die disperse Masse der Nutzer und Nichtnutzer in kleinere, mehr oder weniger homogene Gruppen entsprechend beispielsweise ihrer Wertorientierungen zu untergliedern und
1 Kubicek, Herbert/Stefan Welling: Vor einer digitalen Spaltung in Deutschland? Annäherung an
ein verdecktes Problem von wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Brisanz. In: Medien- und
Kommunikationswissenschaft. 48.Jg. (2000), H. 4, S. 497. (im Folgenden: Kubicek/Welling)
2
voneinander abzugrenzen. 2 Dass es sich jedoch bei der radikalen Benennung der digitalen Spaltung teilweise mehr um einen „Slogan als eine Bezeichnung für ein wissenschaftlich beschreibbares Phänomen“ handelt, soll hier außerdem deutlich gemacht werden. 3
3. Die Digitale Spaltung in Deutschland
Auch in Deutschland ist man sich über das Problem der digitalen Spaltung bewusst geworden ist. Man begann auch hierzulande vermehrt Versuche zu unternehmen, die digitale Spaltung im Grunde erst einmal zu identifizieren und dementsprechend weiter zu erforschen. Dies geschah zumindest in den Anfängen am Vorbild anderer Länder, in denen die Diffusion des Internets unter der Bevölkerung bereits wesentlich weiter vorangeschritten ist, wie zum Beispiel in Schweden oder auch in den USA, wo die Internetdurchdringung oder Penetrationsrate in Bezug auf die Gesamtbevölkerung und deren Zugang zum Internet bei etwa 42 % der Haushalte liegt. 4 Nunmehr werden zahlreiche verschiedene Erhebungen und Studien mit entsprechend unterschiedlichen Vorgehensweisen, Methoden, Grundgesamtheiten sowie beabsichtigten
Erkenntnisschwerpunkten durchgeführt. Hierbei wäre wiederum auf die beiden bereits erwähnten Vorgehen zu verweisen: zum einen die, die sich im Rahmen ihrer Forschungen lediglich auf soziodemographische Merkmale der Befragten stützen, und zum anderen solche Untersuchungen, die auch spezifische Persönlichkeitsmerkmale, also psychographische Eigenschaften der Befragten in ihre Analysen miteinbeziehen. Das vermag zwar Aussagen über die Struktur, Motive und Eigenschaften der Nutzer und Nichtnutzer zu treffen, jedoch werden ein Auseinanderdriften der diversen Nutzer- und Nichtnutzergruppen bzw. die angesprochenen „Klüfte“ zwischen den Gruppen damit noch nicht direkt deutlich. Durch teilweise bloße Datenpräsentation und Vergleiche von Analyseergebnissen hinsichtlich der Veränderungen gegenüber vorangegangenen Jahren und Erhebungen ist die digitale Spaltung in ihrem Wesen außerdem nur verhältnismäßig
2 Fritz, Irina/Maria Gerhards/Walter Klingler: Das Internet im Kontext der Medien. Stellenwert,
Entwicklung und soziale Differenzierung. In: Gunnar Roters/Oliver Turecek/Walter Klingler
(Hrsg.). Digitale Spaltung. Informationsgesellschaft im neuen Jahrtausend - Trends und
Entwicklungen. Berlin 2003, S. 31f. (im folgenden: Fritz/Gerhards/Klingler) sowie TNS EMNID
eMind@emnid (Hrsg.): (N)ONLINER Atlas 2002. Eine Topographie des digitalen
Grabens durch Deutschland. Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen, Motive,
Sonderteil eGovernment. Hamburg 2002, S. 20f und S. 40f. (im folgenden: TNS EMNID)
3 Kubicek/Welling, S. 500.
3
abstrakt vorstellbar. Mit Hilfe einer von Kubicek und Welling angestellten Sekundäranalyse soll im Folgenden zumindest ansatzweise erklärt werden, wie man die digitale Spaltung überhaupt abbilden könnte und sichtbar machen kann. Dies soll bezüglich der altersbedingten Differenz, stellvertretend für andere Unterschiedsebenen, im Rahmen der Internetnutzung durchgeführt werden. Kubicek und Welling stützen sich bei ihrem Versuch, die digitale Spaltung abzubilden, auf Daten aus der Markt- und Publikumsforschung, genauer gesagt auf Ergebnisse der ARD/ZDF-Online-Studie sowie des GfK-Online-Monitors, und gehen in ihren Ausführungen am Vorbild einer in den USA entwickelten und angewendeten Methode vor. 5 Betrachtet man zunächst die Internetnutzerschaft entsprechend ihrer Klassifizierung in bestimmten Altersgruppen, 6 so wird deutlich, dass in den Jahren 1997 bis 1999 beispielsweise der Anteil der 14-19-Jährigen von 7 % auf 13 % sowie der Anteil der 50-59-Jährigen sogar von 8 % auf 14 % gestiegen ist, was als eine Dezimierung des Altersabstandes zwischen diesen beiden genannten Gruppen gesehen werden könnte, wobei die 50-59-Jährigen sogar einen größeren Teil der Internetnutzerschaft ausmachen als die jüngere Altersgruppe. 7 Doch es reicht nicht aus, sich lediglich auf die Altersstruktur der Internetnutzer allein zu beziehen. Berücksichtigt man demgegenüber die Tatsache, dass es in Deutschland gemessen an der Gesamtbevölkerung einen wesentlich höheren Anteil an älteren Menschen gibt, im Gegensatz zu jüngeren Bürgern, so macht es Sinn, die Altersgruppen nicht nur in Bezug auf die Internetnutzung zu untersuchen, sondern ebenso ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung zu prüfen und in die Analysen mit einzubeziehen. 8 Nach der GfK wird demzufolge deutlich, dass der Anteil der beispielsweise 14-19-Jährigen an der Internetnutzerschaft „wesentlich höher ist als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung“ und es bei den Altersgruppen der 50-59-Jährigen bzw. der 60-69-Jährigen genau entgegengesetzt der Fall ist. 9 Um sich also ein Bild von der digitalen Spaltung machen zu können ist es hilfreich, die Wahrscheinlichkeit zu berücksichtigen, „in einer bestimmten Altersgruppe einen Internetnutzer zu finden“. 10
4 Ebd., S. 502, S. 498 (nach INRA 2000).
5 Ebd., S. 502, 504f.
6 Die Altersgruppen sind mittlerweile standardisiert auf folgende Einteilungen: 14-19, 20-29, 30-39,
40-49, 50-59 sowie ab 60 (bzw. 60-69 und ab 70) Jahre.
7 Kubicek/Welling, S. 503.
8 Ebd.
9 Ebd.
10 Ebd., S. 504-505.
4
Dabei lässt sich festhalten, dass diese Wahrscheinlichkeiten zumindest bei den genannten Altersgruppen unterschiedlich hoch sind und sich ebenso unterschiedlich verändern. Während sie bei den über 60-Jährigen von 0,2 % auf 4,4 % gestiegen ist (1997-2000), ist sie bei der jüngsten Altersgruppe von 6,3 auf 48,5 % angestiegen. 11 Betrachtet man nun diese prozentualen Unterschiede und stellt sie auch noch graphisch dar, so erkennt man recht deutlich, wie sich verschiedene Gruppen der Internetnutzer, ganz zu schweigen von den Nichtnutzern, immer mehr voneinander abgrenzen und auseinander entwickeln. Wie bereits erklärt, soll diese Abbildung der Kluft oder des „digitalen Grabens“ bezüglich der Internetnutzung nach Alter stellvertretend für andere Unterschiedsebenen stehen. 12 Tendenziell lassen sich ähnliche Entwicklungen hinsichtlich der Internetnutzung nach Bildung feststellen und auch die Internetnutzung nach Geschlecht weist entsprechende Tendenzen auf, wobei hier allerdings aufgrund höherer Zuwachsraten bei den Frauen als bei den Männern, beispielsweise im Vergleich 2001 und 2002 bei der Internetnutzung gesagt werden kann, dass sich bestehende Differenzen aufheben werden. 13 Auch wenn sich gegenüber 2001 und 2002 im Jahre 2003 der Abstand zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Internetnutzung wieder etwas vergrößert hat, 14 kann für die letztendlich gleiche Repräsentation beider Geschlechter in der Internetlandschaft die Tatsache herangezogen werden, dass Frauen nicht zuletzt aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung auf lange Sicht einen immer weiter steigenden Anteil vor allem in den höheren Altersklassen ausmachen könnten. 15
Da an dieser Stelle geklärt wäre, was denn nun die digitale Spaltung an sich ausmacht, wie sie sich darstellt und auch darstellen lässt, sollen im Folgenden die wesentlichen Gruppen näher betrachtet werden, die sich bezüglich der Internetnutzung voneinander differenzieren lassen: zum einen sind das die Onliner, also die Internetnutzer, die so genannten Intender, Nichtnutzer die jedoch beabsichtigen, das Internet zu nutzen bzw. angeben, das Internet nutzen zu wollen sowie die Offliner oder Nichtnutzer.
11 Ebd., S. 505.
12 TNS EMNID 2002, S. 1.
13 TNS EMNID 2002 sowie Kubicek/Welling, S. 506.
14 TNS EMNID (N)ONLINER Atlas 2003.
15 Kubicek/Welling, S. 506 sowie TNS EMNID 2002, S.10.
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Arbeit zitieren:
Matthias Groß, 2003, Eine Partie zwischen Onlinern, Intendern und Offlinern - Gleichzeitig eine digitale Spaltung in Deutschland?, München, GRIN Verlag GmbH
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